Die 9 wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Krakau

Von Renaissance-Architektur über das jüdische Viertel Kazimierz bis hin zur Museenlandschaft: Merian zeigt die neun wichtigsten Sehenswürdigkeiten in der polnischen Stadt Krakau.
Text Milena Härich
Datum13.01.2026

Sie ist unbestritten eine der malerischsten Städte in ganz Polen: Krakau im Süden des Landes. Mit zahlreichen Prachtbauten, die Gotik, Romanik und Renaissance vereinen, sowie kopfsteingepflasterten Gassen, romantischen Cafés und dem Weichselufer gilt die mehr als 800.000 Einwohner zählende Metropole als besonders abwechslungsreiches Städtetrip-Ziel. 

Gleichzeitig blickt Krakau auf eine wechselvolle und mitunter tragische Geschichte zurück; im Zweiten Weltkrieg wurden hier zahlreiche Juden und Jüdinnen sowie andere von den Nationalsozialisten verfolgte Menschen deportiert und ins nahe gelegene Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau gebracht. Daran erinnern heute noch verschiedene Museen und Gedenkstätten, auch das Viertel Kazimierz bildet einen Dreh- und Angelpunkt der Erinnerungskultur. Die Altstadt von Krakau blieb im Zweiten Weltkrieg zu weiten Teilen unbeschädigt, daher ist der historische Kern einer der am besten erhaltenen in Polen. Im Jahr 1987 wurde die Krakauer Altstadt in die Liste der UNESCO-Welterben aufgenommen. 

Im Folgenden erfahren Sie, welche Orte in Krakau besonders sehenswert sind.

1

Das Viertel Kazimierz

Kazimierz strahlt einen ganz besonderen Charme aus und ist eines der trubeligsten Viertel in Krakau.

Das Quartier Kazimierz liegt südlich des Krakauer Zentrums und wurde im Jahr 1335 von Kasimir dem Großen als selbstständige Stadt gegründet. Bereits im 15. Jahrhundert wurde Kazimierz zum jüdischen Viertel, denn König Jan Olbracht ließ damals die jüdische Bevölkerung von Krakau dorthin übersiedeln, nachdem es innerhalb der Stadt Pogrome gegeben hatte. Schnell entwickelte sich Kazimierz zum Zentrum des Judentums in ganz Polen, es entstanden immer mehr Synagogen, von denen einige (wie die Remuh-Synagoge) noch heute genutzt werden. 

Seit 1800 gehört Kazimierz zu Krakau. Viel später, während des Zweiten Weltkriegs, wurden die Jüdinnen und Juden des Viertels vertrieben, ins nahe gelegene Konzentrations- und Vernichtungslager der Nationalsozialisten gebracht und ermordet. Das Quartier verfiel danach zunächst zusehends, das jüdische Erbe dieser Gegend geriet sogar beinahe in Vergessenheit.

In den 1990er-Jahren erlebte Kazimierz jedoch einen Aufschwung. Das lag nicht nur, aber vermutlich zumindest in Teilen an dem Spielfilm „Schindlers Liste“, der 1993 weltweites Aufsehen erregte; mehrere Szenen wurden hier gedreht. Heute ist Kazimierz eines der lebendigsten Viertel in Krakau, rund um den Platz Plac Nowy gruppieren sich Cafés, Bars, Restaurants und Galerien. Sowohl die Synagogen als auch verschiedene kulturelle Veranstaltungen prägen das Erinnern und Gedenken, eines davon: das Jüdische Kulturfestival Krakau, das alljährlich im Frühsommer stattfindet. 

2

Nowa Huta

Eine Stadt in der Stadt: Nowa Huta wurde einst als sozialistische Musterstadt konzipiert. Das sieht man auch heute noch sehr gut.

Ein weiteres Viertel von Krakau, das Besucher nicht verpassen sollten: Nowa Huta (übersetzt: „Neue Hütte”). Das Quartier im Nordosten der Stadt strotzt nicht gerade vor Sehenswürdigkeiten, das Interessante hier sind vor allem die Geschichte und die Stadtplanung, die von klaren Linien und rechten Winkeln geprägt wird. Im Jahr 1949 wurde mit der Planung dieser sozialistischen Musterstadt begonnen.

Genau wie Kazimierz war Nowa Huta einst eine eigenständige Stadt, allerdings nur zwei Jahre lang, 1951 wurde die Arbeiterstadt bereits eingegliedert. Die Idee damals war folgende: eine Stadt für die Arbeiter rund um das damalige Lenin-Stahlwerk zu kreieren und gleichzeitig einen Kontrast zum religiösen Krakau zu schaffen. Nowa Huta wurde ursprünglich als atheistische Stadt gegründet, später gab es mehrere Auseinandersetzungen wegen der Kirche Arka Pana, die 1967 gebaut wurde und den Katholizismus nun auch in den Randbezirk brachte. 

In der symmetrischen Stadtplanung zeigen sich deutlich die Einflüsse aus der damaligen Sowjetunion und aus dem sozialistischen Realismus. Neben den strengen Linien und klaren Achsen dominieren breite Alleen sowie große Plätze noch heute das Viertel Nowa Huta. Interessant: In den 1980er Jahren bildete sich dieser Ort zu einem Zentrum der Solidarność-Bewegung heraus – jener Bewegung, die später den Kommunismus zu Fall bringen sollte. Deshalb ist Nowa Huta nicht nur irgendeine Planstadt, sondern auch ein Ort der polnischen Freiheitsbewegung.

Vom Zentrum aus gelangt man einfach mit der Bahn nach Nowa Huta. Viele der Bewohner fahren jedoch selten in die Stadt, denn innerhalb ihres Viertels haben sie alles, was sie benötigen – schließlich wurde es selbst einst als souveräne Stadt konzipiert.

3

Museum und KZ-Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau

Nicht direkt innerhalb der Stadt gelegen, sondern rund 70 Kilometer entfernt, gilt die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau als wichtigstes Ausflugsziel ab Krakau. Der Besuch und die Konfrontation mit ehemaligen Gefangenenzellen und Ruinen von einstigen Gaskammern ist emotional herausfordernd. Aber er ist wichtig, denn auf dem Gelände wird das Ausmaß der Gräueltaten der Nationalsozialisten und das Leid der Verfolgten greifbar. 1,1 bis 1,5 Millionen Menschen (die genaue Zahl ist nicht bekannt) wurden hier zwischen 1940 und 1945 ermordet. 

Seit 1970 zählt die KZ-Gedenkstätte zum UNESCO-Welterbe, denn Auschwitz-Birkenau gilt – auch aufgrund seiner Größe – als wichtigster Erinnerungsort an den Holocaust. Schon 1947 eröffneten die Gedenkstätte und das Museum, nur zwei Jahre nach der Befreiung des Konzentrationslagers durch die Rote Armee. Besucher können sich sowohl Auschwitz I als auch Auschwitz II, das Vernichtungslager, ansehen. Verschiedene Dokumente, Fotografien und Artefakte greifen neben den Räumlichkeiten an sich die Dimension der Verbrechen auf und verdeutlichen die Ideologie, die hinter diesem Ort steckt. Dadurch nimmt die Gedenkstätte eine extrem große Rolle in der Erinnerungskultur – und zwar in ganz Europa – ein und gilt bis heute als Mahnmal gegen Antisemitismus und Rassismus. 

Wichtig: Der Eintritt ist kostenlos, jedoch wird eine Reservierung empfohlen. Besucher sollten drei bis vier Stunden Zeit einplanen. Neben individuellen Besuchen gibt es die Möglichkeit, an Führungen teilzunehmen.

auschwitz.org

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Planty-Stadtpark

Der Planty-Stadtpark ist eine grüne Ruheoase in Krakau – sowohl für Einheimische als auch für Touristen.

Wie ein grüner Gürtel schmiegt sich der Planty-Park auf einer Länge von vier Kilometern um das historische Krakau. „Planty“ bedeutet übersetzt so viel wie „Grünanlagen”, und passender könnte der Name nicht sein. Im Krakauer Stadtpark finden sich auf einer Fläche von 21 Hektar verschiedene Gartenanlagen: Beete, Rasenflächen und Skulpturen sind hier an jeder Ecke anzutreffen. Errichtet wurde der Stadtpark Anfang des 19. Jahrhunderts auf den Flächen der ehemaligen Stadtmauer. Erhalten geblieben sind davon nämlich nur das Florianstor und der Barbakan, ein mittelalterliches Verteidigungswerk, die beide an den Park grenzen. 

Der Planty-Stadtpark bietet Zugang zu einigen der wichtigsten Sehenswürdigkeiten, da sich diese im Stadtzentrum konzentrieren und vom Park aus gut erreicht werden können. Nicht nur Touristen, auch Einheimische mögen den Planty-Park und treffen sich hier im Sommer gerne auf ein Picknick. 

5

Der Hauptmarkt (Rynek Główny)

Die Marienkirche ist eines der wichtigsten Wahrzeichen von Krakau.

Wer durch die Straßen der Krakauer Altstadt wandelt – und das sollten Sie unbedingt –, wird sich irgendwann auf dem größten mittelalterlichen Marktplatz Europas wiederfinden: auf dem Hauptmarkt, dem Rynek Główny. Dieser Platz ist das Herz von Krakau, er wird eingerahmt von prächtigen, palastartigen Gebäuden und Bürgerhäusern. Nicht nur findet hier jährlich der Weihnachtsmarkt von Krakau statt, der Rynek Główny ist ganzjährig ein beliebter Treffpunkt für Einheimische und Touristen. Die Atmosphäre ist lässig, aber auch romantisch, rund um den Platz haben sich Cafés und Bars ausgebreitet.

Dominiert wird der Hauptmarkt aber von den Tuchhallen, die in der Mitte des Platzes thronen und ein eindrucksvolles Beispiel der Renaissance-Architektur abgeben. Einst konzentrierte sich hier der Handel mit Tüchern, daher der Name. Heute sind in den Tuchhallen verschiedene Verkaufsläden sowie die Galerie der polnischen Kunst des 19. Jahrhunderts (eine Zweigstelle des Nationalmuseums in Krakau) untergebracht. Die Tuchhallen wurden in der Vergangenheit bereits mehrfach umgebaut und ergänzt, die Renaissance-Elemente wie die hübsche Arkadenfassade mit Bogengang stechen aber besonders ins Auge und sind das, was das Gebäude zu einem Krakauer Wahrzeichen gemacht hat. Besonders schön anzusehen ist das Bauwerk am Abend, wenn es illuminiert ist.

Ein weiteres wichtiges Wahrzeichen auf dem Hauptmarkt ist die Marienkirche, eine gotische Kathedrale aus dem 14. Jahrhundert. Sie bleibt aus zwei Gründen besonders im Gedächtnis: in akustischer Hinsicht wegen des stündlichen Trompetenrufs, der vom 82 Meter hohen Kirchturm erklingt. Aus visueller Sicht wegen des spektakulären Hochaltars von Veit Stoß im Inneren und wegen ihrer zwei unterschiedlich hohen Türme – sehr untypisch für eine Kirche dieser Zeit. Der Legende nach waren zwei Brüder als Bauherren tätig und wollten sich gegenseitig mit ihrem eigenen Turm übertrumpfen. Als der ältere Bruder den heutigen Aussichtsturm mit den 82 Metern Höhe bereits fertiggestellt hatte, war sein jüngerer Bruder noch im Begriff, seinen Turm fertigzubauen. Das nahm der Ältere zum Anlass, sein Geschwisterteil zu ermorden – und so blieb der kürzere Turm unvollendet.

6

Nationalmuseum in Krakau

Gehört zu den ältesten Ausstellungshäusern in Polen: das Nationalmuseum von Krakau (hier ist das Hauptgebäude zu sehen).

Bereits im Jahr 1879 wurde das Nationalmuseum in Krakau gegründet, damit gehört es zu den ältesten noch existierenden Ausstellungshäusern des Landes. Hier werden polnische Geschichte, Kultur und Kunst miteinander verwoben – und zwar in verschiedenen Ablegern über ganz Krakau verteilt. Das Hauptgebäude steht neben der Błonia-Wiese im Westen der Stadt und gibt eine umfassende Einführung in die polnische Kunst- und Kulturgeschichte. Aber auch die kleineren Museen, die dazugehören, sind sehr sehenswert – beispielsweise die Galerie der polnischen Kunst des 19. Jahrhunderts in den Tuchhallen (siehe weiter oben), das Jan-Matejko-Haus oder das Czartoryski-Museum. Letzteres wurde als Schatzkammer der königlichen Juwelen gegründet und hält heute wertvolle Werke wie Leonardo da Vincis „Dame mit dem Hermelin“ bereit. 

Tipp: Die Museen, die zum Verbund zählen, haben unterschiedliche Öffnungszeiten. Es ist daher sinnvoll, sich bereits vor dem Besuch zu überlegen, welche Ausstellungen man besuchen möchte und wie man dies organisiert.

mnk.pl/oddzial

7

Oskar Schindlers Emaillefabrik

In der einstigen Emaillefabrik von Oskar Schindler ist heute ein Museum untergebracht, das sich mit Krakau unter der NS-Besatzung beschäftigt.

Auch dieser Ort gehört fest zur Erinnerungskultur in Krakau: die einstige Emaillefabrik von Oskar Schindler. Vielen dürfte der Name vor allem dank Spielbergs „Schindlers Liste“ geläufig sein; der Film beruht auf einer wahren Begebenheit und zeigt, wie Schindler jüdische Arbeiter vor der Deportation bewahrt hat. Zunächst Opportunist und selbst NSDAP-Mitglied, hat Schindler gemeinsam mit seiner Ehefrau Emilie sein Vermögen aus der Fabrik dazu eingesetzt, das Überleben der jüdischen Arbeiter zu sichern.

In der Fabryka Emalia Oskara Schindlera, wie sie mit ganzem Namen heißt, geht es nur beiläufig um den Film. Stattdessen konzentrieren die Betreiber sich mit der Dauerausstellung „Krakau unter der NS-Besatzung 1939–1945“ auf die wahre Geschichte rund um Oskar Schindler und eben diese geschichtsträchtige Fabrik, aber auch auf das gesamte damalige Leben unter der NS-Besatzung. Sie ist damit einer der wichtigsten Orte des Gedenkens in Krakau, zeigt rekonstruierte Straßenzüge und Wohnungen, Fotografien, Originalobjekte und Zeitzeugenberichte. 

Wichtig: Die Tickets für dieses Museum sind häufig früh ausverkauft, daher am besten rechtzeitig reservieren.

muzeumkrakowa.pl/oddzialy

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Salzbergwerk Wieliczka

Die St. Kinga-Kapelle ist eines der vielen Highlights im Salzbergwerk Wieliczka bei Krakau.

Darf bei einer Aufzählung nicht fehlen, wenngleich es nicht direkt in Krakau, sondern etwa 15 Kilometer vor den Toren der Stadt liegt: das Salzbergwerk Wieliczka. Vom 13. Jahrhundert bis ins Jahr 1996 wurde hier das sogenannte weiße Gold gewonnen, danach fand die Umwandlung zum Museum – und zu einer der beliebtesten Touristenattraktionen in Polen – statt. Bereits 1978 nahm die UNESCO das Salzbergwerk Wieliczka gemeinsam mit dem Salzbergwerk Bochnia und dem Salzgrafenschloss Wieliczka als Kulturerbe auf.

Die Dimensionen des Bergwerks sind kaum vorstellbar, labyrinthartig ziehen sich die Stollen und Sohlen auf insgesamt 245 Kilometern unter der Erde entlang; die Maximaltiefe beträgt 327 Meter. Aber: Nur zwei Prozent des gesamten Salzbergwerks können von Besuchern angesehen werden. Die Besucherroute misst 3,5 Kilometer und es müssen rund 800 Stufen auf ihr erklommen werden. Unter der Erde finden sich neben Salzseen und -gesteinen immer wieder auch Kunstwerke, die die Bergleute hier einst geschaffen haben. Besonders sehenswert ist die St. Kinga-Kapelle, eine Kirche aus Salz, inklusive großem Altar und Salz-Kronleuchter. Sie liegt 101 Meter unter der Erde und strahlt eine ganz besondere, sakrale Atmosphäre aus.

kopalnia.pl

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Wawel-Hügel mit Kathedrale und Schloss

Der Wawel-Hügel mitsamt Schloss und Kathedrale thront über der Weichsel.

Malerische Aussichten: Vom Wawel-Hügel aus ergibt sich ein eindrucksvolles Panorama über die Weichsel und auf den Altstadtkern von Krakau. Der Hügel blickt auf eine sehr lange Geschichte zurück, bereits in der Steinzeit war er besiedelt. Später diente das hiesige Schloss, das auch noch heute ein Wahrzeichen der Stadt ist, als Zentrum der polnischen Macht, denn hier lebten die Oberhäupter des Landes. Invasionen und Brände sorgten mehrmals dafür, dass das Wawel-Schloss – zumindest in Teilen – zerstört wurde. Immer wieder steckte man Mühen und Fleiß in den Wiederaufbau, was dazu führte, dass hier heute die unterschiedlichsten Architekturstile sichtbar werden: Gotik, Romanik und Renaissance koexistieren in beeindruckender Weise. Im Inneren des Schlosses ist heute ein Museum untergebracht, Besucher wandeln durch prächtige Räume, ehemalige Königsgemächer oder Schatzkammern. Auch der Arkaden-Innenhof ist sehr sehenswert.

Neben dem Schloss dominiert außerdem die Wawel-Kathedrale den Hügel an der Weichsel. Eigentlich heißt sie Kathedrale St. Stanislaus und Wenzel, auch sie wurde mehrfach umgebaut und vereint somit unterschiedliche Architektur-Epochen in sich. In der Wawel-Kathedrale wurden die polnischen Oberhäupter einst gekrönt und beigesetzt. Zur Kirche gehört die Sigismund-Kapelle, die zu den schönsten Renaissance-Bauwerken nördlich der Alpen zählt.