Sagrada Família: Bauwerk der Superlative
Seit mehr als einem Jahrhundert vollenden Architekten die Idee von Antoni Gaudí: Die Sagrada Família im Herzen von Barcelona kommt dem Himmel mit jedem Bauabschnitt ein Stück näher. Mittlerweile widmet sich das Team aus internationalen Experten den abschließenden Arbeiten, wie Co-Architekt Mauricio Cortes im Interview erzählt.
Mit dem Torre de la Virgen María wurde 2025 der vorletzte der insgesamt 18 Türme fertiggestellt, an seiner Spitze in 138 Meter Höhe strahlt seither ein fünf Tonnen schwerer Stern aus Glas und Stahl. Erzbischof Joan Josep Omella sprach bei der Segnung des Marienturms große Worte: Der Koloss werde die Skyline von Barcelona „für immer und ewig verändern“.
Dabei hat die Sagrada Família die katalanische Metropole längst nachhaltig beeinflusst. Jährlich zieht es mehrere Millionen Menschen in die spektakulären Kirchenschiffe, deren hohe Säulen alten Bäumen gleichen. Die Natur, die Antoni Gaudí selbst als seine größte Lehrmeisterin bezeichnete, diente nicht nur beim Baubeginn als maßgebliche Inspiration, sondern auch den heutigen Architekten.
Hauptturm der Sagrada: Papst Leo XIV. spricht Segen
Im Sommer 2026 feiert die mittlerweile welthöchste Kirche einen weiteren Meilenstein. Mit dem Torre de Jesucristo, dessen Spitze unter deutscher Beteiligung entstand, ist einer der wichtigsten, letzten Bauabschnitte abgeschlossen. Dieser wird im Rahmen einer Messe zum 100. Todestag von Antoni Gaudí am 10. Juni 2026 andächtig mit mehr als 4.000 Gästen, buntem Rahmenprogramm und einer Segnung durch Papst Leo XIV. zelebriert.
Fertig ist die Sagrada jedoch noch nicht. Als nächster und voraussichtlich letzter Bauschritt stehen Arbeiten an der südlichen Glorienfassade an, die künftig als Haupteingang genutzt werden soll. Der finale Bauabschluss ist für das Jahr 2035 geplant.
Der Besuch von Barcelonas höchstem Heiligtum lohnt glücklicherweise schon jetzt. Fast alle Bereiche sind mittlerweile öffentlich zugänglich, die massiven Baukräne mittlerweile verschwunden. Was man in der Kirche unbedingt gesehen haben sollte, welche besonderen Details sich in ihr verstecken und Tipps rund um einen Besuch der Sagrada Família lesen Sie hier.
Geburtsfassade

Die Geburt Jesu erzählt in einer beeindruckenden Konstruktion: An der Nordostseite der Kirche befindet sich die Geburtsfassade, die bereits zu Lebzeiten Gaudís fertiggestellt wurde. Als Baustoff diente dem Ausnahmearchitekten unter anderem Sandstein des nahen Montjuïc, dem Hausberg Barcelonas. Wer genau hinsieht, entdeckt im Zentrum der „Façana del Naixement“ Maria, Josef und Jesus sowie die drei Könige.
Umgeben ist die biblische Szene mit Elementen der Natur, mit Tieren, Pflanzen und Symbolen für Berge und Meer. Diese Mischung aus religiösen Motiven und Beobachtungen aus der Biologie steht symbolisch für Gaudís Sicht auf die Welt. Zwar war der Architekt bekennender Christ, ließ sich für seine Bau- und Ingenieurskunst, sowie seine kreativen Ideen jedoch immer wieder von Gegebenheiten und Gesetzen der Natur inspirieren.
Türme

18 Türme wachsen seit Baubeginn gen Himmel. Ihre Spitzen münden in fantasievollen Formen, übersät mit Mosaiken, die vom Boden nur zu erahnen sind. Ihr Aussehen erinnert an die prunkvolle Mitra, die Kopfbedeckung der Bischöfe. Einer der beeindruckendsten Türme ist der Torre de Maria, der 2021 im Rahmen eines großen Schauspiels mit dem „Stern von Bethlehem“ gekrönt wurde.
Noch gigantischer ist mittlerweile der Hauptturm Torre de Jesucristo: Mehr als 170 Meter ragt er in den Himmel von Barcelona. Sein Kreuz, das sich aus Stahl, Keramik, Naturstein und Glas zusammensetzt, stammt übrigens aus Deutschland und wurde vom bayerischen Fassadenbauunternehmen Josef Gartner GmbH gefertigt. Monatelang montierten Bauarbeiter und Ingenieure die letzten und höchsten Bauteile der Sagrada in schwindelerregenden Höhen. Dafür wurden 14 Einzelteile über Lastenzüge und Kräne auf der Spitze des Torre manövriert. Seit der Fertigstellung des Turmes gilt die Sagada Família offiziell als höchste Kirche der Welt.
Krypta

Das Gewölbe unter dem Altar wirkt wie eine Kirche in der Kirche. Rund 200 Menschen finden in der Krypta Platz, die bereits gebaut wurde, bevor Gaudí die Leitung der Baustelle übernahm. Doch auch hier hinterließ der Architekt nachträglich seine Handschrift und erhöhte den Raum so, dass von außen Licht und Luft eindringen konnten. Gaudí selbst liegt hier begraben sowie sein Auftraggeber Josep Maria Bocabella i Verdaguer.
Fenster und Säulen

Das Innenleben der Kirche gleicht einem Zauberwald. Gaudí ließ sich bei der Gestaltung der Säulen einmal mehr von der Natur inspirieren. Sie bestehen aus unterschiedlichen Gesteinen, variieren im Durchmesser und verändern ihre Form Richtung Krone, verästeln und verwachsen sich wie Laubbäume. Magisches Licht scheint durch die Buntglasfenster, die den hellen Stein im Inneren je nach Einfallswinkel und Tageszeit in die leuchtendsten Farben hüllen.
Altar

Ungewöhnlich: Wo in anderen Kirchen mit Gold und Ornamenten überladene Altare stehen, erhebt sich in hier ein schlichter Prophyrblock. Darüber hängt ein hölzernes Kruzifix, ein Lichterkranz und ein siebeneckiger Baldachin, symbolisch für der sieben Gaben des Heiligen Geistes. Weinblätter und Weizenähren aus Messing zieren die Metallkonstruktion und stehen für den Leib und das Blut Christi.
Besuch der Sagrada Família
Bau und der Erhalt der Sagrada Família finanzieren sich durch Spendengelder und Ticketverkäufe. Vor dem Eintritt benötigen Besucher deshalb ein offizielles Ticket und einen Time-Slot.
Eintritt
Tickets für die Sagrada Família werden auf vielen Online-Portalen und von touristischen Einrichtungen vor Ort angeboten. Am verlässlichsten ist der Kauf direkt auf der Webseite der Sagrada Família. Hier können Sie Einzeltickets, geführte Touren und Gruppentickets erwerben. Das reguläre Ticket beinhaltet einen Audio-Guide per App. Wer bucht, muss gleichzeitig ein Zeitfenster wählen und sollte sich rechtzeitig zum Einlass anstellen.
Öffnungszeiten
Die Sagrada Família kann von April bis September von Montag bis Samstag zwischen 9 und 20 Uhr und am Sonntag zwischen 10:30 und 20 Uhr besucht werden. Von November bis Februar öffnet die Kirche für Besucher wochentags von 9 bis 18 Uhr und am Sonntag von 10:30 bis 18 Uhr. Im März und Oktober ist der Eintritt unter der Woche zwischen 9 und 19 Uhr sowie am Sonntag zwischen 10:30 und 19 Uhr möglich.
Anfahrt
Am besten zu erreichen ist die Sagrada Família mit der Metro. Die gleichnamige Station Sagrada Família liegt entlang der violetten Linie 2 und der blauen Linie 5. Vom Zentrum am Plaça Catalunya sind es gute 35 Gehminuten bis zur Kirche.
Merian-Tipp
Ein besonderes Erlebnis ist der Besuch der Sagrada Família in den Morgen- und Abendstunden. Wenn die Sonne tief über der Stadt steht, hüllt ihr Licht die Kirchenschiffe in eine außerordentliche Stimmung.