Neufundland: 11 Tipps für Kanadas wilden Nordosten

Abgelegene Inseln, schroffe Küsten und ein Meer voller Leben. In Neufundland und Labrador gehen Eisberge und Wale auf Reisen durch eine Natur, die hier den Takt angibt. Wir stellen die Highlights der ostkanadischen Provinz vor. 
Text Jessica Jungbauer
Datum08.10.2026

Eine Wildnis, die ihresgleichen sucht: In Neufundland und Labrador laden Eisberge und Wale zum einzigartigen Naturspektakel. Dazu gesellen sich hunderte bunte Papageitaucher, denn der Seevogel ist hier sowohl heimisch als auch eine Ikone. Zusammen mit Labrador bildet Neufundland eine Region, die etwas größer ist als Deutschland – bei nur gut 500.000 Einwohnern.

Gleich mehrere UNESCO-Welterbestätten erzählen von der besonderen Kultur und Geschichte der Region, die 1949 als letzte Provinz zu Kanada kam und sich aus dem Festlandteil Labrador und der Insel Neufundland sowie vielen kleineren, teils unbewohnten Inseln zusammensetzt. Besucher sollten ihre Route vorab sorgfältig planen. Wir geben Tipps für eine Reise nach Neufundland. 

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Wale beobachten in Neufundland

Vor allem Buckelwale fühlen sich vor den Küsten Neufundlands wohl.

Mehr als 20 Walarten wurden vor den Küsten Neufundlands registriert. Am häufigsten zeigen sich Buckelwale, die zwischen Mai und September in großer Zahl aus der Karibik kommen, um sich in den nahrungsreichen Gewässern Fett für den Winter anzufressen. Ihre wichtigste Beute ist die Lodde, ein kleiner Schwarmfisch, der im Frühsommer zum Laichen an die Strände drängt. Deshalb gelten Juli und August als die besten Monate für eine Beibachtung. Daneben tauchen Zwergwale, Grindwale und Finnwale auf, gelegentlich auch Orcas. Die meisten Ausflugsboote legen in Witless Bay südlich von St. John's ab. Oft liegen auch die Reviere der Papageientaucher auf der Route der Whalewatching-Touren. 

Tipp: Mitunter lassen sich Wale auch von Land aus entdecken, etwa am Cape Spear, am östlichsten Punkt Nordamerikas, oder vom Signal Hill über St. John's.

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Iceberg Alley: Parade der Eisberge

Wo das Eis auf Wanderschaft geht: die Iceberg Alley in Neufundland

Die massiven Eisberge, die jedes Frühjahr an Neufundlands Küsten vorbeidriften, sind bis zu 12.000 Jahre alt. Sie lösen sich von den Gletschern im Westen Grönlands, fließen mit dem Labradorstrom nach Süden und durchqueren hier die sogenannte Iceberg Alley. Die meisten Eisberge sind zwischen Mai und Juni zu sehen. Dann schieben sich Kolosse von der Größe mehrstöckiger Gebäude durch die Buchten. Besonders gute Aussichtspunkte sind Twillingate und Fogo Island an der Nordostküste, St. Anthony im Norden sowie Ferryland südlich von St. John's. Von dort starten Bootstouren, viele Eisberge lassen sich aber auch von der Küste und ihren Leuchttürmen aus beobachten. Wo gerade welche treiben, zeigt die Karte auf icebergfinder.com.

Tipp: Mithilfe der App Icebergfinder kann man feststellen, wo welche Eisberge gerade unterwegs sind, und auch selbst Fotos einreichen.

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Gros-Morne-Nationalpark und die Tablelands

Eine eindrucksvolle Landschaft eröffnet sich Reisenden im Gros-Morne-Nationalpark, einem der bekanntesten Parks Neufundlands und UNESCO-Welterbe. Berühmt sind die sogenannten Tablelands auf: rostfarbene, durch Gletscher geformte Täler. Vor mehr als 500 Millionen Jahren entstanden sie unter der Ozeankruste und wurden durch eine Kollision der Kontinente an ihren heutigen Platz geschoben. Der Trail zum Winter House Brook Canyon führt direkt über den freigelegten Erdmantel.

parks.canada.ca

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Western Brook Pond und Discovery Center

Der Fjord Western Brook Pond gehört zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten von Neufundland.

Im Gros-Morne-Nationalpark liegt auch der Western Brook Pond, ein Fjord, flankiert von 700 Meter hohen Klippen. Die Landschaft, die einst von vorbeiziehenden Gletschern geformt wurde, zählt zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten Neufundlands. Auf der Bootstour erfährt man viel über die hiesigen Gesteinsformationen sowie Flora und Fauna. 

Wer sich auch für die Kultur interessiert, besucht das Discovery Center des Nationalparks. Eine Ausstellung erzählt hier die Geschichte der Miawpukek First Nations. Sie ließen sich an der Südküste Neufundlands nieder, lange bevor europäische Entdecker die Insel betraten.

bontours.ca

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Red Bay

In der Gemeinde Red Bay lernen Besucher mehr über Kultur und Geschichte der Region.

Die Gemeinde Red Bay ist einer der wenigen noch belebten Orte der Region – dank der UNESCO-Welterbestätte Red Bay Basque Whaling Station, einer ehemaligen Walfangstation der Basken aus dem 16. Jahrhundert. Der Name stammt nicht etwa vom blutigen Walfang, sondern vom roten Felsen mit seinem hohen Eisengehalt entlang der Küste.

parks.canada.ca

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Fogo Island Inn

Alles und Nichts: Das Fogo Island Inn in Neufundland ist ein wahres Hideaway.

Trotz oder gerade wegen seiner Abgeschiedenheit hat das Fogo Island Inn auf der gleichnamigen 2000-Seelen-Insel viel internationale Beachtung gefunden. Stolz thront das Hotel auf seinen Stelzen an der rauen Küste des Nordatlantiks, eingebettet in die bunten Häuser der Gemeinde Joe Batt’s Arm. Der kanadische Architekt Todd Sanders entwarf es nach dem Vorbild einer traditionellen Angelplattform. 

Doch das Fogo Island Inn beeindruckt nicht nur durch abgeschiedene Lage und eindrucksvolles Design, sondern vor allem als Vorbild für nachhaltigen Tourismus: Sämtliche Überschüsse fließen zu 100 Prozent in die gemeinnützige Organisation Shorefast und unterstützen gezielt lokale Unternehmen auf der Insel. Die Gründerin Zita Cobb stammt selbst aus einer örtlichen Fischerfamilie und arbeitet mit ihrem Team konsequent daran, die Einnahmen des Inn so nachhaltig und lokal wie möglich einzusetzen. 

fogoislandinn.ca

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Quirpon Island

Zwei Häuser und ein Leuchtturm: das Quirpon Island Inn

Neufundland ist abgelegen, doch Quirpon Island liegt noch entlegener: Am nördlichsten Punkt vor dem Festland, an der Belle-Isle-Straße, mitten in der Iceberg Alley liegt das Eiland, das nur per Schlauchboot zu erreichen ist. Hier ziehen jedes Frühjahr die Eisberge vorbei, die von Grönland in den Atlantik treiben. Der Hotelier Ed English betreibt seit mehr als 25 Jahren das Quirpon Island Inn, bestehend aus zwei historischen Gebäuden und einem alten Leuchtturm. 

linkumtours.com

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Bootstouren durch Labrador

Auf den Touren von Whaler's Quest kann das Seafood fangfrisch probiert werden.

Die Familie Fowler lebte einst vom Kabeljau, heute beschränkt sich ihre Fischerei-Tätigkeit auf Reusen am Kai. Die darin gefangenen Jakobsmuscheln servieren die Fowlers auf ihren Booten, mit denen sie mittlerweile regelmäßig Touren entlang der Küste Labradors veranstalten. Zum grandiosen Ausblick gibt es Informationen über Kultur und Geschichte, Livemusik und natürlich die frischen Meeresfrüchte. 

whalersquest.ca

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Historische Wikingersiedlung: L’Anse aux Meadows

Die meisten Bauten sind Nachbildungen, einige Original-Relikte lassen sich in der Wikingersiedlung aber noch entdecken.

Rund 500 Jahre vor Kolumbus und Humphrey Gilbert landeten bereits Wikinger aus Grönland an der Nordspitze der Great Northern Peninsula von Neufundland und bauten dort ein Lager. Die Überreste fanden der norwegische Abenteurer Helge Ingstad und die Archäologin Anne Stine Ingstad erst rund 1000 Jahre später im Jahr 1960. Seitdem gilt L'Anse aux Meadows als ältester gesicherter Nachweis von Europäern in Amerika. Seit 1978 gehört die Anlage zum Unesco-Welterbe. Neben den freigelegten Grundmauern kann man heute Replikate von Langhäusern aus Holz und Gras sehen. Darstellerinnen und Darsteller füllen das Freilichtmuseum mit Leben und Kulturgeschichte. Die Stätte ist von Anfang Juni bis Anfang Oktober geöffnet.

parks.canada.ca

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Provinzhauptstadt St. John's

Schon 1583 erklärte der englische Eroberer Humphrey Gilbert den Naturhafen von St. John's zum Besitz der Krone. Bis heute gilt die Provinzhauptstadt Neufundlands als eine der ältesten europäischen Siedlungen Nordamerikas. Über der engen Hafeneinfahrt erhebt sich der Signal Hill mit dem historischen Cabot Tower von 1900. Ein Jahr später empfing der italienische Radiopionier Guglielmo Marconi hier das erste transatlantische Funksignal aus Cornwall. 

Die geschichtsträchtige Stadt, in der heute knapp mehr als 110.000 Menschen wohnen, ist nicht nur aufgrund ihrer Historie einen Besuch wert, sondern auch wegen ihrer bunten Holzhäuser, die sich in der sogenannten „Jellybean Row“ an die Hügel schmiegen. Bunt ist es auch abends, wenn sich die Pubs der George Street mit Gästen und Musik füllen, die ihren Ursprung auf der anderen Seite des Atlantiks findet. 

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East Coast Trail: Wandern an Neufundlands Ostküste

Von Topsail Beach westlich von St. John's bis nach Cappahayden im Süden der Avalon-Halbinsel verläuft der East Coast Trail auf einer Länge von gut 300 Kilometern. Die Route gliedert sich in 25 Etappen, die sich einzeln gut als Tageswanderungen erkunden lassen. Der Trail führt an Steilklippen entlang, vorbei an ikonischen Leuchttürmen, Seevogelkolonien und historischen Fischerdörfern. Vom Ufer aus lassen sich im Sommer Wale und im Frühsommer Eisberge beobachten. Gewandert wird vor allem zwischen Mai und Oktober, im Winter ist der Weg nicht immer begehbar.

eastcoasttrail.com