Mit Sebastian Ströbel auf Reisen: „Eigentlich bin ich nicht so der Gipfeltyp“

Schauspieler Sebastian Ströbel kennt sich nicht nur als ZDF-„Bergretter“ mit Gipfeln aus. Für eine TV-Dokumentation war er in den Anden von Patagonien und Bolivien unterwegs. Was den 49-Jährigen in neue Höhen und an seine Grenzen brachte – und näher an die eigene Spiritualität, verrät er hier.
Text Merian Redaktion
Datum28.10.2026

In der Merian-Rubrik „Reise meines Lebens“ erzählen Menschen aus Film und Fernsehen, Literatur, Musik, Mode und Sport von Reisen, die sie besonders geprägt haben. Von den Seychellen ohne Tourismus, vom Kaffeeduft in Beirut und von denkwürdigen Sonnenuntergängen in der Mongolei. In dieser Ausgabe erzählt Schauspieler Sebastian Ströbel, bekannt aus der erfolgreichen ZDF-Produktion „Die Bergretter“, von einem Abenteuer in den Anden, von fordernden Gipfeln und Ritualen für die Ewigkeit.

Wir waren schon ein paar Tage in Argentinien und Chile unterwegs, aber eigentlich ging die Reise für mich erst in Bolivien richtig los: Der Flughafen von El Alto liegt auf mehr als 4.000 Meter Höhe. Hier herrschte eine besondere Atmosphäre, das war ein anderes Südamerika, als ich es bisher kannte. Schon nach ein paar Schritten merkst du so weit oben, wie dir die Puste ausgeht. Ich war angespannt, weil ich wusste, dass auf diesem Trip alles ein bisschen rauer werden würde. 

Wir fuhren nach La Paz. Die Stadt flimmerte, alles war voll, bunt, ein unfassbares Gewirr. La Paz ist in einen Talkessel hineingebaut, mit steilen Straßen, unverputzten roten Häusern und darüber die Berge. Die Menschen waren unglaublich herzlich und schienen sich zu freuen, dass wir da waren. Das hat mir sofort viel Druck genommen. 

Sebastian Ströbel in den Anden: „Wir hatten nur diesen einen Versuch“

In der Rolle der „Bergretter“: Markus Brandl, Sebastian Ströbel und Josephin Busch (v.l.)

Unser großes Ziel war der Huayna Potosí, ein mehr als 6.000 Meter hoher Berg. Für mich war er wie der Schicksalsberg in „Der Herr der Ringe“. Er gilt als Einsteigerberg unter den Sechstausendern. Aber 6.000 Meter sind 6.000 Meter. Unser Team war recht bergerfahren, aber so hoch war keiner von uns zuvor gewesen. Dazu hatten wir nur drei Tage und kaum Zeit, uns zu akklimatisieren. Nebenbei mussten wir ja auch noch drehen. 

Wir trafen die Anden-Bergretter und lernten, wie sie dort arbeiten. Es gibt beispielsweise keinen Rettungshubschrauber, wie man ihn aus den Alpen kennt. Wenn dort etwas passiert, bist du erst einmal auf dich und die Menschen um dich herum angewiesen. Im Ernstfall bedeutet das: Jemand muss dich zu Fuß hinunterbringen. 

Vom Basiscamp gingen wir zunächst auf den Gletscher und machten eine Bergrettungsübung. Dabei merkte ich: Ich bin topfit. Ich kam gut hoch, auch mit Steigeisen und Pickel. Das hat mich erleichtert. Gleichzeitig wurde das Wetter immer schlechter, und wir hatten nur diesen einen Versuch. Eigentlich bin ich gar nicht so der Gipfeltyp. Aber nun wollte ich nicht mehr zurück, dachte: Jetzt will ich den Scheiß auch hinkriegen. Ich will auf diesen Drecksberg! 

„Die Traditionen und Rituale der Menschen sind sehr lebendig.“

Im Höhenlager auf ungefähr 5.200 Metern konnte ich überhaupt nicht schlafen. Auf dem Weg dorthin waren uns schon Bergsteiger entgegengekommen, manche glücklich, andere gestützt von ihren Begleitern. Spätestens da war klar: Das ist kein Kinderspiel. Es begann zu schneien, der Wind wurde immer stärker. Um Mitternacht ging es dann los. Vor dem Aufstieg machten wir ein Ritual für Pachamama, die Urmutter, die nach dem indigenen Glauben alles bestimmt. 

Wir baten um Schutz und Unterstützung für den bevorstehenden Weg. Normalerweise bin ich bei solchen Dingen eher skeptisch. Ich finde es manchmal ein bisschen albern, wenn Menschen irgendwohin reisen, dort ein Ritual entdecken und es sich zu eigen machen. Aber das hier fühlte sich nicht an wie Folklore. Die Traditionen und Rituale der Menschen sind sehr lebendig. 

Wir gingen im Dunkeln mit Stirnlampen zum Gletscher und bildeten Seilschaften. Die ganze Nacht stiegen wir durch Schneegestöber. Es gab sehr steile Stellen, an denen wir im Eis klettern mussten. In der Dunkelheit sahen wir nicht richtig, was wir schon hinter uns gelassen hatten. Wir hatten Zeitdruck, mussten früh auf dem Gipfel sein, bevor es zu warm wurde und die Lawinengefahr stieg. Irgendwann begann es zu dämmern. Dann hörte das Schneegestöber auf. Der Himmel riss auf. Es war wie in einem kitschigen Drehbuch. 

„Es ist kein Zufall, dass es so viele heilige Berge gibt“

Als wir oben ankamen, herrschte strahlender Sonnenschein. Wir mussten die Tränen wegdrücken. Du stehst auf über 6.000 Metern, kannst so weit sehen, fast bis zum Amazonas. Wahnsinn. Wegen der Lawinengefahr mussten wir direkt wieder hinunter. Als wir das Höhenlager erreichten, fiel der ganze Druck ab. Wir waren völlig fertig. 

Ich glaube, dass ich Pachamama von dieser Reise mitgenommen habe. Nicht als fremdes Ritual. Wir haben dieses Bedürfnis nach Spiritualität ja auch hier. Ob man es Pachamama nennt, Gott oder etwas anderes, ist für mich gar nicht entscheidend. Es geht darum, wahrzunehmen, was einen umgibt. Diese Kraft der Natur, ihre Schönheit, ihre Fähigkeit zu zerstören und zu erhalten. Seit dieser Reise spüre ich die Sehnsucht nach der Natur noch mehr. 

Es ist kein Zufall, dass es so viele heilige Berge gibt, da ist diese Nähe zu den Göttern. Für mich sind sie der einfachste Weg zu mir selbst. Sie bringen dich schnell an deine Grenzen und zeigen dir, wer du bist, machen dich demütig. Und trotz all der Anstrengungen geben sie mir immer mehr Kraft, als sie mich kosten.

Programm-Hinweis: „Die Bergretter“ und „Menschen der Anden“

Ab dem 29. Oktober 2026 läuft die 18. Staffel der Serie „Die Bergretter“ immer donnerstags im ZDF. Bereits vor TV-Ausstrahlung ist die Auftakt-Episode ab dem 22. Oktober in der Mediathek zu sehen. Für sieben neue Folgen werden Bergretter Markus Kofler (Sebastian Ströbel) und sein Team wieder im Einsatz sein.

Für Dezember 2026 ist außerdem die Ausstrahlung des Terra X Specials „Sebastian Ströbel – Menschen der Anden“ angesetzt. Die zwei Folgen sind am Dienstag, den 22. Dezember, und am Mittwoch, den 23. Dezember, im ZDF und in der ZDF-Mediathek zu sehen und begleiten den Schauspieler und sein Team beim Aufstieg ihres ersten 6.000ers in den Anden. 

Die Erlebnisse dieser Reise hat Sebastian Ströbel außerdem im Buch „Meine Anden“ festgehalten. 192 Seiten, Gräfe und Unzer Verlag