Dunja Hayali übers Reisen: „Sri Lanka ist meine dritte Heimat“

In der Merian-Rubrik „Reise meines Lebens“ erzählen Menschen aus Schauspiel, Literatur, Show, Mode und Sport von denkwürdigen Auszeiten, die sie besonders geprägt haben. Von den Seychellen ohne Tourismus, vom Kaffeeduft in Beirut und von denkwürdigen Sonnenuntergängen in der Mongolei. In dieser Ausgabe erzählt Dunja Hayali von ihrer Liebe zu Sri Lanka, von improvisiertem Chaos, großer Gastfreundschaft und erstklassigen Wellen.
Vor 15 Jahren war ich auf der Suche nach einem neuen Reiseziel. Mein Kollege Andreas Wunn erzählte, er sei gerade auf Sri Lanka gewesen, in einer uralten, bisschen zerfallenen viktorianischen Villa im Südwesten, geführt von so einem crazy Typen, der auch Yoga anbiete. Bei „Yoga“ war ich sofort raus. Das war damals für mich, unwissend wie ich war, Gymnastik für Hipster. Aber Andreas sagte: „Es gibt auch fantastisches Essen, supernette Leute aus aller Welt, und nach zwei Wochen Yoga entdeckst du Muskeln an dir, von den du nicht mal wusstest, dass es sie gibt.“ Und ich so: „Wo noch mal?“ Ich wusste nur: Sri Lanka, das ist ein kleines Land irgendwo bei Indien.
Dunja Hayali: „Sri Lanka ist eine Art Zufluchtsort geworden“
Dann habe ich das gebucht – und mich direkt nach der Landung wohlgefühlt. Diese Mischung aus dem Geruch von Kerosin und Gastfreundlichkeit hat mich irgendwie an die Heimat meiner Eltern erinnert, den Irak. Und ich mochte dieses improvisierte Chaos, insbesondere auf der schmalen Landstraße, als ich sechs, sieben Stunden über die Dörfer zu dem Ort in der Nähe von Hikkaduwa fuhr. Was da alles unterwegs war: Ochsen, Schafe, Tuk-Tuks, rasende Busse und Motorräder, auf denen ganze Familien saßen.
In diesen zwei Wochen bin ich zwar nicht zur Yogini geworden, obwohl das mit den neu entdeckten Muskeln stimmte und ich zudem gemerkt habe, dass mir Yoga wirklich guttut. Seitdem war ich bestimmt 25-mal dort, ich kann also sagen: Sri Lanka ist eine Art Zufluchtsort geworden. In den ersten Jahren hab ich mir viel angeschaut, bin rumgereist, hab viele Menschen kennengelernt. Ich mag die Gastfreundschaft, das Essen, die Kultur, die Tierwelt, die Wellen, die Diversität, die diese kleine Insel zu bieten hat. Zu der gehört natürlich auch der Buddhismus, der weit verbreitet ist.
„In den letzten 15 Jahren hat sich das Land verändert.“
Es gibt aber auch Christen und Muslime, die allesamt meist friedlich mit- oder nebeneinander her leben. Wer sich mit der Geschichte des Landes beschäftigt, wird auch die Abgründe kennenlernen. Von Korruption, Armut, Machtmissbrauch bis hin zum Bürgerkrieg, den dieses Land erleben musste. Nicht zu vergessen der Tsunami 2004, dessen Spuren immer noch sichtbar sind.
In den letzten 15 Jahren hat sich das Land verändert. Besonders Colombo, die Hauptstadt, hat sich enorm entwickelt. Bei meinem ersten Besuch waren noch überall Checkpoints, ein Überbleibsel des Bürgerkriegs. Wenn man zum ersten Mal hinfährt, kann man sich die Stadt zwei Tage lang anschauen, aber das reicht dann auch. In Colombo wird sichtbar, wie krass China und Russland in das Land und die Häfen investieren. Überall wird gebaut.
Es ist schon auch schmerzlich, mit anzusehen und auch anzuhören, wie sich das Land ausverkauft – und die Menschen davon kaum profitieren, mal jenseits vom boomenden Tourismus. Die Veränderung wird auch im Südwesten sichtbar. Ein Stadtteil von Galle, Fort Galle, hat sich zu einer Art Saint-Tropez entwickelt. Es war schon immer schön dort, Leuchtturm, Burgmauer, kleine Gassen, wenig Cafés, dafür viel Charme und Authentizität. Inzwischen gibt es dort eben auch zahllose Boutiquehotels, Resorts und Restaurants. Gehört halt zum Fortschritt dazu. Allerdings mussten viele Menschen weichen, denen man ihr Haus in der Regel für ’n Appel und ’n Ei abgekauft hat.
Hayalis Tipps für Sri Lanka: Udawalawe-Nationalpark und Arugam Bay

Ein bisschen irritiert bin ich immer über Touristen, die sagen, dass sie auch mal dort waren, zur Ayurveda-Kur, und es wunderschön fanden – und mir dann erzählen, dass sie die ganze Zeit ihr Resort nicht verlassen haben. Ich empfehle dann immer, einfach noch mal hinzufahren, um sich wirklich etwas anzuschauen. Sri Lanka hat alles: Nationalparks mit Regenwald, Strände, Berge im Nordosten mit Adam’s Peak, wo es sich anfühlen kann, als wäre man in den schottischen Highlands – auch genauso kalt. Manchmal hängt der Nebel in den Bergen, aber meistens hat man eine gigantische Aussicht. Man kann sich auch Tee- und Gummibaumplantagen anschauen. Kautschuk ist neben Textilien eine der wichtigsten Einnahmequellen von Sri Lanka. Sehr empfehle ich den Udawalawe-Nationalpark.
Und die Arugam Bay im Osten ist in den Sommermonaten toll für alle, die surfen wollen. Aber am besten ist es, einfach rumzureisen und alles selbst zu entdecken. Ich habe schon etliche Freunde, die wie ich damals auf der Suche nach einem neuen Reiseziel waren, dorthin geschickt – und keiner hat es bereut. Im Gegenteil, die meisten waren nicht nur einmal da. Seit vielen Jahren verschlägt es mich an einen bestimmten Ort im Süden des Landes. Home away from home.
Ich verbringe meine Zeit mit Locals, aber auch mit Freunden wie Jim und Karen. Jim habe ich indirekt durchs Surfen kennengelernt: Jemand hatte mich im Wasser über den Haufen gefahren und dabei eine dicke Macke in mein Brett gehauen. Im Wasser hieß es von den anderen einfach nur: „Frag Jim, der kann das fixen.“ Aus diesem Zufall oder Karma ist eine tiefe und lange Freundschaft geworden, die jetzt seit über zehn Jahren währt. Wir treffen uns seither jedes Jahr dort. Nur letzten Dezember hat es zum ersten Mal nicht geklappt. Ich habe schon jetzt große Sehnsucht. Spätestens Silvester 2026 werde ich wieder dort sein.


