St. Pauli: Sehenswürdigkeiten und Geheimtipps auf dem Kiez

Rund um die Reeperbahn erstreckt sich das bei Besuchern wie Hamburgern beliebte Viertel St. Pauli. Merian gibt Tipps für Sehenswertes, Kultur, Bars und Food-Spots im legendären Rotlichtviertel der Hansestadt.
Datum27.10.2026

Wer bei St. Pauli an Reeperbahn, die Große Freiheit und ihre Clubs oder den Altonaer Fischmarkt denkt, denkt vor allem an das alte St. Pauli. Denn Hamburgs bekanntester, berüchtigter und lebendigster Stadtteil wandelt sich seit einigen Jahren zu einem neuen, moderneren Quartier. Zugleich bleibt sich St. Pauli vielerorts treu: bunt, unangepasst und links. Merian stellt spannende neue Orte, altbekannte Sehenswürdigkeiten und Ausgeh-Tipps auf St. Pauli vor. 

Millerntor-Stadion: Heimat des FC St. Pauli

Das Millerntor-Stadion ist die Spielstätte des FC St. Pauli.

St. Pauli liegt über den Daumen gepeilt ziemlich genau im Zentrum Hamburgs. Und das Millerntor-Stadion wiederum liegt ziemlich genau im Zentrum von St. Pauli. Wer will, kann eine Führung durch das Stadion buchen, das so anders ist als die meisten dieser Welt. Hier gibt es mehr Steh- als Sitzplätze, es gibt das „Piratennest“, einen Kindergarten mit Blick aufs Spielfeld, und den „Rabauken-Block“, ebenfalls reserviert für alle Mini-Fans. Das „Trockendock I“ rühmt sich, „der wohl erste und einzige komplett alkoholfreie Getränkestand im Profifußball“ zu sein. 

Man sieht im Stadion wenig Werbung, dafür umso mehr Streetart, Graffiti und politische Botschaften. In großen Buchstaben steht hier: „Kein Mensch ist illegal“ oder „Kein Fußball den Faschisten“. Verein und Fans gelten als links, wie der ganze Kiez eben. Die Profis der Kiezkicker waren zwar noch nie Deutscher Meister, aber im Blindenfußball holte der Verein schon den Titel. Und auch in der Zweiten Bundesliga gab es 2023 immerhin einen Titel der besonderen Art: die Auszeichnung für den besten Rasen. Nach Ende jeder Saison finden rund um den Rasen Veranstaltungen wie das Streetart-Fest Millerntor Gallery, Kinonächte und andere Events statt.

fcstpauli.com/millerntor

Grüner Bunker an der Feldstraße

Hamburg wurde aufgrund des Grünen Bunkers sogar von der New York Times als Top-Reiseziel empfohlen.

An der geschäftigen Feldstraße, der Schnittstelle zwischen St. Pauli und dem benachbarten Schanzenviertel, hat sich in den vergangenen Jahren viel getan. Lange wurde auf dem markanten Weltkriegsbunker hinter der U-Bahn-Haltestelle gearbeitet, seit Sommer 2024 ist der neue Aufbau als Grüner Bunker offiziell geöffnet. Das neue Gebäude beherbergt Gastronomie, eine Veranstaltungshalle, ein Hotel und einen öffentlichen Dachgarten, den Besucher über eine außenliegende Treppe erreichen können. 

Mehr als 4.700 Bäume, Gehölze und Stauden wurden dafür rund um die Fassade und auf dem Dach angepflanzt. Von oben reicht der Blick bis zur Elbphilharmonie und dem Hafen. Rund 60 Millionen Euro kostete der Umbau, der international Aufmerksamkeit erregte und dazu führte, dass unter anderem die „New York Times“ und das „Time Magazine“ Hamburg als lohnenswertes Reiseziel auszeichneten.

Kultige Theater: Musicals im Schmidts Tivoli und Operettenhaus

Das „Schmidts Tivoli“ ist eine Institution in St. Pauli.

„Heiße Ecke“, so hieß eine legendäre Imbissbude. Nach ihr ist „das erfolgreichste deutsche Musical“ benannt, das jedenfalls sagt Corny Littmann, Theaterchef im Schmidts Tivoli am Spielbudenplatz, in dem das Stück zu sehen ist. Über 5.100 Vorstellungen liefen hier in den 20 Jahren nach der Premiere 2003 über die Bühne. Und ein Ende ist längst nicht abzusehen.

„Schräg, schrill und nicht kinderkompatibel“ sei das Stück, sagt Littmann, „ein Kaleidoskop des Lebens auf St. Pauli“. Das neunköpfige Ensemble schlüpft in über 50 Rollen, von der Dragqueen über die Frau von der Heilsarmee bis hin zu den Pinneberger Jungs auf Junggesellenabschiedstour. Es ist eine flotte Abfolge von Szenen, mit Gags, Schoten, Schenkelklopfern. Das Publikum geht mit, raunt, johlt. 

tivoli.de

Wenige Meter weiter östlich findet sich eine weitere St. Pauli-Institution, die den Grundstein für Hamburg als gefeierte Musical-Metropole legte. Seit 40 Jahren werden im Stage Operettenhaus die größten und bekanntesten Stücke der Welt inszeniert. Premiere feierten das Haus und sein Ensemble am 18. April 1986 mit der Aufführung des Musicals „Cats“ von Andrew Lloyd Webber, das hier 14 Jahre lang erfolgreich gespielt wurde. Es folgten Hits wie „Mamma Mia!“, „Rocky“, „Hamilton“ und „Tanz der Vampire“ – oft als deutschsprachige Uraufführung und mit hochkarätiger Besetzung. Heute sind die Spielzeiten der aufwändigen Produktionen deutlich kürzer, der Beliebtheit der Hamburger Musicals hat das jedoch keinen Abbruch getan. 

stage-entertainment.de

Panik City: Hommage an Udo Lindenberg

Im „Klubhaus St. Pauli“ am Spielbudenplatz finden Besucher:innen die „Panik City“.

Welche intensive Verbindung Sänger und Künstler Udo Lindenberg mit seiner Hanse- und Heimatstadt hat, davon kann man sich ein Bild machen bei einer Führung durch die Panik City im vierten Obergeschoss des Klubhauses St. Pauli am Spielbudenplatz. Man hört Udo schon im Fahrstuhl aus dem Lautsprecher – er gurgelt mit Eierlikör, „damit die Stimme schön klingt“, sagt Petra Roitsch, die Betriebsleiterin, auch „Panik-Petra“ genannt.

Es folgt: ganz wenig Text, ganz viel Interaktion und Multimedia. In der Panik City setzt man hier Kopfhörer auf, um im Tonstudio mit Hamburgs jüngstem Ehrenbürger ein Lied aufzunehmen, dort eine Spezialbrille, um direkt neben Udo auf der Bühne zu stehen – alles virtuell, versteht sich. Viele Besucher waren schon zu DDR-Zeiten Fans von Udo und seinem „Sonderzug nach Pankow“, so Roitsch. Die Stasi notierte damals: „ein mittelmäßiger Schlagersänger der BRD“.

klubhaus-stpauli.de

Fisch und Currywurst: Imbisse auf St. Pauli

Kult-Imbiss: die Lucullus-Wurstbude auf der Reeperbahn

Irgendwann kommt der Hunger. Und das heißt in Hamburg für viele: Zeit für Fisch. Den gibt’s bei den Landungsbrücken schnell auf die Hand – hochgelobt an der Brücke 10, modern und hip im Underdocks an der Brücke 3. 

Stilvoll und kreativ zubereitet, genießt man Fisch und Meeresfrüchte in der XO Seafoodbar, einem Haus des Sternekochs Fabio Haebel, das viel Wert auf Nachhaltigkeit legt. Und wer ins „richtige“ Freudenhaus geht, bekommt nicht nur Fisch, sondern auch „sündiges Fleisch“, so jedenfalls sind Roulade und Rumpsteak auf der Speisekarte überschrieben. Der Klassiker zu später Stunde ist die Currywurst. Für viele dann die erste Adresse: Lucullus, ein hell erleuchteter, bunt blinkender Imbiss schräg gegenüber der Davidwache. Alternativ, aber etwas ab vom Schuss liegt der vor allem bei Fans des FC St. Pauli beliebte Imbiss Kleine Pause.

Park Fiction: Die grüne Oase von St. Pauli

Menschen und Schiffe gucken: Park Ficton zählt zu den beliebtesten Treffpunkten des Viertels.

Der Antonipark, im Volksmund nur Park Fiction genannt, liegt an einem Elbhang, der eigentlich bebaut werden sollte. Um das zu verhindern, taten sich Menschen aus dem Viertel und aus der lokalen Kunstszene einmal mehr zusammen und entwarfen diese grüne Oase, für manche auch der „Balkon von St. Pauli“.

Man mache es wie die Bewohner von St. Pauli, hocke sich auf eine der Grünflächen, zum Beispiel die Insel mit den stählernen Palmen, und genieße den Blick auf Elbe und Hafen, im Rücken die St. Pauli Kirche und die früher so umkämpfte Hafenstraße.

Und wenn das Hamburger Wetter wieder einmal nicht mitspielt, liegt direkt nebenan der berühmte Golden Pudel Club und auf dessen Dach die Kultur & Gaststätte Locke. Das Ensemble aus Techno- und Independent-Disko und das alternative Café bringen den St.-Pauli-Charakter bestens auf den Punkt. Etwas touristischer und dennoch auch bei Locals beliebt: die Brauerei Überquell mit viel Platz, Pizza und Biergarten. 

park-fiction.net

Krimi-Tour mit dem St. Pauli Office

Kiez-Guide Sarah führt Besucherinnen und Besucher in die Unterwelten von St. Pauli.

Ob mit dem Nachtwächter, einer Dragqueen oder ein entspannter Rundgang zu den touristischen Highlights: Kiez-Touren gibt es zahlreiche. Großer Beliebtheit erfreuen sich mittlerweile auch Krimi-Touren, auf denen auch die Schattenseiten des Viertels beleuchtet werden. Mehrmals pro Woche führt zum Beispiel das Team vom St. Pauli Office Grusel-Fans auf den Spuren des Verbrechens durch das Rotlichtviertel. Im Dunstkreis der Reeperbahn geht es an reale und fiktive Schauplätze rund um Mord, Milieu und dunkle Machenschaften. 

„St. Pauli ist kein gewöhnliches Viertel. Kriminalität hat hier, auch wegen der Nähe zum Hafen, schon immer eine Rolle gespielt“, sagt Guide Sarah. Wie gefährlich dieser nach außen hin schillernde Mikrokosmos einst war, erzählen sie und ihre Kollegen unter anderem vor der bekannten Boxkneipe „Zur Ritze“, an der Kneipe „Zum Goldenen Handschuh“, an dessen Bar einst der Mörder Fritz Honka Platz nahm, oder in den Katakomben unter der Davidstraße.

getyourguide.com oder sanktpaulioffice.de

Angesagte Bars auf St. Pauli

Besondere Drinks wie Buttermilk Margarita kreirt der Chug Club.

An kaum einem anderen Ort in Deutschland gibt es eine solche Dichte an gastronomischen Betrieben wie in St. Pauli. Die meisten Nachtschwärmer zieht es deshalb von Kneipe zu Kneipe, von Cocktail- zu Karaokebar. Was mitunter gar nicht so einfach ist, denn auf der Reeperbahn nachts um halb eins kann es richtig voll werden. 

Wer Longdrinks und Cocktails lieber in stilvollem, entspanntem und genussvollem Ambiente als in den Feierkneipen und oft überfüllten Bars rund um den Hans-Albers-Platz und auf dem Hamburger Berg probieren möchte, findet in Reeperbahn-Nähe gleich mehrere ansprechende Alternativen. 

Zu den besten Adressen der Stadt zählt die Collab Bar in der Hein-Hoyer-Straße, deren aufgeräumtes, helles und minimalistisches Ambiente so gar nicht zur lauten Umgebung vor der Haustür passt. Nachbarschaftlichkeit ist den Gastgebern Chloé Merz und André Lembcke kieztypisch besonders wichtig. Die angebotenen Snacks stammen deswegen von befreundeten Gastronomien um die Ecke. Eine weitere hippe Adresse findet sich in der nahen Hopfenstraße: Der Chug Club setzt vornehmlich auf Tequila und verspricht mit seinen Drinks eine Geschmacksreise Richtung Mexiko. Zu guter Letzt macht das Rabbit Hole, auf dessen Karte sich eine große Auswahl an wechselnden und überraschenden Cocktails verbirgt, das Bar-Trio perfekt.

 – mit dpa