Achterwasser © Hansjörg Rensmayr
Natur

Sechs wilde Badestellen zum Alleinsein

Von sumpfig-sanft bis sprudelnd-stark: Für sein Buch „Wild Swimming Deutschland“ ist Hansjörg Ransmayr durch die gesamte Republik gereist und in hundert Seen und Flüsse gesprungen. Diese sechs Orte steuert der Outdoor-Experte besonders gerne an – ihr Wasser ist ein Erlebnis.

Vogtlandsee: Wellness im Moorteich

Vogtlandsee © Hansjörg Rensmayr

Dass dieser See erst durch einen Staudamm entstand, merkt man kaum, so schön schmiegt er sich in die Wälder im Südwesten Sachsens. Weil das Wasser extrem sauer ist, hat der Vogtlandsee kaum Fische. Aber es ist auch sehr weich, angenehm und gut für die Haut, weshalb viele Badende sich nach ihrer Schwimmrunde nicht sofort mit dem Handtuch abrubbeln, sondern den Film des bräunlichen und herrlich nach Wald duftenden Wassers auf der Haut trocknen lassen. Viele Schwimmer gibt es hier freilich nicht – der See, der auch Moorteich genannt wird, ist nur über Wanderwege zu erreichen und somit fest in der Hand der einheimischen Vogtländer.

Baltrum: Der einmalige Geruch von Watt

Weg zum Strand von Baltrum © Hansjörg Rensmayr

Als Österreicher bin ich an Bergseen aufgewachsen, das Schwimmen im Meer war für mich eine kleine Offenbarung. Weil man durch den hohen Salzgehalt einen enormen Auftrieb erhält, ist das Schwimmen hier deutlich leichter – natürlich nur, wenn man nicht gerade gegen die Wellen ankämpft. Besonders gut gefallen hat es mir auf der Nordseeinsel Baltrum, hier kann man schön an dem sieben Kilometer langen Hauptstrand baden. Bei Ebbe hat das Wasser durch den Schlick bisweilen diesen ganz einmaligen Wattgeruch.

Achterwasser: Lagunen-Cocktail bei Usedom

Achterwasser © Hansjörg Rensmayr

Wie es ist, gleichzeitig in einem Fluss und im Meer zu schwimmen, lässt sich im Achterwasser auf Usedom erleben, wo die Peene in die Ostsee mündet. Nur ein schmaler Deich trennt die beiden, und wenn der Wind richtig peitscht, schwappt schon mal ein wenig Salzwasser in den Strom. Aber normalerweise ist das idyllische Achterwasser perfekt, um auch bei turbulenten Wellen auf See eine ruhige Bahn zu schwimmen. Die Sonnenuntergänge über dem Achterwasser sind einfach überwältigend schön.

WEITERE NATURWUNDER ENTDECKEN

Steinbruch Vogelberg: Natürlich industriell

Bei meinen Schwimmrunden durch Deutschland haben mich die überfluteten Steinbrüche im Osten besonders begeistert. Zum Beispiel der Steinbruch Vogelberg nahe dem sächsischen Kamenz. Da es sich im Wesentlichen um Regenwasser handelt, ist das Gewässer sehr weich, klar und die Sicht unter der Oberfläche hervorragend! Auch im heißesten Sommer bleibt der voll gelaufene Granitsteinbruch erfrischend kalt, von den Klippen kann man ins Wasser springen – aber unbedingt auf Hindernisse unter Wasser achten! Es gibt auch eine deutlich risikoärmere Liegewiese im vorderen Teil.

Großer Stechlinsee: tief und klar

Stechlinsee © Steffen Lehmann/ TMB-Foto- archiv

Als würde ich in Trinkwasser schwimmen, so fühle ich mich, wenn ich durch diesen See kraule. Der Große Stechlinsee gehört zum Naturpark Uckermärkische Seen und galt lange als sauberster See des ganzen Landes. Mittlerweile hat sich der Phosphorgehalt vor allem in den unteren Schichten leider beunruhigend erhöht, aber an der Oberfläche ist das Wasser noch immer extrem klar. Dennoch sollte man das als Anlass nehmen, am Stechlin – und an allen anderen Gewässern – einen Beitrag zu ihrem Schutz zu leisten und zum Beispiel ohne Sonnencreme ins Wasser gehen.

Tatzelwurm-Wasserfälle: Massagebank im Bach

Tatzelwurmwasserfall © Hansjörg Rensmayr

Das Schwimmen in Wasserfällen ist eine meiner großen Leidenschaften – kein anderes Gewässer wirkt so belebend! Nicht nur weil das Wasser in der Regel sehr kalt ist, sondern auch, weil es voller Sauerstoff steckt und sich anfühlt, als bekäme man mit Sprudel eine Ganzkörpermassage. Ein Prachtexemplar: die Tatzelwurm-Wasserfälle westlich des bayerischen Ortes Oberaudorf. Insgesamt sind die Fälle etwa 100 Meter hoch und haben unterhalb des zweiten Falls einen schönen Pool. Um Ärger zu vermeiden, nähert man sich den Fällen am besten von oben, denn an ihrem Auslauf liegt ein Hotel.

Ratgeber „Wild Swimming”

Einen Sommer lang reiste Autor, Guide und Freiwasserschwimmer Hansjörg Ransmayr durch Deutschland, um die schönsten wilden Badestellen zu finden. Hier finden Sie Schwimm-Guides für Europa