Alghero © Klaus Bossemeyer
Städtereisen

Alghero – die schönste Stadt Sardiniens

Alghero blickt nach Westen. Von dort, übers Meer, kamen einst die Katalanen, ihr Einfluss prägt die Stadt bis heute. Mittelalterliche Bauten, malerische Gassen und stimmungsvolle Feste heben Alghero von den sonst eher spröden Städten Sardiniens ab. Wer auf der breiten Festungsmauer spazierengeht, die Algheros Altstadt an drei Seiten umgibt, kann manchmal eigentümliche Laute hören. Einheimische unterhalten sich auf Algheresisch, der lokalen Variante des Katalanischen. Seit Ryanair aus dem spanischen Girona direkt fliegt, kommen viele katalanische Touristen. Tatsächlich wurde Alghero 1354 von dem spanischen Reich eingenommen. Die lichte Altstadt trägt noch deutlich den Stempel jener Epoche, die Sprache hat sich bis heute gehalten.

Alghero ist eine Insel auf der Insel

Alghero © Klaus Bossemeyer
Alghero

Die Stadt ist anders als der Rest Sardiniens, eine Art Insel auf der Insel. Das behaupten auch Leute, die nicht an eine katalanische Mentalität Algheros glauben. Sie sehen sich selbst als offener und weltgewandter und begründen das mit der Hinwendung zum Meer und der langen Tradition Algheros als Ferienort. Wer auch in einem Badeurlaub städtisches Flair erleben möchte, ist hier genau richtig: Im Norden erstrecken sich feinsandige Strände bis Fertilia, im Süden beginnt die eindrucksvolle Felsküste in Richtung Bosa.

20 Tage Osterfeiern

In Alghero sind die religiösen Feste besonders eindrucksvoll. Die Karwoche heißt hier Setmana Santa. In der Abenddämmerung des Dienstags wartet um die Kirche San Francesco eine Menschenmenge auf den Beginn der Mysterienprozession. Die Straßenlampen sind mit rotem Tuch umhüllt, und rot sind auch die Papierkragen an den langstieligen Kerzen, die viele Frauen in der Hand halten. Endlich bewegt sich der Zug, angeführt von Mädchen und Frauen in Weiß, dann folgen Männer, auch sie in weißen Kutten. Die Oster-Feierlichkeiten dauern 20 Tage.

Die Korallen von Alghero

Eine Besonderheit Algheros ist die Koralle. „Unsere ist berühmt für die Tönung und Kompaktheit“, sagt Carmela Leo. In ihrer Ladenwerkstatt in einem Gewölbe des Palazzo Lavagna sitzt die Kunsthandwerkerin über einen feinziselierten Korallenzweig gebeugt, bevor sie mit einem Zahnarztbohrer ein strahlendes Orange zum Vorschein bringt. Auf dem Tisch liegen polierte tiefrote Knöpfe. „Die Kunst besteht darin, in der Koralle zu lesen: Wählt man für eine Idee das falsche Stück, führt das zu einem falschen Ergebnis.“

Neues Leben im „Paradies“?

Alghero © Klaus Bossemeyer

Schon mancher Besucher Algheros war so euphorisiert, dass er mit dem Gedanken spielte, in diesem "Paradies auf Erden" ein neues Leben anzufangen. Für die hat Carmela Leo allerdings eine Warnung: Im Winter seien die Gassen oft menschenleer, die Zeit still und ereignislos. „Für junge Leute ist es nicht leicht. Es gibt nur ein Kino!“

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