Schnitzel und Schmelz: Die besten Restaurants von Wien

Wiener Schnitzel, Wiener Würschtl, Wiener Gulasch: Kaum ein europäisches Land hat eine derart dezidierte Hauptstadtküche wie Österreich. Wer Torten, Melange und Schmarrn beiseitelässt, findet in den 23 Bezirken einen schmelzenden, vollmundigen und eigensinnigen Geschmack, der generationsübergreifend mundet.
Das liegt auch daran, dass Wiens Köchinnen und Köche sich und ihre Gerichte immer neu erfinden. Manchmal aber, da sind sich Merian-Food-Guide Olaf Deharde, Stammgäste und Küchenteams einig, ist das unveränderte Original einfach nicht zu übertreffen. Wir verraten, wo es in der österreichischen Hauptstadt besonders gut schmeckt und welche zehn Wiener Restaurants wir wärmstens empfehlen.
Gasthaus Wolf

Mehr als 100 Jahre Gastrogeschichte im Mobiliar und ein familiärer Charme, der einem das Gefühl gibt, Teil vom Ganzen zu werden. Im Gasthaus Wolf gibt es Wiener Küche in ihrer ehrlichsten Form, mit dem Fokus auf Innereien. Das Kalbsbries ist nicht nur ein Gericht auf der Karte, sondern essbare Wiener Küchenkultur. Gute Portionen, wie sie sich für ein Gasthaus gehören, und das bei einer angenehmen Stimmung, die sich irgendwo zwischen Stammtisch-Klatsch und Nachbartreff ansiedelt.
Restaurant Steirereck

Ein Spielplatz für Feinschmecker, auf dem die österreichische Küche gefeiert wird, die natürlich so viel mehr ist als Palatschinken und Schnitzel. Die Forelle wird im Steirereck am Tisch in 90 Grad warmem Bienenwachs gegart, das ist schon rein optisch ein Erlebnis. Kaviar wird mit Speck, Linsen und Banane kombiniert – zu einem Gericht, das mit seinen scheinbar wild zusammengewürfelten Zutaten die Sinne herausfordert und gleichzeitig in der perfekten Balance endet. Der Brotwagen ist mit einer Auswahl der besten österreichischen Traditionsbäckereien bestückt. Und der Käsewagen erst! Plus: Nicht nur kulinarisch, sondern auch atmosphärisch stimmt so ziemlich alles.
Reznicek

Dunkles Holz, schwere Tische, eine Patina, die Geschichten erzählen könnte, wenn sie wollte. Aber im Wirtshaus Reznicek spricht das Essen, allem voran das Cordon bleu: außen knusprig und innen ein Käsefluss, der dir fast die Finger verbrennt. Ein Bissen und du verstehst, warum die Stammgäste ihren Platz verteidigen. Auch abseits der heiligen Panade zeigt die Küche Haltung. Das Beuschel, ein Ragout aus Herz und Lunge, schmeckt wie bei Oma, das Gulasch hat genau den richtigen Schmelz, und selbst ein simpler Erdäpfelsalat wird hier zur Wissenschaft erhoben. Simon Schubert und Julian Lechner kommen aus der Sternegastronomie und beweisen jetzt in diesem behutsam renovierten Uralt-Gasthaus, dass deftige Küche und höchste Kochkunst keine Gegensätze sind.
Skopik & Lohn

Die Frage nach dem besten Wiener Schnitzel ist vermutlich so alt wie das Schnitzel selbst. Und die Diskussionen über die richtigen Beilagen gibt es als Zutat gratis: Gurkensalat? Erdäpfel-Vogerlsalatt? Oder gar Pommes? Gehört eine Zitrone dazu oder lieber nicht? Sardelle und Petersilienblatt – Sünde oder Pflicht? Am Ende muss es schmecken. Und wenn es richtig gemacht ist, hebt es ab. Knusprig, goldbraun, perfekt souffliert – wird daraus eine Panade, die beim ersten Schnitt leise knistert. Genau dieses Schnitzel gibt es in den heiligen Hallen von Skopik & Lohn im 2. Bezirk. Diese große Kunst lässt Genussmenschen dankbar nach oben blicken, wo ebenso große Kunst zu sehen ist: Die ikonische Gastraumdecke ziert ein Schwarz-Weiß-Gemälde des Wiener Künstlers Otto Zitko.
Fuhrgassl Huber

Bei Fuhrgassl Huber wurde schon Nose to Tail gegessen, bevor das ein Konzept mit diesem Namen wurde. Blunzen, Beuschel, Bratl? Immer. Daydrinking? Tradition. Wer mag, startet mit den Weinbergschnecken von der Wiener Schneckenfarm Gugumuck, dazu ein Glas hauseigener grüner Sekt. Zwischen Start-up-Bankern mit Grünem Veltliner und Stammtischlern mit Gemischtem Satz im Glas verschwimmen die Grenzen. Und irgendwann fragt man sich: Ist das jetzt ein Weinheuriger oder eine Zeitreise? Antwort: beides. Und noch ein Glas, bitte. Vielleicht ist Wien am Ende doch einfach nur das Anagramm von Wein.
Café Kandl

Alle sind willkommen – ob für ein schnelles Bier am Tresen oder ein Vier-Gänge-Menü mit Weinbegleitung. Der erste Gruß ist eine Brühe, so simpel wie genial. Dann wird im Café Kandl serviert, was schmeckt, wärmt, sättigt und den Kopf ausknipst. Die auf den Punkt gegarte Entenbrust mit gegrilltem Spieß von der Entenleber hat enorme Macht. Der Karpfen vom Holzkohlegrill ist überragend. Diese Küche meistert die Balance zwischen Bodenständigkeit und Kreativität.
Bruder

Die Brüder im Geiste Hubert und Lucas (einer Koch, einer Barkeeper) machen radikal ihr Ding. Es geht um Geschmack, nicht um Sterne, dabei brechen die beiden gerne mit Erwartungen. Also: eine fermentierte Artischocke hier, ein Schnecken-Gulasch dort. Selbst gesammelte Wildpflanzen werden eingelegt, fermentiert, destilliert. Wermut? Ist hausgemacht und schmeckt nach Waldspaziergang. Da wirkt der Besuch im Restaurant Bruder wie eine spannende Naturkundestunde – mit sehr viel Genuss und ohne jeden Anflug von trockener Theorie.
Rosebar Centrala

Ola Szwarc und Nadim Amin kochen Gerichte aus Mitteleuropa, durchzogen von persönlichen Erinnerungen und genialen Ideen. Dabei entstehen Schönheiten wie geräucherte Makrelenpaté, Pie vom Rindswadel mit Markknochen, Hühnerleber auf Toast – klingt oldschool, schmeckt aber nach heute. Die Agentur Rosebud mit ihren Büros im Hinterhaus hat das Centrala quasi adoptiert. So kam zusammen, was in dieser Stadt viel zu selten passiert: Kreative, Köche, ein Ort mit Charme – und Gäste, die wirklich hungrig sind.
&Flora

Das Restaurant &Flora liegt versteckt im Hotel Gilbert, tierische Produkte sind dort die Beilage, Gemüse ist der Star. Wer einmal den auf dem Konro-Grill gegarten Brokkoli probiert hat oder die rauchigen Beten mit erdiger Tiefe, wird schmecken, was für ein gewaltiger Geschmack in diesen Stars steckt. Sobald Oliven, Labneh und Focaccia auf dem Tisch stehen, beginnt eine kulinarische Reise, die einmal quer durch die Welt führt: ein bisschen Orient, eine Prise Italien, etwas Frankreich, ein Hauch Levante – alles getragen von besten heimischen Produkten wie Fenchel, Forelle, fermentiertem Gemüse.
Café Azzurro

Wie der gute Freund, den jeder haben will: charmant, unkompliziert und immer in Feierlaune. Tagsüber serviert das Team des Café Azzurro italienische Gassenhauer (Tramezzini, Risotto, Pasta), die immer so schmecken, als hätte eine sizilianische Nonna ihre ganze Liebe mit eingekocht. Und wenn die Sonne untergeht, fängt das Azzurro erst richtig an zu leuchten. Dann knallen die Korken, die Gläser klirren, und plötzlich sind alle Barrieren aufgehoben. Wein fließt, Teller kreisen, und irgendwann ist es egal, dass man hier nur auf einen Aperitivo vorbeischauen wollte.