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24 Stunden

Kunst erleben in Schwäbisch Hall

24 Stunden in Schwäbisch Hall: Welche Kultur-Highlights Sie nicht verpassen sollten und wo Sie die urigsten Wirtshäuser und schönsten Cafés finden.

Text Alexander Jürgs

Solide, seriös, gediegen. Vielleicht liegt es an der Bausparkasse, die so heißt wie die Stadt, vielleicht an den Fachwerkfassaden, das Image dieser Stadt ist eher beschaulich als cool. Dabei hat die schwäbische Stadt an der Grenze zu Franken eine ganz andere Seite: nämlich lässig, lebensfroh, kulturversessen. Schwäbisch Hall ist trotz des gut erhaltenen mittelalterlichen Stadtkerns kein Denkmal, sondern höchst lebendig.

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Mit einem Spaziergang durch die Haller Altstadt sollte man den Tag beginnen. Los geht es am Marktplatz: Der weite Platz ist das Wohnzimmer der Stadt, mit der Kirche St. Michael steht hier ihr Wahrzeichen. Eine steile Freitreppe führt hoch ins Gotteshaus, im Sommer wird auf den 53 Stufen Theater gespielt – die Haller Freilichtspiele haben eine fast 100-jährige Tradition. Heute kümmert sich der umtriebige Intendant Christian Doll nicht nur um die Sommerbühne, sondern sorgt auch im Neuen Globe für ein gutes Kulturprogramm.

Erkunden Sie beim Bummel durch den alten Stadtkern die Gassen, Plätze, und: Schauen Sie sich die alten Häuser an. An vielen finden sich »Haller Haustafeln«, die über die Geschichte der Gebäude Auskunft geben. Dass die Stadt heute so prächtig dasteht, verdankt sie übrigens zu großen Teilen dem »weißen Gold«: Mit der Salzgewinnung wurde sie früh reich.

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Wenn Sie beim Stadtspaziergang zwischendurch eine Verschnaufpause einlegen wollen: Das »Teecafé Blau’sch« am Beginn der schmucken Gelbinger Gasse versetzt seine Gäste augenblicklich in den Entspannungsmodus. Gönnen Sie sich das und tanken Sie Energie für die Museen der Stadt, allen voran für die Kunsthalle Würth in der Katharinenvorstadt, auf der anderen Seite des Kocher. Reinhold Würth, der aus dem Schraubengeschäft seiner Eltern einen global agierenden Erfolgskonzern machte, hat das Museum vom Dänen Henning Larsen entwerfen lassen, entstanden ist ein Juwel zeitgenössischer Architektur mit einer markanten Muschelkalkfassade. Zu sehen sind, spannend und immer wieder neu inszeniert, Werke aus der umfangreichen Kunstsammlung des 1935 geborenen »Schraubenmilliardärs«, darunter Arbeiten von David Hockney, Christo, Joseph Beuys oder Robert Rauschenberg.

Lange sammelte Würth, Jahrgang 1935, vor allem junge oder moderne Kunst, erst spät wandte er sich den alten Meistern zu. Auch die kann man heute in Schwäbisch Hall besichtigen: in der Johanniterkirche, die allein schon wegen ihres spektakulären, mittelalterlichen Dachstuhls aus Holz sehenswert ist. Herausragendes von Lucas Cranach d. Ä. und Tilman Riemenschneider kann man dort entdecken, vor allem aber die berühmte Schutzmantelmadonna von Hans Holbein. 50 Millionen Euro soll der Unternehmer investiert haben, um das Meisterwerk der Renaissance zu kaufen. Wer nach so viel Kunst quer durch alle Epochen eine Stärkung braucht, der sollte sich ein Stück der großartigen Torten im »Café Ableitner« bestellen, das Café liegt nur ein paar Schritte von Kunsthalle und Johanniterkirche entfernt.

Jetzt ist es Zeit, in die Geschichte der Stadt und der Region einzutauchen: Das Hällisch-Fränkische Museum im Keckenturm und in der früheren Stadtmühle spannt einen großen Bogen vom Mittelalter bis in die Gegenwart. Besonders faszinierend ist die Judaica-Sammlung des Museums mit der bunt verzierten Zimmersynagoge, die der Wandermaler Eliezer Sussmann im 18. Jahrhundert erschuf und die den Nationalsozialismus überlebte.

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Und abends? In Schwäbisch Hall kann man fantastisch ausgehen. Charmante Wirtshäuser und Restaurants mit toller Regionalküche gibt es zuhauf, bei Sommerwetter suchen Sie sich am besten einen Platz auf der Kocherinsel im herrlichen »Biergarten Unterwöhrd«. An den Holzbuden holt man sein Frischgezapftes, an den Biertischen sitzt man direkt am Fluss und unter bunten Lichterketten. Im »Sudhaus« hat man dafür den allerbesten Blick über die Stadt. Das Ziegelgebäude, das früher der Löwenbrauerei gehörte, befindet sich direkt neben der Kunsthalle Würth; die Altstadt und der Kocher liegen einem zu Füßen. Aufgetischt wird schwäbische Küche auf hohem Niveau: Maultaschen, Zwiebelrostbraten, Käsespätzle. Dazu trinkt man am besten ein hauseigenes Helles. Sehr entspannt – und dazu auch noch hip – erlebt man die Stadt im »Anlagencafé« etwas südlich der Altstadt, im hübschen Haller Stadtpark. Auf der großen Gartenterrasse geht es locker zu, die Kellner könnten charmanter nicht sein, es gibt hausgemachte Limonaden, Falafel, Cocktails, ein Glas Wein. Spätestens wenn man hier sitzt, hat man alle Bausparer-Klischees längst vergessen.

HIGHLIGHT IN SCHWÄBISCH HALL

Neues Globe

Der kreisrunde Theaterbau auf der Kocherinsel ist eine Hommage an William Shakespeare und das Elisabethanische Zeitalter: In dem 2019 eröffneten Haus erlebt man Bühnenkunst wie im legendären Londoner Globe Theatre, in dem Shakespeares Stücke einst Premiere feierten. Die Zuschauer sind nah dran am Geschehen, gespielt wird auf bis zu drei Stockwerken. Anders als das historische Vorbild hat dieses Globe jedoch auch ein verschließbares Dach und kann beheizt werden.

www.freilichtspiele-hall.de

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