Die 11 schönsten Orte auf El Hierro

Bizarre Vulkanlandschaften, tiefblaue Naturpools und authentische Dörfer mit Charme: Das sind die elf schönsten Orte auf der Kanareninsel El Hierro.
Text Milena Härich
Datum16.02.2026

Die Kanarischen Inseln gehören ganzjährig zu den beliebtesten Reisezielen der Deutschen. Immerzu milde Temperaturen sowie ein perfekter Mix aus Natur und Kultur ziehen jedes Jahr Millionen Touristen auf die vulkanischen Eilande im Atlantik. Und doch findet sich unter ihnen noch ein ruhiges und noch nahezu unbekanntes Kleinod: El Hierro. Die kleinste Kanareninsel liegt am südwestlichen Rand des Archipels und beeindruckt mit unberührten Landschaften sowie authentischen Dörfern und einem der besten Tauchgebiete Europas. Im Norden und den höher liegenden Regionen begegnet Reisenden sattgrüne Vegetation, während die Täler und die südlichen Gemeinden El Hierros von kargen Lavagestein dominiert werden.

El Hierro gilt nicht nur als ruhige Insel ohne Overtourism, sondern auch als ein besonders nachhaltiges Reiseziel. Das Windwasserkraftwerk Gorona del Viento sorgt dafür, dass sich die Insel komplett autark versorgt, ohne fossile Energien. Auch dieser Aspekt zieht viele Reisende an, wenngleich El Hierro noch nicht auf dem Radar der meisten Urlauber angekommen ist.

Merian zeigt die elf schönsten Orte auf der kleinsten Kanareninsel El Hierro.

1

Charco de los Sargos

Auf El Hierro finden sich viele natürliche Swimmingpools. Einer davon: der Charco de los Sargos.

El Hierro ist nicht die beste Wahl für Badeurlauber, die großen Wert auf Strände mit ausreichender Infrastruktur legen. Vielmehr finden sich an den Küsten der Insel zerklüftete Felsen, Buchten mit Kieselstrand und starke Strömungen, bei denen Vorsicht geboten ist. Bekannt ist das Eiland jedoch für seine Naturpools, die Schutz vor der starken Brandung gewähren. Einer davon ist der Charco de los Sargos an der Nordküste. Eingerahmt wird das natürliche Schwimmbecken von Lavagestein und Felsformationen, die einen starken Kontrast zu dem tief- bis azurblauen Wasser des Swimmingpools bilden. Betonierte Plattformen erleichtern den Zustieg zum Charco de los Sargos, der heute zu den beliebtesten Badebereichen El Hierros zählt. Dennoch ist hier meistens nicht zu viel los.

Aber: Bei starkem Wellengang ist auch hier besondere Vorsicht geboten. Wenn die Brandung so stark ist, dass die Gischt über das schwarze Lavagestein tritt und sich mit dem blauen Wasser innerhalb des Pools vermischt, ist die Kulisse eher als reines Fotomotiv zu betrachten. 

2

Ecomuseo Guinea

Muss für Kulturinteressierte: das Ecomuseo de Guinea auf El Hierro.

Wenngleich die kleinste Kanareninsel wie ein Freiluftmuseum für die unterschiedlichsten Landschaften und Naturspektakel wirkt, so werden hier auch Kultur- und Geschichtsinteressierte fündig. Im Ecomuseo Guinea, das im El-Golfo-Tal im Norden der Insel liegt, wandeln Besucher auf den Spuren der Inselbevölkerung von der Antike bis zur Neuzeit. Einst befand sich genau hier eine Siedlung der indigenen Bewohner; zahlreiche Gebäude wurden rekonstruiert, um die damalige Lebensweise der Menschen nachbilden zu können. Unter anderem werden im Inneren der Häuser Werkzeuge und Gerätschaften ausgestellt. Ganz in der Nähe dieses Freiluftmuseums befindet sich der Tunnel von Guinea, eine unterirdische Höhle, die durch vulkanische Aktivitäten entstanden ist und die heute mit einem Guide besucht werden kann.

Übrigens: An das Ecomuseo angeschlossen ist das Lagarto-Gigante-Schutzzentrum, das sich der Wiederansiedlung der El-Hierro-Rieseneidechse widmet, die vom Aussterben bedroht ist. 

meridianosau.es/centros

3

La Restinga und Mar de las Calmas

Blick vom Meer aus auf La Restinga

La Restinga ist das südlichste Dorf der Insel El Hierro und gleichzeitig ein beliebtes Fischerdorf mit authentischem Charme. Das Besondere an La Restinga ist das Meeresgebiet, das sich von hier aus nach Westen erstreckt und als eines der besten Tauchgebiete weltweit zählt: Mar de las Calmas. Übersetzt bedeutet das so viel wie „Meer der Ruhe“, und wer sich in die Untiefen des Atlantiks vorwagt, versteht, wieso: Das Meer ist hier kristallklar, die Sicht enorm gut und das Meer strömungsarm, sodass Tauchende hier die bestmöglichen Bedingungen vorfinden. Die hiesige Unterwasserwelt ist eine der artenreichsten in Europa, bereits seit 1966 gilt Mar de las Calmas als ausgewiesenes Meeresschutzreservat. 

Erst 2011 fand genau hier ein Vulkanausbruch unter Wasser statt. Das Ökosystem hat sich seither außerordentlich gut erholt, jedoch hat die Eruption die Unterwasserlandschaft erneut geprägt. So entstand bei diesem Ausbruch der Kegel namens Tagoro, den man heute bei Tauchtouren umrunden kann.

Ebenfalls einen Ausflug wert sind die verwinkelten Gassen von La Restinga mit ihren Lokalen wie La Vieja Pandorga oder Restaurante Casa Juan.

4

Charco de Azul

Den Charco de Azul haben Besucher manchmal sogar noch ganz für sich allein.

Der Charco de Azul gehört zu den bekanntesten Orten und Fotomotiven auf El Hierro – und neben dem Charco de los Sargos zu den beliebtesten Badeorten. Dieser natürliche Swimmingpool ist ebenfalls an der Nordküste von El Hierro zu finden, das Wasser changiert zwischen Smaragdgrün und Indigo. Daher rührt auch der Name: „Charco de Azul“ bedeutet übersetzt „Blaues Becken“. Dieser natürliche Pool ist größer als viele andere Meerwasserpools der Insel, meistens ist das Baden im Charco de Azul problemlos möglich. Doch auch hier sollten Gäste auf die Brandung achten und bei starker Strömung besondere Vorsicht walten lassen.

Tipp: Diese Sehenswürdigkeit ist aufgrund ihrer Lage bestens kombinierbar mit dem Charco de los Sargos und dem Ecomuseo Guinea.

5

La Frontera

Schmuckstück von La Frontera: die Iglesia de Candelaria vor dem Berg Joapira

Das Dorf La Frontera liegt sehr idyllisch, im grünen und fruchtbaren Valle de El Golfo. Über den Häusern der Bewohner thront, auf einem kleinen Hügel gelegen, das schönste Gebäude der Stadt: die Pfarrkirche Iglesia de Candelaria. Hinter ihr ragt zur einen Seite der Berg Joapira in die Höhe, zur anderen Seite breitet sich der Atlantik aus. Das El-Golfo-Tal, in dem La Frontera eingebettet ist, entstand durch verschiedene vulkanische Aktivitäten und enthielt seine heutige Form vermutlich vor rund 150.000 Jahren. Hier, im Norden der Insel, finden sich aber nicht nur karge Vulkanlandschaften, sondern auch fruchtbare Böden. Rund um La Frontera werden deshalb viele Bananen und Weintrauben angebaut.

Das Dorf selbst ist eines der bekannteren auf El Hierro, hier gibt es mehrere Unterkünfte. Viele Touristen wählen La Frontera als Hauptort ihrer Reise, weil die wichtigsten Sehenswürdigkeiten rundherum schnell erreichbar sind. Doch das Kleinod bietet sich auch für einen Halbtagesausflug sehr gut an; es haben sich einige Restaurants in den Gassen angesiedelt, die ihrerseits einen beeindruckenden Ausblick auf die Wände des El-Golfo-Kraters und den Joapira gewähren. Außerdem ist La Frontera ein guter Ausgangspunkt für Wanderungen auf El Hierro.

6

Playa del Verodal

Traumhaft schön, aber nicht zum Baden geeignet: der Strand Playa del Verodal auf El Hierro.

Rot-schwarzer Vulkansand, steile Klippen, die hinter der Bucht aufragen und das tiefblaue Wasser des Atlantiks, das gegen eben jene Klippen peitscht: Die Playa del Verodal ist zweifelsfrei einer der beeindruckendsten Orte auf El Hierro. Aber: Baden sollten Sie hier nicht. Sogar der Besuch selbst ist je nach Brandung gefährlich und sollte nur an Tagen mit ruhigem Wellengang in Erwägung gezogen werden. Dann lässt es sich an der Playa del Verodal gut spazieren und fotografieren. Der Strand liegt an der Nordwestküste von El Hierro und kann von verschiedenen Aussichtspunkten auch aus der Vogelperspektive bewundert werden – beispielsweise vom Mirador de Lomo Negro II. 

Die roten Farbpartikel in dem eigentlich schwarzen Sand rühren daher, dass das Lavagestein hier sehr eisenhaltig ist. Auch die Steilklippen, die die Bucht säumen, sind rötlich gefärbt. Besonders schön ist das Naturschauspiel am späten Nachmittag, dann fällt die Sonne perfekt und taucht die Szenerie in ein Kaleidoskop aus sanftem Gelb, Orange und Rostrot.

7

Faro de Orchilla

Vielleicht nicht das Ende der Welt, aber das Ende von El Hierro – diesen Punkt markiert der Faro de Orchilla.

Hier wähnte man einst das Ende der Welt: In dieser abgeschiedenen Landschaft, auf der Halbinsel Punta de Orchilla, markiert der gleichnamige Leuchtturm heute den ehemaligen Nullmeridian. Bevor dieser in Greenwich in England verortet wurde, lag er nämlich auf El Hierro. Noch bis ins 19. Jahrhundert zog man diesen Punkt am südwestlichen Zipfel von El Hierro als westlichstes Ende der Welt heran; in der Nähe findet sich ein Monument, das an den historischen Meridian erinnert. 

Der Leuchtturm namens Faro de Orchilla wurde erst 1933 erbaut, hat sich aber dennoch als Symbol für den südwestlichsten Punkt El Hierros und die Erinnerung an den Nullmeridian etabliert. Er ragt 25 Meter in die Höhe und bildet gemeinsam mit der kargen Landschaft rundherum, besonders bei Sonnenuntergang, ein malerisches Fotomotiv. Bis heute wird er zur Navigation von Schiffen genutzt; betreten können Gäste ihn leider nicht.

Übrigens: Fast jeder Ort auf El Hierro, aber besonders dieser, eignet sich gut fürs Sternegucken. Die Lichtverschmutzung ist hier minimal.

8

Valverde

Hier zu sehen: die Barockkirche Santa María de la Concepcíon in Valverde.

Valverde ist die einzige kanarische Inselhauptstadt, die nicht direkt am Meer liegt. Sie befindet sich im Nordosten von El Hierro auf einer Anhöhe, rund 650 Meter über dem Atlantischen Ozean. Die Kapitale von El Hierro wird oft auch Villa de Valverde genannt, in Abgrenzung zu der größeren, mehrere Dörfer umfassenden Gemeinde Valverde. Rund 5.300 Menschen, also rund die Hälfte aller Einwohner von El Hierro, leben in der Inselhauptstadt. Das macht sie zu einem der lebendigsten Orte des Eilandes. Die Stadt kommt typisch kanarisch daher, mit weiß getünchten Häusern, schmalen Gassen und Balkonen sowie der prächtigen Barockkirche Santa María de la Concepcíon, die das wichtigste Gebäude darstellt.

Die Inselhauptstadt bietet sich perfekt für einen kurzen Ausflug an, es haben sich mehrere Restaurants und Cafés entlang der Straßen angesiedelt – beispielsweise die Panedería Santiago für Süßspeisen und Kaffee oder das Lokal 8Aborigen für Fine Dining. Auch Valverde bietet einen hervorragenden Ausgangspunkt für Wanderungen ins höher gelegene, grüne Umland.

9

Mirador de La Peña

Auf El Hierro gibt es zahlreiche Aussichtspunkte, doch der Mirador de La Peña beeindruckt überdies mit seiner einzigartigen Architektur von César Manrique.

El Hierro verfügt über viele Aussichtspunkte, schließlich ist die Insel hügelig und bietet mit ihrer vielfältigen Landschaft eine große Breite an sehenswerten Panoramen. Einer der beliebtesten Aussichtspunkte ist der Mirador de La Peña. Hier war César Manrique am Werk, der auf der Kanareninsel Lanzarote zahlreiche Sehenswürdigkeiten gestaltet oder beeinflusst hat und dafür bekannt war, Gebäude in die Natur zu integrieren, ohne diese zu verändern oder zu zerstören. Beim Mirador de la Peña ist das auch so: Das dazugehörige Café wurde in die Landschaft eingebettet, davor erstrecken sich Terrassen mit Lavagestein. Die besondere Komposition aus Lava, Holz und großen Glasflächen macht das Ensemble so einzigartig.

Vom Mirador aus haben Gäste einen imposanten Ausblick über das El-Golfo-Tal, bis zur Küste und über den Atlantik. Tipp: Da der Aussichtspunkt auf einer Höhe von 642 Metern liegt, sollte man warme Kleidung einpacken.

10

El Sabinar de La Dehesa

Die Wacholderbäume von El Hierro gehören zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten – und den wertvollsten Schätzen – der Insel.

Ein Muss bei einer El-Hierro-Reise ist der Wacholderhain El Sabinar in der Gemeinde La Dehesa im Nordwesten der Insel. Bei El Sabinar handelt es sich um eine weitläufige Ebene mit einzelnen Bäumen, deren Form sie zu einem der wichtigsten Fotomotive El Hierros macht. Die hiesigen Wacholderbäume („Sabinas“) sind bizarr geformt, sie winden und ranken sich, manche davon so sehr, dass ihre Kronen den Boden berühren. Schuld daran sind die permanenten Fallwinde, die von den Bergen her wehen und die Bäume konstant über Jahrzehnte hinweg so geformt haben. 

Tatsächlich gab es einst einen viel größeren Bestand an Wacholderbäumen auf El Hierro. Durch intensive Rodungen und einen verheerenden Waldbrand zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden sie stark minimiert, es blieben nur wenige Sabinas übrig. Die Natur tut nun ihr Bestes, den Bestand wieder aufzustocken, jedoch geschieht das nur langsam und mühsam. Pflanzen, die viel anpassungsfähiger sind, haben sich hier ausgebreitet und konkurrieren mit den Wacholderbäumen.

Besonders mystisch erscheint El Sabinar de La Dehesa, wenn sich Nebel über die Baumkronen legt – dann wird das Gefühl geweckt, in einem Märchenwald zu stehen, mit Sichtweiten von unter 20 Metern wirkt die komplette Szenerie gespenstisch.

11

Las Playas und Roque de Bonanza

Der Roque de Bonanza ist eines der Naturwahrzeichen von El Hierro.

An der Ostküste von El Hierro liegt diese Bucht, die von einer dramatischen Steilküste aus Lava und schwarzem Kieselstein geprägt wird – und von einem charakteristischen Felsen, der vor der Bucht im Atlantik aufragt und eines der Wahrzeichen von El Hierro bildet. Der Roque de Bonanza ist ein Überbleibsel vulkanischer Aktivitäten – ebenso wie die Bucht Las Playas an sich. Tatsächlich ist das Wasser hier im Gegensatz zu vielen anderen Buchten El Hierros meist ruhig, doch der erste Eindruck kann täuschen. Auch hier ist keine Infrastruktur vorhanden, somit sind auch keine Rettungsschwimmer vor Ort. Das sollten Besucher stets im Hinterkopf behalten.

Tipp: Besuchen Sie die Bucht Las Playas morgens oder spätnachmittags, dann ist das Licht am schönsten. Oder blicken Sie von einem der vielen Miradors hinab, gute Aussichten beschert etwa der Mirador de Isora.