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Sehenswürdigkeiten

Schottlands schöne Schlösser

Hinter dicken Mauern spielten sich einst dunkle Kapitel der schottischen Geschichte ab. Heute geht es wesentlich freundlicher zu: Die schönsten Schlösser des Landes nehmen Besucher:innen mit auf eine spannende Zeitreise.

Text Annette Streck

Magisch, düster, mysteriös: Eine sagenumwobene Atmosphäre umgibt die Schlösser Schottlands. Clans und König:innen bauten sich in den grünen Highlands einst ihre prächtigen Anlagen. Hinter den historischen Mauern spielten sich Dramen, Fehden und Ereignisse ab, die bis in die Gegenwart wirken. 

Heute können Besucher:innen auf den Spuren der schottischen Vergangenheit durch Geheimgänge, prunkvolle Säle und Ausstellungen schlendern. Wir zeigen einige der schönsten Schlösser des Landes. 

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Stirling Castle: Schottlands Herzstück

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Wie Edinburgh in Miniatur – so fühlt sich Stirling an. Und gewissermaßen war die Stadt an Schottlands engster Stelle über Jahrhunderte auch Hauptstadt. Wer sie einnahm, kontrollierte das Land. Hoch auf einem Vulkanfelsen steht Stirling Castle für das blutige Herz Schottlands: umkämpft und belagert, mal in den Händen Schottlands, mal in denen Englands. Die Grundfesten gehen auf eine Kapelle aus dem Jahr 1110 zurück, die prunkvollsten Gebäude aber entstanden zwischen 1496 und 1583. Um seiner Ehefrau, der Französin Marie de Guise, zu imponieren, wandelte James V. damals die Festung in einen Palast um. Ihre Tochter Maria Stuart wurde hier getauft und gekrönt.

Die „Great Hall“ von Stirling Castle ist der eindrucksvollste Renaissancesaal, der je in Schottland gebaut wurde. Zwischen 1800 und 1964 diente das Schloss als Kaserne, und die Soldaten gingen nicht gerade behutsam mit ihm um. Nach fast zwei Jahrzehnten Restaurierung strahlt Stirling Castle wieder in altem Glanz. Mittelalterliche Wandteppiche wurden von Hand nachgewebt, altes Mobiliar stilecht rekonstruiert. Gegen den Widerstand der Bevölkerung wurde die Great Hall sogar mit der gleichen ockergelben Tünche überzogen wie zu Zeiten James V. – ein farbenfroher Kontrast zum eher düsteren Schloss in Edinburgh. 

Stirling Castle ist ganzjährig für Besucher:innen geöffnet. 

Dunrobin Castle: Burg der grausamen Gräfin

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Die Silhouette wirkt wie eine Kreuzung aus französischem Château und bayerischem Märchenschloss. Dabei gehört Dunrobin Castle zu Schottland wie sonst kaum ein anderes Anwesen. Der Bau ist Stammsitz des Clans Sutherland, einst eine der mächtigsten Familien des Landes. Im Innenhof steht der Burgfried von 1275: steinernes Zeugnis ewiger und blutiger Clan-Fehden. Später, Anfang des 19. Jahrhunderts, waren es die eigenen Pächter:innen, gegen die die Gräfin von Sutherland, gemeinsam mit ihrem Mann Lord Stafford, in den „Highland Clearances“ vorging. Den meisten Schott:innen ist die Brutalität, mit der das Paar das kulturelle Erbe der Highlands zerstörte, noch heute unvergessen. 

Fast 15.000 Menschen ließen sie zwangsvertreiben, um Weideflächen für ihre Schafe zu schaffen. Dank ihrer enormen Besitztümer konnten die Erb:innen der Gräfin 1845 Sir Charles Barry, der auch den Londoner Westminster-Palast entwarf, für den Umbau ihres Schlosses gewinnen. Die opulenten Innenräume, von denen etwa zwanzig zu besichtigen sind, wurden 1915 nach einem schweren Brand perfekt restauriert. Am schönsten ist Dunrobin jedoch vom Garten aus, der 1850 nach dem Vorbild von Versailles entstand. Dort präsentiert Falkner Andy Hughes die Flug- und Jagdkünste seiner Königsadler, Wanderfalken und Eulen. Das angrenzende Museum zeigt neben 1500 Jahre alten Ritzzeichnungen auf Steinen aus der Zeit der Pikten auch eine Sammlung von Großwildtrophäen: Die Familie Sutherland liebte es, in Afrika auf Jagd zu gehen.

Das Dunrobin Castle ist von April bis Ende Oktober für Besucher:innen geöffnet. 

Cawdor Castle: Auf den Spuren von Macbeth

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Es war eindeutig künstlerische Freiheit, die Shakespeare veranlasste, den Mord an König Duncan in „Macbeth“ mit den Ländereien von Cawdor in Verbindung zu bringen. „Ich wünschte, der Barde hätte dieses verdammte Stück nie geschrieben“, sagte schon der 1970 verstorbene fünfte Earl von Cawdor. Dennoch: Das Schloss mit seiner Zugbrücke und dem mittelalterlichen Turm hat durchaus etwas Theatralisches. 

Die eigentliche Geschichte von Cawdor beginnt zwar erst Ende des 14. Jahrhunderts, 300 Jahre nach Macbeths grausiger Tat, aber was Legendenbildung betrifft, steht sie der schottischen Tragödie in nichts nach: Einst träumte der Gutsherr von Cawdor, ein mit Gold beladener Esel werde ihm den günstigsten Platz für seine neue Burg weisen. Daraufhin wurde ein Tier losgeschickt, legte sich unter einen Baum, und der Graf baute seine Festung. Heute erinnert ein trockenes Baumskelett im Thorn Tree Room an den Gründungsmythos. 

Aus dem bewegten Leben auf Cawdor Castle erzählt der sechste Earl im Schlossführer, etwa von seiner Ahnin Muriel, die schon als Baby zwecks Zwangsheirat entführt wurde. Die Schurken lauerten vor der Tür, als die Amme dem Mädchen geistesgegenwärtig die Fingerkuppe abbiss, damit sie später identifiziert werden konnte. Oder von der Countess, die gerne mit ungewöhnlichen Gartenkräutern experimentierte und dabei drei Dinnergäst:innen vergiftete. Neben Geheimgängen und dem erst 1979 wiederentdeckten Kerker bietet das Schloss zudem ein Sammelsurium alter Wandteppiche, Waffen und Porträts.

Cawdor Castle empfängt Besucher:innen von Ende April bis Oktober.

Inveraray Castle: Musizierende Gespenster

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Als Clanchef der Campbells kann man sich allerhand erlauben: Weil er die Fischer um ihr lauschiges Plätzchen auf einer Anhöhe über Loch Fyne beneidete, ließ der dritte Duke of Argyll im Jahre 1743 das kleine Dorf Inveraray prompt abreißen und etwas weiter südlich als Planstadt neu errichten. Auf dem abgeschiedenen Hügel baute sein Clan anschließend das neue Schloss Inveraray, dessen streng symmetrische Form sich wunderbar von der wilden Landschaft abhebt. 

So düster ­grau und abweisend die Außenfassade, so verspielt und farbenfroh ist das Interieur. Der kunstvoll bemalte State Dining Room und der Tapestry Drawing Room, im Stile eines Pariser Salons, täuschen allerdings darüber hinweg, dass die Macht der Campbells auf militärischer Stärke beruhte. Daran erinnert der gewaltige, 21 Meter hohe Waffensaal, in dem Musketen, Lochaber -Äxte und Schwerter wie Schmuck an den Wänden hängen. 

Der Victorian Room ist Princess Louise gewidmet, einer Tochter von Queen Victoria, die 1871 in die Familie einheiratete und als talentierte Künstlerin eindrucksvolle Porzellanskulpturen hinterließ. Wie es sich für ein echtes schottisches Schloss gehört, wird auch Inveraray von diversen Gespenstern heimgesucht, etwa von einem jungen irischen Harfenspieler, dessen sanftes Geklimper den Tod eines Familienmitglieds prophezeit, und einer schrill polternden Küchenmagd. Wer’s nicht glaubt, kann den 13. Duke of Argyll fragen. Wenn er nicht als Kapitän der schottischen Elefanten-Polomannschaft unterwegs ist, steht er gerne mal im Schlossladen und signiert Bücher.

Inveraray Castle ist von Ende März bis Ende Oktober geöffnet. 

Balmoral Castle: Refugium der Queens

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Einer Fischgräte soll es zu verdanken sein, dass Queen Victoria und Prince Albert in den Besitz ihres „geliebten Paradieses in den Highlands“ kamen. Als der damalige Pächter, Sir Robert Gordon, sich an der Gräte verschluckte und plötzlich verstarb, pachteten die beiden das Anwesen und kauften es 1852. Den Jagdsitz aus dem 15. Jahrhundert fand Victoria zwar hübsch, aber zu klein für ihre damals sechs Kinder samt Entourage. 

Daraufhin entwarf Albert mit dem Architekten William Smith ein neues, größeres Schloss: Balmoral Castle. Vom Boden bis zur Decke war alles mit Tartan ausgelegt, und dieser sentimentale Enthusiasmus fürs Schottische gipfelte im Begriff „Balmorality“. Als romantische Sommerresidenz gedacht, diente es Victoria nach dem Tod ihres Mannes 1861 oft mehrere Monate im Jahr als Refugium. Zum Groll ihrer Minister und Hofdamen, die nach der 800-Kilometer-Anreise aus London das „miserable Wetter“ verfluchten, genervt waren von „Lakaien, die nach Whisky stanken“, und sich beklagten, dass die Königin ständig die Fenster offenhielt. 

Balmoral ist nichts für Schönwettertourist:innen, aber für Victorias Ururenkelin Queen Elisabeth II. war es ein zweites Zuhause. Von April bis Ende Juli ließ sie ihr Schloss für Besucher:innen öffnen, jeder konnte die Stallungen und Gärten sowie den Ballsaal besichtigen. Interessant sind auch die Wanderwege am Ufer der Dee und die Außenanlagen, in denen Statuen und cairns, kleine Steinpyramiden, an schöne und traurige Momente im Leben der Royals erinnern.

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