Gay Travel Index 2026: Das sind die LGBTQ+-freundlichsten Reiseziele

Alljährlich veröffentlicht der Reiseblog Spartacus den sogenannten Gay Travel Index, bei dem mehr als 200 Länder nach ihrer LGBTQ+-Freundlichkeit beurteilt werden. Welche Reiseziele für Mitglieder der queeren Community 2026 hoch im Kurs stehen und wieso – das lesen Sie hier.
Text Milena Härich
Datum03.03.2026

Urlaubsplanung bedeutet für die meisten Menschen vor allem Vorfreude – und einen prüfenden Blick auf Wetter, Infrastruktur und Sicherheitslage. Niemand reist gern in ein Krisengebiet oder an einen Ort, der als unsicher gilt. Doch während für viele die üblichen Hinweise des Auswärtigen Amts genügen, müssen queere Reisende häufig deutlich genauer hinsehen. Für sie geht es nicht nur um politische Stabilität oder Kriminalitätsraten, sondern um ganz grundlegende Fragen von Akzeptanz, rechtlichem Schutz und persönlicher Freiheit. Ist es erlaubt, Hand in Hand zu gehen? Wie steht es um Antidiskriminierungsgesetze? Und welche gesellschaftliche Stimmung herrscht vor Ort?

Fakt ist: Für queere Menschen ist es noch heute an vielen Orten der Welt gefährlich oder schlicht feindselig. Deshalb gibt Spartacus alljährlich den Gay Travel Index heraus, der bei der Entscheidungsfindung helfen soll. Wir geben Ihnen alle Infos für 2026.

Was ist der Gay Travel Index?

Die Regenbogenflagge hat sich mittlerweile weithin als Symbol für die LGBTQ+-Community etabliert.

Der Gay Travel Index ist ein vom Reiseblog Spartacus – International Gay Guide ins Leben gerufenes Rankingsystem, das mehr als 200 Länder auf ihre LGBTQ+-Freundlichkeit untersucht. Dabei werden verschiedene Kategorien bemüht, um sowohl die rechtliche Situation queerer Menschen als auch die alltäglichen Lebensbedingungen vor Ort zu beurteilen. 

Zur LGBTQ+-Community zählen lesbische, schwule und bisexuelle Menschen, aber auch trans Personen, intersexuelle und non-binäre Personen. Mit dem + sollen alle weitere queere Personengruppen inkludiert werden, auch um Intersektionalität zu berücksichtigen. So zählen hierzu selbstverständlich auch trans Menschen, die homosexuell sind.

Gay Travel Index: Diese Neuerungen gibt es 2026

Nepal gehört zu den Gewinnern des Gay Travel Index 2026 – bewegt sich aber dennoch nur auf Platz 32.

Im Jahr 2026 hat der Reiseblog Spartacus insgesamt 216 Länder bewertet. In diesem Jahr wird der Gay Travel Index von Booking.com präsentiert; die Buchungsplattform tritt mit ihrem „Travel Proud Program" an Unterkünfte und Hotels heran und bietet kostenlose Schulungen zum Thema LGBTQ+-freundliche Reisen sowie zu den Schwierigkeiten, denen queere Personen häufig auf Reisen ausgesetzt sind, an.

Zu den deutlichsten Gewinnern im Jahr 2026 zählen Polen und Nepal. Polen rückt von Platz 188 auf Platz 59, unter anderem deshalb, weil sich hier die Rechte von trans Personen, der Schutz vor Unterdrückung durch den Staat und die gesellschaftliche Stimmung in Bezug auf LGBTQ+-Rechte verbessert haben. Nepal rutscht 21 Plätze nach vorne und belegt nun den 32. Platz. Das Land hat mitunter ein neues Self-ID-Verfahren für trans Personen eingerichtet und die gesellschaftliche Toleranz gestärkt. Aber: Beide Länder haben noch vieles aufzuholen, der Gesamteindruck reicht nur fürs Mittelfeld.

Irak, Südsudan und Turkmenistan verlieren am deutlichsten. Grund dafür sind mitunter die zunehmende staatliche Repression und Gewalt gegenüber Mitgliedern der LGBTQ+-Community.

Hinweis: Die USA lag 2024 noch auf dem 41. Platz, 2026 belegt sie den 47. Platz – eine unmittelbare Folge der erneuten Präsidentschaft Donald Trumps, der unter die Rechte von trans Personen immer weiter einschränkt. Mehr zur USA lesen Sie weiter unten.

Das sind die elf LGBTQ+-freundlichsten Länder 2026

In den großen Städten Kanadas – wie hier in Montreal – gibt es alljährlich große Pride-Paraden.

Doch welche Länder landeten 2026 eigentlich auf den ersten Plätzen? Zunächst einmal gibt es einen klaren Gewinner: Während Island sich letztes Jahr noch den ersten Platz teilen musste, steht das Land im hohen Norden dieses Jahr mit einer Gesamtpunktzahl von 14 an der einsamen Spitze. Den zweiten Platz mit jeweils 13 Punkten teilen sich indes Malta und Spanien – wenig überraschend, auch 2025 lagen beide Länder weit vorne, belegten sogar Platz Eins. 

Gleich vier Länder teilen sich den vierten Platz: Belgien, Portugal, Kanada und Deutschland. All diese Reiseländer haben im Ranking 12 Punkte bekommen. In diesem Bereich wurden aber auch die ersten Minuspunkte vergeben: in Deutschland aufgrund feindseliger Einheimischer. Kanada erhält einen Minuspunkt in der Kategorie „HIV Travel Restrictions“, was bedeutet, dass die Einreisebestimmungen queere Menschen, insbesondere schwule Personen, benachteiligen.

Den achten Platz teilen sich Neuseeland, Norwegen und die Schweiz. Sowohl Norwegen als auch die Schweiz bekommen einen Punkt Abzug, weil sie derzeit keinen dritten Geschlechtseintrag in Ausweisdokumenten zulassen.

Gemeinschaftlich auf dem elften Platz landen Australien, Chile, Frankreich und Uruguay. Minuspunkte gab es hier für Australien aufgrund von „HIV Travel Restrictions“, für Frankreich aufgrund der Tatsache, dass hier weiterhin nur „männlich“ oder „weiblich“ im Personalausweis angegeben werden kann. Chile und Uruguay erhalten je einen Minuspunkt, weil Homosexualität hier zwar nicht strafbar ist, aber queere Menschen noch immer vergleichsweise oft ermordet werden. Queerfeindliche Gewalt endet hier also – im Gegensatz zu den vorher genannten Ländern – öfter tödlich. Uruguay wird noch ein Punkt mehr – aufgrund von sehr starkem religiösem Einfluss auf die LGBTQ+-Rechte und die Lebensrealität queerer Personen – abgezogen.

Das zeigt schon, dass selbst die Länder auf den ersten Plätzen deutliche Defizite haben und macht verständlich, wieso queere Reisende ihre Entscheidungen für eine Destination oft viel genauer abwägen müssen. In der Regel sind diese Reiseziele aber sicher für Mitglieder der LGBTQ+-Community. Viele dieser Ziele, zum Beispiel Malta oder Gran Canaria in Spanien, haben auch eine große Community vor Ort, die viele queere Events veranstaltet, welche einen Safe Space darstellen können. 

Gay Travel Index 2026: Diese Länder schneiden besonders schlecht ab

Es gibt einige Länder, die in den zuvor erörterten Kategorien schlecht abschneiden und daher zurecht von queeren Personen gemieden werden. Ab Platz 168 zeichnet Spartacus die jeweiligen Länder in roter Farbe – sie steht dafür, dass die Bedingungen hier schlecht bis alarmierend sind. Auf den allerletzten Plätzen stehen Nigeria, Katar, Russland, Südsudan, Tansania und Turkmenistan (202. Platz), Irak und die Vereinigten Arabischen Emirate (208. Platz), Uganda (210. Platz), Somalia (211. Platz), Tschetschenien, Afghanistan und Saudi-Arabien (212. Platz), Iran (215. Platz) und der Jemen (216. und somit letzter Platz).

Den kompletten Gay Travel Index sowie die Punktevergabe können Sie sich hier herunterladen. 

Besonderheiten beim Gay Travel Index

New York – Stadt und Bundesstaat – gelten als sehr LGBTQ+-freundlich. Das trifft aber lange nicht auf alle US-Bundesstaaten zu.

Wer sich den Gay Travel Index 2026 genauer anschaut, wird erkennen, dass die USA auf dem 47. Platz landet. Hierbei werden alle US-Bundesstaaten als Konglomerat gesehen. Das ist aber schwierig und umstritten, schließlich unterscheiden sich demokratische Staaten wie New York sowohl von Swing States als auch von republikanischen Staaten wie Oklahoma deutlich. 

Deshalb bringt Spartacus immer auch einen separaten Gay Travel Index für die USA heraus. In diesem Bewertungssystem steht der Bundesstaat New York 2026 an erster Stelle, genau wie bereits 2025. Es folgen Kalifornien, Nevada und Washington auf dem zweiten Platz und Colorado, New Jersey, New Mexico und Oregon auf dem fünften Platz. Verbessert haben sich vor allem Rhode Island, Delaware und Michigan dank Antidiskriminierungsgesetzen.

Es gibt aber auch Bundesstaaten, die ihre Gesetzgebung deutlich verschärfen, darunter etwa Idaho. Auf den letzten Plätzen landen indes die Bundesstaaten Arkansas, Oklahoma und Tennessee. Gründe hierfür sind beispielsweise verschiedene Zensurmaßnahmen oder eine eingeschränkte medizinische Versorgung etwa für trans Personen. In einigen US-Bundesstaaten wurde die Option des dritten Geschlechtseintrags im Ausweis bereits komplett eingestellt. 

Generell stehen die USA weiterhin stark unter Beobachtung, denn mit Donald Trumps zweiter Präsidentschaft wurden bereits verschiedene diskriminierende Maßnahmen erlassen – es steht zu befürchten, dass queere Rechte weiter deutlich eingeschränkt werden könnten und die USA im Index weiter abfallen. 

Gay Travel Index: Welche Kategorien spielen eine Rolle?

Die Kategorien für den Gay Travel Index werden stets ergänzt, im Jahr 2026 wurden insgesamt 18 Stück herangezogen. Wichtig sind zum Beispiel folgende Kategorien für die Bewertung:

  • Ist die Ehe für alle erlaubt?
  • Ist Homosexualität per se erlaubt? Steht sie im schlimmsten Fall sogar unter Todesstrafe?
  • Gibt es Verfolgungen aufgrund von Homosexualität?
  • Hat das Land bereits Anti-Diskriminierungsgesetze implementiert?
  • Hat das Land Rechte für trans Personen in seinen Gesetzen verankert?
  • Gibt es die Möglichkeit, ein drittes Geschlecht auf Ausweispapieren eintragen zu lassen?
  • Gibt es noch immer Konversionstherapien?
  • Wie ist die Einstellung der Einheimischen gegenüber queeren Personen?

All diese und weitere Kategorien spielen eine Rolle bei der Beurteilung von mehr als 200 Ländern in puncto LGBTQ+-Freundlichkeit.