Orient Express © Martin Scott Powell
Zugreisen

Die schönsten Zugreisen der Welt

Mit dem Zug zu verreisen, hat viele Vorzüge. In komfortablen Sitzen mit bestem Ausblick ziehen neue Orte vorbei. Der Weg per Schiene ist klimafreundlich und die Strecke selbst wird zum Erlebnis. Entdecken Sie hier fünf unvergessliche Zugreisen!

Wer mit dem Zug die Welt entdeckt, erlebt ein neues Gefühl des Reisens. Fahrgäste werden längst nicht mehr nur von A nach B gebeamt, sondern können den Weg ans Ziel auf außergewöhnliche Art zelebrieren. Der Genuss lässt sich noch steigern, wenn die Zugreise in einem literarischen oder historisch-kulturellen Kontext stattfindet – wie etwa im legendären Orient-Express. Mehr über besondere Reisen auf Schienen, den schönsten Strecken und weltberühmten Zügen erfahren Sie hier.

Orient-Express: Die Legende lebt

Innenraum, Orient Express © Helen Cathcart

Wer denkt dabei nicht gleich an Agatha Christie und ihren Bestseller „Mord im Orient-Express”? Und so spannend wie der Roman und der Film ist auch die Fahrt mit dem Zug. Premiere hatte der Orient-Express vor fast 140 Jahren. Am 5. Juni 1883 fuhr der Luxuszug mit seinen Schlaf- und Speisewagen von Paris quer durch Europa bis nach Istanbul, das seinerzeit noch Konstantinopel hieß. Die knapp 3000 Kilometer lange Strecke war damals noch gar nicht durchgängig mit Schienen ausgestattet. Die erste Direktverbindung im „König der Züge” stand erst 1890. In der Folge wurden diverse klassische Orient-Express-Strecken mit unterschiedlichen Zielankünften geschaffen. In den 1920er-Jahren feierte etwa der Simplon-Orient-Express Premiere, der auf seiner Fahrt Metropolen wie Mailand, Venedig, Belgrad oder Sofia Venedig bediente. Sein Nachfolger ist der Venice-Simplon-Orient-Express, der seit 1982 verkehrt. 

Perfekt für alle Eisenbahn-Nostalgiker: Teilstrecken lassen sich individuell zusammenstellen. Klassischerweise führen sie über Budapest, Wien und Prag. Aber auch Berlin, Rom und diverse andere Zielorte sind buchbar. Einmaliges Highlight: Einmal im Jahr haben Sie die Möglichkeit, auf der Originalstrecke Paris-Istanbul in der Vergangenheit zu schwelgen. Das Flair der 20er-Jahre ist dabei sehr lebendig. Wer es besonders exklusiv mag, logiert in einer Privatlounge oder einer Cabin Suite. Und in der Grand Suite werden Sie nicht nur mit Champagner und Kaviar begrüßt, sondern erleben ein besonders großzügiges Raumgefühl mit separaten Lounge-Bereichen.

Rovos Rail: Quer durch Afrika

Bordrestaurant © Walter Schmitz

Ein echter Pionier ist Rohan Vos. Eigentlich wollte der Automobilexperte eine ausrangierte Lok lediglich zu privaten Zwecken restaurieren, dann beantragte er doch eine Schienenlizenz. 1989 startete der Eisenbahnliebhaber seine erste Zugreise mit vier zahlenden Passagieren an Bord. Heute steht Rovos Rail, die Eisenbahngesellschaft, die seinen Namen trägt, für  eine der „luxuriösesten Zugreisen der Welt”, wie sie der Selfmademan bewirbt. Dessen Pläne hatte man anfänglich für verrückt gehalten. Schließlich waren viele Regionen in Afrika noch kaum per Schienen erschlossen. Was klein anfing, ist gut 30 Jahre später eine absolute Erfolgsgeschichte. Heute kann Rovos Rail eine enorme Bandbreite an exklusiven Zugreisen auf dem gesamten afrikanischen Kontinent anbieten – von der 48-Stunden-Tour bis zu 15 Tagen auf Schienen. 

Die Waggons sind allesamt liebevoll restauriert. Der Schriftzug „Pride of Africa” leuchtet an der Außenwand der Züge, die maximal 72 Fahrgäste in 36 komfortablen und mit feinstem Mahagoniholz verkleideten Suiten befördern. Angeboten werden außergewöhnliche Abenteuer wie etwa der alte „Bergwerk-Trail” rund um Kapstadt, eine „Durban Safari”, eine Safari in Namibia sowie ein exquisiter Trip zu Sehenswürdigkeiten wie den Victoria Falls. Aber auch Themenreisen, etwa eine „Golf Safari” oder auch die Ost-West-Querung „Trail of two Oceans”, verschaffen den Fahrgästen traumhafte Erinnerungen. 

Toy Train: Stetig bergauf

Restaurantwagen © Kedar M Dioxidephotography

Natürlich handelt es sich nicht um eine Spielzeugeisenbahn, wie der Name suggeriert. Der Toy Train in Indien ist eine Schmalspurbahn, offiziell als „Darjeeling Himalayan Railway” bekannt. Die Strecke führt auf einer nur 61 Zentimeter breiten Spurweite durch die Nilgiriberge, die Waggons werden meist ganz traditionell noch von einer Dampflok gezogen. Was sie so berühmt macht? Die heute von der indischen Staatsbahn betriebene Strecke überwindet bis nach Darjeeling gut 2000 Höhenmeter. Während der Kolonialzeit erbauten die Briten die 86 Kilometer lange Strecke, 1879 war die Geburtsstunde des Toy Trains. 

Seit 1999 gehört die Zugverbindung zum UNESCO-Weltkulturerbe. Sie traversiert eine hügelige Szenerie, in der blühende Magnolien und Rhododendren farbliche Akzente setzen. Nicht zu vergessen die unzähligen leuchtenden Teegärten, die die schneebedeckten Berge flankieren. Reisende passieren zwölf Bahnhöfe, überqueren 554 Brücken und nur einen kurzen Tunnel. Das heißt: Die Sicht auf die zauberhafte Kulisse des Himalaya ist immer frei. Der Zug benötigt für die Strecke im Regelfall etwa 6,5 Stunden. Dabei meistert er insgesamt 873 Kurven – und im Schnitt eine Steigung von satten 44 Prozent. Übrigens: Wer die Lernidee-Erlebnisreise „Deccan Odyssey: Kalkutta-Mumbai” bucht, wird auch den Toy Train live erleben.

Al Ándalus: Absolut königlich

Al Ándalus © J. Alonso

Al-Andalus ist eigentlich der arabische Name für die Teile der iberischen Halbinsel, die sieben Jahrhunderte lang (vom 8. bis 15. Jahrhundert) in diversen Kalifaten muslimisch dominiert waren. Der gleichnamige Zug führt durch das heutige Andalusien und den prachtvollen Süden Spaniens mit seinen zahlreichen maurischen Kulturzeugnissen. Dieser Zug ist buchstäblich königlich. Schließlich ließ ihn die britische Königsfamilie 1929 erbauen und sich von Calais in ihren Urlaub an die Côte d’Azur chauffieren. Heute bahnt sich El Tren Al Andalus seinen Weg durch Traumstädte wie Sevilla und Granada bis nach Córdoba. 

Das Innenleben der Zugwaggons ist geräumig, edle Stoffe und dunkles Holz sorgen für den  Belle-Epoque-Stil, und die Gäste werden mit fürstlichen Gerichten der Haute Cuisine verwöhnt. Bei „Lernidee-Erlebnisreisen“ wird der spanische Königszug als Exklusiv-Charter angeboten. So können Eisenbahnfans in neun Tagen von Sevilla nach Santiago de Compostela und auch in umgekehrter Richtung reisen. Drei weitere exklusive Sonderzug-Touren führen zu den schönsten Sehenswürdigkeiten Andalusiens – entweder in vier, sieben oder elf Tagen. Und auch Portugal wird vom legendären Al Ándalus angesteuert:  von Sevilla nach Porto in vier Tagen.

Bernina Express: Der Alpenklassiker

Bernina Express am Lago Bianco © Christoph Benz

Der Bernina Express, kurz BEX, gehört zu den Klassikern der Alpen-Bahnreisen. Seinen Namen verdankt er dem gleichnamigen Bernina-Pass. Denn über eben diesen führt die 144 Kilometer lange Strecke von Chur bis nach Tirano. In den Sommermonaten kann sie sogar noch per Bus ins pittoreske Lugano ausgedehnt werden. Die Reisenden genießen dann eine rund 6,5-stündige Reise durch die Berge ans Wasser, von den Gletschern zu den Palmen. Der Start in Chur im Kanton Graubünden liegt 585 Meter über dem Meeresspiegel.

 Von hier klettern die roten Waggons am glamourösen St. Moritz vorbei bis auf mehr als 2200 Metern Höhe. Danach geht’s in etlichen Serpentinen mehr oder weniger stetig bergab: 1800 Höhenmeter talwärts bis nach Tirano auf 429 Metern – durch 55 Tunnel und über 196 Brücken. Absoluter Höhepunkt: Zwischen St. Moritz und Tirano werden offene Cabriowagen angehängt. So hat man nicht nur einen freien Blick auf das beeindruckende Bergpanorama, es weht einem auch der würzige Bergkräuterduft um die Nase.