Die Top 10 Sehenswürdigkeiten in Warschau

Die polnische Hauptstadt verbindet so einige scheinbare Widersprüche: Tradition und Moderne, Barockbauten und Wolkenkratzer, historisches Erbe und den Blick in die Zukunft. In Warschau ergeben all diese Aspekte ein stimmiges Kaleidoskop, die 1,8-Millionen-Einwohner-Stadt ist eine der vielfältigsten in Polen und nicht nur Kapitale, sondern auch das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum des Landes.
Während des Zweiten Weltkriegs wurden rund 85 Prozent der Stadt Warschau zerstört. Nach der Befreiung durch die Rote Armee baute man große Teile des Stadtgebiets, insbesondere den historischen Kern, originalgetreu wieder auf. Darum gilt die Altstadt von Warschau bereits seit 1980 als UNESCO-Welterbe.
Wir zeigen die Top 10 Sehenswürdigkeiten in Warschau.
Die Warschauer Kathedrale

Die Kathedralbasilika St. Johannes der Täufer zu Warschau, wie diese Kirche offiziell heißt, liegt inmitten der Altstadt und stammt ursprünglich aus dem 14. Jahrhundert – zumindest Teile von ihr. Nachdem sie im Zweiten Weltkrieg fast gänzlich zerstört wurde, blieben nur der Grundriss, die vorderen Fenster und die Dachhöhe erhalten. Trotzdem entschied man sich dafür, die Kathedrale wieder im gotischen Stil aufzubauen. Mit ihren roten Backsteinen setzt sie sich deutlich von den katholischen Kirchen ab, die im Zeitalter des Barock erbaut wurden und sich in Prunk und Stuck nur so übertrumpfen. Eine weitere Besonderheit: Auf dem sonst flachen Dach erhebt sich ein gotischer Treppengiebel in die Höhe. Im Inneren ist sie nüchtern und detailarm ausgestaltet.
Die Kathedrale zu Warschau ist die wichtigste katholische Kirche der Hauptstadt. Sowohl Krönungen polnischer Herrscher als auch deren Hochzeiten und Begräbnisse fanden jahrhundertelang dort statt. Heute werden hier vor allem Gedenkfeiern ausgerichtet.
Frédéric-Chopin-Museum

Mit kaum einer anderen berühmten Persönlichkeit ist Warschau so eng verbunden wie mit Komponist Frédéric Chopin, einem der wichtigsten Vertreter der Romantik. Geboren im polnischen Dorf Żelazowa Wola, verbrachte Chopin viele Jahre seines Lebens in Warschau, bevor er ins Exil ging. Die Stadt würdigt ihn an vielen Stellen, eine davon ist das nach dem Musiker benannte Museum im Ostrogski-Palast aus dem 17. Jahrhundert. Besucher wandeln hier auf den Spuren des Pianisten und Komponisten, zum Teil sind die Museumsräume chronologisch gegliedert, von der Kindheit bis zum Erwachsenenleben.
Die Chopin-Ausstellung folgt einem multimedialen Konzept, Museumsbesucher können sich dank Kopfhörern einzelne Stücke aus dem Œuvre anhören. Dabei geht es im Ausstellungshaus aber nicht nur um seine Werke, sondern auch um das persönliche Leben Chopins. Mit Briefen oder Zeichnungen wird dieses erlebbar gemacht.
Hinweis: Noch bis Ende 2026 ist das Frédéric-Chopin-Museum in Warschau aufgrund von Renovierungsarbeiten geschlossen.
Palastmuseum Wilanów

Das polnische Versailles: Diesen Beinamen verdankt der Palast Wilanów seiner überaus prächtigen Barockarchitektur. Das Gebäude wurde in den 1670ern im Auftrag von Johann III. Sobieski, damals König von Polen, als private Residenz für ihn und seine Familie geschaffen. Neben der Barockfassade und vielen Barockelementen im Inneren spielten auch Einflüsse aus dem Rokoko und dem Klassizismus eine Rolle. Doch auch der Palast Wilanów wurde im Zweiten Weltkrieg stark in Mitleidenschaft gezogen. Während des Warschauer Aufstandes im Jahr 1944 plünderte die deutsche Wehrmacht den Bau und setzte ihn in Brand. Jedoch rückte die Rote Armee rechtzeitig vor, sodass die Deutschen den Palast nicht vollständig zerstören konnten.
Es blieben also einige Teile erhalten, andere wurden rekonstruiert. Heute ist im Wilanów-Palast das gleichnamige Museum untergebracht, öffentlich zugänglich sind etwa die königlichen Gemächer und Repräsentationsräume mit Originalmöbeln. Schon 1805 eröffnete das Palastmuseum Wilanów – und ist damit eines der ältesten Ausstellungshäuser Polens. Ein Highlight sind auch die umliegenden Gärten.
Der Kulturpalast

Dieser Wolkenkratzer ist eines der wichtigsten Gebäude in Warschau – und zugleich eines der umstrittensten. Denn er wurde in den 1950er Jahren im Auftrag von Josef Stalin vom Architekten Lew Wladimirowitsch Rudnew errichtet, als Geschenk „des sowjetischen Volkes“. Somit steht er bis heute für die sowjetische Vorherrschaft, die Unterdrückung Polens sowie den Kommunismus. Andererseits ist der Kulturpalast heute, wie der Name schon suggeriert, prägend für die kulturelle Szene von Warschau. Hier finden regelmäßig wichtige Veranstaltungen statt, außerdem beherbergt das Hochhaus unter anderem das Kino „Kinoteka“, verschiedene Restaurants und Cafés sowie mehrere Bildungseinrichtungen. Diese Diversität dürfte ein Grund dafür sein, wieso der Kulturpalast trotz vieler Diskussionen darüber nie abgerissen wurde. Ein weiterer Grund, der erst später dazukam: Seit 2007 steht das Gebäude unter Denkmalschutz.
Der Kulturpalast prägt die Skyline von Warschau maßgeblich. Mit einer Höhe von 237 Metern galt er lange als höchstes Gebäude des Landes, bis der Varso Tower ihn vom Thron schubste. Ebenfalls erwähnenswert ist die Architektur: Der Stil des sozialistischen Realismus vermischt sich beim Kulturpalast mit Art-déco-Elementen. Auf 114 Metern befindet sich eine Aussichtsplattform mit phänomenalen Warschau-Panorama.
Wissenschaftszentrum Kopernikus

Wer mit Kindern nach Warschau reist – oder einfach naturwissenschaftlich interessiert ist – sollte diesen Ort besuchen. Das Wissenschaftszentrum Kopernikus befindet sich nordöstlich vom Warschauer Stadtzentrum, direkt am Weichselufer. Schon von außen beeindruckt das Gebäude mit futuristischer Architektur: Das Büro RAr-2 Laboratorium Architektury zeichnet verantwortlich für die Fassade mit gläsernen Gestaltungselementen und verschieden großen Gebäuden, die scheinbar aufeinander platziert sind wie Würfel.
Das Wissenschaftszentrum, das nach dem berühmten polnischen Astronomen Nikolaus Kopernikus benannt ist, wurde 2010 eröffnet. Es besteht aus einer Dauerausstellung und verschiedenen wechselnden Schauen sowie Laboren und einem Planetarium. Das Ziel: durch Ausprobieren lernen. Die Bereiche Chemie, Physik, Biologie, Medizin, Technik und Umwelt werden dank verschiedener experimenteller Stationen spielerisch erklärt, sowohl für Kinder als auch für Erwachsene. Immer wieder finden auch Workshops in den Räumlichkeiten des Museums statt.
Hala Koszyki

Eine Mischung aus Einkaufszentrum und Food Court ist die Hala Koszyki, eine historische Markthalle im Warschauer Stadtteil Śródmieście. Auch dieser Ort musste in der Vergangenheit bereits vielen Veränderungen ins Auge blicken: Ursprünglich wurde die Halle zu Beginn des 20. Jahrhunderts erbaut, federführend war der Architekt Juliusz Dzierżanowski. Damals hatte die Markthalle noch nicht die Anziehungskraft, die heute von ihr ausgeht und die vom Trend um Food Courts befeuert wird; es handelte sich dabei schlicht um einen klassischen Lebensmittelmarkt. Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Halle stark beschädigt, aber nicht gänzlich zerstört. Dennoch verlor sie nach dem Krieg zunehmend an Bedeutung für die Warschauer Bevölkerung. 2009 ließ man sie abreißen, übrig blieben lediglich zwei Torhäuser und der Abschnitt rund um den Haupteingang.
Schon drei Jahre später erwarb die Griffin Group die Hala Koszyki und baute sie wieder auf, 2016 erfolgte die Wiedereröffnung. Noch immer – oder vielmehr: wieder – sind Jugendstilelemente ein wichtiges Markenzeichen der Hala Koszyki, ebenso wie die Backsteinfassade. Vor allem Studierende und Touristen treffen sich hier, um verschiedene Gerichte zu kosten. Tipp: Im Restaurant BAJS wird typisch polnische Küche serviert, perfekt, um in die kulinarische Kultur des Landes einzutauchen.
Plac Zamkowy mit dem Königsschloss

Der Plac Zamkowy, der Schlossplatz, bildet den Eingang zur UNESCO-geschützten Altstadt und macht direkt deutlich, was Besucher dort erwartet: Barockgebäude in ihrer schönsten Pracht und in den buntesten Farben. Außerdem geht der Blick von hier bis zur Weichsel, die sich als Lebensader durch Warschau zieht. Im Zentrum des Schlossplatzes streckt sich die Sigismundsäule gen Himmel, mit 22 Metern Höhe ist sie ein prägnantes Wahrzeichen. Die Säule wurde 1644 von König Władysław IV. Wasa in Erinnerung an seinen Vater Sigismund erbaut – der wiederum hatte Warschau einst zur Hauptstadt erklärt.
Das noch wichtigere Monument auf dem Plac Zamkowy ist aber das Warschauer Königsschloss (Zamek Królewski). Es datiert zurück bis ins 13. Jahrhundert, damals wurde es als befestigte Burg für die masowischen Herzöge erbaut. Seine Funktion änderte sich über die Jahrhunderte hinweg, im 16. Jahrhundert diente das Schloss als Hauptwohnsitz der polnischen Könige, daher auch sein heutiger Name. Damals erhielt das Anwesen auch seine heutige Form. Weil König Sigismund III. Wasa den königlichen Hof von Krakau abzog und nach Warschau verlegte, musste eine solche Residenz natürlich auch einen gewissen Glanz in die Welt ausstrahlen.
Das Königsschloss wurde im Zweiten Weltkrieg gänzlich zerstört und danach, wie viele weitere Teile der Warschauer Altstadt, originalgetreu wiederaufgebaut. In ihm vereinen sich Barock, Gotik, Renaissance und Klassizismus. Im Inneren des Gebäudes ist heute ein Museum untergebracht, es können beispielsweise die Schlosskapelle, der Thronsaal und der Ballsaal besichtigt werden. Besonders eindrucksvoll: die große Gemäldegalerie, die unter anderem Originale von Rembrandt wie „Das Mädchen im Bilderrahmen“ (1641) und Gelehrter an seinem Schreibtisch“ (1641) umfasst.
Museum des Warschauer Aufstandes
Die polnische Hauptstadt blickt auf eine wechselvolle und zum Teil tragische Geschichte zurück, das kulturelle Gedächtnis wird maßgeblich vom Zweiten Weltkrieg geprägt. Ein Ausstellungshaus, das dieser Tatsache Rechnung trägt, aber dennoch den Blick nicht ausschließlich auf die Aggressoren richtet, sondern vor allem auf die polnische Bevölkerung, ist das Museum des Warschauer Aufstandes. Eröffnet wurde es im Jahr 2004, rechtzeitig zum 60. Jahrestag des Aufstandes. Der historische Kontext: Am 1. August 1944 begann der Warschauer Aufstand, eines der wichtigsten Ereignisse in der polnischen Geschichte, ins Leben gerufen von der Polnischen Heimatarmee (Armia Krajowa). Sowohl Mitglieder der Armee als auch Zivilisten bestritten diesen Aufstand gemeinsam, um Warschau mit eigener Kraft von der deutschen Besatzung zu befreien. Ihre Anstrengungen dauerten 63 Tage, bevor sie kapitulieren mussten. Mehr als 160.000 Polen und Polinnen verloren während des Aufstandes ihr Leben.
Heute gilt der Warschauer Aufstand als ein Symbol für Mut und Opferbereitschaft. Die Dauerausstellung im Museum widmet sich dem historischen Ereignis mit viel Feingefühl und einem multimedialen Konzept. Es werden beispielsweise Fotografien, aber auch Filmaufnahmen und Originalobjekte gezeigt. Außerdem findet sich im Museum ein Nachbau der Abwasserkanäle, die damals sehr wichtig waren: Die polnischen Widerstandskämpfer nutzten diese als Geheimwege. Draußen, vor den Toren des Museums, steht die Mauer des Gedenkens, die den gefallenen Soldaten und getöteten Zivilisten gedenkt.
Łazienki-Park mit Łazienki-Palast

Auf rund 76 Hektar erstreckt sich die größte und beliebteste Parkanlage von Warschau im Süden des Stadtzentrums: der Łazienki-Park. Einst beherbergte das Gelände die königlichen Bäder, diesem Umstand verdankt er auch seinen Namen: „Łazienki“ bedeutet übersetzt so viel wie „Bäder“ oder „Badezimmer“. König Stanisław August Poniatowski, der letzte König Polens, nahm die Grünanlage mitsamt der umliegenden Gegend in seinen Besitz und ließ sie großzügig umbauen. Aus dem Park wurde so eine königliche Gartenanlage, der Łazienki-Palast, der bereits im 17. Jahrhundert für einen anderen Grafen erbaut wurde, entwickelte sich zum klassizistischen Königsdomizil. Er steht auf einer kleinen Insel inmitten des Parks und bildet so das Herzstück der Anlage. Mittlerweile ist im Palast das „Königliche Łazienki-Museum“ untergebracht.
Rundherum beeindruckt der Łazienki-Park mit vielen unterschiedlichen Gartenanlagen und einer großen Fauna. Pfaue haben hier beispielsweise ein Zuhause gefunden und sind an vielen Ecken anzutreffen, außerdem zahlreiche Wasservögel. Neben dem Łazienki-Palast sind das Amphitheater, der der Myślewicki-Palast und das Weiße Haus als Sehenswürdigkeiten nennenswert. Und natürlich das Chopin-Denkmal zu Ehren des Nationalkomponisten.
Museum der Geschichte der polnischen Juden

Warschau ist mitunter für seine vielfältige und reiche Museumsszene bekannt. Eines der wichtigsten Häuser ist das Museum der Geschichte der polnischen Juden (POLIN) auf dem Gelände des einstigen jüdischen Ghettos. Das Ausstellungshaus befasst sich mit der Lebensrealität der Jüdinnen und Juden in Polen vom Mittelalter bis heute. Natürlich wird der Blick auch auf die Gräueltaten des Nationalsozialismus gelegt, aber nicht ausschließlich. Es geht vielmehr um das gesamte gesellschaftliche und kulturelle Leben der jüdischen Bevölkerung über die Jahrhunderte hinweg.
Das Museum entstand in enger Zusammenarbeit mit Historikern und jüdischen Gemeinden und wurde vom Architekturbüro Lahdelma & Mahlamäki Oy aus Helsinki entworfen. Gläserne Außenwände werden durchbrochen von der Eingangstür, die aussieht wie eine Kluft. Im Inneren dominieren Betonwände und gebogene Galerien. Direkt daneben befindet sich das Denkmal der Helden des Warschauer Ghettos, das die historische Bedeutung dieses Orts nochmals unterstreicht.