Die besten Restaurants von Belfast

Seit der Frieden eingezogen ist, feiert die Hauptstadt Nordirlands das Leben – mit Musik, viel Farbe und einer Kulinarik, die schnörkellos und bodenständig ist. Unser Food-Guide Olaf Deharde ließ sich mitreißen.
Text Olaf Deharde
Datum07.02.2026

Nach dunklen Jahren ist Belfast bunt erblüht. Das gilt nicht nur für Kultur und Gesellschaft, sondern auch für die Kulinarik der nordirischen Hauptstadt. Üppig gefüllte Teller, Neuinterpretationen alter Rezepte und mit Bedacht gewählte Zutaten geben in der lebendigen Metropole den Ton an.

Merian-Autor Olaf Deharde hat der Stadt einen Besuch abgestattet und sich zwischen City Hall und dem feierfreudigen Cathedral Quarter auf die Suche nach den besten Food-Spots gemacht. Hier stellt er seine zwölf besten Restaurant-Adressen in Belfast vor. 

1

Harlem Cafe

Frühstück mit Champignons und für Champions gibts im Harlem Cafe.

Manchmal schreibt das Leben die besten Geschichten. Oder ein Taxifahrer. „Haben Sie schon ein Ulster Fry gehabt?“, fragt er, als wäre das eine Glaubensfrage. „Nein.“ „Was? Sie schreiben über Belfast und haben DAS noch nicht probiert? Unmöglich! Ich zeige Ihnen jetzt, wo ich jedes Wochenende hingehe.“ Zehn Minuten später: im Harlem Cafe. Dicht bestuhlt, warm, voll mit Leuten, die wissen, dass der Tag besser läuft, wenn man ihn ordentlich füttert. Dann kommt das Brett: mit glänzenden Spiegeleiern, Bacon, Bohnen, Bratwurst und Kartoffelbrot. Ein Frühstück wie ein Manifest. Wer hier gegessen hat, braucht erst mal nichts – außer vielleicht einen sehr ausgiebigen Spaziergang. 

harlemcafebelfast.com

2

Holohans Pantry

Calvin und Emir Holohan tischen in ihrem Lokal ordentlich auf.

Für echtes irisches Hausmannsessen kommt man an diesem kleinen Lokal nicht vorbei. Geführt wird Holohans Pantry von den Geschwistern Emir und Calvin. Ganz ohne Glamour, dafür mit viel Liebe. Besonders erwähnenswert ist das Gericht Boxty. Dessen Rezept ist mehr als 250 Jahre alt und das Ergebnis liegt irgendwo zwischen Reibekuchen und Pfannkuchen – aber mit mehr Geschichte und Textur. Dazu servieren die Holohans traditionelle Pies, von Rindfleisch über Huhn bis zur überraschend raffinierten veganen Pilzvariante mit extra Trüffelkick. Alles kräftig abgeschmeckt und auf den Punkt!

holohanspantry.co.uk

3

Mr Deanes

Ordentlich Pfeffer und Steak und Fritten gibts im Mr Deanes.

Es gibt Orte, die fühlen sich an wie ein langes, spätes Sonntagsessen mit netten Menschen, und genau so einer ist Mr Deanes. Kein Stress, keine Show, einfach gutes Essen. Steak mit Fritten und Pfeffersoße? Geht immer. Austern? Frisch. Chowder? Cremig. Rotes Curry? Überraschend gut. Und das Beste: Hier ist jeden Tag Sonntag. Auch an einem Dienstagmittag. Michael Deane, einst Sterne- General in Belfast, hat den Hochleistungsmodus gegen Gelassenheit getauscht, und das war eine verdammt gute Entscheidung. Für ihn, für seine Gäste und für die Küche. 

michaeldeane.co.uk/mrdeanes

4

Mourne Seafood Bar

Frische Atlantik-Auster serviert die Mourne Seafood Bar unkompliziert und in angenehmer Atmosphäre.

Hier wird die lokale Seafood-Qualität aus dem Atlantik so unprätentiös serviert, als wäre sie das Normalste der Welt. Die Atmosphäre in der Mourne Seafood Bar ist entspannt, das Publikum gemischt: Alteingesessene, Foodies, hungrige Spaziergänger, Geschäftsleute. Die Austern sind so frisch, dass sie fast noch flüstern, und die Miesmuscheln in Weißwein-Sahne sind Pflicht. Dazu ein frisch gezapftes Stout, ein paar gute Gespräche mit dem Nachbartisch, und plötzlich ist man mittendrin im echten Belfast. Wer danach noch aufrecht gehen kann, sollte sich in die umliegenden Pubs stürzen. 

mourneseafood.com

5

Longs Fish

Gold-gelb geht es hier zu: Longs Fish in Belgast

Eine unverschnörkelte Institution: Seit 1914 werden hier Pommes und Fisch frittiert, was das Frittierfett hergibt – vom Gast verfeinert mit einem ordentlichen Schuss Malzessig und Sauce tartare. Hier haben sich schon die Schiffsbauer der Titanic ihr Mittagessen reingezogen, und diese Geschichte meint man zu schmecken mit jeder Gabel. Der Teig ist goldgelb, der Fisch saftig, die Portionen sind großzügig. Drinnen geht es laut, schnell und freundlich zu.  

johnlongs.com

6

Home

Der Name ist Programm, im Home sitzen Hipster neben Rentnern, Kids neben Pärchen, Jung neben Alt – vereint durch das, was auf den Tisch kommt: ehrliches Comfort Food. Jeglicher Stress des Tages verpufft schon beim ersten Bissen. Geschmorte Lammkeule mit buttrigem Kartoffelstampf, Ofenhühnchen mit Pommes, dazu ein lokal gebrautes Bier. Alles mit einer Selbstverständlichkeit serviert, als wäre man längst Stammgast. Die Küche ist ein Liebesbrief an Nordirland. Regional, frisch und bunt.

homebelfast.co.uk

7

Roam

Ultra lokal: Im Roam werden ausschließlich irische Produkte verwendet.

Ryan Jenkins musste sich den Weg erst freikochen: 15 Jobs, dann endlich der Aha-Moment, der ihn zum Kochen führte. Heute ist er mit Herz, Seele und ausschließlich irischen Zutaten am Werk. Alles kommt von der Insel, vom Fisch bis zum Salz. Sogar das Öl ist lokal. Die Karte ist wie ein lebendiges Wesen, sie verändert sich ständig, weil Ryan mit Bauern redet und nicht mit Excel-Tabellen. Was das Roam besonders macht, ist nicht nur das Essen (obwohl das Lamm mit geräuchertem Joghurt noch lange nachhallt), sondern vor allem die Atmosphäre: Kings of Leon statt Klaviersonate, gute Weine, ein paar Kerzen und fertig ist das neue Belfast. 

roambelfast.com

8

Beau

Gastgeberin und Köchin Lottie Noren lässt sich liebend gern auf die Finger schauen.

Lottie Noren ist eine Wucht: Unternehmerin, Mutter, kreative Explosion. Mit ihrem eigenen Restaurant Beau hat sie sich einen Traum erfüllt und Belfast eine neue kulinarische Stimme gegeben. Einrichtung, Branding, Menükarte: Alles trägt Lotties Handschrift. In der offenen Küche wird rotiert, und immer steht das Produkt im Fokus. Die geschmorte Rinderbacke mit Trüffel-Béarnaise ist ein stiller Triumph, der hoffentlich bald zum Signature Dish wird. Nichts zu viel auf dem Teller, nur die pure Essenz von buttrig zartem Fleisch und der cremig erdigen Soßendecke. 

beau.restaurant

9

Coppi

Jeder hat doch seinen Stamm-Italiener. Der, bei dem es kein Getüdel braucht, nur Gerichte, die sitzen wie eine Radlerhose. Bei Coppi in Belfast gibt es genau das: handgemachte Pasta, confiertes Enten-Ragù, geräuchertes Tomatenpesto, butterzarte Ochsenbacke, Ravioli, Pappardelle, Rigatoni. Chef Tony O’Neill weiß, was er tut. Immer den Sieg vor Augen. Keine Fehler machen. Die Wände erzählen vom Radrennsport, von Schweiß, Tempo, Ausdauer. So wie die Küche. Nach dem Tiramisu wäre eine ausgedehnte Radtour sicher sinnvoll, aber noch ein Glas Rotwein klingt eben auch nicht so verkehrt. 

coppi.co.uka

10

The Muddlers Club

Mit Präzision und Modernität hat sich The Muddlers Club einen Stern erkocht.

Versteckt in einem unscheinbaren Hinterhof im Cathedral Quarter liegt The Muddlers Club, ein Laden, in dem schon viele ein kleines kulinarisches Erweckungserlebnis hatten. Chef Gareth McCaughey und sein Team lassen Teller entstehen, die aussehen wie nordirische Landschaftsgemälde und schmecken wie ein Gedicht, das mit Butter geschrieben wurde. Das Menü wechselt so häufig wie die nordirische Wetterlage. Aber die Handschrift bleibt gleich: modern, präzise, lokal. Wildgefangener Heilbutt im Muschel-Dashi, gegrillte handgetauchte Jakobsmuscheln und schwarzer Reis. Das klingt nach Experiment und schmeckt nach Perfektion. Im Inneren viel Beton, schwarze Wände und offenes Feuer. Jeder Bissen unterstreicht, warum dieses Restaurant einen Michelin-Stern trägt.

themuddlersclubbelfast.com

11

Waterman

Mit Niall McKenna begann in Belfast eine neue kulinarische Zeitrechnung. Als er 2003 seine Messer wetzte und gegen das gastronomische Mittelmaß in den Ring stieg, war noch nicht viel mit moderner nordirischer Küche. Heute ist der Mann so was wie der Pate der Szene. Sein neuestes Baby heißt Waterman, es ist ein Restaurant mit angeschlossener Kochschule mitten in der Innenstadt. Hier wird nicht nur serviert, sondern ausgebildet. Geschmack geschliffen. Viele junge Talente, die heute in Belfast die Kochlöffel regieren, haben mal bei Niall angefangen. 

waterman.restaurant

12

Sunflower

In diesem Pub riecht es nach Hefeteig, Hopfen und einer leichten Ahnung von Anarchie. Hinter der Theke laufen die Zapfhähne im Dauerbetrieb – teils rare Pale Ales, Stouts, IPA-Wuchtbrummen, die einem direkt Lust machen, die Reihenfolge auf der Karte komplett durcheinanderzutrinken. Draußen im Hinterhof lodert der Pizzaofen, und die Schlange davor ist so bunt wie Belfast selbst. Man erkennt das Sunflower sofort. Nicht nur an der grünen Sicherheitsschleuse, sondern am Vibe, den Belfast ausmacht: rau, ehrlich, lebendig. Die Sicherheitstür ist übrigens ein Relikt aus der Zeit des Nordirlandkonflikts, nur dieser Pub hat sie bewahrt – und bunt umgestaltet.

sunflowerbelfast.com