Sanssouci © Lukas Spörl
Wohin in Brandenburg

Land der großen Ideen

Königsschlösser, Filmkulissen, Industriedenkmäler: Hier wird nicht gekleckert. TINKA DIPPEL, Redakteurin dieser Ausgabe, war immer wieder überwältigt von Brandenburgs Dimensionen

Text Tinka Dippel
1

Park Sanssouci

Es ist ein Scheinriese: Sanssouci, das Rokoko-Sommerschloss Friedrichs des Großen, erbaut ab 1745. Von Weitem, mit dem in Terrassen angelegten Weinberg, wirkt es imposant. Je näher man kommt, desto kleiner wird es. Mit ihm begann der jahrzehnte- lange Ausbau der heute 300 Hektar großen und mit Kleinoden gespickten Parkanlage – womit wir beim größten Versäumnis wären, das Sie sich hier antun können: nur das Schloss zu besichtigen. Meine Highlights im Park sind die Orangerie und die Friedenskirche.

2

Filmpark Babelsberg

Von Fritz Lang bis Quentin Tarantino: Im Studio in Babelsberg entstehen seit 1912 Filme für die Kinos dieser Welt. Der Park gleich nebenan gibt Einblicke in Kulissen und Techniken, die Touren dort sind angereichert mit Stuntshow, Actionkino und Spielplatz. Und die Geschichte des Studios würde selbst für einen Spielfilm taugen.

www.filmpark-babelsberg.de

3

Holländisches Viertel

Die roten Fassaden des ab 1732 angelegten Quartiers sind ein Touristenmagnet. Gehen Sie aber auch in die Hinterhöfe! Dort entdecken Sie besondere Geschäfte und so manch architektonische Besonderheit. Es lohnt sich, die Tour über die Grenzen des Viertels auszudehnen – auf das Gebiet zwischen Gutenbergstraße und Brandenburger Straße. Hintergründe dazu bietet eine geführte Höfe-Tour.

www.potsdamtourismus.de/touren

4

Beelitz-Heilstätten

Die einstige Lungenheilanstalt liegt in einer Waldlandschaft südlich von Berlin. Nach der Wende verfiel ein Teil der Anlage, nun werden die Geschichte und der Verfall sehr gekonnt in Szene gesetzt. Es lohnt sich, eine Führung mitzumachen. Den besten Überblick bietet der 2015 eröffnete Baumkronenpfad. Und wer Kinder dabei hat: Nehmen Sie sich Zeit für den grandiosen Barfußpark nebenan!

5

Brandenburg an der Havel

Mehr Ufer- und Wasserwege und mehr schöne Kirchen auf so kleinem Raum geht kaum: Brandenburg ist perfekt für ein Wochenende, von Berlin sind Sie mit dem Regionalzug in einer Dreiviertelstunde dort. Die 850 Jahre alte »Wiege der Mark« ist seit der BUGA 2015 aufgehübscht. Seitdem gibt es auch eine liebenswerte Besonderheit: den Waldmops-Rundgang auf den Spuren eines berühmten Sohnes der Stadt, Vicco von Bülow alias Loriot.

6

Spreewald

Wenn Sie jetzt sofort an Gurken und Mücken denken: Ja, gibt es dort in Mengen. Aber beides hat bei mir keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Wohl aber die dichten, verwucherten Wälder, die Moore, die kleinen Seen, die Städtchen. Viele davon sind hübsch, aber auch recht touristisch. Ich war sehr gern in Straupitz und Schlepzig, in beiden geht es etwas ruhiger zu.

7

Prignitz

Elbtalaue © Gerhard Westrich

Fahren Sie auf dem Weg von Hamburg nach Berlin nicht einfach durch. Steigen Sie aufs Fahrrad und entdecken Sie die herbe Schönheit im Nordwesten Brandenburgs! Der Elberadweg und viele ebenso gut ausgebaute Abstecher führen durch historische Schönheiten wie das fast 800 Jahre alte Perleberg. Hübscher Stopp: die »Alte Fischerkate« beim Örtchen Mödlich.

www.dieprignitz.de

8

Neuzelle

Als hätte sie sich aus meiner bayerischen Heimat an die Oder verirrt, so wirkt die barocke Klosterkirche zwischen all den schlichten Backstein-Schönheiten Brandenburgs. Es ist dem Einfluss Böhmens zu verdanken, dass das 1268 gegründete Zisterzienserkloster die Reformation überstand. Besuchen Sie auch den Garten mit Blick nach Polen, die kleine Kirche zum Heiligen Kreuz, das Museum – und die Klosterbrauerei nebenan! Und dann bleiben Sie am besten über Nacht in Neuzelle. Wenn Sie einmal in der Wilden Klosterküche sitzen und vom jungen Koch Manuel Bunke eines seiner großartigen Menüs serviert bekommen, wollen Sie eh nicht mehr weg!

www.wildeklosterkueche.de

9

Besucherbergwerk F60

Museum © Isabela Pacini

Welche Dimensionen der Braunkohleabbau in der Lausitz einmal hatte, wird bei einem Rundgang auf der gigantischen Förderbrücke F60 sehr deutlich. Sie war 1991/92 nur etwas mehr als ein Jahr in Betrieb – es ist ein Glück, dass ihre Sprengung verhindert wurde. Jetzt ist sie ein beeindruckendes Stück Industriegeschichte. Die rund eineinhalbstündige Führung lohnt sich auch mit Kindern.

www.f60.de

10

Fürst-Pückler-Park-Branitz

Das Alterswerk des Fürsten von Pückler-Muskau (1785-1871) ist ein formvollendeter Park. Seine Wasserläufe, die knorrigen Bäume, die Anhöhen: All das wirkt natürlich, ist aber bis zur letzten Sichtachse durchdacht. Was mich am meisten berührt hat: Pückler, der viel gereist ist, hat verschiedenen Religionen in seinem Park Zeichen gesetzt – etwa mit einer Stele mit dem islamischen Halbmond oder mit Davidsternen an einem Brückengeländer.

11

Kunstmuseum Dieselkraftwerk

Museum © Isabela Pacini

Es lohnt sich, vom Park weiterzufahren ins nahe Cottbus – nicht nur, aber schon allein wegen dieses großartigen Hauses, das offiziell Brandenburgisches Landesmuseum für Moderne Kunst heißt und noch einen zweiten Standort in Frankfurt (Oder) hat. Seine backsteinerne Industriearchitektur ist sehr sehenswert, ebenso wie die umfangreiche Sammlung an DDR-Kunst.

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Neuruppin

Ich wage jetzt mal zu behaupten, dass die »Wanderungen durch die Mark Brandenburg« von Theodor Fontane (1819 in Neuruppin geboren) zwar viele Urlauber durchs Land begleiten, dabei aber nicht immer komplett gelesen werden. Fontanes Heimat zu besuchen, sich auf seine Spuren zu begeben und die eine oder andere seiner Beschreibungen vor Ort zur Hand zu nehmen, lohnt sich aber sehr. Neuruppin liegt schön am Nordufer des Ruppiner Sees. Und hat übrigens noch einen weiteren berühmten Sohn: den Architekten Karl Friedrich Schinkel (1781-1841 ).

13

Scharmützelsee

Ich lege Ihnen diesen See, Fontanes märkisches Meer, stellvertretend für die gut 3000 anderen im Land ans Herz und mit dem Zuruf: Gehen Sie in Brandenburg ans, noch besser aufs Wasser! Der Scharmützelsee ist einer der größten, gut erschlossen und steckt voller Möglichkeiten. Meine Familie und ich haben ihn auf unserer Hausboottour ins Herz geschlossen. Schön zum Anlegen ist Wendisch-Rietz ganz im Süden. Und einen grandiosen Blick auf den See hat man vom Restaurant »Das Dorsch« am Jachtclub von Bad Saarow.

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Schiffshebewerk Niederfinoq

Zwei Ingenieurs-Meisterwerke, beide haben dieselbe Funktion, zwischen ihnen liegen aber fast 90 Jahre technische Entwicklung: Das Schiffshebewerk von 1934 ist als ältestes in Deutschland noch in Betrieb. Ab Ende 2020 soll das neue nebenan parallel laufen, später wird es das alte wohl komplett ersetzen. Das Schauspiel, wie Boote über eine 36 Meter hohe Stufe im Oder-Havel-Kanal gehoben werden, wird es also weiter zu sehen geben. Und die gigantische Stahlschönheit als Industriedenkmal stehen bleiben.

www.schiffshebewerk-niederfinow.info

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Tropical Islands

Eine der größten freitragenden Hallen der Welt entstand für den Bau des Lastenluftschiffs »Cargolifter«. Das Projekt floppte, aber die Halle beherbergt nun einen Tropenwald, eine Badelandschaft mit Strand, Rutschen, ein Hotel, einen Campingplatz, Restaurants – und man kann darin sogar mit dem Heißluftballon aufsteigen. Irrsinn? Vielleicht. Aber unsere Kinder wollten nicht wieder weg.

www.tropical-islands.de

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