Rio de Janeiro Hotel Copacabana Palace

Orson Welles schmeißt sein Zimmer aus dem Fenster

Im Januar 1943 empfängt das Copacabana Palace hohen Besuch aus Hollywood: Orson Welles, der durch seinen Film "Citizen Kane" im jungen Alter von 26 Jahren schon ein Superstar ist. Für die US-Regierung soll Welles in Rio einen Propaganda-Streifen realisieren, der die Beziehungen zwischen den USA und Brasilien verbessern soll. Ein paar Tage hält Welles sich tatsächlich an diese Vorgaben, dann interessiert ihn eher seine persönliche Stimmungslage. Zahlreiche ausgedehnte Ausflüge ins Rotlichtviertel und massive Trinkgelage später wirft Welles das eigentliche Drehbuch in den Papierkorb. Er möchte jetzt lieber einen Film über die Entstehung des Sambas produzieren - ohne Skript und Konzept dreht er acht Monate lang. Währenddessen erfindet er unter anderem einen Drink namens "Samba in Berlin" (Cola mit Zuckerrohrschnaps) und wankt nicht nur einmal betrunken durch das Copacabana Palace.

Legendärer Höhepunkt der wellesschen Feierwochen: Als seine Freundin, die Schauspielerin Dolores del Rio, ihm am Telefon den Laufpass gibt, schmeißt er vor Wut die gesamte Einrichtung seines Zimmers aus dem Fenster - in den darunter gelegenen Hotel-Pool. Auch Welles' Film fällt ins Wasser. Nachdem das Budget von 500.000 Dollar nahezu aufgebraucht ist und beim Dreh ein Darsteller ertrinkt, zieht das Hollywood-Studio RKO die Notbremse und dreht den Geldhahn ab. Welles bleibt auf den Kosten seines extravaganten Brasilien-Aufenthaltes sitzen. Um die vielen offenen Rechnungen zu bezahlen, muss der Regisseur Teile seines Besitzes verkaufen. Das Filmmaterial verschwindet jahrzehntelang im Giftschrank von RKO. Erst 1993 werden Teile der Aufnahmen in der Dokumentation "It's all true" gezeigt.

Der Bruder des Präsidenten gewinnt beim Roulette - immer

Während in Europa der Zweite Weltkrieg tobt, stürzt sich Rios High Society voll ungetrübten Enthusiasmus ins wilde Nachtleben der Stadt. Zentrum der Vergnügungen: das Casino des Copacabana Palace. Benjamin "Bejo" Vargas entwickelt sich in dieser Zeit zum Alptraum aller Croupiers. Der Bruder des brasilianischen Staatsoberhauptes Getúlio Vargas kommt prinzipiell bewaffnet in das Hotel. Als der Spieler eines Abends hohe Verluste am Roulette-Tisch verzeichnet, legt er demonstrativ seinen Revolver auf den grünen Filz und verkündet lautstark seine nächste Zahl: 17, schwarz. Die Kugel bleibt auf der Neun liegen. Ein Raunen geht durch die Menge. Wutentbrannt greift Bejo nach seiner Waffe. Aber der Croupier ist schneller: "17, schwarz", ruft er geistesgegenwärtig. Der Bruder des Präsidenten verlässt den Tisch als Gewinner, der Hotelangestellte und alle Umstehenden bleiben am Leben.

Ava Gardner weint bittere Tränen um Sinatra

Im September 1954 besucht Schauspielerin Ava Gardner Rio, um den Film "Die barfüßige Gräfin" zu bewerben. Gleich in der ersten Nacht kommt es zum Skandal. Um zwei Uhr morgens fliegt Gardner hochkant aus ihrem Hotel, dem Glória. Die Begründung der Geschäftsführung: Die Diva habe in stark alkoholisiertem Zustand die Einrichtung ihres Zimmers zerlegt. Zeugen erzählen eine andere Variante: Tatsächlich sei Gardner darüber erbost gewesen, dass man sie, die Leinwandgöttin, nicht im ersten Haus am Platz, dem Copacabana Palace, einquartiert habe - sondern nur im Glória! Entsprechend sei das Glória-Management mit dem Rauswurf lediglich einem Image schädigendem Umzug Gardners zuvorgekommen. Wie auch immer: Im Copacabana Palace gewährt man Gardner umgehend Unterkunft. Schnell entpuppt sich die US-Amerikanerin als komplizierter Gast. Dreimal wechselt sie noch am ersten Tag das Zimmer und nervt damit das Personal. Am Abend entspannt sie dann im Midnight Club, wenn auch nur für kurze Zeit. Mehrfach weint Gardner bitterlich, weil sie sich nach kurzer Ehezeit gerade von Frank Sinatra getrennt hat - und weil das Orchester des Clubs sich als wenig rücksichtsvoll erweist. Einige Male intonieren die Musiker an diesem Abend Songs von "Frankie Boy".

Marlene Dietrich verspürt ein dringendes Bedürfnis

1959 tritt Marlene Dietrich als Sängerin im goldenen Saal des Copacabana Palace auf. Mit ihren Allüren macht die Dietrich auch dem letzten Tellerwäscher im Hotel schnell klar, wer hier der Star im Hause ist. Noch am Premierenabend lässt sie die Wände ihrer Garderobe neu streichen, weil das Rosa nicht dem im Vertrag festgelegten Farbton entspricht. Zudem müssen Champagner, Salat, Hühnerfleisch und Mineralwasser für Dietrich aus Paris eingeflogen werden. Bei einem allzu menschlichen Bedürfnis zeigt sich die deutsche Filmgöttin dann jedoch ganz unkompliziert: Kurz vor ihrem ersten Auftritt verlangt Dietrich nach einem mit Sand gefüllten Champagnerkübel. Um eine Erklärung ist sie nicht verlegen: "Mein Kleid ist so eng, damit kann ich unmöglich die 20 Stufen zum Klo hinuntergehen, um dort zu pinkeln."

Kim Novak geht Zsa Zsa Gabor an den Hund

1960 treffen zwei Schönheiten aus Hollywood im Copacabana Palace aufeinander. Zsa Zsa Gabor und Kim Novak sind zum legendären Karnevalsball des Hotels geladen. Zuvor gibt Novak, bekannt aus dem Hitchcock-Film "Vertigo", der Zeitung "Última Hora" ein nicht ohne Folgen bleibendes Interview. Darin schwärmt die Blondine von Fidel Castro und der kubanischen Revolution. In den USA kommt die offene Bewunderung für den Máximo Líder nicht gut an. Novak verscherzt es sich mit den US-Filmstudios, ein Karriereknick folgt. Und damit nicht genug: Während ihres Aufenthalts in Rio verärgert die Schauspielerin auch Zsa Zsa Gabor in Rekordzeit. Novak möchte sich nämlich mit dem stadtbekannten Playboy Jorge Guinle während des Karnevals unters Volk mischen. Um nicht erkannt zu werden, verkleidet sich das Pärchen als Bettler. Für den falschen Schnurrbart von Guinle hat Novak eine ganz besondere Idee. Sie schneidet Gabors Chihuahua ein ordentliches Stück Fell ab und klebt es dem Lebemann als Schnauzer unter die Nase. Zsa Zsa Gabor ist davon alles andere als begeistert.

Gina Lollobrigida feiert mit wohlgeformten Männern

Auch der italienische Filmstar Gina Lollobrigida will sich den Karneval in Rio nicht entgehen lassen. 1967 ist sie Gast des Copacabana Palace. Doch anstatt den zivilisierten Feierlichkeiten im Festsaal des Hotels beizuwohnen, zieht es die Schauspielerin zu einer ganz anderen Karnevalsveranstaltung. Lollobrigida begibt sich ins São José Theater zum Baile dos Enxutos, dem Ball der wohlgeformten Männer. Hier feiert keine Schar von Bodybuildern, sondern die schwule Gemeinde von Rio de Janeiro. Die Menge ist begeistert von ihrem prominenten Besucher. Hunderte von wohlgeformten Männern und Drag-Queens stimmen spontan Sprechchöre für Lollobrigida an: "We want to be Gina!"

Nelson Rockefeller kommt mit dem Leben davon

Im Jahre 1969 geht Nelson Rockefeller auf große Tour durch Lateinamerika. In Rio de Janeiro steigt der Gouverneur des Staates New York und Abgesandte von US-Präsident Richard Nixon selbstverständlich im Copacabana Palace ab. Seine Pressekonferenz möchte der Politiker im Museum für Moderne Kunst abhalten. Dort entgeht Rockefeller dann knapp einem Attentat, dank eines Zufalls haben die Behörden gerade noch rechtzeitig von dem geplanten Anschlag erfahren. Ein paar Stunden vor dem Termin landet der Geschäftsführer des Copacabana Palace, Dario Campos, nämlich bei einem Telefonat in der falschen Leitung und hört dabei ein Gespräch mit, in dem die Worte "Bombe" sowie "Museum" fallen. Umgehend informiert Campos die Polizei. Bei einer Durchsuchung des Museums finden die Beamten tatsächlich einen Sprengkörper. Der Vorfall wird vor der Öffentlichkeit geheim gehalten. Rockefeller bedankt sich später mit einem persönlichen Brief bei seinem Lebensretter Campos.

Alice Cooper vergisst seine Python

1974 wirbelt Schockrocker Alice Cooper mit seiner Entourage wie ein Tornado durch das Copacabana Palace. Nach seinem Konzert in der Maracanãzinho-Halle feiert der Sänger eine legendäre Party in dem Luxushotel. Bis zum Morgengrauen randaliert Cooper, ignoriert sämtliche Beschwerden anderer Gäste. Es ist ein kollektiver Amoklauf im Vollsuff. Vier Suiten gehen zu Bruch, die Hotelflure sind verwüstet. Zwei Tage braucht das Reinigungspersonal allein dafür, den Swimmingpool von Glasscherben und anderem Müll zu säubern. Derweil suchen Sicherheitskräfte panisch nach Coopers Python-Schlange, die herrenlos im Copacabana Palace herumkriecht. Später wird sich herausstellen, dass der Rocker die Würgeschlange zu Hause in den USA vergessen hat - woran er sich zunächst nicht erinnern kann. Zum Dank für all die Aufregung erhält Alice Cooper die bis dato höchste Rechnung für "Extras".

Rod Stewart sieht die Rote Karte

Eigentlich lieben die Brasilianer Fußball, aber die Freude daran kennt auch ihre Grenzen. Das muss auch Rod Stewart feststellen. 1977 fliegt der schottische Popstar aus dem Copacabana Palace, weil er nicht auf dem Strand vor dem Hotel, sondern lieber gleich in der ehrenwerten Präsidentensuite gegen den Ball getreten hat. Ein Bild geht zu Bruch, die Wände müssen neu gestrichen werden. Weiterhin beschweren sich Stewarts Zimmernachbarn über die lautstarke Stadionatmosphäre - Rauswurf. Aber Rod Stewart ist nicht nachtragend. Acht Jahre später möchte er erneut ein Zimmer im Copacabana Palace reservieren. Der Wunsch wird ihm nicht erfüllt. "Alles belegt", heißt es aus Rio de Janeiro.

Madonna kommt Jesus näher

Im Dezember 2008 spielt Madonna ein Konzert im Maracanã Stadion von Rio. Dabei findet die Großmutter aller "It-Girls" auch noch Zeit für ein Fotoshooting des "W"-Modemagazins - und lernt in diesem Zusammenhang das brasilianische Model Jesus Luz kennen. Der gut gebaute junge Mann ist stramme 28 Jahre jünger als die Popdiva. Nachdem beide sich vor der Kamera leichtbekleidet durch Bettlaken geräkelt haben, findet Madonna Gefallen an Jesus. Sie lädt ihn zusammen mit Freunden zum privaten Dinner in ihre Luxussuite im Copacabana Palace ein. Weiße Gewänder, Kerzenlicht und der traumhafte Blick hinaus auf den Atlantik tun ihr Übriges. Madonna freut sich über ein neues Spielzeug und die Weltpresse über neue Schlagzeilen.

Tom Cruise zeigt Mut zur Lücke

Im Februar 2009 offenbart Schauspieler Tom Cruise bei seinem Aufenthalt im Copacabana Palace erhebliche Wissenslücken. Der Hollywood-Star ist - in Begleitung von Ehefrau Katie Holmes und Tochter Suri - nach Rio gekommen, um Werbung für seinen anlaufenden Stauffenberg-Film "Operation Walküre" ("Valkyrie") zu machen. Sehr zur Belustigung lokaler Reporter begrüßt und verabschiedet er sie lächelnd mit "Hola" und "Gracias". Anscheinend hat niemand "TC" gesagt, dass die Landessprache Brasiliens nicht Spanisch, sondern Portugiesisch ist. Auch die Kultur Lateinamerikas ist für den US-Amerikaner ein großes Ganzes. In einem Interview schwärmt er von seiner großen Liebe zu Brasilien. Diese sei in ihm insbesondere durch Filme über Samba und Tango geweckt worden. Der Tango ist der Nationaltanz von Brasiliens ungeliebten Nachbarn aus Argentinien.

Autor:
Denis Krah