Rue de la Loge, Weinstube © Christina Körte
Städtereisen

Bummeln in vertikalen Welten: Stadt Luxemburg

Die Stadt ist seit mehr als 1000 Jahren im Fels verwurzelt und pflegt auf mehreren Etagen ihr eigenes, wechselhaftes Tempo. Überall zu spüren sind Lebensfreude, Dynamik und Wandelbarkeit.

Der schönste Balkon Europas

De gudde Wellen, Culture Club: hippe Terrasse um ein Feierabendbierchen zu trinken © Christina Körte

Rund ein Fünftel der Einwohner Luxemburgs, nämlich 125.000 Menschen, leben in der Hauptstadt gleichen Namens. Eine ziemlich einmalige Anlage, den Berg hochgebaut; deshalb ist der Chemin de la Corniche ein guter Ausgangspunkt. Ein steinerner Wall, den Franzosen und Spanier hier im 17. Jahrhundert zur Befestigung anlegten, darauf ein Spazierweg mit dem Beinamen „Schönster Balkon Europas“. Der Blick geht eine steile Felswand hinunter, auf die schillernden Schieferdächer von Grund, einem der ältesten Teile der Stadt, und dann wieder hoch zu den schimmernden Türmen auf dem Kirchberg, dem noch jungen Banken- und „Europaviertel“.

Die Altstadt erkunden

Corniche: Blick auf Grund zur blauen Stunde © Christina Körte

Ein Spaziergang auf der Corniche ist ein optisches Fest. Durch die Rue du St Esprit, wo Sie im „Mesa Verde“ hervorragend vegetarisch essen können, und weiter über den Krautmarkt gelangen Sie zum Großherzoglichen Palast, der von außen zu bestaunen ist. Standesgemäßer Genuss dazu: ein Madeleine und ein Glas Crémant bei „Léa Linster“, schräg gegenüber vom Palast (4 Rue de l’Eau).

Weiter geht es zu den zwei großen zentralen Plätzen: der Place Guillaume II, in Luxemburg besser bekannt als Knuedler, und der Place d’Armes, der als „Salon der Stadt“ gilt. Tipp: Setzen Sie sich dort mit einem Eis von „Veneziano“ auf die Stufen vor dem Stadtpalast Cercle-Cité und lassen Sie den bunten Luxemburg-Mix an sich vorbeiziehen. Jetzt sollten Sie gestärkt sein für zwei Museen: das Nationalmuseum für Geschichte und Kunst (direkt am Fischmarkt) und das Stadtmuseum (14 Rue du St Esprit).

Angenehmes Tempo im Grund

Benediktinerabtei Neumünster © Christina Körte

Per Aufzug vom Heilig-Geist-Plateau oder zu Fuß über die Rue Large gelangt man schnell und einfach nach Grund, wo Luxemburg angenehm das Tempo rausnimmt. Alle kleinen Sträßchen im tiefsten Teil der Stadt abzuschlendern, ist kein großer Akt und sehr zu empfehlen. Nett einkehren kann man im Bistro im Innenhof der 1606 gegründeten ehemaligen Benediktinerabtei Neumünster. Seit 2004 ist die Abtei ein geräumiges Zuhause für allerlei Kultur, sehenswert ist die Dauerausstellung mit Werken des Luxemburger Bildhauers Lucien Wercollier. Ältere Luxemburger erinnern sich noch an die Zeit, als die Abtei ein Männergefängnis war – und das nahegelegene Nationalmuseum für Naturgeschichte ein Frauengefängnis.

Europa auf dem Kirchberg

Blick zum Kirchberg-Plateau © Christina Körte

Die meisten Luxemburger EU-Institutionen, die Philharmonie, das Kunstmuseum Mudam und zig Banken: Wie viel Geld und Einfluss in Luxemburg sitzt, lässt sich auf dem erst ab den 1960er-Jahren bebauten Kirchberg erahnen. Und wie groß man in der Stadt nicht nur denken, sondern auch bauen kann. Zum Spazieren lädt der Bezirk eher nicht ein, aber eine Kirchberg-Fahrt mit der Tram ist eindrucksvoll. Von Pfaffenthal gelangen Sie mit einer Standseilbahn hinauf – oder in einer entspannten halben Stunde auch zu Fuß.

Hübsches Bahnhofsviertel

Skaterpark © Christina Körte

Über zwei Brücken spazieren Sie von der Altstadt ins jüngst aufgehübschte Bahnhofsviertel: die Passerelle (mit Blick ins Petruss-Tal und auf den Skaterpark) und die Adolphe-Brücke (deren Fußweg unterhalb der Fahrbahn liegt). Auf der Avenue de la Liberté haben sich viele schöne, wenn auch eher hochpreisige Läden und Cafés angesiedelt. Sehenswert, wenn Corona die Öffnung wieder zulässt: die Galerie für zeitgenössische Kunst.

Kultur in Bonnevoie

Kulturzentrum Rotonde © Christina Körte

Östlich des Bahnhofs schließt sich dieses unter Luxemburgern sehr beliebte Viertel an – eine ganz andere, weniger saubere und glattgebügelte Seite der Stadt. Ein Highlight liegt direkt hinter dem Bahnhof in zwei runden ehemaligen Lokschuppen: das Kulturzentrum Rotondes. Der eine ist innen schon perfekt umgestylt, der andere beherbergt noch etwas Patina und die „Buvette“, ein nettes Lokal für drinnen und draußen. Seit dem Kulturhauptstadt-Jahr 2007 ist auf dem Gelände eine enorm vielfältige kulturelle Einrichtung gewachsen, wo Märkte, Ausstellungen, Konzerte und Festivals stattfinden.

27 Kilometer Unterwelt: Bock-Kasematten

Bock Kasematten © Nienke Krook

Wenn Corona es wieder zulässt, sollten Sie abtauchen: in die Unterwelt des Bockfelsens. Von den 23 Kilometer langen Gängen, die dort ab dem 17. Jahrhundert (maßgeblich durch den Festungsbauer Vauban) entstanden, sind 17 Kilometer noch heute begehbar. Informationen gibt’s im Tourist Office direkt am „Knuedler“ (Place Guillaume).

Dort wird auch eine sehr gute, geführte Tour auf dem „Wenzel-Rundweg“ angeboten: Corniche, Abtei Neumünster, Bockfelsen – alles dabei auf dem 5,5 Kilometer langen Weg. Motto: „1000 Jahre Geschichte in 180 Minuten“.

www.luxembourg-city.com

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