Newcastle upon Tyne: 10 Tipps für Englands raue Schönheit

Von der ikonischen Tyne Bridge bis zum legendären Fußballtempel St. James’ Park – in Newcastle trifft eine stolze Industriegeschichte auf modernes Flair. Wir zeigen, warum ein Citytrip lohnt. 
Text Mila Krull
Datum21.01.2026

Wo einst Kohle, Stahl und Schiffsbau den Takt angaben, pulsiert heute eine der spannendsten Großstädte Englands. Newcastle upon Tyne überzeugt nicht nur mit ihrer ikonischen Brückenlandschaft, sondern auch mit einem Mix aus viktorianischer Architektur und modernen Kulturinstitutionen. 

Mit zwei bedeutenden Universitäten zieht Newcastle seit Generationen Studierende in Englands Nordosten. Die jungen Bewohner, gut besuchte Pubs und ein quirliges Zentrum setzen die Stadt am Fluss ständig unter Strom. Auch die starke lokale Identität – und manchmal auch der Dialekt – der „Geordies“ ist unbedingt eine Reise wert. Zehn weitere Gründe, Newcastle und Umgebung zu besuchen, stellen wir im Folgenden vor.

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Tyne Bridge

Vorbild für Sydney: die Tyne Bridge in Newcastle

Grün gestrichener Stahl, ein geschwungener Bogen und zwei steinerne Türme – die Parallelen sind unverkennbar: Wer erstmals vor der Tyne Bridge steht, könnte meinen, er befinde sich im 17.000 Kilometer entfernten Sydney. Dass sich beide Brücken so ähnlich sehen, kommt nicht von ungefähr: Tatsächlich handelt es sich bei der Sydney Harbour Bridge und der nordenglischen Stahlkonstruktion um Schwesternbrücken. Konzipiert wurden beide Anfang des 20. Jahrhunderts vom Ingenieurbüro Mott, Hay and Anderson. Die Baufirma Dorman Long and Co. war anschließend für die Umsetzung der Brücken verantwortlich. Im Jahr 1928 ließ König George V. die Tyne Bridge in Newcastle feierlich eröffnen. Sie diente somit als Testversion für die deutlich massivere und 760 Meter längere Sydney Harbour Bridge.

tynebridge.org

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Newcastle Castle

Noch heute kann die namensgebende Burg besichtigt werden.

Wie enorm die Ausmaße der namensgebenden Festung einst waren, lässt sich heute nur noch erahnen. Rund um das historische Stadtzentrum erstrecken sich die Ruinen und historischen Überbleibsel der mittelalterlichen Anlage. Schon in der Römerzeit befanden sich hier Verteidigungsanlagen, die das Flussufer absicherten. Ab dem 11. Jahrhundert wuchs der Wall zu einer weitläufigen Burg, dem „New Castle“. Über mehrere Epochen trotzte das Mauerwerk Gefahren, bis es im englischen Bürgerkrieg den schottischen Angriffen zum Opfer fiel. Obwohl weite Teile der Festung mittlerweile aus dem Stadtbild verschwunden sind, blieben mit dem Castle Keep und dem Black Gate zwei massive Bauwerke erhalten. Beide lassen sich heute innen wie außen besichtigen.

newcastlecastle.co.uk

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Millennium Bridge

Die Millenium Bridge neigt sich bei der Schiffspassage um bis zu 45 Grad.

Das Gegenstück der historischen Tyne Bridge überspannt nur wenige hundert Meter weiter den Fluss. Seit 2001 verbindet das futuristische Bauwerk Newcastle mit der gegenüberliegenden Stadt Gateshead. Da die Tyne Bridge vor allem für den Autoverkehr genutzt wird, erlaubt die Millennium Bridge Fußgängern und Fahrradfahrern eine sichere Passage. Ein besonderes Spektakel ereignet sich, wenn ein Schiff flussaufwärts fährt. Dann nämlich kippt das gesamte Bauwerk, angetrieben durch acht Motoren, bis zu 45 Grad gen Himmel. Weil dieser außergewöhnliche Vorgang manchen Beobachter an ein blinzelndes Auge erinnert, trägt die Millennium Bridge den Spitznamen „Blinking Eye“. 

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The Glasshouse International Centre for Music

Am Ufer des Tyne thront das Musikzentrum „The Glasshouse“.

Tatsächlich befindet sich das schillernde Konzerthaus am südlichen Tyneufer und somit nicht in Newcastle, sondern in der Nachbarstadt Gateshead. Durch diverse Brücken und gute Verkehrslinien sind beide Städte allerdings nicht nur räumlich, sondern auch kulturell eng verbunden. Die drei Konzertsäle bieten Musikveranstaltungen sämtlicher Genres eine Bühne. Der verbindende Innenraum ist tagsüber für Besucher geöffnet. Wie auch die nahe Millennium Bridge entstand das Gebäude Anfang der 2000er, umgesetzt wurde es nach den Plänen von Foster + Partner. Aus dem Büro der renommierten Architekten Norman und Wendy Foster stammen auch die Pläne für den Londoner Wolkenkratzer „The Gherkin“ sowie die Neugestaltung des Berliner Reichstags. Das unverkennbare Design, das Stahl und geschwungene Glasfronten kunstvoll in Szene setzt, ist auch beim Glasshouse International Centre for Music formgebend. 

theglasshouseicm.org

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Baltic Centre for Contemporary Art

Einst Getreidemühle, heute Kunst- und Kulturzentrum: das Baltic Centre

Auch das Baltic Centre for Contemporary Art liegt auf der Gateshead-Seite, für einen Besuch lohnt die Tyne-Passage allemal. Bereits der massive Bau beeindruckt, das Ausstellungshaus befindet sich in einer einstigen Getreidemühle aus den 1950er-Jahren. Das Unternehmen florierte, bis ein verheerender Brand im Jahr 1976 schließlich das Ende der Mühle besiegelte. Im Zuge umfangreicher Strukturpläne, die eine Belebung einstiger Industrieflächen vorsahen, wurde ab den 1990er-Jahren die Neugestaltung des Tyne-Ufers eingeleitet. Seit 2002 empfängt der historische Komplex als Kunstmuseum und Kulturort Besucher. Statt einer ständigen Ausstellung zeigt das Baltic Centre wechselnde Schauen zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler. Darüber hinaus eröffnet eine Aussichtsplattform den Blick auf Newcastle, Gateshead und die Brücken des Tyne. Der Eintritt ist frei.

baltic.art

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Grainger Market

Der viktorianische Grainger Market ist Newcastles kulinarischer und sozialer Hotspot.

Rund um das Einkaufszentrum Eldon Square und die Fußgängerzone der Northumberland Street entpuppt sich Newcastle als wahres Shopping-Paradies. Teil des belebten Zentrums ist auch der historische Grainger Market aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Bei ihrer Eröffnung zählte die viktorianische Markthalle zu den größten in ganz Europa. Auch heute noch verkaufen mehr als 100 Händler ihre Waren an Ständen und in den Geschäften. Zum Angebot zählen neben Lebensmitteln wie Obst, Gemüse, Fleisch und Spezialitäten auch Bücher, Spielzeuge, Souvenirs oder Pflanzen. Eine Besonderheit ist auch der hiesige Marks & Spencer Penny Bazaar, die weltweit kleinste und gleichzeitig älteste noch existierende Filiale der bekannten Kaufhauskette, die hier ihren Ursprung nahm. 

Tipp: Die Bäckerei French Oven verkauft nordenglische Spezialitäten wie Scones und die deftigen Stotties-Brote. Lokale Pies und Sausages verkauft der Shop Geordie Banger.

ourgraingermarket.co.uk

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Grey Street

Die herrschaftliche Grey Street und das Grey's Monument.

Sie ist nicht nur die Lebensader der Stadt, die das höher gelegene Zentrum mit dem Tyne-Ufer verbindet, sondern auch eine der prächtigsten Straßen des Landes: die Grey Street. Mit Anbeginn des viktorianischen Zeitalters verwirklichten Stadtplaner Richard Grainger und Architekt John Dobson – ebenfalls verantwortlich für den Graingers Market – ihre Pläne für die Gestaltung der Straße, die von klassizistischen Sandsteinfassaden umrahmt wird. Seinen Anfang nimmt der Boulevard am Grey’s Monument, das seit 1838 den ehemaligen Premierminister Earl Grey, den Zweiten, ehrt. Als nächste Sehenswürdigkeit passieren Fußgänger das Theatre Royal, das ebenfalls aus dieser Zeit stammt und in dem bis heute Musicals, Opern und Ballettstücke aufgeführt werden. Darüber hinaus beherbergt die Grey Street mehrere beliebte Restaurants, Cafés und Bars. 

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St. James’ Park: Heimat von Newcastle United

Hier schlägt Newcastles' Fußballherz: St. James' Park

Ein legendärer Club mit einem legendären Zuhause: St. James’ Park heißt das Heimstadion vom Club Newcastle United, der 1881 gegründet wurde und somit auf eine lange Fußballtradition zurückblickt. Zwar liegen die großen Erfolge der „Magpies“ (der Spitzname „die Elstern“ leitet sich von den schwarz-weißen Vereinsfarben ab) bereits einige Jahre zurück. Zudem gingen die Anteile am Club großteils an einen saudi-arabischen Investmentfonds über. Der ekstatischen Stimmung im St. James’ Park tun diese Umstände jedoch keinen Abbruch. Wer England im Fußballfieber erleben will, besucht das Stadion mit seinen mehr als 50.000 Plätzen zu einem Premier-League-Match.

newcastleunited.com

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Tynemouth

Die Klosterruine thront über der King Edwards Bay.

Zwar kein offizieller Teil der Stadt mehr, dennoch zieht es viele Locals am Wochenende nach Tynemouth. Das charmante Nordseestädtchen liegt rund 15 Kilometer östlich des Zentrums an der Mündung des Tyne und ist bestens mit der Metro zu erreichen. Bei gutem Wetter lädt hier der breite Strand der King Edwards Bay zu Picknick und Spaziergängen ein. Bei nebligem oder regnerischem Wetter hingegen entwickeln die hiesigen Burg- und Klosterruinen ihren ganz eigenen Reiz. Im Ortskern locken zudem urige Cafés, Pubs und Fish’n’Chips-Shops.

Tipp: Besuchen Sie Tynemouth an einem Samstag oder Sonntag. Dann verwandelt sich die Metrostation in einen bunten Flohmarkt mit allerhand Antiquitäten, Street Food und Kunsthandwerk.

tynemouthmarkets.com

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Hadrian’s Wall

Der Hadrianswall bildete einst die Grenze zu Schottland.

Von der Nordsee bis zur Irischen See, von der Ost- bis zur Westküste erstreckte sich einst der Hadrianswall, eine der wichtigsten römischen Grenzanlagen. Trotz seines Alters von mehr als 1.500 Jahren sind einige Abschnitte des etwa 120 Kilometer langen Walls auch heute noch erstaunlich gut erhalten. Bestens aus der Nähe betrachten lässt sich das von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannte Bauwerk auf einer Wanderung: Der Hadrian’s Wall Path führt direkt an den Ruinen der Wehrmauer entlang und an vielen archäologischen Stätten vorbei. Einer der schönsten Abschnitte liegt im Landesinneren zwischen Chollerford und Lanercost: Hier warten römische Grabanlagen, Kastelle und Tempel sowie spektakuläre Aussichten auf die wilde Landschaft. 

english-heritage.org.uk