Blick vom Tegelberg auf den Bannwaldsee und Forggenseeim Allgäu © Tim Langlotz
Städtereisen

Urlaub im Allgäu: Die schönsten Orte der Region

Selbst die größte Stadt im Allgäu hat keine 70.000 Einwohner. Dafür jede Menge Charme und viel Historie. Wir zeigen Ihnen zehn sehenswerte Orte in der Region.

Eine Region, so vielfältig wie ihre Natur: Im Allgäu kommen Besucher in den Genuss von aufregenden Panoramen, Kultur, Geschichte und jeder Menge Platz für Outdoor-Aktivitäten. Eine Reise lohnt zu jeder Zeit, denn im Frühjahr lässt es sich herrlich wandern, im Sommer locken Seen und im Winter der Skisport. Entdecken Sie abenteuerliche Klamm-Wege, historische Altstädte und weitere Sehenswürdigkeiten im Allgäu. Auch in Sachen Unterkunft hat das Allgäu einiges zu bieten. Ob Campingplätze oder Wellness-Hotels – für jede Saison und jeden Urlaub gibt es hier die passende Bleibe. 

1

Lindenberg: Wo immer die Sonne scheint

Lindenberg im Allgäu © Thomas Gretler

Die Sonne scheint hier öfter als anderswo. Lindenberg gehört dank seiner Hö­henlage auf gut 800 Metern zu den Spitzenreitern in der Liste der sonnigsten deutschen Städte. Bei so viel Sonnenschein wird gerne mal zum Hut gegriffen. In Lindenberg ist man hierfür genau an der richtigen Adresse: Um 1900 war der Ort ein Zentrum der deutschen Hutindustrie. Die hat zwar mittlerweile keine große wirtschaftliche Bedeutung mehr, doch im mit viel Liebe zum Detail gestalteten Hutmuseum kann man diesen Teil der Stadtgeschichte auf beeindruckende Weise erleben. 

Ebenso sehenswert ist die neobarocke Stadtpfarrkirche St. Peter und Paul: „Dom des Westallgäus“ wird sie ob ihrer Größe genannt, beeindruckend ist die mächtige Chorkuppel im Westen des dreischiffigen Baus von 1914. Ein schönes Ausflugsziel liegt am Stadtrand: Der moorige Waldsee wurde bereits im Mittelalter als Fischteich aufgestaut und ist heute Teil eines Landschaftsschutzgebiets. Im dunklen Wasser lässt es sich bestens baden, rund um den See gibt es einige schöne Spazierwege. 

2

Marktoberdorf: Musik und Motoren

Konzert in der Bayrischen Musikakademie © Arthur F. Selbach

Trecker-­Fans schätzen das kleine Marktoberdorf, denn hier hat die Traktorenfirma Fendt ihren Hauptsitz. Deren Oldtimer genießen Kultstatus und sind im Fendt Forum im Micheletalweg zu bestaunen. Auch kulturell hat der 18.000-Einwohner-­Ort einiges zu bieten: Die Bayerische Musikakademie im Fürstbischöflichen Barockschloss lädt regelmäßig zu Konzerten ein. Für viel Furore hat der Bau des extravaganten Kubus nahe des Rathauses gesorgt: Das ambitioniert geführte Künstlerhaus zeigt zeitgenössische Werke; besonderes Augenmerk liegt auf dem Ostallgäuer Maler Franz Hitzler, der auch im New Yorker MoMA vertreten ist. 

Marktoberdorf zählt zu den höchstgelegenen Städten Bayerns, ein schöner Spaziergang führt vom Markt zur barocken Stadtpfarrkirche St. Martin. Von dort läuft man auf der zwei Kilometer langen, von hunderten alten Linden gesäumten Kurfürstenallee zu einem der schönsten Aussichtspunkte der Stadt mit Blick aufs Alpenpanorama. 

3

Kempten: Kleine Metropole

Kempten Allgäu © Gunnar Ridderstrom/Unsplash

Die größte Stadt im Allgäu liegt auch noch mittendrin. Von Kempten aus fährt man zu keinem Ort der Region länger als eine Dreiviertelstunde. Der Spitzname „Metropole des Allgäus“ ist hoch gegriffen für eine Stadt mit knapp 67.000 Einwohnern, hat aber seine Berechtigung, was die Geschichte angeht. Kempten ist eine der ältesten urkundlich erwähnten Städte Deutschlands, schon um das Jahr 18 n. Chr. erwähnte der Grieche Strabon die Siedlung. Trotzdem fühlt sich die Stadt jung an – was auch an den 6.000 Studenten der Hochschule für angewandte Wissenschaften liegt.

Gelegenheiten zum Flanieren bieten sich rund um den Rathausplatz mit seinen schönen Patrizierhäusern oder weiter über die Freitreppe zum Schlössle von 1593, in dem Geschäfte und Wohnungen untergebracht sind. Am Hildegardplatz an der Basilika St. Lorenz ist im Sommer mittwochs und samstags Wochenmarkt. Daneben steht die Fürstäbtliche Residenz, heute Sitz der Kemptener Gerichte. Einige Prunkräume sind zu besichtigen, etwa der Rokoko­-Thronsaal. Hier finden Sie weitere Sehenswürdigkeiten von Kempten.

4

Kaufbeuren: Heilige Crescentia!

Der Neptunbrunnen in Kaufbeuren © Kaufbeuren Marketing

Keimzelle von Kaufbeuren ist das Crescentiakloster. Die Geschichte dieser Franziskanerinnengemeinschaft reicht bis ins 13. Jahrhundert zurück. Das Kloster mit Kirche ist für Besucher offen, und der Klosterberggarten, eine grüne Oase, strahlt eine feine Ruhe aus. Hinter dem Komplex führt ein steiler, aber schöner Spazierweg vorbei an lauschigen Gärten hinauf zur Stadtmauer. Wer sich in der Tourist Information gegen eine Unterschrift den Schlüssel ausgeliehen hat, kann die schwere Holztür öffnen und durch den überdachten Wehrgang auf der Mauer bis zum Fünfknopfturm vorgehen, dem Wahrzeichen der Stadt.

Für alle, die danach eine Pause brauchen: Im Café nebenan gibt es guten, hausgemachten Kuchen. Hübsch und herausgeputzt präsentiert sich die Altstadt, allen voran die breite Kaiser­-Max-­Straße mit dem Neptunbrunnen, die zum Rathaus führt. Jedes Jahr im Juli wird hier ordentlich gefeiert: Beim Tänzelfest spielen Kinder in historischen Kostümen die Geschichte ihrer Stadt nach – samt großem Festzug und mittelalterlichem Markttreiben.

5

Füssen: Die Schöne am Lech

Füssen Allgäu © Nikolay Kovalenko/Unsplash

Jeder kennt das Märchenschloss über der Stadt. Von Neuschwanstein schaut man hinunter auf Füssen am Lech, und es ist fast schade, dass viele die Stadt nur besuchen, um sich die Wartezeit bis zur Schlossführung zu vertreiben. Denn Füssen ist ein kleines Juwel: In den Altstadtgassen stehen gotische Bauten und schöne Barockkirchen, der idyllische Forggensee liegt nur einen Spaziergang entfernt. Die Altstadt dominieren das ehemalige Benediktinerkloster St. Mang und die gut erhaltene Burganlage Hohes Schloss mit illusionistischen Malereien an der Außenfassade.

Zwei Museen im Innern zeigen dort Kunst und Burggeschichte, zu den Räumen der Staatsgalerie zählt der Rittersaal mit seiner auffallenden Kassettendecke. Malerisch am Lech liegt die Franziskaner­kirche St. Stephan, der Hochaltar von 1765 zeigt die Steinigung des heiligen Stephanus. Wer einkehren möchte, geht am besten ins ehemalige Feuerwehrhaus: Auch Einheimische verbringen die Mittagspause gern in dieser quirligen Markthalle. 

6

Isny: Kirchen-Clinch

Isny im Allgäu © Arthur F. Selbach

Hier die protestantische Nikolaikirche, da die katholische Pfarrkirche St. Georg und Jakobus: Am Kirchplatz in Isny stehen sie direkt nebeneinander. Jahrhunderte hat ihr Konflikt die Stadt geprägt. Seit der Reformation war das St. Georg­ Kloster zuständig für alle Katholiken in der Umgebung und musste sich noch dazu gegen das wachsende Selbstbewusstsein der evangelischen Reichsstadt Isny behaupten. 

Gegenwind waren die Katholiken da bereits gewohnt: Schon im 15. Jahrhundert beklagten sie einen Sittenverfall unter Isnys Kaplänen – und holten neue Prediger in die Stadt. Um diese mit Lehrstoff zu versorgen, entstand in der Nikolaikirche die Prädikantenbibliothek, die heute noch wertvolle Handschriften zeigt. Sehenswert in der Altstadt sind auch der Blaserturm und das Rathaus, das aus drei alten Patrizierhäusern entstand. Eins davon ist das Albrechtsche Haus mit einer frühgotischen Säulenhalle im Erdgeschoss.

7

Wangen: Keine Eile

Das Frauentor in Wangen im Allgäu © Arthur F. Selbach

Hier fühlt es sich an wie in Italien: pastellfarbene Fassaden in der Altstadt, pittoresk verwinkelte Gassen. Kaum zu glauben, dass über die Jahrhunderte hinweg mehrere schwere Brände der Stadt zugesetzt haben. Wangen schmiegt sich ins Westallgäuer Hügelland und birgt viele Sehenswürdigkeiten wie die alte Stadtmühle, das Weberzunfthaus mit Wandmalereien aus der Renaissance oder das Frauentor, das vermutlich schon seit der Stadtgründung im 12. Jh. besteht. 

Wenn Markt ist und zwischen alten Mauern Käse, Fisch und Wurzelbürsten feilgeboten werden, verlieren sich Besucher gern mal zwischen den Ständen. Und nicht nur dort: „In Wangen bleibt man hangen“, heißt es hier, und Gelegenheiten dazu gibt es viele: originelle Lokale wie das kultige Gasthaus „Fidelisbäck“ in der Paradiesstraße, kleine Geschäfte in der Herren- und Schmiedstraße. Hat man schließlich gerade die Innenstadt durch das bemalte, historische Martinstor verlassen, fällt der Blick auf die Turmuhr und den Spruch, der darunter prangt: „Lass Dir Zeit“, steht da. Warum also nicht noch einmal umdrehen? 

8

Leutkirch: Eine für alle

Die Kirche St. Martin und der Bockturm in Leutkirch © Roland Rasemann

Eine Leutekirche – das ist eine Kirche, die im Mittelalter nicht dem Klerus vorbehalten, sondern auch fürs Volk zugänglich war. Eine solche war St. Martin, im Jahr 788 erstmals erwähnt. Um die Pfarrkirche herum bildete sich eine kleine Siedlung, und über die Jahrhunderte entstand Leutkirch: ein sonnenreiches Städtchen mit heute 23.000 Einwohnern und einer unaufgeregten Grundstimmung. Vom barocken Rathaus sind es zehn Minuten zu Fuß zur Wilhelmshöhe, einer schön angelegten grünen Terrasse sechzig Meter hoch über der Stadt. Ihren „heiligen Hain“ nennen die Leutkircher den kleinen Park, in dem oft Musiker spielen und gefeiert wird.

Als Ausflugsziel bietet sich das ehemalige Glasmacherdorf Schmidsfelden im Südosten der Stadt an, es liegt direkt an der Grenze von Baden­-Württemberg zu Bayern. Die Glashütte ist heute ein Museum, einstige Arbeiterhäuser lassen alte Zeiten aufleben. Die Adelegg, nördlichster Ausläufer der Allgäuer Alpen, lieferte einst das Holz für die Glasherstellung, heute liegen hier herrliche Wanderwege. 

9

Memmingen: Das Tor zum Allgäu

Memmingen Allgäu © PIxabay

„Tor zum Allgäu“ wird die Stadt an der Iller genannt. Immerhin ist MemmingensAllgäu­ Airport“ der einzige Flughafen der Region. Am besten lässt sich die Stadt auf zwei gut ausgeschilderten Routen erkunden: Der Rote Weg führt vom wuchtigen Rathaus zum Siebendächerhaus, das einst Gerbern als Werkstatt diente. Das mehrlagige Dach mit vielen Seitenluken sorgte für eine gute Trocknung des Leders. Nach einem Bombenangriff im Zweiten Weltkrieg blieb nur das Fachwerk stehen, die Bürger retteten den Bau mit großer Eigeninitiative. 

Weiter geht es zu den Zunfthäusern der Krä­mer und Weber und auch zum netten „Gasthof zum Schwanen“. Der Grüne Weg führt durch Parks und Gärten zu alten Befestigungstürmen und dem Scharfrichterhaus. Einen Besuch wert ist außerdem die MEWO-Kunsthalle im einstigen königlichen Postamt. Zu den Highlights der Sammlung gehören Werke von Max Unold, einem der wichtigsten Vertreter der Neuen Sachlichkeit. 

10

Mindelheim: Ein Feldherr, viele Narren

Marienplatz in Mindelheim im Allgäu © Allgäu GmbH/Fotograf: Dominik Berchtold

Mindelheim ist einfach malerisch. Die sorgsam restaurierte, farbenfrohe Altstadt rund um den Marienplatz, dazu eine teils erhaltene Stadtmauer: die 15.000­-Einwohner­-Stadt wirkt wie eine Kulisse aus einem Historienfilm. Tatsächlich hat Mindelheim eine knapp 1000­-jährige Geschichte. Sehr stolz ist man hier auf einen Sohn der Stadt: Georg von Frundsberg gilt als großer Feldherr und „Vater der Landsknechte“, er kam 1473 auf der Mindelburg zur Welt. Die thront noch heute auf dem Georgenberg, ihre Innenräume kann man zwar nicht besichtigen, aber ein Spaziergang über die weitläufige Anlage lohnt sich trotzdem. 

Sehenswert ist außerdem die spätbarocke Ausstattung in der Jesuitenkirche Mariä Verkündigung, wo Stuckarbeiten aus dem frühen Rokoko Wände und Decken zieren. Mindelheim gilt übrigens als Hochburg der Narren im Allgäu. Alteingesessene Faschingsvereine machen hier Jahr für Jahr so einiges los. Mindestens so viel Schwung bringen die international bekannten Mindelheimer Jazztage, bei denen schon Größen wie Silje Nergaard und Chico Freeman zu Gast waren. 

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