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Natur

Vulkane: Infos und Tipps rund um Arten, Ausbrüche und Vulkaninseln

Ob Ätna, Teide, Kilauea oder Pinatubo: Vulkane lösen eine enorme Faszination aus. Dabei können einige von ihnen noch immer sehr gefährlich werden. Spannende Fakten über Vulkane erfahren Sie im Folgenden.

Text Milena Härich
Datum 06.09.2023

Zerstörerische Vulkanausbrüche wie der des indonesischen Krakatau im Jahr 1883 sind längst in die Geschichte eingegangen, aber auch im 21. Jahrhundert kommt es immer wieder zu Eruptionen, die die Bevölkerung in Atem halten. Erst 2021 spie die Vulkankette Cumbre Vieja auf La Palma drei Monate lang Lava aus, im gleichen Jahr brach der hawaiianische Kilauea erneut aus. Auch der Ausbruch des Eyjafjallajökull im Jahr 2010 sorgte weltweit für Aufsehen – schließlich legte er den nordeuropäischen Flugverkehr still.

Doch was verstehen wir eigentlich unter Vulkanen? Wie viele aktive Krater gibt es noch – und wo finden sich die meisten Vulkane der Welt? Das erfahren Sie im Folgenden.

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Was genau ist ein Vulkan?

Vulkan Bromo in Indonesien, Sonnenaufgang © iStock/joakimbkk
Hier zu sehen: der Vulkan Bromo auf der indonesischen Insel Java.

Die Erde besteht aus mehreren Schichten. Über dem Erdmantel und dem Erdkern liegt die sogenannte Erdkruste. Durch die Plattentektonik kann es passieren, dass sich verschiedene Platten voneinander entfernen oder überlagen – die Erdkruste wird an dieser Stelle instabil und Magma, geschmolzenes Gestein aus dem Erdinneren, tritt an die Oberfläche. Jede Stelle an der Erdoberfläche, aus der Lava – geschmolzenes Gestein aus dem Inneren der Erde – austritt, ist ein Vulkan. Dabei spielt es keine Rolle, ob ein typischer Vulkankegel vorhanden ist oder ein kilometerlanger Riss in der Erdoberfläche.

Vulkanarten im Überblick: Schild-, Schicht- und Spaltenvulkane

Vulkan Yellowstone im gleichnamigen Nationalpark © iStock/Ingus Kruklitis
Hier zu sehen: die Grand Prismatic Spring im Yellowstone-Nationalpark. Der Vulkan befindet sich unter der Erde.

Es gibt zahlreiche verschiedene Vulkanarten – zum einen aufgrund der unterschiedlichen Eruptionsverhalten. Bei manchen Vulkanen lässt sich ein explosionsartiger Austritt der Lava beobachten, bei anderen eher ein ruhiges Verhalten, bei dem die Lava viel langsamer ausfließt. Zum anderen bestimmt die Zähflüssigkeit der austretenden Lava maßgeblich das Bild des Vulkans – und somit seine Bezeichnung. Wir stellen Ihnen die wichtigsten Vulkanarten vor.

Schildvulkane 

Schildvulkane sind eher flach, haben aber eine große Gesamtfläche. Die Lava ist sehr dünn und formt den Vulkankegel nach und nach, indem sich verschiedene Schichten überlagern. Schildvulkane verdanken ihren Namen ihrer Form; ein berühmtes Beispiel ist zum Beispiel der Kilauea auf Hawaii. Erst im Juni 2023 brach der zweitgrößte Vulkan Hawaiis erneut aus.

Schichtvulkane

Bei einem Schicht- oder Stratovulkan ist die austretende Lava viel zähflüssiger, weshalb der Vulkankegel aus sich überlagernden Lava- und Ascheschichten höher wird als beim Schildvulkan. Die Massen aus Lava, Asche und anderen Eruptionsprodukten schichten sich übereinander und bilden einen Berg mit einer steilen Neigung von mehr als 30 Grad. Dadurch hat ein Schichtvulkan eine kegelähnliche Form. Beispiele für Schicht- oder Stratovulkane sind zum Beispiel der Mayon auf den Philippinen oder der sizilianische Ätna.

Spaltenvulkane

Der Laki im Südosten Islands ist das wohl prominenteste Beispiel für einen Spaltenvulkan. Bei dieser Vulkanart tritt die Lava aus einem großen Riss in der Erdoberfläche aus, der mehrere Kilometer lang sein kann. Hier ist die Lava sehr dünnflüssig.

Tafelvulkane

Tafelvulkane haben eine breite, aber flache Oberfläche. Sie entstehen beim Austritt von Lava durch einen Gletscher oder einen Eisschild. Die Wände dieser Vulkane sind meist stark erodiert und sehr steil. Der Brown Bluff in der Antarktis ist ein Tafelvulkan.

Caldera

„Caldera“ ist ein spanisches Wort und bedeutet übersetzt so viel wie „Kessel“. Auch hier ist die Form des Vulkans also namensgebend. Eine Caldera entsteht, wenn sich bei einem Vulkanausbruch ein großer Teil der Magmakammer leert, woraufhin der Vulkan in sich zusammenfällt und diesen kesselförmigen Krater hinterlässt. Eine Caldera ist zum Beispiel im Yellowstone-Nationalpark in den USA zu finden. Auch auf La Palma und Santorini gibt es jeweils eine Caldera, um die sich Wanderwege schlängeln. Häufig füllt sich der übrig gebliebene Kessel später mit Wasser.

Übrigens: Entwickelt sich innerhalb einer Caldera ein jüngerer Vulkan, nennt man diesen Somma-Vulkan.

Maare

Durch Wasserdampfexplosionen entstehen Maare, die in ihrer Form der Caldera sehr ähnlich sind. Die Mulden füllen sich meistens über die Zeit mit Regen oder Grundwasser und sehen dann aus wie kleine Seen. Ein beeindruckendes Beispiel für Maare bietet die Landschaft der Vulkaneifel.

Übrigens: Neben diesen überirdischen Vulkanformen gibt es auch zahlreiche submarine Vulkane, also Kegel und Krater, die sich unter der Wasseroberfläche befinden. Forschende kennen die Zahl der submarinen Vulkane derzeit noch nicht.

Wo gibt es die meisten Vulkane?

Lanzarote, Küste von El Golfo und Playa El Golfo © Milena Härich
Die Kanareninsel Lanzarote wird maßgeblich von Vulkanlandschaft geprägt.

Tatsächlich gibt es auf der Erde besonders vulkanreiche Regionen. Die meisten Vulkane befinden sich am sogenannten Pazifischen Feuerring: Dieser erstreckt sich von der Westküste Amerikas über Japan bis nach Papua-Neuguinea. Der Pazifische Feuerring liegt überwiegend an der Grenze der tektonischen Pazifikplatte: Die hier aufeinander treffenden Erdplatten fördern Magma zutage und bilden kontinuierlich neue Erdkruste. Ungefähr zwei Drittel aller Vulkanausbrüche weltweit ereignen sich am Pazifischen Feuerring; fast die Hälfte aller existierenden Vulkane liegt hier.

Es gibt neben dem Pazifischen Feuerring aber noch andere Orte, an denen Vulkane konzentriert vorkommen und die nicht an den Grenzen von tektonischen Platten liegen, sondern sich darauf befinden. Sie werden „Hot Spots“ genannt, denn hier finden sich thermische Anomalien und die Wärmekonzentration ist an diesen Orten bei einer Tiefe zwischen 30 und 100 Kilometern besonders hoch. Hot Spots sind zum Beispiel die Kanarischen Inseln, aber auch die Kapverden und die Inselgruppen von Hawaii

Vulkaninseln

Typischerweise findet sich auf Vulkaninseln wie den Kanaren eine hohe Konzentration von Vulkanen – schließlich werden die Archipele durch Vulkanismus maßgeblich geprägt. Als Vulkaninsel bezeichnet man ein Eiland dann, wenn die Landmasse überwiegend aus einem oder mehreren Vulkanen besteht – egal, ob diese noch aktiv sind oder nicht. Zu den Vulkaninseln gehören zum Beispiel folgende:

Wie viele aktive Vulkane gibt es?

Um die Anzahl aktiver Vulkane festzustellen, muss zunächst definiert werden, was „aktiv“ in diesem Zusammenhang genau bedeutet. Denn viele Vulkane sind schon seit Jahrhunderten nicht mehr ausgebrochen, aber durchaus dazu in der Lage. In der Forschung werden als potenziell aktive Vulkane diejenigen verstanden, die in den letzten 10.000 Jahren mindestens einmal ausgebrochen sind. Derzeit sind das rund 1.500 Vulkane. Weil die submarinen Vulkane höchstwahrscheinlich nur zu einem sehr kleinen Teil bekannt sind, gehen Forschende jedoch von viel mehr aktiven Vulkanen aus. 

Vulkanausbrüche: Die Gefahr der Feuerberge

Vulkan Fuego, Guatemala © iStock/Wirestock
Die Stärke eines Vulkanausbruchs wird mit dem Vulkanexplosivitätsindex, kurz VEI, gemessen.

Bei einem Vulkanausbruch gelangt Magma an die Erdoberfläche – und wird somit zu Lava. Die Hauptverursacher hierfür sind Gasblasen, die sich innerhalb der Magmakammer bilden und das Magma an die Oberfläche drücken. Jährlich gibt es weltweit rund 50 bis 70 Vulkanausbrüche

Aktive Vulkane bergen grundsätzlich immer die Gefahr einer Eruption. Nicht alle Vulkane befinden sich aber in einem Umfeld, in dem die austretende Lava direkt Schaden anrichtet. Und nicht alle Kegel und Krater speien in derselben Intensität Feuer. Der sogenannte Vulkanexplosivitätsindex, kurz VEI, misst die Stärke eines Vulkanausbruchs auf einer Skala von 0 bis 10. Für den VEI ist insbesondere relevant, wie viel Material ausgestoßen wird und wie hoch die Ausbruchswolke ist. 

Was waren die größten Vulkanausbrüche?

Pinatubo auf den Philippinen und Kratersee © IMAGO/Pond5 Images
Der Pinatubo auf den Philippinen mit seinem Kratersee

Von der römischen Zeit über das 19. Jahrhundert bis heute: Schon immer gab es verheerende Vulkanausbrüche, die Opfer forderten. Einer der bekanntesten und doch ältesten Ausbrüche der Geschichte war die Eruption des Vesuv im Jahr 79 n. Chr., der die römische Stadt Pompeji verschüttete und schätzungsweise 2.000 Menschen das Leben kostete. Noch heute ist Pompeji eine Stätte des Gedenkens.

In Indonesien fanden im 19. Jahrhundert zwei zerstörerische Ausbrüche statt: 1815 spie der Tambora Feuer und warf mehr als 100 Kubikmeter Gestein aus. Nicht nur starben bei diesem Vulkanausbruch, der der größte seit dem Beginn der Geschichtsschreibung war, rund 80.000 Menschen, er hatte auch fatale Auswirkungen auf das Klima: Das Jahr 1816 gilt in weiten Teilen von Europa und sogar in Teilen Amerikas als „Jahr ohne Sommer“. Die Menschen litten unter Hungersnöten und Krankheiten.

1883 brach der Krakatau in Indonesien aus – ebenfalls mit fatalen Folgen. Der Vulkanausbruch löste einen Tsunami aus, bei dem rund 36.000 Menschen zu Tode kamen. 

Auch 2010 litt Indonesien nochmals unter einem großen Vulkanausbruch: Die Eruption des Merapi forderte mehr als 300 Menschenleben und begrub über 20 Dörfer unter Schutt und Asche. Etwa 400.000 Personen wurden evakuiert.

Eine folgenreiche Entscheidung wurde 1902 auf der Karibikinsel Martinique gefällt: Weil in den darauffolgenden Tagen Wahlen anstanden, evakuierte man die Menschen rund um den Mount Pelèe zunächst nicht, als dieser ausbrach. Etwa 28.000 Personen starben. 

Auch der Ausbruch des Nevado del Ruiz 1985 in Kolumbien forderte rund 23.000 Opfer. Die Eruption an sich war zwar recht harmlos, doch die Lava und die Asche mischten sich mit schmelzendem Gletschereis – und zerstörten so die Stadt Armero. 

Eine der höchsten je dagewesenen Rauchwolken entstand beim Ausbruch des philippinischen Pinatubo im Jahr 1991; sie war rund 30 Kilometer hoch. Durch den Ausbruch kamen rund 1.000 Personen ums Leben. 

Vulkanausbrüche vorhersagen: Wie hoch ist die Gefahr?

Die meisten Vulkanausbrüche sind für Menschen nicht gefährlich. Jährlich gibt es schließlich rund 50 bis 70 Eruptionen – der Großteil von ihnen wird früh genug antizipiert oder richtet keinen erheblichen Schaden an. Denn viele Eruptionen finden sehr lokal statt – sie sind nur dann gefährlich, wenn sich Menschen in unmittelbarer Umgebung, zum Beispiel am Kraterrand, befinden. Natürlich gibt es auch Vulkanausbrüche, die ganze Städte unter sich begraben und zu weitläufigen Evakuierungen führen – beispielsweise der Ausbruch der Cumbre Vieja 2021 auf La Palma.

Der Forschung gelingt es immer besser, Vulkanausbrüche vorherzusagen insbesondere mithilfe von Seismologie. Darüber hinaus können Infrarotbilder von Satelliten verlässliche Auskünfte darüber geben, wie warm das Innere eines Vulkankegels ist, ob Gase austreten oder Änderungen im Magnetfeld des Vulkans sichtbar sind. In den meisten Fällen können Regionen und deren Regierungen dann rechtzeitig reagieren und ihre Bewohner:innen evakuieren.

Was tun bei Vulkanausbrüchen?

Kein Vulkan gleicht dem anderen – und aktive Vulkane haben grundsätzlich immer das Potenzial, auszubrechen. Bei einem Urlaub in Vulkannähe gilt es, sich schon bei der Ankunft über etwaige Frühsysteme und Evakuierungsmaßnahmen zu informieren. Im Hotel sprechen Sie am besten Mitarbeitende direkt an der Rezeption an. Bei Pauschalreisen steht der Reiseveranstalter Rede und Antwort. Deutsche Individualreisende können auch das Auswärtige Amt in Berlin anrufen, das für Notfälle 24 Stunden am Tag erreichbar ist.  

Sollte tatsächlich ein Vulkanausbruch stattfinden, halten Sie sich beim Ertönen von Frühwarnsystemen immer an die Hotelrezeption oder –, wenn Sie außerhalb unterwegs sind – an die Einheimischen. Eine Flucht auf eigene Faust, zum Beispiel im Auto, ist nicht ratsam. Rettungskräfte vor Ort wissen am besten, was zu tun ist.

Sobald sie evakuiert wurden, sollten Reisende den Gang nach draußen vermeiden. Falls das nicht geht, tragen Sie unbedingt lange Kleidung, Maske – und am besten eine Sonnenbrille. Auch wenn Sie die Vulkanasche und die austretenden Gase nicht sehen: Sie reichen weit und können gesundheitsgefährdend sein.