Die 10 schönsten Botanischen Gärten der Welt

Die ersten Botanischen Gärten sollen die in Pisa und Padua gewesen sein, beide Mitte des 16. Jahrhunderts angelegt, im Falle Paduas heute auf der Liste des UNESCO-Welterbes und damit sozusagen als Ur-botanischer-Garten geadelt. Seitdem sind sowohl die Spektren botanischer Gärten gewachsen als auch ihre Funktionen. Sie bilden natürlich immer auch ihre Umgebung ab, die Böden, auf denen sie nun mal stehen. Sie zeigen aber auch, was es jenseits ihrer vertrauten Verwurzelung so gibt. Sie speichern botanische Möglichkeiten in Form von Samenbanken. Und mal ganz im Hier und Jetzt betrachtet: Sie bereichern das Klima, vor allem in Millionenstädten wie London, lassen die Menschen dort durchatmen.
Und sie wissen inzwischen auch, sich und ihre raren Spezialeffekte in Szene zu setzen. So sind etwa die Glühwürmchen-Nächte im chinesischen Guangzhou das leiseste, feinstaub-ärmste und romantischste Feuerwerk, das man sich vorstellen kann. Und so konzentrieren sich manche Gärten auf das, was sie am besten können: der von Singapur auf tropische Pflanzen wie Orchideen (mehr als 1.000 Arten hat er), die von Marrakesch und Phoenix auf Kakteen, die von Berlin und Boston auf Bäume.
Zehn besonders schöne Botanische Gärten weltweit zeigen wir im Folgenden.
Botanischer Garten Kirstenbosch, Kapstadt

Bereits am Fuß des Tafelbergs kommen Hochgefühle auf: An dessen Ostseite befindet sich der Botanische Garten Kirstenbosch, in dem Südafrikas Pflanzenwelt versammelt ist. Auf zwölf Metern Höhe windet sich die Brücke „The Boomslang“ durch Wipfel, mit bester Aussicht auf Park, Kapstadt und Tafelberg.
South China National Botanical Garden, Guangzhou

An Sommerabenden schwirren Glühwürmchen durch Südchinas Nationalen Botanischen Garten. Bei Tageslicht beeindruckt das 1929 gegründete Schutz-, Schau- und Forschungsareal mit kunstvollen Landschaftsszenerien, etwa einem Palmenwald, der beständig neben einem Laubwald grünt.
Botanicactus, Ses Salines

Botanicactus auf Mallorca ist kein gepflegter Schaugarten, sondern ein weiter Landschaftsraum. Kakteen und Sukkulenten stehen vereinzelt im Licht, der Wind zieht darüber hinweg. Der Garten geht auf eine private Initiative zurück – sein Charakter ist weniger kuratiert als gewachsen.
Botanischer Garten der Ruhr-Universität, Bochum

Manchmal möchte man die Zeit zurückdrehen, in Bochum ist das gelungen: Einen der Freilandbereiche hat man so rekonstruiert, wie Mitteleuropa nach den Dinosauriern und bis vor 2,6 Millionen Jahren war: subtropisch. Die schicken Holzstege gab es damals natürlich nicht.
Jardin Botanique, Montréal

Im Eingangsbereich des Jardin Botanique blüht von Jahr zu Jahr und von Saison zu Saison etwas Neues. Viel Aufwand, auch hinter dem Einlass: Montréal ist keine Wohlfühlzone für Pflanzen, dennoch gedeiht hier vieles aus milderen Lebensräumen. Und im First Nations Garden nur Einheimisches.
Jardim Botânico, Rio de Janeiro

Anders als die meisten Botanischen Gärten entstand jener in Rio de Janeiro nicht aus wissenschaftlicher Neugier, sondern aus politischem Kalkül. Die streng gefasste Palmenallee inszeniert Macht: 1808 verlegte der portugiesische Königshof seine Residenz nach Brasilien und erklärte die Kolonie zum Zentrum des Reiches. Die Avenida das Palmeiras Imperiais markiert diesen Anspruch – und prägt bis heute die Identität des Gartens.
Royal Botanic Gardens, Cranbourne

Kein Grün dominiert diesen Garten, sondern glühende Erde. In weiten Bögen und kreisförmigen Pflanzungen verweist sie auf Australiens Rotes Zentrum. In den Royal Botanic Gardens Cranbourne bei Melbourne wird der Boden selbst zum Thema: Er erzählt von Trockenheit, Hitze und der Anpassungsfähigkeit einheimischer Pflanzen.
Desert Botanical Garden, Phoenix

Die Wüste lebt. Das wissen Generationen von Schülerinnen und Schülern, die im Bio-Unterricht den gleichnamigen Dokumentarfilm von 1953 bestaunen durften. Besucher des 1939 gegründeten, am Stadtzentrum von Phoenix gelegenen und großartig gewachsenen Desert Botanical Garden sind nah am Geschehen – einmal mehr mit der Ausstellung „Desert Pulse“ (bis 10. Mai), die mit modernen Scan- und Bildtechnologien kleinste Details sichtbar macht. Die Wüste atmet, reagiert und fühlt.
Royal Botanical Gardens, Kew, London

Kew Gardens, einst königlicher Park, ab 1759 botanisch geprägt, ist mehr als ein Botanischer Garten: das globale Gedächtnis der Pflanzenwelt. Hier wird nicht gesammelt, sondern bewahrt. Das Temperate House ist als Kontinent aus Glas zu verstehen, der die Abhängigkeit rarer Pflanzen vom Klima zeigt.
Botaniska, Göteborg

Auch Üppigkeit hat hier ihren Platz, berühmt ist Göteborgs Botaniska jedoch für seine Felsengärten. Alpine und nordische Pflanzensammlungen sowie ein 135 Hektar großes Arboretum im angrenzenden Naturreservat machen den Garten zu einem der wichtigsten botanischen Orte Skandinaviens.