Neues Hotel in Florenz: Das W Florence im Test

In einem herausgeputzten Mid-Century-Bau im Zentrum von Florenz empfängt Italiens zweites W Hotel seit Kurzem Städtereisende aus aller Welt. Wir haben das neue Haus getestet und verraten, wofür ein Besuch lohnt. 
Text Mila Krull
Datum18.08.2026

Mit dem alles überragenden Dom, den Uffizien, der Ponte Vecchio und dem geerbten Schatz der Adelsfamilie Medici gilt Florenz als eines der beliebtesten Citytrip-Reiseziele Europas. Weit mehr als vier Millionen Übernachtungsgäste zählt die Hauptstadt der Toskana im Jahr, Tendenz steigend.

Nicht verwunderlich also, dass auch die örtliche Hotellerie ein der Umgebung ebenbürtiges Glanzstück nach dem nächsten hervorbringt. Mit dem W Florence hat die Gruppe Marriott Bonvoy nach dem St. Regis, der Sina Villa Medici und The Excelsior jüngst ein viertes Luxushaus in die Kulturmetropole am Arno gebracht und damit den zweiten W-Ableger in Italien eröffnet.

Auf einen Blick

Mitten im Zentrum der Renaissance-Stadt und deswegen unerwartet ruhig liegt das W Florence, das mit seinem legeren Charme, einer exzeptionellen Dachterrasse und einem erstaunlich eingespielten, strahlenden Service-Team punktet.

W Florence: Gesamteindruck

Private Piazza: Das Atrium ist zentraler Treffpunkt des Hotels.

Was auf den ersten Blick wirkt wie ein moderner Bau, hat eine längerwährende Geschichte: In den 1960er Jahren entstand unter der Leitung des florentinischen Architekten Lando Bartoli das rationalistische, eher unauffällige Gebäude an der Piazza della Unita Italiana. Von 1968 bis in die 2020er Jahre beherbergte das Haus als Grand Hotel Majestic Generationen an Gästen.

Die geradlinige Steinfassade mit Bronze- und Glasakzenten wurde nach der Übernahme durch Marriott nachhaltig restauriert. Im Gegensatz zu ihrer – für die opulente Renaissance-Stadt untypischen Strenge – stehen die leuchtenden Innenräume des Hauses, die dem Gebäude mit sorgsam gewählten Farbnuancen und geschwungenen Formen den modern-legeren Stil der W-Reihe einhauchen. Inmitten des Gewusels erweist sich die neue Adresse als angenehmer, zeitgenössischer Rückzugsort für einen Städtetrip.

Neues Hotel W Florence im Detail

In der Lobby des W Florence werden Themen und Farben der goldenen 20er Jahre aufgegriffen.

Lage

Hier hat man die perfekte Balance gefunden: Zwar sind Knotenpunkte wie der Bahnhof und die Basilica Santa Maria Novella in Sichtweite, weil das Hotel jedoch in einer ruhigeren Seitenstraße am nördlichen Ende des Sightseeing-Epizentrums liegt, erfolgt der Eintritt ins Getümmel für Gäste behutsam. Trotz unmittelbarer Zentrumslage ist das Verkehrsaufkommen an der Via del Melarancio vergleichsweise gering. Wer möchte, kann daher sogar mit geöffnetem Fenster nächtigen. Von der nicht nur physisch, sondern auch optisch herausragenden Dachterrasse aus genießt man den Domblick, Florenz’ marmorne Berühmtheit liegt nur drei Gehminuten entfernt. Ein weiterer Pluspunkt: Vom Flughafen dauert die staufreie Anfahrt per Tram bis zur Station Valfonda unweit des Hotels nur 22 Minuten.

Stil

Als Mid-century modern lässt sich das Interieur des neuen W Florence gut beschreiben. Einige Akzente wie das Wandgemälde der Lobby, das Tiere aus dem einstigen Privatzoo der Medici-Familie zeigt, oder das Atrium mit Palmengarten erinnern an tropische Motive der Belle Époque. Farblich haben sich die Interior-Designer für eine teils etwas zu großzügige Palette aus kräftigen Tönen entschieden. Wiederkehrend findet sich ein Korallrosa, dazu knalliges Blau, Goldgelb, Medici-Rot und Orangetöne.

Mit massiven, runden Formen greift das Mobiliar das typische Design der 60er und 70er Jahre auf. Auch Böden, teils aus Marmor, die beleuchteten Decken und Wandgestaltungen fallen durch geometrische Muster auf. Trotz der Farbgewalt, viel Gold und Samt dürfen sich die Augen zwischendurch wieder entspannen. Bereiche wie Zimmer, Suiten, die Dachterrasse und das Restaurant Akira Black sind deutlich dezenter gestaltet.

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Gold, Samt und die Farbe Rot greifen das Erbe der Adelsfamilie Medici auf.

Zimmer und Suiten

Das W Florence führt 119 Zimmer auf fünf Etagen, darunter 16 Suiten und ein 115 Quadratmeter großes Penthouse mit eigener Terrasse. Zur Ausstattung der Suiten gehören Marmorbäder, Holzinterieur, Lounge-Bereiche und beste Ausblicke auf das historische Florenz. Auf den unteren Etagen liegen Zimmer verschiedener Kategorien, darunter die kleinsten Deluxe-Zimmer ab 24 Quadratmetern sowie Superior- und Premier-Zimmer mit eigenem Balkon. Zur Grundausstattung gehören unter anderem ein Kingsize-Bett mit Spiegelwand, eine Minibar, Sitzgelegenheiten und eine Schreibecke. Generisch und oft gesehen sind die Baukasten-Duschbäder. In den unteren Etagen beschränkt sich der Ausblick auf die angrenzenden Straßen sowie den Innenhof. 

Die Bar und W Lounge glänzen mit modernem Seventies-Look.

Kulinarik

Da die gastronomischen Bereiche des Hauses räumlich ineinander übergehen, ist die Unterscheidung für den Gast nicht ganz ersichtlich. Abgegrenzt: das Nikkei-Restaurant Akira Back, welches W Hotels als Franchise mittlerweile in mehreren Häusern führt. Hinter Name, Menü und Konzept steht der koreanisch-amerikanische Koch Akira Back. Am Standort Florenz sind hingegen die junge Chefköchin Ana und die Service-Leitung Keko verantwortlich für die ausgezeichnete Umsetzung. Geschmacklich hervorzuheben sind die Sashimi-Tacos mit Ponzu-Aioli sowie der Black Cod mit Sake-Schaum. Für Hungrige eignen sich die überschaubaren Sushi-Tapas-Kombinationen eher weniger. Gestalterisch zeigt sich das Restaurant interessant, Teller- und Wanddesign stammen von der Mutter des Konzeptgebers, der Künstlerin Young Hee.

Frühstücksbuffet, Lunch und À-la-carte-Dinner werden im offenen Bistro Tratto, in der angrenzenden W Lounge und im Atrium (Courtyard) serviert. Vorzugsweise zum Kaffeetrinken genießen Gäste den Blick des Tratto durch die bodentiefen Fenster auf die nahe Piazza. Zu späterer Stunde kann das In-House-Angebot mit den umliegenden italienischen Trattorien und dem vielfältigen Gastro-Angebot des Zentrums jedoch nicht mithalten.

Voller hingegen wird es gegen Nachmittag in den Lounges der Rooftop-Bar Zefiro. Das liegt vor allem am genialen Florenz-Ausblick, der gut von den wenig ausgefallenen Cocktails und geschmacksarmen Snacks ablenkt.

Ausstattung

Ein kompaktes Gym und ein kleiner Wellnessbereich stehen Gästen offen, beide Areas sind überschaubar und hier eher Pflicht als Kür. Es gibt eine Sauna, ein Dampfbad und eine Relax-Lounge, dazu einige Cardio- und Krafttrainingsgeräte. Deutlich mehr Platz und Tageslicht gewährt das Atrium, das die Bar, die W Lounge und das Restaurant Akira Black miteinander verbindet. Bei schlechtem Wetter oder zum Frühstück entpuppt sich der reich bepflanzte Innenhof als entschleunigender Rückzugsort. 

Den größten Mehrwert bietet in unseren Augen die Rooftop-Terrasse mit der Zefiro Bar und 360-Grad-Rundblick über die Dächer von Florenz. Regelmäßig finden hier Events wie DJ-Sets, Disco-Nächte und Konzerte statt. Positiv hervorzuheben: Wer nach Sightseeing-Touren keine Lust auf noch mehr Trubel hat, bekommt in den darunter liegenden Zimmern dank bester Isolierung nichts von all dem mit. 

Service

Nur knapp sechs Monate nach Eröffnung agieren die Mitarbeitenden bei unserem Besuch schon wie ein jahrelang eingespieltes Team. Alle Abläufe gehen Hand in Hand, auf Wünsche reagiert die rund um die Uhr erreichbare Rezeption umgehend. Beim Frühstück dauert die Bestellaufnahme mitunter ein paar Minuten länger, dafür werden die Kaffee-Vorlieben direkt für den nächsten Morgen abgespeichert. Besonders gut gefallen hat uns die lockere und herzliche Stimmung, die sowohl gegenüber den Gästen als auch unter den Mitarbeitenden herrscht.

Gut zu wissen

Auf den ersten Blick nicht ganz ersichtlich: Der Haupteingang zum Hotel befindet sich in der Via del Melarancio und nicht an der Piazza. Einige Zimmer lassen sich mit Türen verbinden, Familien können bei der Buchung explizit danach fragen. Außerdem darf pro Zimmer ein Hund bis zu zehn Kilogramm unterkommen, die Kosten dafür belaufen sich auf 120 Euro pro Aufenthalt.

Merian-Fazit

Was uns besonders gut gefallen hat

  • Hervorzuheben ist die locker-leichte Atmosphäre des Hauses. Trotz des hohen Service-Anspruchs reagiert das Team allseits herzlich und zuvorkommend, ohne aufdringlich zu sein.
  • die Dachterrasse des W Florence als eigener Mikrokosmos inmitten des touristischen Zentrums. Lounges und Drinks unter Sonnenschirmen erlauben ausgiebige Pausen und – dank des Domblicks – beiläufiges Sightseeing. 
  • Mit seiner Lage punktet das Haus auf ganzer Linie. Ob zu Fuß, per Taxi oder Bahn: Alle Verkehrspunkte liegen unmittelbar vor der Tür, gleichzeitig ist die Via del Melarancio unerwartet ruhig. Supermärkte, Trattorien, Geschäfte, Kirchen, Piazzen befinden sich nur wenige Schritte entfernt. 

Wo noch Luft nach oben ist

  • Kulinarisch kann das Angebot nicht mit den traditionsreichen italienischen Restaurants in fußläufiger Umgebung mithalten. Die reduzierte Nikkei-Küche im Akira Back und die übrigen À-la-carte-Speisen eignen sich eher für einen Lunch als fürs Dolce-Vita-Dinner.
  • Mit der Klimatisierung des Hauses hält man es sehr US-amerikanisch, dementsprechend niedrig sind die Temperaturen etwa im Akira Back. Die AC-Steuerung auf den Zimmern könnte zudem benutzerfreundlicher sein.
  • Die Modulbäder auf den unteren Etagen entsprechen nicht der Qualität der übrigen Ausstattung. Erste Gebrauchs- und Abnutzungsspuren sind sichtbar. 

Preis: €€

Merian-Bewertung: •••

(••••• In jeder Hinsicht perfekt •••• Herausragendes Design, beste Lage, erstklassiger Service ••• Ein Haus mit besonderem Charakter und ausgezeichnetem Komfort •• Wohlfühl-Atmosphäre und hochwertige Ausstattung • Ein gutes Hotel mit ansprechendem Ambiente freundlicher Service, sympathisches Haus)

Kontakt

Webseitemarriott.com
Instagram@wflorence.hotel
AdresseVia del Melarancio 1, 50123 Florenz, Italien
Telefon+39 055 99466