Atacama bis Patagonien: 9 besondere Reiseziele in Chile

Für die Atacama-Wüste und Patagonien ist der Andenstaat Chile bekannt. Doch auch abseits dieser Highlights hat Südamerikas lang gezogene Westküste einiges zu bieten.
Text Mila Krull
Datum26.08.2026

Auf einer beachtlichen Länge von 4.300 Kilometern erstreckt sich Chile entlang der südamerikanischen Pazifikküste. Das extreme Nord-Süd-Gefälle und die Lage zwischen Anden, Vulkanen und dem tosenden Ozean bringen dabei nicht nur eine extreme Vielfalt, sondern auch die abenteuerlichsten Landschaften mit sich. 

Von den trockensten Orten der Welt hin zu den entlegensten und den berüchtigtsten, fasziniert Chile mit außergewöhnlichen Naturwundern. Zwischendurch lässt sich in Städten wie Santiago und Punta Arenas die reiche Kultur und bewegte Geschichte des Landes aufsaugen. Wir stellen neun besondere Ziele und Sehenswürdigkeiten in Chile vor.

1

Atacama-Wüste

Sonnenuntergang im Valle de la Muerte der Atacama-Wüste

Sie zählt zu den bedeutendsten Regionen des Landes und hält zugleich so einige Rekorde inne: die Atacama-Wüste, die sich weit über den Norden Chiles bis nach Peru erstreckt und als trockenster Ort der Welt gilt. An einzelnen Messstationen wurde über Jahrzehnte hinweg kein Niederschlag gemessen. Grund hierfür ist die außergewöhnliche Lage, denn die Wüste liegt sowohl im Regenschatten der Anden als auch der angrenzenden Gebirgslinie Cordillera de la Costa. Im Gegensatz zur Sahara in Afrika oder der Rub al-Chali in Asien handelt es sich bei der Atacama nicht um eine klassische Sandwüste, sondern um eine Hochebene aus Salzkrusten, Vulkankegeln und Lagunen. Ausgangspunkt für die meisten Reisen und Wüstenexpeditionen sind die Städte Calama und San Pedro.

El Tatio

Chiles gesamte Landesfläche liegt am Rand der südamerikanischen Kontinentalplatte. Ein Ort, der die vulkanische Aktivität besonders eindrücklich veranschaulicht, ist das Geysirfeld des Vulkans El Tatio inmitten der Atacama-Wüste. Mehr als 60 Austrittslöcher verteilen sich auf 4.200 Metern Höhe. Gespeist werden die Geysire durch Schmelz- und Kondenswasser, das auf unterliegende Magmakammern trifft. Touren auf den Krater beginnen vor Sonnenaufgang, die Temperaturen liegen dann meist weit unter 0 Grad. Die Höhe sowie das Wetter erfordern gute Vorbereitung.

Valle de la Luna

Teil der Atacama-Wüste ist das Valle de la Luna, das Mondtal, das sich im Gebirge Cordillera de la Sal befindet. Die hiesigen Strukturen und Formationen sind ein hartes Gemisch aus Salz, Ton und Gips, das nicht nur optisch, sondern auch geologisch an die Oberflächen von Mond und Mars erinnert. Deshalb schickte die NASA bereits mehrmals Rover-Instrumente für ausgiebige Testfahrten ins Gebiet. Ein Highlight für alle irdischen Besucher sind die Erhebung Duna Mayor, die Felsnadeln Las Tres Marías und der nahe Vulkan Láscar

Salar de Atacama

Südlich vom Valle de la Luna liegt die größte und berühmteste Salzebene des Landes: die Salar de Atacama. Bekannt ist die Landschaft für ihre schneebedeckten Gipfel, die im Verlauf des Tages in unterschiedlichen Rottönen leuchten, sowie für die weiten Lagunen, in denen drei unterschiedliche Flamingo-Arten beheimatet sind.

2

Hauptstadt Santiago de Chile

Bei klarem Wetter zeigt sich die Skyline von Santiago besonders beeindruckend.

Etwa sieben Millionen Menschen leben in der Metropolregion der chilenischen Hauptstadt, die zwischen dem trockenen Norden der Atacama-Wüste und dem seen- und gletscherreichen Süden des Landes liegt. Besonders eindrucksvoll zeigt sich die Skyline von Santiago de Chile bei klarer Luft, wenn sich am Horizont der mehr als 5.400 Meter hohe Cerro El Plomo und die Anden auftun. Einen guten Einstieg ins Sightseeing bietet die Seilbahn zum Hügel Cerro San Cristóbal, von dem aus einem die Stadt zu Füßen liegt. Zentral und noch einfacher zu erreichen ist die Aussichtsbar im Wolkenkratzer Sky Costanera.

Zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten zählt das inhaltlich sowie architektonisch spannende Museo de la Memoria y los Derechos Humanos, das an die chilenische Militärdiktatur zwischen 1973 und 1990 erinnert. Ebenfalls sehenswert: das zeitgenössische Museo Nacional de Bellas Artes sowie das umliegende Viertel Lastarria, das mit Cafés, Restaurants, Galerien und Geschäften zu Spaziergängen einlädt.

chile.travel/de

3

Universitätsstadt Concepción

Zentrum der Stadt: die Universität von Concepción

Die Stadt Concepción erfährt in Reiseführern meist keine große Aufmerksamkeit. Zu Unrecht, denn wer hier umsteigt oder einen Zwischenstopp einlegt, lernt unweigerlich die junge, energetische und moderne Seite des Landes kennen. Die zweitgrößte Metropolregion des Landes liegt am Fluss Biobío und wurde vor allem durch ihre Universidad de Concepción, die bereits seit 1919 besteht, geprägt. Der weitläufige, als Park angelegte Campus zieht sich durch große Teile des Zentrums. Sehenswert sind das Museum Casa del Arte sowie die naturkundliche Sammlung des Museo de Historia Natural. 

Concepción gilt zudem als Geburtsort des chilenischen Rock, seit den Achtzigerjahren hat die Stadt eine lebendige Musik- und Clubkultur. Zudem lohnen Ausflüge an die umliegenden wilden, schwarzen Strände, etwa rund um Talcahuano oder am Golf von Arauco. Zum Baden sind diese jedoch – wie die meisten Küstenabschnitte in Chile – wegen starker Strömungen und des kalten Wassers nicht geeignet.

4

Nationalpark Vicente Pérez Rosales

Tosende Wasserfälle, arktische Wälder und der Vulkan Osorno im Nationalpark Vicente Pérez Rosales

Je weiter südlich die Reise führt, desto grüner und wasserreicher zeigt sich die Landschaft. Rund 500 Kilometer südlich von Concepción beginnt mit den Ausläufern der Anden die Región de los Lagos. Hier liegt der 1926 gegründete und somit älteste Nationalpark Vicente Pérez Rosales. Hauptdarsteller sind hunderte Gletscherseen, die durch ihre leuchtenden Farben auffallen und die umliegenden Gipfel spektakulär in Szene setzen. Ein beliebter Anlaufpunkt sind der grünliche Lago Todos los Santos und die umliegenden drei Vulkane Osorno, Puntiagudo und Tronador auf der Grenze zu Argentinien. Ein weiteres Naturspektakel: die Wasserfälle Saltos del Petrohué, die vor den Vulkanen ein einzigartiges Panorama abgeben. Die meisten Touren und Ausflüge starten in der Hafenstadt Puerto Montt. 

parquenacionalvicenteperezrosales.cl

5

Marmorhöhlen am Lago General Carrera

Die Marmorhöhlen am Lago Genereal Carrera bilden ein grandioses Naturschauspiel.

Das Tor zur Eiswelt von Patagonien bildet der Nationalpark Laguna San Rafael mit einem der größten Gletscherfelder des Landes. Ein weiteres Superlativ kommt dem östlich davon gelegenen Lago General Carrera zuteil, dem größten südamerikanischen Binnengewässer nach dem Titicaca-See. Über mehr als 1.800 Quadratkilometer erstreckt sich seine Oberfläche, die bis nach Argentinien reicht und hier als Lago Buenos Aires bezeichnet wird. An seinem tiefsten Punkt erreicht der Lago eine beachtliche Tiefe von knapp 600 Metern. 

Herausragend hingegen sind die Capillas de Mármol. Dabei handelt es sich um strahlend weiße Höhlen und Spalten aus Marmor, natürlich geformt durch Erosion. Touranbieter veranstalten Bootsfahrten durch die Gewölbe, an deren Decken sich das grün-türkisfarbene Wasser spiegelt. Die Ausflüge sind jedoch nur bei ruhigem Wetter möglich. Der nächste Flughafen Balmaceda liegt etwa 3,5 Fahrstunden entfernt an der Grenze zu Argentinien. Die dahin führende Straße Ruta 7 ist kurvenreich, größtenteils nicht asphaltiert und deshalb mitunter abenteuerlich.

6

Patagonien und die Torres del Paine

Wahrzeichen von Patagonien: die Torres del Paine

Für viele sind sie der Inbegriff vom Ende der Welt: die berühmten Granitfelsen Torres del Paine im Herzen von Patagonien. Der gleichnamige Nationalpark wurde 1959 gegründet und umfasst eine Fläche von rund 2.400 Quadratkilometern. Namensgebend sind die drei eindrucksvollen Monolithen, die vor mehr als zwölf Millionen Jahren als Magmakörper erstarrten und seit der letzten Eiszeit von Gletschern umgeben sind. Das Zusammenspiel aus grauen, teils senkrechten Felsen, weiß-blauen Eiswelten und grünen Bergseen macht die Torres zum Sehnsuchtsziel für Outdoor-Fans und Abenteurer. 

Wer Patagonien bereisen will, sollte mit Bergen vertraut sein. Lange Wanderstrecken, Höhenmeter, unwegsames Gelände und wechselhafte, teils gefährliche Wetterbedingungen mit Wind und Schneestürmen von bis zu 100 km/h machen die Erkundung des Nationalparks zu einer Herausforderung. Eine der beliebtesten Routen des Nationalparks ist der sogenannte W-Track, der über 70 Kilometer hinweg zum Mirador Base Torres, ins Valle del Francés und zum Grey-Gletscher führt. In der Regel werden für die Wanderung mit Übernachtung in Camps vier bis fünf Tage benötigt. Wer mehr Zeit und Erfahrung hat, kann die Torres im O-Circuit einmal komplett umrunden. Für beide Touren gilt Reservierungspflicht in den Camps, die Kontingente werden Monate im Voraus vergeben. Die Anreise erfolgt meist über den Flughafen von Puerto Natales. 

conaf.cl

7

Punta Arenas an der Magellanstraße

Punta Arenas ist Ausgangspunkt für Expeditionen in die Antarktis.

Bis zur Eröffnung des Panamakanals 1914 besaß die 130.000-Einwohner-Stadt Punta Arenas einen der wichtigsten Häfen der Welt. Die Schifffahrt der vorbeiführenden Magellanstraße sowie der Wollhandel sicherten die Einkünfte der vornehmlich zugewanderten Bewohner. Einige prächtige Bauten gingen aus dieser Zeit hervor, darunter das Stadtpalais Sara Braun oder das Gebäude des Museo Regional de Magallanes. Allerdings birgt ebendiese Epoche auch ein grausames Kapitel der Geschichte, denn Ende des 19. Jahrhunderts verübten eingewanderte Schafzüchter, Seefahrer und Goldschürfer aus Europa, Chile und Argentinien einen verheerenden Völkermord an den indigenen Selk'nam, die in Feuerland und Südchile beheimatet waren. An ihr Erbe und ihre Kultur erinnert zum Beispiel das Museo Maggiorino Borgatello.

Auch heute noch ist Punta Arenas ein wichtiger Knotenpunkt, mittlerweile allerdings vermehrt für touristischen Expeditionsverkehr. Von hier aus starten Expeditionen und Kreuzfahrten Richtung Patagonien, zum Kap Hoorn, nach Feuerland oder in die Antarktis. 

Tipp: Von Dezember bis Februar fahren Ausflugsschiffe zur Isla Magdalena, wo mehr als hunderttausend Magellanpinguine brüten.

chile.travel

8

Die südlichste Spitze: Kap Hoorn

Wo Pazifik und Atlantik aufeinandertreffen: Kap Hoorn an der Südspitze Chiles

Europa endet am Nordkap, Südamerika am Kap Hoorn – genauer gesagt an dieser kargen Felsspitze auf der dem Festland vorgelagerten Isla Hornos. Auch wenn die grauen Klippen meist Ton in Ton mit dem wolkenverhangenen Himmel einhergehen, handelt es sich bei der Küstenlinie um einen der spannendsten Orte des Kontinents. In der Geschichte wurde das Kap immer wieder als „südlichstes Ende der Welt“ bezeichnet – nicht ganz richtig, wenn man die Antarktis als Landmasse mit einbezieht. So oder so ist diese entlegene, archaische und windumtoste Insel ein Sehnsuchtsziel vieler Abenteurer. Vor dem Kap treffen die Kräfte von Pazifik und Atlantik aufeinander, die sogenannte Drake-Passage zählt zu den berüchtigsten und gefährlichsten Schifffahrtsrouten der Welt. Auch heute noch entscheiden die starken Westwinddrifte, ob wagemutige Besucher am Kap anlanden können oder es nur von Wasserseite aus bestaunen können. Expeditionsschiffe starten regelmäßig ab Punta Arenas oder Ushuaia, die Touren dauern im Schnitt fünf Tage.  

Übrigens: Der wenig spanisch anmutende Name hat seinen Ursprung im Niederländischen. „Hoorn“ heißt der Heimatort des niederländischen Seefahrers Willem Schouten. 

9

Rapa Nui, die „Osterinsel“

Sagenumwoben: die Moai-Statuen auf Rapa Nui

Ein entlegeneres Reiseziel gibt es kaum: Rund 3.500 Kilometer vom Festland entfernt liegt die gut 150 Quadratkilometer große, polynesische Vulkaninsel, die zu den abgeschiedensten bewohnten Orten der Erde zählt. Ihren europäischen Namen erhielt sie durch den niederländischen Seefahrer Jakob Roggeveen, der hier am Ostersonntag 1722 anlandete. Der Eigenname der Insel sowie der hier gesprochenen Sprache lautet Rapa Nui. Heute leben knapp 8.000 Menschen hier. 

Bekannt ist Rapa Nui vor allem für die sogenannten Moai, die kolossalen Figuren aus vulkanischem Tuffstein. Weder ihr Alter noch, wen oder was genau sie darstellen, konnte die Forschung bisher eindeutig ermitteln. Sicher ist, dass die Anlagen, auf denen sie stehen, die sogenannten Ahu, auch heute noch von hohem kulturellen und spirituellen Wert für die Inselbewohner sind. Einer der anschaulichsten Orte ist der Ahu Tongariki im Osten der Insel. Ebenfalls sehenswert: die Ansammlung am paradiesischen Strand von Anakena.

Hinweis: Weil der Zutritt zum Nationalpark Rapa Nui teils nur mit ausgewiesenem Guide möglich ist, empfiehlt sich eine organisierte Reise. Der Flug ab Santiago dauert gut fünfeinhalb Stunden. 

conaf.cl

Reiseinformationen zu Chile 

Einwohnerrund 20 Millionen
HauptstadtSantiago de Chile
SprachenSpanisch, daneben Mapudungun und Rapa Nui
WährungChilenischer Peso (CLP); Kartenzahlung in Städten üblich, in Patagonien und im Altiplano Bargeld einplanen
ZeitzoneInsgesamt gibt es in Chile drei Zeitzonen: Santiago de Chile (GMT−4), Punta Arenas (GMT−3) und Osterinseln (GMT-6). Die Zeitverschiebung zwischen Berlin und Santiago beträgt ja nach Jahreszeit vier bis sechs Stunden. 
AnreiseDirektflüge ab Deutschland gibt es nicht, dafür Verbindungen über Madrid, Paris oder São Paulo nach Santiago de Chile. Die Anreise dauert je nach Route 16 bis 18 Stunden. 
EinreiseDeutsche Staatsangehörige benötigen für Aufenthalte bis 90 Tage kein Visum, nur einen gültigen Reisepass.
Beste Reisezeit

Patagonien und die südliche Seenregion: November bis März

Santiago, Concepción und die Küste: Oktober bis April

Atacama: ganzjährig

HinweiseDa Chile innerhalb der Subduktionszone zweier Platten liegt, kommt es regelmäßig zu Erdbeben. Reisende sollten sich vor Ankunft mit den regionalen Gegebenheiten und vor Ort mit Schutzeinrichtungen vertraut machen. In Städten wie Valparaíso, Santiago und Viña del Mar kommt es zu Straftaten wie Diebstahl, teils auch zu bewaffneten Raubüberfällen. Wertsachen sollten gut verstaut und Bargeld nur in geringen Mengen mitgeführt werden. Vorsicht ist vor allem bei Nacht und in weniger touristischen Gegenden geboten.