Die Wiege der Freiheit: 11 Tipps für Boston

Die Hauptstadt des US-Bundesstaats Massachusetts steckt voller Geschichte. Nicht zuletzt aufgrund ihrer Rolle bei der Amerikanischen Revolution und der daraus resultierenden Unabhängigkeitserklärung wird Boston häufig „The Cradle of Liberty“, die Wiege der Freiheit, genannt. Die 675.000-Einwohner-Stadt ist nach wie vor ein Leuchtturm an der Ostküste der USA, mit weltberühmten Universitäten wie dem MIT und Harvard vor der Haustür. Darüber hinaus macht ihre Lage die Metropole attraktiv: Direkt am Atlantik gelegen, bildet die moderne Skyline von Boston einen eindrucksvollen Kontrast zu den vorgelagerten Inseln in der Bucht von Massachusetts.
Hier kommen die elf wichtigsten Tipps für Boston.
Boston Tea Party Ship and Museum

Dieses Museumsschiff liegt direkt am Fort Point Channel, dem Meeresarm, der sich zwischen North End und South End seinen Weg in die Stadt bahnt. Gäste werden auf interaktive Weise in das Geschehen während der Boston Tea Party, einem Schlüsselereignis der Amerikanischen Revolution, eingebunden. Beim Eintritt wird jedem Besucher eine historische Rolle auf den Leib geschrieben. Live-Schauspieler und originalgetreue Nachbildungen von Schiffen aus dem 18. Jahrhundert ergänzen die immersive Erkundungstour. Darüber hinaus hält das Museumsschiff einen Shop sowie den Abigail’s Tea Room, ein Café in historischer Aufmachung, bereit.
Harvard University

Die weltberühmte Universität Harvard befindet sich nicht direkt in Boston, die Übergänge zu Cambridge auf der gegenüberliegenden Seite des Charles River sind jedoch fließend. Die heutige Elite-Uni wurde 1636 gegründet, damit ist sie die älteste Bildungsstätte der USA. Zahlreiche prominente Absolventen sind bereits aus ihr hervorgegangen, darunter Barack Obama.
Der Campus ist für Besucher öffentlich zugänglich, regelmäßig werden geführte Campus-Touren organisiert. Wichtig: Für reguläre Besucher sind in der Regel nur die Außenbereiche des Campus geöffnet. Der Harvard Yard, die weitläufige Grünfläche, sticht als erstes ins Auge, sehr sehenswert sind aber auch die vielen Backsteinbauten, die so charakteristisch für Harvard sind.
John F. Kennedy Presidential Library and Museum

Der US-Bundesstaat Massachusetts ist nicht nur eng mit der Geschichte der USA auf dem Weg zur Unabhängigkeit verbunden, sondern auch mit dem ehemaligen Präsidenten John F. Kennedy (1917-1963). Geboren in der Stadt Brookline in Massachusetts, ist dem einstigen Staatsoberhaupt der USA heute in Boston eine ganze Bibliothek mitsamt Museum gewidmet. Eröffnet wurde die Institution im Jahr 1979. Architekt I. M. Pei zeichnete verantwortlich für das futuristische Monument, das geradlinige geometrische Formen mit einer modernen Glasfassade verbindet.
Das John F. Kennedy Presidential Library and Museum dient heute zum einen als Archiv für Originaldokumente aus der Regierungszeit des 35. Präsidenten der USA. Zum anderen zeichnen die Betreiber das Leben und Wirken von JFK nach, der Zeit seines Lebens zu den beliebtesten Staatsoberhäuptern zählte.. Themen sind unter anderem der Kalte Krieg und die Rolle von Kuba, aber auch seine Ehe mit Jacqueline Kennedy (später Onassis) und das US-Raumfahrtprogramm sowie das Attentat, das im Jahr 1963 auf John F. Kennedy verübt wurde und tödlich endete. Die Ausstellung ist multimedial organisiert und setzt neben Fakten auf starke Emotionen.
Beacon Hill

Was Greenwich Village oder SoHo für New York City sind, das ist Beacon Hill für Boston. Das Viertel gilt als eines der schönsten der Stadt, in direkter Konsequenz aber auch als eines der teuersten. Charakteristisch sind die Reihenhäuser aus Backstein im Federal Style, die kopfsteingepflasterten Gassen, die schwarzen Türen mit goldenen Details sowie die Gaslaternen, die noch heute aktiv genutzt werden. Besonders sehenswert: die Acorn Street, eine der meistfotografierten Straßen der USA. Die Charles Street ist ebenfalls ein Highlight und wird von zahlreichen Cafés, Boutiquen und Bars gesäumt.
Beacon Hill blickt auf eine bewegte Vergangenheit zurück, so wurde das Quartier im 18. und 19. Jahrhundert zu einem zentralen Ankerpunkt der hiesigen Abolitionismus-Bewegung, die sich für die Abschaffung der Sklaverei einsetzte. Das African Meeting House in der Joy Street diente der afroamerikanischen Community als Treffpunkt und zur Verbreitung politischer Reden, heute ist dort das Museum of African American History untergebracht.
Isabella Stewart Gardner Museum

Dieses Ausstellungshaus hat seine Bekanntheit vor allem einem fatalen Ereignis zu verdanken. Im Jahr 1990 fand im Isabella Stewart Gardner Museum einer der größten ungelösten Kunstdiebstähle der Weltgeschichte statt. Zwei als Polizisten verkleidete Räuber verschafften sich damals Zugang zu dem Gebäude und stahlen Kunst im Wert von rund 500 Millionen US-Dollar. Auch 36 Jahre später ist man den Tätern noch nicht auf die Spur gekommen. Die Betreiber des Museums setzen mit den noch heute leeren Bilderrahmen ein Zeichen und suchen noch immer nach den Verantwortlichen.
Das Museum wurde im Jahr 1903 von der Kunstsammlerin Isabella Stewart Gardner gegründet, damals entstand ein vierflügeliges Gebäude im Stil der Neorenaissance. Stewart Gardner hatte in ihrem Testament verfügt, dass die Kunstwerke nach ihrem Tod nicht anders kuratiert oder ersetzt werden dürfen, woran man sich bis heute streng hält. Lediglich ein Anbau wurde ergänzt: 2012 steuerte Renzo Piano den modernen neuen Flügel bei. Insgesamt umfasst das Museum rund 18.000 künstlerische Objekte.
Boston Common und Boston Public Garden

Der Boston Common, der älteste öffentliche Park der USA, und der Public Garden, der gute zwei Jahrhunderte später eröffnet wurde, liegen direkt nebeneinander. Getrennt werden sie lediglich durch die Charles Street, gemeinsam bilden sie das wichtigste Naherholungszentrum der Stadt. Und auch hier lässt sich die Geschichte von Boston und den ganzen USA beinahe atmen – zumindest dann, wenn man weiß, dass im Boston Common schon Reden von Martin Luther King Jr. und Papst Johannes Paul II. gehalten wurden. Das Soldiers and Sailors Monument erinnert indes an die gefallenen Soldaten des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges. Wer einfach nur die Atmosphäre genießen will, kann das zum Beispiel auf dem Frog Pond tun, dem großen Teich, der im Winter zur illustren Eislaufbahn umfunktioniert wird.
Der Boston Public Garden erinnert eher an einen Botanischen Garten, hier finden sich mehr gepflegte, symmetrisch angelegte Beete und saisonale Pflanzen. Das Herzstück dieser Grünanlage ist die Lagune mit ihren typischen Schwanenbooten, die es bereits seit 1877 gibt.
Quincy Market

Der Quincy Market ist das prominenteste Gebäude des Faneuil Hall Marketplace im Zentrum von Boston, das wiederum aus drei Hallen und einer Einkaufspromenade besteht. In den 1820ern Jahren erbaut, um die Kapazitäten der nahegelegenen Faneuil Hall nicht weiter zu erschöpfen, wurde die Halle nach dem damaligen Bürgermeister der Stadt, Josiah Quincy, benannt. Architekt Alexander Parris entwarf das Gebäude im Stil des Greek Revival: Säulen und Giebel schmücken die Markthalle, darüber hinaus eine goldene Kuppel aus Kupfer. Insgesamt ist die Halle mehr als 160 Meter lang.
Kulinarisch ist hier alles geboten, was das Herz begehrt, von klassischer Neuengland-Küche mit Muschelsuppe und Lobster Rolls bis hin zu internationalem Streetfood. Zur Mittagszeit und an Wochenenden ist Quincy Market gut gefüllt, wer es ruhiger mag, weicht auf die Randzeiten aus.
MIT (Massachusetts Institute of Technology)

Genau wie die Harvard University befindet sich auch das MIT (Massachusetts Institute of Technology) in Cambridge. Am besten kombiniert man beide, jede dieser Universitäten hat ihre Besonder- und Eigenheiten. Auch auf dem Campus des MIT ist freies Flanieren für Nicht-Studierende erlaubt.
Bereits im Jahr 1861 gegründet, gehört das MIT heute zu den weltweit führenden Hochschulen und Forschungszentren in den Bereichen Naturwissenschaften und Technik. Zahlreiche spätere Nobelpreisträger und bedeutende Forscher haben ihr Studium am MIT abgeschlossen, etwa Kofi Annan oder Carl Wieman.
Nicht nur das zieht Besucher wie Studierende gleichermaßen an, sondern auch die Architektur. Eines der bekanntesten Gebäude auf dem Campus: der Great Dome (Building 10). Dieses Monument wurde von Welles Bosworth gestaltet; mit dem neoklassizistischen Stil lehnte Bosworth sich deutlich an das Pantheon in Rom an. Ebenfalls sehr sehenswert: das Ray and Maria Stata Center von Frank Gehry, der auch hier seinen charakteristischen Stil mit geschwungenen Linien und fließenden Formen beibehalten hat.
Museum of Fine Arts

Auch Kunstliebhaber und -kenner kommen in der Hauptstadt von Massachusetts auf ihre Kosten, beispielsweise im Museum of Fine Arts im Viertel Fenway. Ursprünglich wurde es 1870 am Copley Square eröffnet. Seit 1909 steht es an der Huntington Avenue. Das Museum of Fine Arts zählt mit seinen mehr als 450.000 Kunstwerken zu den größten Kunstmuseen der Welt. Die Sammlung umfasst diverse Zeitalter, von der Antike über das Mittelalter bis in die Gegenwart. Besonders erwähnenswert: Im Museum of Fine Arts findet sich die größte Sammlung japanischer Kunst außerhalb von Japan – mit rund 100.000 Artefakten.
Das Hauptgebäude im Beaux-Arts-Stil wurde von Guy Lowell entworfen, 2010 kam mit dem Art of the Americas Wing von Norman Foster ein weiterer bedeutender Flügel hinzu. Ebenfalls sehr sehenswert ist der Shapiro Family Courtyard, ein lichtdurchfluteter Innenhof mit Glasüberdachung. Das Ausstellungshaus hält drei Cafés und einen Museumsshop bereit.
Institute of Contemporary Art

Tatsächlich hat auch dieses Ausstellungshaus schon so einige Standortwechsel – und Namensänderungen – hinter sich gebracht, seit 2006 steht das Institute of Contemporary Art direkt am Hafenufer im South Boston Seaport District. Konzipiert von Diller Scofidio + Renfro, ist das heutige Gebäude ein wahrer Hingucker: Ein Teil des Museums ragt über die Uferkante hinaus und scheint über dem Wasser zu schweben, die Fassade besteht aus verschiedensten Paneelen, die alternierend aus Glas und Metall hergestellt wurden und ein modernes, silberfarbenes Monument formen.
Das Institute of Contemporary Art bietet eine Ausstellungsfläche von rund 6.000 Quadratmetern, auf der vorwiegend Kunstwerke aus dem 20. und 21. Jahrhundert präsentiert werden – darunter Gemälde, Skulpturen, Fotografien, Videos und Installationen. Das Haus legt besonderen Wert auf den Mix aus etablierten Kunstschaffenden und Newcomern. Regelmäßig werden Workshops, Panel Talks und andere kulturelle Events im Institut veranstaltet.
Freedom Trail

Eine der wichtigsten und zugleich umfassendsten Sehenswürdigkeiten von Boston ist der Freedom Trail. Wer möglichst viel über die Geschichte der Stadt und der USA erfahren möchte, kommt an dem vier Kilometer langen Spazierweg, der sich vom Stadtpark Boston Common bis zum Bunker Hill Monument erstreckt, nicht vorbei. Insgesamt liegen 16 historisch bedeutsame Orte auf dem Weg, darunter beispielsweise die Park Street Church, das Old State House und das ehemalige Kriegsschiff USS Constitution.
An jeder der 16 Stätten lohnt es sich, anzuhalten und sich näher mit ihrer Geschichte auseinanderzusetzen. Zwei Beispiele: Die Park Street Church aus dem Jahr 1809 war in der Historie von Boston einer der wichtigsten Orte für gesellschaftspolitische Reden, etwa gegen die Sklaverei. Und im Old Corner Bookstore saß einst der Verlag Ticknor and Fields, der für renommierte amerikanische Literatur bekannt wurde und unter anderem Henry David Thoreaus „Walden“ und „Der scharlachrote Buchstabe“ von Nathaniel Hawthorne publizierte.
Hinweis: Der Freedom Trail selbst ist kostenlos begehbar, einige Sehenswürdigkeiten am Wegesrand können jedoch ein Eintrittsgeld erfordern. Hier finden Sie alle Stationen des Freedom Trails.