Die 11 besten Erlebnisse in Kanada

Mit einer Bevölkerungsdichte von weniger als fünf Menschen auf einem Quadratkilometer zählt Kanada zu den zehn einsamsten Ländern der Erde. Während sich Leben, Wirtschaft und Kultur vor allem in urbanen Räumen wie Toronto, Ottawa und Vancouver zentrieren, findet die ungezähmte Wildnis im Norden des Landes Platz, sich fernab menschlicher Einflüsse zu entfalten.
Aber auch in dichter besiedelten Gegenden gibt es kulturelle und landschaftliche Oasen, die eher unter dem touristischen Radar laufen. Wer das Land also fernab vom Auflauf im Banff-Nationalpark, auf Vancouver Island und an den Niagarafällen kennenlernen möchte, dem empfehlen wir folgende Erlebnisse in Kanada.
Neufundland per Zodiac: Papageitaucher, Glamping und Natur pur

An der Mündung des Sankt-Lorenz-Stroms liegt die dünn besiedelte Insel Neufundland. Noch weniger Einwohner leben in der ebenfalls zur Provinz gehörigen Landregion Labrador. Ausgangspunkt für Reisen, Ausflüge und Unternehmungen in Kanadas äußerstem Nordwesten ist die Hauptstadt St. John’s. 1497 landete hier der venezianische Kapitän Giovanni Caboto unter englischer Flagge und legte den Grundstein für eine der ersten europäischen Siedlungen auf dem nordamerikanischen Kontinent. Daher rührt auch der Name der Insel: „New founde Lande“ bedeutete auf Cabotos’ englisch-italienischem Dialekt so viel wie „neu gefundenes Land“.
Heute ist die Insel bekannt für raue Küsten, eine eigensinnige Kultur und eine bewegte Geschichte, die eng mit dem Meer verknüpft ist. Spürbar wird das zum Beispiel in Deer Harbour, einem einstigen Fischerdorf an der Nordküste. Von hier aus starten regelmäßig Zodiac-Touren zu den Papageitaucher-Kolonien der umliegenden Inseln sowie die sogenannte „Resettlement Experience“. Die Tour beschäftigt sich mit dem andauernden Umsiedlungsprogramm der Provinzregierung, in dessen Rahmen über 300 Küstenorte aufgrund ihrer isolierten Lagen aufgelöst wurden.
Dinner auf dem Meeresgrund, Nova Scotia

Die Provinz Nova Scotia im äußersten Osten Kanadas ist nicht nur für ihren bunten Spätsommer bekannt, sondern auch für den gewaltigsten Tidenhub der Welt. Besonders anschaulich präsentiert sich dieses Naturwunder in der Bay of Fundy, wo der Pegelstand zwischen Ebbe und Flut durchschnittlich um 13 bis 16 Meter schwankt. Bei Ebbe zieht sich der Atlantik hier so weit zurück, dass Tausende Quadratmeter Meeresboden trocken liegen. Diese wiederum bilden in dieser Zeit die Bühne für ein außergewöhnliches Spektakel: An landschaftlich schönen Punkten wie dem Burntcoat Head Park mit seinem roten Sandstein können Besucher – ähnlich wie bei einer Wattwanderung an der Nordsee – zwischen Algen, Krebsen und anderen Meerestieren auf dem Grund spazieren gehen.
Noch einzigartiger ist das Setup, das vom in Frankfurt geborenen Chefkoch Chris Velden ins Leben gerufen wurde. Unter dem Motto „Dining on the Ocean Floor“ nehmen Gäste während der Ebbe regelmäßig auf Heuballen am Meeresboden Platz. Passend zum außergewöhnlichen Setting werden feine Seafood-Gänge serviert. Mittlerweile widmet sich der deutsche Koch zwar neuen Aufgaben, sein Ocean-Dinner-Konzept besteht jedoch weiterhin.
Scarborough Bluffs in Toronto: Citytrip zur Steilküste

Wer Toronto nur als Städtereiseziel betrachtet, verpasst dieses sprichwörtliche Highlight, das 15 Kilometer östlich der Innenstadt am Ontariosee aufragt. Bei den Scarborough Bluffs handelt es sich um spektakulär geformte Gletschersediment-Klippen, die über Jahrtausende hinweg erodiert sind. Bis zu 90 Meter Höhe messen die teils schneeweißen Formationen, die an die berühmten Kreidefelsen von Rügen erinnern. Als idealer Ausgangsort für Wanderungen oder Badetage gilt der Bluffer's Park am Fuß der Klippen: Hier gibt es einen feinen Sandstrand, Bootsliegeplätze, Aussichtspunkte und Spazierwege.
Indigene Kultur von Manitoulin Island, Ontario

Als größte Süßwasserinsel der Welt bildet Manitoulin Island im Huronsee seit Jahrhunderten das kulturelle Herz der indigenen Anishinaabe. Auf ihren Spuren können Besucher wandeln, etwa im Rahmen von Kanufahrten auf historischen Wasserrouten, auf Wanderungen durch die artenreichen Landschaften der Insel oder in Form von Workshops, bei denen Mitglieder der First Nations ihre Geschichten, Traditionen und Legenden weitergeben.
Wer lieber eigenständig unterwegs ist, wandert auf dem Cup & Saucer Trail mit Panoramablick auf den Lake Huron an hohen Klippen entlang. Ein sommerliches Highlight ist das Anfang August stattfindende Powwow, wie die Zusammenkünfte der nordamerikanischen First Nations genannt werden. Unter dem Namen Wikwemikong Cultural Festival finden dann bunte Vorstellungen von Tanz, Gesang, Musik und Zeremonien statt.
Craft-Beer-Brauereien auf dem Ale Trail, Alberta

Für ihre überwältigenden Nationalparks Banff und Jasper ist die kanadische Provinz Alberta weltweit bekannt und als Reiseziel besonders beliebt. Doch auch kulinarisch kann die von Gletschern, Seen und den Rocky Mountains geprägte Region überzeugen. Um auch die touristisch bisher weniger erschlossenen – aber nicht weniger sehenswerten – Gegenden ins Licht zu rücken, wurden 2023 die Alberta Ale Trails ins Leben gerufen. Auf unterschiedlichen zwei- bis sechstägigen Roadtrips können Reisende auf den Spuren lokaler Craft-Beer-Brauereien wandeln und ganz nebenbei neue Städte, Sehenswürdigkeiten und Naturorte entdecken.
Gänzlich anders als die Rockies zeigt sich etwa die landwirtschaftlich bedeutende Prärie im Zentrum der Provinz. Ein Teil des Central Prairies Trails lässt sich daher bestens vom Pferderücken aus erkunden. Unterwegs warten fischreiche Flussufer, entspannte Kleinstädte und weite Getreidefelder. Die typischen Produkte der Region und das hier gebraute Bier dürften nach den vielfältigen Ausflügen sogar noch ein bisschen besser schmecken.
Wildnis-Wanderung durch den Auyuittuq National Park, Nunavut

Dass das Territorium Nunavut im äußersten Norden Kanadas von den meisten Touristen außer Acht gelassen wird, liegt vor allem an seiner isolierten Lage. Viele der Ortschaften und Siedlungen können nur im Zuge tagelanger Anreisen oder per Buschflugzeug erreicht werden, Infrastruktur und ausgebaute Verkehrswege gibt es nur vereinzelt. Wen genau diese Abgeschiedenheit, Naturgewalt und Einsamkeit begeistert, kann sich auf den knapp 100 Kilometer langen Trail über den Akshayuk-Pass begeben. Dieser führt vorbei am Mount Asgard und dem Mount Thor mit einer der höchsten Felswände der Welt, über Millionen Jahre alte Eisfelder und entlang von Flüssen, an deren Ufern bisher nur wenige Menschen wandelten.
Doch Achtung: Fundierte Outdoor-, Wander- und Kletterskills sind erforderlich, um der rauen Wildnis und der hier beginnenden Arktis zu trotzen. Das Trekking-Abenteuer inklusive Zelt-Übernachtungen sollte daher nur in Begleitung lokaler Tourguides erfolgen, die mit den Gegebenheiten und Wetterverhältnissen vertraut sind. Die anspruchsvolle Wanderung dauert je nach Bedingungen sieben bis zwölf Tage und führt bis in die Ausläufer der arktischen Tundra. Die Temperaturen pendeln das ganze Jahr über rund um den Gefrierpunkt.
Belugas und Eisbären beobachten, Manitoba

Wer an Walbeobachtungen in Kanada denkt, hat meist die Orcas und Buckelwale von Vancouver Island vor Augen. Doch auch im entgegengesetzten Nordosten erwartet Naturfans ein sensationelles Wal-Schauspiel. Wenn im Sommer das Eis der Hudson Bay schmilzt, zieht die Küste vor der Kleinstadt Churchill im Norden Manitobas bis zu 50.000 Belugas an. Die imposanten schneeweißen Meeressäuger drängen dann in die Mündung des Churchill River, um dort ihre Jungen zur Welt zu bringen und sie gemeinsam großzuziehen.
Mit Respekt und hinreichend Abstand ist es möglich, sich den Schulen zu nähern. Vom Zodiac aus lässt sich ihr alljährliches Treiben bestens beobachten, in Churchill gibt es mehrere Touranbieter, die auf unterschiedliche Angebote, etwa Fotoausflüge oder informative Ausfahrten mit Biologinnen und Biologen an Bord, spezialisiert sind. Wer nicht genug von Kanadas wilder Tierwelt bekommt, kann in Manitoba mit etwas Glück zudem Eisbären, Polarfüchse und zahlreiche Vogelarten beobachten. Auch für die Safaris an Land gibt es verschiedene Tourenveranstalter.
Den Fang des Lebens fischen, Saskatchewan

Ein Paradies für alle Angelfans: Die kanadische Provinz Saskatchewan mit ihrer Hauptstadt Regina ist knapp doppelt so groß wie Deutschland und im nördlichen Teil von etlichen Süßwasserquellen durchzogen. Schätzungsweise 100.000 Seen und Flüsse finden sich auf der Landkarte und bieten unter anderem Seeforellen, Äschen und Barschen einen gesunden und geschützten Lebensraum. Die Stars der Region sind aber die Nördlichen Hechte, die hier auf Größen von bis zu 1,50 Meter kommen. Zum Angeln in entlegener Wildnis laden etwa der Reindeer Lake, der Cree Lake oder die weit verzweigten Flussläufe des Churchill River, die allesamt zu den größten Gewässern der Provinz zählen.
Touristische Infrastruktur wie Straßen, Geschäfte oder Restaurants finden Reisende hier nicht. Stattdessen haben sich einige entlegene Lodges, darunter die Twin Falls Lodge, die Cree Lake Lodge und die Arctic Lodges, auf Angler spezialisiert und bieten eine umfassende Verpflegung samt Transfer, Bootsverleih, Speisen, Ausflügen und Übernachtungen. Eine Anreise ist nur per Wasserflugzeug möglich.
Die Kulturgeschichte der Pazifikküste, British Columbia

Nicht nur wegen ihrer beeindruckenden Riesen-Mammutbäume, der artenreichen Pazifikküste und der Hafenmetropole Vancouver ist British Columbia eine Reise wert. Auch kulturhistorisch gilt Kanadas westlichste Provinz als besonders vielschichtig und sehenswert. Mehr als 200 unterschiedliche First Nations der sogenannten Küsten-Salish siedelten hier, viele von ihnen konnten ihre Traditionen, Bräuche, Handwerke und Sprachen trotz enormer europäischer Einflussnahme bis heute bewahren. Welchen enormen Kraftaufwand dies erforderte, wird unter anderem in Vancouver deutlich, das sich auf dem Territorium der Musqueam, Squamish und Tsleil-Waututh befindet.
Seit einigen Jahren gewinnen die alten Kulturen nicht nur politisch und sozial, sondern auch in touristischer Hinsicht zunehmend an Bedeutung. In Vancouver etwa wird indigene Kunst immer mehr in den Fokus gerückt, etwa in der The Bill Reid Gallery, im Museum of Anthropology oder als Teil der Sammlung der Vancouver Art Gallery. Auch außerhalb der Museumswände soll die wertvolle Kultur sichtbarer werden, wofür sich unter anderem die Aboriginal Tourism Association of British Columbia und ihre Mitglieder einsetzen. Darunter Takaya Tours, deren Guides Besucher dazu einladen, den Burrard Inlet mit dem traditionellen Hochseekanu zu erkunden. Unterwegs teilen die Guides der Tsleil-Waututh-Nation ihre Lieder und Geschichten. Ein weiteres Highlight: die Talking Trees Tour von Talaysay. Auf dem Spaziergang durch den Stanley Park von Vancouver teilen Vertreter der Küsten-Salish ihr Wissen über den ganzheitlichen Nutzen der hiesigen Natur als Nahrungsmittel, Medizin oder Baumaterial.
Goldrausch am Klondike, Yukon

Längst sind die Zeiten des Goldrauschs am Klondike im nördlichen Territorium Yukon ein abgeschlossenes Kapitel der kanadischen Geschichte. Obwohl sich, vor allem im Rahmen von Fernsehsendungen, noch manch ein unerschütterlicher Glücksritter auf die Suche macht, sind die einst gewaltigen Vorkommen des Edelmaterials längst erschöpft. Der Faszination rund um das Gold tut das keinen Abbruch. Schließlich ging das historische Ereignis Ende des 19. Jahrhunderts spätestens dann in sämtliche Geschichtsbücher ein, als seinetwegen die Grenze zwischen USA und Kanada neu definiert wurde.
Noch heute kann man die Hinterlassenschaften der Goldgräber an zahlreichen Orten entdecken. Zum Beispiel in Dawson City, einem der ehemaligen Ausgangspunkte für die schweißtreibende Suche nach dem glänzenden Reichtum. Für das ultimative Erlebnis lädt Gold Bottom Tours Besucher dazu ein, selbst nach Goldstaub zu suchen – natürlich traditionell und altertümlich mit Pfanne und Schaufel ausgestattet. Wer mehr über die bewegte Geschichte des Klondike erfahren will, kann das Dawson City Museum besuchen.
Hier weitere Informationen rund um Gold-Reiseziele am Klondike
Kajakabenteuer im Nahanni Nationalpark, Northwest Territories

Ein Fluss am Rande der Welt: Diese Beschreibung fasst nur annähernd zusammen, was Reisende im nach dem Nahanni River benannten Nationalpark erwartet. Mitten durch die abgelegenen Northwest Territories zieht sich dieses Naturspektakel durch das weite Nichts, das auf den ersten Blick nahezu karg wirkt. In Wahrheit beheimatet der Landstrich, der so groß ist wie die Schweiz, mehr als 700 teils nur hier vorkommende Pflanzenarten, knapp 200 Vogelarten und Säugetiere wie Grizzlybären, Karibus, Elche, Wölfe und Bergziegen.
Wo die Wildnis so ungezähmt und das Wetter so intensiv und unvorhersehbar ist, ist umfangreiches Outdoor-Wissen unbedingt erforderlich. Wer sich in die wilden Gewässer stürzen will, sollte dies ausschließlich im Rahmen einer geführten Tour wagen und sich der Gefahren bewusst sein. Verschiedene Anbieter organisieren Kajak- oder Raftingabenteuer, die vorbei an unberührten Ufern und heißen Quellen führen, bis hin zu den Virginia Falls, die die bekannteren Niagarafälle um die doppelte Höhe überbieten.