Jungfernstieg © Gerald Hänel
Hamburg

Nah am Wasser gebaut

... sind die meisten Sehenswürdigkeiten in der Hafenstadt. Inka Schmeling, Redakteurin bei MERIAN, lebt seit 2001 in Hamburg und verrät, was Sie an Elbe und Alster unbedingt sehen und erleben sollten – und worauf Sie getrost verzichten können.

Text Inka Schmeling
1

Elbphilharmonie

Wir Hamburger streifen die Geschichte ihres Baus lieber nur kurz: Der dauerte 16 statt der geplanten 9 Jahre, die Kosten lagen am Ende nicht bei 77, sondern für die Stadt bei mehr als 800 Mio. Euro. Aber dann wurde die Elbphilhar--monie 2017 eröffnet – und die Stadt verliebte sich. »Elphi« nennen wir unser Konzerthaus seitdem, und wenn wir ab und zu daran mäkeln – die langen Wartezeiten für Tickets, die lauten Besucher, die nicht für alle Stücke perfekte Akustik! – ist das bloß fishing for compliments. Wir wollen eigentlich sagen: Absolut gar kein Weg führt in Hamburg an diesem neuen Wahrzeichen vorbei. Mindestens auf die Plaza und besser noch in den Großen Saal sollten Sie es schaffen.

Platz der Deutschen Einheit 
www.elbphilharmonie.de

2

Jungfernstieg

Hier flaniert man mit Besuch entlang, um mit der Stadt protzen zu können: Auf der einen Seite die Binnenalster, auf der anderen elegante Konsumtempel – Prachtstück ist das Alsterhaus von 1912. Und gleich nebenan die Alsterarkaden und das Neo-Renaissance-Rathaus. Obendrein ist hier und in der nahen Mönckebergstraße die gesamte Palette von Luxus- bis Billigketten zu finden, bei Schietwetter kann man in den Passagen ringsum sogar im Trockenen shoppen. Am größten ist die Europa-Passage (Ballindamm 40), sehr schön die Galleria (Große Bleichen 21) im Art-déco-Stil. 

3

Außenalster

Zum Joggen oder Spazieren, im Segelboot oder Kanu und in sehr kalten Wintern sogar beim Schlittschuhlaufen – die Außenalster ist Hamburgs  Herz. Mein Tipp: Wer nicht die ganze 7,4-Kilometer-Runde laufen will, beschränke sich auf das Stück namens Schöne Aussicht. Die hat man dort tatsächlich, und am Ende gibt’s in der Alsterperle (Eduard-Rhein-Ufer 1) – natürlich – ein Alsterwasser.

4

Speicherstadt

Bei Einbruch der Dunkelheit zeigt sich das Lagerhausensemble, errichtet ab 1878, von seiner schönsten Seite, die Backsteinfassaden sind dann zauberhaft beleuchtet. Bei einer »Lichterfahrt« lässt sich das auch vom Wasser aus entdecken, die Barkassen starten an den Landungsbrücken zum Beispiel bei den Reedereien Abicht oder Gregors. Seit 2015 gehören die Speicherstadt und das angrenzende Kontorhausviertel zum UNESCO-Welterbe.

5

Hafen

Hedi © Christina Körte

Schiffstuten und Container-Geklacker sind Hamburgs Grundbeat; der Hafen ist bis weit in die Stadt präsent. Wer ihn aus der Nähe sehen will, sollte ab den Landungsbrücken eine Hafenrundfahrt buchen. Sehr besonders sind die Touren von »Frau Hedi« (www.frauhedi.de), die von Mai bis September abends stündlich an Brücke 10 ablegt – mit cooler Musik. 

6

Michel

Michel © Isabela Pacini

Kenner besuchen die Barockkirche St. Michaelis werktags gegen 10 oder 21 Uhr oder am Sonntag um 12. Dann trompetet einer der beiden »Turmtüter« einen Choral in jede Himmelsrichtung. Vom Turm aus haben Sie den wohl schönsten Ausblick auf die Stadt, bis nach oben sind es 452 Stufen – oder aber Sie nehmen den Aufzug.

Englische Planke 1

7

St. Pauli

Sex, Drugs und viel Rock ’n’ Roll machten die Reeperbahn in den Sechzigern bekannt. Leider. Die legendäre Meile ist mittlerweile das Revier für Junggesellenabschiede, zu deren Stationen längst auch alte Kultkneipen wie die »Ritze« (Reeperbahn 140) oder »Zum Silbersack« (Silbersackstr. 9) gehören. Mein Tipp: Schlendern Sie hier entlang, besuchen Sie einen der Clubs (S. 80) oder ein Musical an Hamburgs Broadway – und verdrücken Sie sich dann in die Parallel- und Seitenstraßen. Hein-Köllisch-Platz, Wohlwillstraße und Neuer Pferdemarkt sind heute Hamburgs spannender Kiez.

8

Schanzenviertel

Das einstige Problemviertel ist seit Jahren Hamburgs hipster Stadtteil: Zwischen Schulterblatt und Schanzenstraße ballen sich Modeboutiquen und Szene-Cafés. Nebenan im  Karolinenviertel haben viele Hamburger Designer ihre Ateliers in der Marktstraße.

9

Hamburger Kunsthalle

Nach der Gründung 1869 baute vor allem Direktor Alfred Lichtwark eine beeindruckende Sammlung auf. Neben deutschen Größen wie Caspar David Friedrich, Adolph Menzel oder Max Liebermann sind die französischen Impressionisten stark vertreten. 1997 wurde die Kunsthalle um die Galerie der Gegenwart erweitert; hier sind Gerhard Richter, Andy Warhol oder Georg Baselitz zu sehen. Zuletzt sanken die Besucherzahlen. Doch die Perspektiven sind gut: Im Sommer 2019 übernimmt der weltgewandte Museumsmacher Alexander Klar das Haus. Spannende Kunstausstellungen bieten auch Bucerius Kunst Forum (Alter Wall 12), Museum für Kunst und Gewerbe (Steintorplatz) oder Deichtorhallen (Deichtorstr. 1).

Glockengießerwall 5
www.hamburger-kunsthalle.de

10

Elbstrand

So geht Kurzurlaub in Hamburg: An den Landungsbrücken Fähre Nr. 62 nehmen, am Museumshafen Övelgönne aussteigen, knapp zehn Minuten an Kapitänshäuschen vorbei stadtauswärts laufen, in der Strandperle ein Fischbrötchen bestellen und dann: in den feinen Sand setzen und die Containerschiffe auf der Elbe betrachten.

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