6 außergewöhnliche Reiseziele in Zentralasien

Länder wie Usbekistan, Kirgisistan und Kasachstan gelten noch immer als Geheimtipps, landen aber mittlerweile immer häufiger auf dem Radar Reisender. Allgemein werden sie unter dem Begriff „Zentralasien“ zusammengefasst. Dabei ist bis heute nicht ganz klar, welche Länder genau zu Zentralasien gehören. Nicht nur deshalb, weil die in der Region liegenden Staaten mitsamt ihren Bezeichnungen lange fremdbestimmt waren und sie erst seit dem Zerfall der Sowjetunion unabhängige Länder sind. Sondern auch, weil sich sogar Geografen nie ganz einig sind, wo die Grenzen dieses Teils der Welt beginnen und aufhören.
Konsens besteht meistens darüber, dass folgende Staaten Teil von Zentralasien sind: Kasachstan, Kirgisistan, Usbekistan, Tadschikistan und Turkmenistan. Je nach Definition kommen weitere Destinationen hinzu, die UNESCO beispielsweise inkludiert auch die Mongolei, Tibet, Xinjiang, Kaschmir, Afghanistan, das nördliche Pakistan sowie den östlichen Iran.
So oder so: Die zentralasiatischen Staaten haben vieles gemein, etwa die überaus vielfältige Landschaft mit zahlreichen Vegetationszonen, und Städte, die Tradition und Moderne auf einzigartige Weise kombinieren. Gleichzeitig hat jedes der Länder seine Besonderheiten. Durch viele von ihnen verlief einst die berühmte Seidenstraße, eine der wichtigsten Handelsrouten weltweit. Noch heute strahlen Usbekistan und Co. etwas von dem Glanz und Glamour aus, der ihnen seitdem anhaftet – durchmischt mit vielen historischen Ereignissen, auf deren Spuren man wandelt.
Im Folgenden stellen wir Ihnen sechs außergewöhnliche Reiseziele in Zentralasien vor.
Zentralasien: Hinweise zur Sicherheitslage auf Reisen
Vor einer Reise nach Zentralasien sollten Urlauber sich über entsprechende Sicherheitsvorkehrungen und etwaige Reisewarnungen informieren, etwa beim Auswärtigen Amt oder bei den deutschen Botschaften im entsprechenden Zielland. Die Sicherheitslage unterscheidet sich je nach Land und dessen Grenzgebieten. Einige Länder in Zentralasien sind in der Regel stabil und daher gut zu bereisen, bei anderen sind bestimmte Regelungen und Sicherheitsmaßnahmen zu beachten – beispielsweise aufgrund von innen- und außenpolitischen Spannungen, autoritären Regimen oder Grenzkonflikten. Besonders aufmerksam sollten Reisende auch bei Menschenansammlungen und politischen Veranstaltungen sein, am besten meidet man diese vollkommen.
Usbekistan

Usbekistan ist vor allem bekannt für die historische Seidenstraße. Im Herzen von Zentralasien eingebettet, war das Land eine der wichtigsten Stationen auf der internationalen Handelsroute. Noch heute fährt mehrmals pro Jahr der Orient Silk Road Express durch die weitläufigen Landschaften von Usbekistan, entlang der alten Seidenstraße. Insbesondere Samarkand war einer der wichtigsten Stopps auf der Route, die beinahe 600.000 Einwohner zählende Stadt gehört immer noch zu den bedeutendsten des Landes. Mit dem Registan-Platz, der von kunstvoll verzierten Koranschulen gesäumt wird, der Bibi-Khanum-Moschee und dem Gur-Emir-Mausoleum bietet sie zahlreiche Sehenswürdigkeiten.
Die Hauptstadt von Usbekistan ist jedoch Taschkent. Hier erwartet Besucher eine Mischung aus sowjetischen Bauten, die auf die Zeit der UdSSR zurückgehen, modernen Gebäuden und authentischen Basaren. Besonders sehenswert: der Moscheenkomplex Hazrati Imam und das Staatliche Temuridenmuseum. Von der UNESCO als Welterbe klassifiziert wurde das Zentrum der Stadt Buchara, das mit zahlreichen altehrwürdigen Medressen (Hochschulen) und Moscheen beeindruckt und zu den am besten erhaltenen Altstädten in Zentralasien zählt.
Usbekistan bietet neben diesen eindrucksvollen Städten eine enorme landschaftliche Vielfalt, von Wüstengebieten über Oasen und Gebirgsketten bis hin zu tiefblauen Seen ist alles dabei. Vor allem das Nuratau-Gebirge und der Aralsee sind über die Grenzen hinaus bekannt. Im Allgemeinen ist Usbekistan ein vergleichsweise sicheres Reiseland. Jedoch ist vor allem in den Grenzregionen zu Afghanistan, Tadschikistan und Kirgisistan besondere Vorsicht geboten: Dort geht eine erhöhte Bedrohung von islamistisch orientierten Gewaltanschlägen aus. Jedoch richtete sich diese Bedrohung bislang nie gegen den Tourismus.
Kirgisistan

Östlich von Usbekistan befindet sich dieses Land, das häufig auch nur „Kirgistan” genannt wird. Hier kommen vor allem Abenteurer und Naturliebhaber auf ihre Kosten, denn Kirgisistan wird dominiert von weitläufigen Gebirgslandschaften und einer Kultur der Nomaden. Mehr als 90 Prozent des Landes sind Berge oder Hügel – wo man auch hinblickt, folgt ein Gletscher auf den nächsten, ein Gebirgspass auf ein Tal. Deshalb ist diese Destination besonders gut zum Wandern, Reiten und Wildcampen geeignet. Um die Traditionen der hier noch vielfach lebenden Nomaden besser kennenzulernen, können Community Visits gebucht werden.
Die Hauptstadt von Kirgisistan ist Bischkek, sie zählt mehr als 1,3 Millionen Einwohner. Der Ala-Too-Platz, das State History Museum und die Zentralmoschee Bischkek sind nur drei der vielen Sehenswürdigkeiten, die die Stadt prägen. Reisende finden hier außerdem viele Grünflächen zur Naherholung, aber auch zahlreiche Sowjet-Bauten. Der Kontrast aus Stadt und Land ist in Bischkek besonders eindrucksvoll, denn die Metropole gilt als das Tor zum Ala-Artscha-Nationalpark mit diversen Wanderwegen. Ähnliches gilt für Karakol: Die Stadt ist bekannt für die hübsche Dunganen-Moschee, aber mindestens ebenso für ihre Umgebung, die nur aus Bergen besteht und perfekte Bedingungen fürs Wandern und sämtliche Wintersportarten bietet.
Wer noch mehr Natur sehen möchte, schaut sich den Yssyk-Köl-See und den Songköl-See an, beides Hochgebirgsseen. Während der erste gigantische Ausmaße vorweist – er gilt als einer der größten Hochgebirgsseen der Welt – ist der Songköl-See kompakter. Ihn erreicht man jedoch in der Regel nur im Sommer, im Winter sind die Straßen unpassierbar. Rundherum gruppieren sich verschiedene Jurtencamps, in denen zum Teil Nomaden leben.
Wichtig: Einen öffentlichen Verkehr gibt es so nicht – oder nur sehr eingeschränkt – in Kirgisistan. Reisende nutzen in der Regel Minibusse, auch „Marschrutkas” genannt. Grundsätzlich gilt das Land als recht sicher, doch auch hier können sich politische Spannungen jederzeit aufheizen oder lokale Versammlungen und Proteste stattfinden.
Kasachstan

Kasachstan nimmt den größten Teil von Zentralasien ein, schließlich ist es das neuntgrößte Land der Welt. Das spielt bei der Reiseplanung ebenfalls eine Rolle, denn die Distanzen innerhalb des Landes sind enorm. Es verkehren zwar Züge und Busse zwischen den Städten, allerdings dauern die Fahrten mitunter sehr lange, eine genaue Planung ist also unbedingt notwendig. Alternativ gibt es auch Inlandsflüge.
Zu Zeiten der UdSSR war Almaty die Hauptstadt von Kasachstan, auch heute noch ist die Stadt das kulturelle Zentrum des Landes und bietet zahlreiche Cafés, Restaurants, Hotels und Museen. Hinter den silber- und bronzefarbenen Wolkenkratzern ragen die Kuppen des Gebirges Transili-Alatau auf – ein beeindruckendes Fotomotiv. Die heutige Hauptstadt Astana verbindet ebenfalls Grünflächen mit futuristischen Gebäuden. Ein Wahrzeichen der Metropole ist der unverkennbare, 97 Meter hohe Bajterek-Turm mit Aussichtsplattform. Ebenfalls empfehlenswert: die Hazrat-Sultan-Moschee, das Nationalmuseum der Republik Kasachstan und die Pyramide des Friedens und der Eintracht, ein Kulturzentrum, das vom britischen Architekten Norman Foster gestaltet wurde und maßgeblich das Stadtbild prägt.
Aufgrund seiner Größe vereint Kasachstan zahlreiche Landschaften, eine der surrealsten davon: der Charyn-Canyon im Scharyn-Nationalpark. Häufig wird diese Schlucht mit dem Grand Canyon, der berühmtesten Schlucht der Welt, verglichen. Rostrote und erdfarbene Gesteinsformationen ziehen sich endlos weit und erinnern vielfach an die Feenkamine, die man so oft in Kappadokien findet. Für Wanderungen bieten sich beispielsweise die Kolsai-Seen und der Kaindy-See an.
In Bezug auf Sicherheitsvorkehrungen gilt für Kasachstan das Gleiche wie für Usbekistan und Kirgisistan. Aktuelle Informationen sind immer beim Auswärtigen Amt und den entsprechenden Botschaften einzuholen.
Turkmenistan

Dieses Land ist schon komplizierter zu bereisen – nicht umsonst gehört Turkmenistan zu den Ländern mit den wenigsten Touristen weltweit. Das liegt beispielsweise am relativ aufwendigen Einreiseverfahren. Neben einem Visum brauchen Urlauber nämlich auch eine Einladung aus Turkmenistan – ja, richtig gelesen. Einige Reisebüros in Deutschland kümmern sich darum, eine solche Einladung zu organisieren; als Privatperson ist das nur möglich, wenn man vor Ort jemanden kennt.
Wer den Widerständen trotzt und Turkmenistan bereist, der findet ein wunderschönes Land mit imposanten Naturabschnitten und Städten vor. Eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten von Turkmenistan ist der Krater von Derweze inmitten der Karakum-Wüste. Hier strömt seit mehr als 50 Jahren unkontrolliert Methangas aus; in dem Krater mit einem 69 Meter Durchmesser leuchtet es daher kontinuierlich feuerrot. Die Einwohner Turkmenistans haben ihn das „Tor zur Hölle” genannt. Aber: Das Glühen lässt mittlerweile nach, es ist unklar, wie lange der Krater von Derweze noch lichterloh glüht.
Auch die Hauptstadt Aşgabat ist sehenswert, sie wird geprägt von edlen Marmorgebäuden, breiten Boulevards und vielen Denkmälern. Aşgabat wirkt auf viele Reisende faszinierend und doch befremdlich, die strenge Ordnung der Straßen und Gebäuden surreal. Wer vor Ort ist, sollte der Türkmenbaşy Ruhy Mosque und dem Kulturzentrum Alem Center einen Besuch abstatten. Unbedingt ebenfalls anschauen: die historische Ruinenstadt Merv (Mary), die einst einen der wichtigsten Knotenpunkte auf der Seidenstraße darstellte.
Tibet

Den Wunsch nach einer individuellen und möglichst spontanen Reise müssen Sie loslassen, wenn Sie in das Autonome Gebiet Tibet (AGT) reisen wollen. Neben einem chinesischen Visum – Tibet ist ein autonomes Gebiet innerhalb der Volksrepublik China – brauchen Touristen nochmals eine Spezialgenehmigung, die sogenannte „Tibet Travel Permit”, um einzureisen. Und die bekommt man nur über ein Reisebüro, das Anträge für geführte Gruppen à mindestens fünf Personen stellt. Das Reisebüro muss darüber hinaus vom tibetischen Fremdenverkehrsamt akkreditiert sein – also Augen auf bei der Auswahl. Bewegungsfreiheit und Informationszugang sind darüber hinaus vor Ort stark eingeschränkt, das müssen Reisende beachten.
Wieso wir Tibet trotzdem hier aufnehmen? Weil es seinen Status als Sehnsuchtsziel dennoch verdient hat. Das spirituelle Zentrum Lhasa flirrt nur so vor Energie und bietet mit dem Potala-Palast und dem Jokhang-Tempel einige der schönsten Gebäude von ganz Tibet. Rundherum schlängeln sich verschiedene Pilgerrouten durch die Natur; durchschnittlich liegt Tibet auf einer Höhe von 4.500 Metern und ist damit das größte Hochland der Welt. Die Klosteranlagen Sera, Drepung und Trashilhünpo gewähren tiefe Einblicke in die buddhistische Kultur von Tibet. Neben den Himalaya-Ausläufern und Seen wie Yamdrok und Namtso ist vor allem das Everest-Basislager eindrucksvoll. Der Mount Everest liegt zwischen den Landesgrenzen von Tibet und Nepal, das Basislager kann im Rahmen einer geführten Tour besucht werden.
In Lhasa gibt es einen Flughafen, innerhalb von Tibet verkehrt beispielsweise die Qinghai-Tibet-Bahn, auch Lhasa-Bahn genannt. Auf der Strecke ergeben sich phänomenale Ausblicke auf die Hochgebirgs-Szenerien des Landes.
Die Mongolei

Endlose Weiten und kaum Menschen: In der Mongolei wird dieser Traum vieler Touristen wahr. Das Land zwischen China und Russland zählt zu den am wenigsten besiedelten Orten der Welt, geprägt von Steppen, Wüsten und Gebirgen. Noch heute leben viele Nomaden in dem 1.564.000 Quadratkilometer großen Land, das das Erbe von Dschingis Kahn trägt. Einige Bewohner laden Reisende auch gerne in ihre Jurtencamps ein, so können die Kultur und die Traditionen der Mongolen auf möglichst authentische Weise erfahren werden.
Zu den bekanntesten Orten zählt die Wüste Gobi, die sich außerdem über andere Teile Zentralasiens und Teile von China erstreckt. Hunderte Schluchten, Sanddünen und Fossilien bilden eine einzigartige Landschaft. Endloses Grün hingegen – zumindest im Frühling –, durchsetzt von Schluchten und Wasserfällen, prägt das Orkhon-Tal im Herzen der Mongolei. Beides sind Ziele, die bei Reisenden auf der Bucketlist stehen sollten.
Dabei ist es gar nicht so leicht, von A nach B zu kommen, die Distanzen riesig, häufig sind keine befahrbaren Straßen vorhanden und die Orientierung fällt schwer – wohl einer der Gründe, wieso die Mongolei noch absoluten Geheimtipp-Status unter Reisenden innehat. Gleichzeitig ist das Land relativ sicher, die Herausforderungen ergeben sich hierbei eher durch fehlende Infrastruktur, der daraus entstehenden Isolation und dem Wetter – das im Sommer und Winter sehr extrem sein kann.