Nie barfuß auf dem Hotelteppich! Pilotin und Content-Creatorin Anna im Interview

Schon als Kind wollte Anna Schimitzek fliegen. Kein Wunder, sie kennt das Leben von klein auf, sind doch ihre Eltern ebenfalls in der Luftfahrt tätig. Nach einer Zeit als Flugbegleiterin ist sie heute Pilotin bei Lufthansa City Airlines. Ihren Flugalltag und Hintergrundwissen aus dem Cockpit teilt sie mit ihren Followern als @allaroundbyanna bei Instagram und gemeinsam mit Piloten-Kollegin Julia im Podcast „The Cockpit Diaries“.
Im Interview mit Merian verrät sie ihren liebsten Moment beim Fliegen und von welchem Reiseziel sie noch träumt.
Merian: Welches Souvenir überlebt jeden Umzug?
Anna: Meine Mama ist Flugbegleiterin, als Kind habe ich sie mal auf einem Flug nach Hongkong begleitet und dort von ihr eine Winkekatze bekommen. Die überlebt jeden Umzug.
Welche Spezialität ist eine Reise wert?
Die Hawker Centre in Singapur. Die Vielfalt an Essen, das man probieren kann, ist toll und es ist schön, mit den Einheimischen an einem Tisch zu sitzen und kurz in deren Alltag dabei zu sein.
Was packst du immer ein und benutzt es dann doch nicht?
Hohe Schuhe.
Travel Essentials, ohne die du nicht das Haus verlässt?
Noise-Canceling-Kopfhörer und meine Reiseapotheke – man weiß ja nie. Und was ich immer dabei habe, auch wenn ich dafür oft belächelt werde: meine Hausschuhe. Ich kann es nicht ab, auf Socken – oder noch schlimmer: barfuß – auf Hotel-Teppichboden zu laufen.
Ich erschließe mir einen neuen Ort durch …
Google Maps. Manchmal verliere ich mich richtig darin, einfach über die Karte zu scrollen, mir Spots anzuschauen, die Bewertungen durchzulesen, die Fotos anzugucken. Das ist meine Art der Reiseplanung.
Hast du einen Lieblings-Layover-Stop?
Auf der Kurzstrecke mag ich die innerdeutschen Layover. Das klingt langweilig, aber das gibt mir die Möglichkeit, Freunde und Familie zu treffen. Meine Schwester wohnt in Hamburg, das fühlt sich immer an wie ein kleiner Kurzurlaub.
Welcher Song ruft bei dir sofort Reiserinnerungen hervor?
„Empire State of Mind“ von Jay-Z und Alicia Keys. Wenn ich das höre, habe ich immer Lust, mich direkt in den Flieger nach New York zu setzen.
Welche Orte suchst du unterwegs immer auf und welche meidest du?
Ich meide Touri-Hotspots, die ich schon tausendmal auf Social Media oder in Reiseführern gesehen habe. Ich gehe lieber in kleine Cafés und Restaurants, Orte an denen ich das Gefühl habe, den Alltag der Locals zu erleben. Und ich mag Aussichtspunkte, von denen man die Stadt oder die Landschaft überblicken kann.
Wovon machst du unterwegs Fotos und an wen schickst du sie?
Ich versuche die Stimmung vor Ort einzufangen oder Sachen zu fotografieren, die typisch sind. In Lissabon war meine Fotogalerie voll mit wunderschönen Kacheln. Die Bilder schicke ich an Freunde und Familie. Und eine kleine Auswahl teile ich mit meiner Community auf Social Media.
„Ich bin selbst mein bester Reisepartner“

Wann bist du auf Reisen noch aufgeregt?
Am Gate, kurz bevor das Boarding endet. Als Mitarbeiterin bei einer Airline kann ich mit sogenannten Standby-Tickets zu Sonderkonditionen reisen. Allerdings nur, wenn noch ein Platz frei ist. Manchmal entscheidet sich das erst, kurz bevor die Flugzeugtüren schließen. Und wenn es nicht klappt, bleibt man den Tag am Flughafen und wartet auf einen freien Platz. Das ist wie „Per Anhalter durch die Galaxis“.
Der beste Reisepartner deines Lebens?
Ich habe festgestellt, dass ich selbst mein bester Reisepartner bin. Ich bin ein People Pleaser und wenn ich alleine unterwegs bin, kann ich mich viel besser auf das konzentrieren, was ich erlebe, statt darauf, ob es der anderen Person gut geht.
Wann hast du dir unterwegs gedacht: Hier könnte ich für immer bleiben?
Noch nie. Ich liebe es, unterwegs zu sein, aber ich komme auch gerne zurück nach Hause.
Deine Strategien für lange Wartezeiten?
Beim Reisen erlebt man so viel, dass ich manchmal bewusst keine Musik höre, sondern die Zeit passieren lasse, das Erlebte reflektiere oder vor der Reise nur die Vorfreude genieße.
„Je mehr man darüber nachdenkt, desto schlimmer wird es“
Wie genau planst du eine Reise, wenn du privat unterwegs bist?
Ich habe in den letzten Jahren keine Reise mehr als zwei Wochen im Voraus geplant. Das gibt mir die Flexibilität, zu schauen, worauf ich spontan Lust habe, ob irgendwo Events stattfinden, an denen ich teilnehmen kann, oder wie das Wetter vor Ort ist. Da kommt mir mein Job aber auch sehr entgegen.
Und wenn das so spontan mal nicht klappt?
Oft entstehen dadurch die besten Reisen. Letztes Jahr wollten wir nach Japan, das war aber so eine Trenddestination, dass es kaum ging, ohne ein festes Ticket zu buchen. Stattdessen sind wir dann zwei Wochen durch China gereist. Es war wunderschön.
Deine Tipps gegen Jetlag?
Man sollte keine Raketenwissenschaft daraus machen. Je mehr man darüber nachdenkt, desto schlimmer wird es. Und es ist wichtig, auf den eigenen Körper zu hören. Wenn man müde ist, kann man sich auch einfach mal eine Stunde hinlegen. Abgesehen davon empfehle ich, sich schnell an den lokalen Rhythmus anzupassen. Licht hilft mir auch immer, und Bewegung.
Erkennt man dich als Tourist oder verschwindest du zwischen den Locals?
Ich versuche immer, mich den Menschen vor Ort so gut wie möglich anzupassen und informiere mich im Voraus: Gibt man Trinkgeld? Wie sagt man Hallo und Tschüss, wie sagt man Danke? Damit erweist man den Menschen vor Ort den nötigen Respekt.
„Alle Sorgen sind auf einmal ganz klein“
Der schönste Ort, an dem du je warst?
Der ist in Kapstadt. Und zwar zum Sonnenuntergang am Maiden’s Cove. Da schaut man auf die Zwölf Apostel und Camps Bay und auf der anderen Seite geht die Sonne unter. Ich habe noch nichts gefunden, was mir so gut gefallen hat.
Was für ein Gepäcktyp bist du?
Ich bin sehr effizient und kann mich eigentlich ganz gut auf das Nötigste beschränken, bis auf Sachen wie meine Hausschuhe und eine Wärmflasche. Ich habe unterwegs gerne Dinge dabei, die mir helfen, mich zu Hause zu fühlen.
Von welchem Reiseziel träumst du noch?
Ich träume jeden einzelnen Tag von Südkorea. Ich war letztes Jahr zum ersten Mal da, die zweite Fernreise, die ich privat ganz allein gemacht habe. Die hat mir einen richtigen Selbstbewusstseins-Push gegeben: Ich kann alles schaffen, wenn ich den Mut habe, loszugehen. Ich möchte nochmal hin.
Dein Lieblingsmoment beim Fliegen?
Wenn man aus dieser grauen Suppe durch die Wolken bricht und auf einmal die Sonne sieht. Dann ist man kurz in seiner eigenen Welt und alle Sorgen, alles, was einen im Alltag beschäftigt, sind auf einmal ganz klein.


