Die 11 schönsten Gärten von Cornwall

Dem Golfstrom und seinem milden Klima sei Dank gilt die englische Halbinsel und gleichnamige Grafschaft Cornwall spätestens seit dem 19. Jahrhundert als Pflanzenparadies. Hier gedeihen all jene Blumen, Bäume und Sträucher, die Forscher und Entdecker einst von ihren Expeditionen aus wärmeren Gefilden mitbrachten. Wohlhabende Bankiers und Reeder investierten ihr Vermögen in prächtige Anlagen, die nach und nach auch für Besucher öffneten.
Von wilden Palmenhainen über die prächtigsten Rhododendren bis hin zu heimischen Sonnenblumen wartet die hiesige Fauna mit einem schier endlosen Fächer auf. Wir zeigen elf der schönsten Gärten von Cornwall.
Trebah Garden

Geschwisterstreit kann Blüten treiben: Erst kaufte der Reeder Alfred Fox das Tal Glendurgan, später zog sein drei Jahre jüngerer Bruder Charles nach – und legte direkt nebenan Trebah Garden an. Die Brüder lieferten sich um 1830 ein pflanzliches Wettrüsten, das bis heute Besucher entzückt. Zumindest der Preis für die seltenste Pflanze geht an Trebah: Hier wächst die Wollemia nobilis, ein erst Mitte der 1990er in Australien wiederentdeckter Baum aus den Zeiten der Dinosaurier. Und auch sonst hat die Anlage einiges Außergewöhnliches zu bieten. Für den Wassergarten leiteten die Gärtner einen Bach um und legten kunstvolle Bassins an, in denen selbst Kallas aus Afrika gedeihen.
Glendurgan Garden

Bei zwölf Kindern mussten sich die Reeder-Eheleute Alfred und Sarah Fox etwas einfallen lassen. Also gab das Paar 1833 den Auftrag, auf ihrem Anwesen ein Labyrinth aus Kirschlorbeer-Hecken anzulegen. Dieses steht bis heute und begeistert nach wie vor viele Kinder, die zu Besuch kommen. Sohn George Henry trat später in die Fußstapfen der Eltern, baute den Garten weiter aus und ließ unter anderem Urweltmammutbäume, Magnolien, Tulpenbäume und Wildblumenwiesen pflanzen. Seit 1962 wird Glendurgan Garden vom National Trust verwaltet. Die Fox-Nachkommen leben jedoch weiter im Herrenhaus und haben Zutritt zum Garten, zum angrenzenden Durgan Beach – und natürlich zum Labyrinth.
Penjerrick Garden

Willkommen im Dschungel: Der Garten, den Robert Were Fox – Bruder der Gründer von Trebah und Glendurgan – im frühen 19. Jahrhundert nahe Falmouth anlegte, besticht durch dichtes Grün voller Palmen und Farne. Und durch rare Rhododendren-Kreuzungen, die der Gartengründer, ein Freund Alexander von Humboldts, selbst durchführte. Hübsch ist zum Beispiel die Sorte „Penjerrick Cream“ mit ihren weiß-rosa Blüten. Ein weiterer Tipp: Halten Sie unbedingt Ausschau nach der versteinerten Koralle im Upper Garden! Einst war sie ein Geschenk von Robert FitzRoy, dem Kapitän der HMS Beagle, die 1881 mit Charles Darwin an Bord aufgebrochen war.
Hinweis: Seit einiger Zeit wird Penjerrick Garden größtenteils sich selbst überlassen. Viele der einstigen Wege sind zugewachsen und festes Schuhwerk ist bei einem Besuch vonnöten. Sanitäre Anlagen und Gastronomie sind nicht vorhanden. Der Garten entfaltet als verwunschener Lost Place dennoch einen ganz besonderen Zauber.
The Eden Project

Ein Must-See für alle Gartenfans! Seit 2001 wächst und gedeiht in einer einstigen Tongrube nordöstlich von St Austell eine der außergewöhnlichsten botanischen Anlagen der Welt. Unter dem Namen Eden Project können Besucher auf einer Fläche von 15 Hektar heute mehr als 5.000 Pflanzenarten entdecken. Besondere Beachtung finden die futuristisch gestalteten Gewächshäuser. Die sogenannten Biodome setzen sich aus Glas und Stahlrahmen zusammen und erinnern an die Waben eines Bienenstockes. In ihrem Inneren haben Gärtner und Landschaftsarchitekten sich den verschiedenen Klimazonen des Planeten gewidmet. Das Rainforest Biome erinnert mit Palmen, Kakaopflanzen, Bananen, Bambus und Seerosen an tropisch-feuchte Gefilde. Im Mediterranean Biome tauchen Gäste in eine duftende Mittelmeerwelt aus Olivenbäumen, Lavendel, Zitrusbäumen und Korkeichen ein. Zum Eden Project gehören zudem eine Freiluftbühne, ein Spielplatz sowie das Core, ein Ausstellungs- und Seminargebäude.
Lamorran House Gardens
Der Investmentbanker und leidenschaftliche Botaniker Robert Dudley-Cooke ist ein Mann, der sich seine eigene Welt baut – so wie sie ihm, vor allem aber seiner italienischen Frau Maria-Antoinette und den vier Töchtern gefällt. So wuchs Lamorran Garden bei St Mawes seit dem Kauf 1982 stetig: Mediterrane Pflanzen und antik anmutende Statuen sollten Maria das Heimweh nehmen. Der prächtige Garten erinnert an vielen Stellen an eine üppig bepflanzte Mittelmeer-Terrasse. Für die Hochzeit der ältesten Tochter ließ der Haus- und Gartenherr ein Rosarium anlegen. Für eine andere Tochter den Wasserfall. Und für sich einen Teich mit Koi-Karpfen.
Trengwainton Gardens

Edward Bolitho, Oberstleutnant und seit 1925 Erbe von Trengwainton, war ein Sammler: von Pflanzen und Kontakten. Mit den benachbarten Großgrundbesitzern seiner Zeit tauschte er fleißig Blumensamen, von „Pflanzenjägern“ wie dem legendären Frank Kingdon Ward ließ er sich Ableger aus Tibet, Myanmar oder China mitbringen. Neben der Vielfalt an Magnolien und Rhododendren bietet dieser Garten am nördlichen Rand von Penzance zwei weitere schöne Highlights: den Blick über die Bucht zum St. Michael's Mount und den Küchengarten aus dem frühen 19. Jahrhundert. Das hier angebaute Obst und Gemüse wird im Tea Room zu leckeren Snacks verarbeitet.
Tregothnan Estate

Auch hier blühen Magnolien und Rhododendren; das Highlight des Tregothnan Estate bei Truro ist daher etwas anderes: Tee. Auf der einzigen Plantage Englands werden seit 1999 die Blätter der Camellia sinensis geerntet, die aromatischen Schwarztee-Varianten gibt es überall in Cornwall zu kaufen. Mit etwas mehr Planungsaufwand ist der Zugang zur Anlage verbunden: Die Plantage ist nur im Rahmen von Führungen zu besichtigen, ebenso der River Garden – der Rundgang mit Chefgärtner Neil Bennett kostet fast 80 Euro. Dazu gehört am Ende aber auch eine Teeverkostung inklusive kulinarischer Begleitung im pittoresken Sommerhaus aus dem frühen 20. Jahrhundert.
Trelissick Garden

Herumtoben erlaubt: Auf den alten Bäumen darf ausgiebig geklettert werden, im Trelissick Garden werden Kinder aufgefordert, ihren Eltern aus Blättern und Stöcken eine eigene Spur zu legen. Das Gelände am River Fal ist der perfekte Garten für Sommerferien mit der Familie. Auch weil, anders als in den meisten Gärten Cornwalls, besonders viele Blüten im Sommer zu sehen sind: Dahlien, Ingwerlilien und etliche Wildblumen mischen sich dann ins Gras. Und wer noch etwas später reist, darf sich ebenfalls freuen: Ab Spätsommer sind mehr als 70 alte Apfelsorten aus der Region reif.
Tremenheere Sculpture Gardens

Einst soll hier der Wein für die Mönche vom nahen St Michael’s Mount angebaut worden sein, später wuchsen Erdbeeren en masse: Der Südhang nahe Penzance hat nicht nur eine geschützte Sonnenlage, sondern auch besten Boden. 1997 kaufte ein Arzt aus der Gegend das Land, seitdem wird in den Tremenheere Sculpture Gardens fleißig gepflanzt – und Kunst installiert. Ein gutes Dutzend Skulpturen sind bereits über den Garten verteilt, regelmäßig kommen neue hinzu. Kommen Sie ruhig hungrig: Im hellen Restaurant gibt es leckeres Frühstück, Salate, Pasta und Fischgerichte.
Trewithen Gardens
„Haus der Bäume“ bedeutet der Name Trewithen übersetzt und könnte passender nicht sein: Knapp 20 Champion Trees zählt die Anlage, also besonders hochgewachsene Bäume, darunter japanische Magnolien und eine Chilenische Scheinulme. Trewithen ist auch bekannt für seine Kamelien und dafür, seit der Auswilderung 2012 wieder Lebensraum des einst hier heimischen roten Eichhörnchens zu sein, das von seinen grauen Artgenossen in dieser Gegend verdrängt wurde. Neben dem Garten kann tageweise auch das Herrenhaus aus dem 18. Jahrhundert besichtigt werden – seit zehn Generationen in Familienbesitz und noch immer bewohnt.
Pinsla Garden

Claire und Mark Woodbine verstehen sich nicht als Gärtner, sondern als Gartenkünstler: Als sie 1982 ein Cottage am Rand des Bodmin Moors übernahmen, kämpften sie sich zuerst mit Heckenschere und Sense durch das angrenzende Land. Heute laufen Besucher hier durch einen wilden Bauerngarten. Zu fast jeder Jahreszeit blüht im Pinsla Garden etwas. Und wenn nicht: Mit bunten Blumentöpfen oder Skulpturen bringen die Woodbines noch mehr Farbe in ihr Grün. Hinweis: Der Cottage Garden ist nur an ausgewählten Tagen zwischen Mai und Juli geöffnet.
*Hinweis: Dieser Text ist ursprünglich in der Merian-Ausgabe Cornwall 9/17 erschienen und wurde aktualisiert. Autorin: Inka Schmeling