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NATO-Manöver „Air Defender“ hat Auswirkungen auf den Reiseverkehr

Von einem „Mega-Manöver“ ist die Rede: Für Juni sind im deutschen Luftraum umfangreiche Flugübungen der NATO geplant. Was das für den zivilen Luftverkehr bedeutet und welche Auswirkungen die „Air Defender“-Übungen auf Reisende haben können, erfahren Sie hier.

Datum 09.06.2023

Vom 12. bis zum 23. Juni 2023 findet in Deutschland eines der größten NATO-Manöver der Nachkriegszeit statt. Rund 10.000 Soldat:innen aus 25 Nationen sind an den sogenannten „Air Defender“-Übungen beteiligt.

Im April hat die Bundeswehr erste Informationen rund um das elftägige Manöver veröffentlicht. Demnach werden zeitweise großflächige Sperrungen von Teilen des deutschen Luftraumes in Kraft treten. Bei der Übung der Luftstreitkräfte soll laut Bundeswehr unter deutscher Leitung mit mehr als 250 Flugzeugen das sogenannte Artikel-5-Beistandsszenario nachempfunden werden. Der Fall also, dass ein oder mehrere Nato-Partner angegriffen werden und die anderen Bündnispartner Beistand leisten.

Welche Auswirkungen die Übungen auf Ferienflieger und Flugreisende haben können, ist noch nicht gänzlich abzusehen. Im Folgenden finden Sie alle wichtigen Details rund um die „Air Defender“-Übungen 2023. 

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NATO-Übungen: Was ist das „Air Defender“-Manöver 2023?

Kampfflugzeuge der niederländischen Luftwaffe. © IMAGO/Björn Trotzki
Kampfflugzeuge der niederländischen Luftwaffe. Insgesamt nehmen mehr als 20 Staaten an dem Manöver teil.

Der deutsche Luftraum wird vom 12. bis zum 23. Juni Schauplatz der größten Luftwaffenübung seit Ende des Kalten Kriegs. Das Manöver „Air Defender 23 ist ein herausforderndes Übungsszenario für Luftoperationen für verbündete Luftstreitkräfte“, heißt es dazu auf der Webseite der Bundeswehr. Tausende Soldat:innen aus den NATO-Mitgliedstaaten nehmen laut Bundeswehr an dem Manöver teil, in dem unter anderem die Verlegung von Truppen aus den USA nach Europa geübt wird. Deutschland übernimmt bei der Koordination der Übung eine zentrale Rolle als Verteidigungsknotenpunkt. 

Nach Angaben Bundeswehr ist die Übung unter anderem notwendig, um die Kooperation der teilnehmenden Nationen zu optimieren und auszuweiten. Zudem wolle man Stärke im Bündnis zeigen.

Welche Auswirkungen hat das Manöver auf die zivile Luftfahrt?

Der ohnehin wegen der Streiks in Frankreich und des russischen Angriffskriegs hoch belastete deutsche Luftraum gerät in Hinblick auf den Beginn der Ferienzeit an seine Grenzen. Die knappe Kapazität für den regulären Flugbetrieb könnte sich durch das elftägige Manöver noch einmal massiv reduzieren. 

Auswirkungen auf den zivilen Flugverkehr seien unvermeidlich, sagte die Sprecherin der Deutschen Flugsicherung (DFS) Ute Otterbein gegenüber dem ZDF. Die Passagiermaschinen müssen die Übungsgebiete demnach umfliegen. „Insgesamt müssen die Fluggesellschaften mit verlängerten Flugwegen und voraussichtlich erheblichem Delay rechnen“, teilte Otterbein mit. Die Deutsche Flugsicherung rechnet auf Grundlage einer Simulation mit „erheblichen“ Auswirkungen. Dies liege vor allem daran, dass Flugpläne engmaschig getaktet sind. 

Man arbeite eng mit den für die Flugsicherheit zuständigen Behörden, den Fluglinien sowie den zivilen Flugplätzen zusammen und werde Abläufe und Verfahren optimieren, um die Auswirkungen auf den zivilen Flugverkehr weitestgehend zu minimieren, so die Bundeswehr. Mit Flugstreichungen sei aber nicht zu rechnen.

Ist die Übung „Air Defender“ für die Zivilbevölkerung gefährlich?

Nach Angaben der Bundeswehr wird die Übung für die Zivilbevölkerung ungefährlich sein. Alle Szenarien, wie beispielsweise der Luftkampf, würden zwar real geflogen. Allerdings hätten die Systeme der Luftstreitkräfte die Möglichkeit, einen Luftkampf digital zu simulieren, wozu beispielsweise auch der Abschuss von Lenkflugkörpern zähle. Davon werde während der gesamten Übung Gebrauch gemacht.

Welche Gebiete sind vom „Air Defender“-Manöver betroffen?

Grafik der Luftkorridore der Bundeswehr © Bundeswehr/Marco Parge
Während der NATO-Übung „Air Defender“ werden Teile des deutschen Luftraumes gesperrt.

Die Soldat:innen der NATO-Länder starten die Übungen von sechs zentralen Luftwaffen-Standorten in Mitteleuropa. Daraus ergeben sich drei Flugkorridore über Deutschland, die während der Einsätze für die zivile Luftfahrt gesperrt werden. In Deutschland sind folgende Basen im Einsatz: 

  • Luftraum Nord (Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Bremen, Hamburg): Von den Militärstandorten Wunstorf in Niedersachsen sowie Jagel/Hohn in Schleswig-Holstein starten Flüge entlang der Nord- und Ostseeküste. 
  • Luftraum Ost (Mecklenburg-Vorpommern, Berlin, Brandenburg, Sachsen): Die Manöver über Ostdeutschland starten vom Stützpunkt Laage aus und erstrecken sich von der Ostsee bis nach Sachsen. 
  • Luftraum Süd (Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland): Der Südkorridor zieht sich vom bayerischen Standort Lechfeld bis nach Spangdahlem in Rheinland-Pfalz. 

Ebenfalls vorgesehen sind die Standorte Volkel (Niederlande) und Čáslav (Tschechische Republik).

Die aufwendigsten Übungen finden an den Hauptdrehkreuzen in Jagel/Hohn, Wunstorf und Lechfeld statt. Innerhalb der gesperrten Lufträume liegen wichtige Verkehrsflughäfen wie Hamburg, Hannover, Bremen, Berlin, Leipzig und Frankfurt. 

Um die Einschränkungen für den zivilen Luftverkehr möglichst gering zu halten, plant die deutsche Luftwaffe eine sogenannte „zeitversetzte Nutzung“ der drei Übungskorridore. Die Manöver finden im Luftraum Ost täglich zwischen 10 und 14 Uhr, im Luftraum Süd zwischen 13 und 17 Uhr und im Norden zwischen 16 und 20 Uhr statt, teilte die Bundeswehr mit. In diesen Zeiten sind entsprechende Lufträume ausschließlich für die militärische Nutzung reserviert. Zivile Flugzeuge dürfen sich in den Korridoren nicht aufhalten. An den Wochenenden sind keine Übungen geplant. 

Welche Vorbereitungen treffen die Airlines und Flughäfen?

Ein Ferienflieger der Airline Condor auf einem Flughafengelände. © IMAGO / Jochen Tack
Welche Auswirkungen das Manöver auf die zivile Luftfahrt hat, ist noch nicht gänzlich abzusehen.

Da noch nicht in vollem Umfang abzusehen ist, was die temporären Sperrungen für die zivile Luftfahrt bedeuten, haben sich die Fluggesellschaften bisher öffentlich zurückgehalten. Eurowings-Vorstand Jens Bischof äußerte sich auf einem Pressetermin: „Ich bin etwas besorgt über das NATO-Manöver, das in zwei Wochen im Juni abgehalten wird.“ Und weiter: „Vor allem im oberen Luftraum werden Sektoren geschlossen sein [...].“ Man sei derzeit im Austausch mit den Flugsicherungen mehrerer Länder sowie Eurocontrol.

Nach Angaben des Flughafens Stuttgart zum Beispiel dürfen Passagierflugzeuge, die wegen übungsbedingter Verspätungen nicht mehr vor dem regulären Betriebsende um 23 Uhr starten beziehungsweise um 23:30 Uhr landen können, dies bis 2 Uhr tun. Die Regelung gelte aber nur im Übungszeitraum und auch nur für planmäßige Flüge von und nach Stuttgart. Für Ausweichflüge von anderen Flughäfen gelte die Regelung dagegen nicht. Auch an den Flughäfen Friedrichshafen und Karlsruhe/Baden-Baden könnten nach Angaben der Betreiber Ausnahmen von der Nachtflugbeschränkung notwendig werden. 

Flugreisende sollten sich nach Angaben der Flughäfen vor Antritt der Reise über den aktuellen Status ihres Fluges informieren und auf Mitteilungen der Airline beziehungsweise des Reiseveranstalters achten. Die Bundeswehr rät, individuelle Anfragen zu Auswirkungen auf den zivilen Flugverkehr an die jeweilige Fluggesellschaft zu richten.

Können Reisende während des „Air Defender“-Manövers in den Urlaub fliegen?

Wer Mitte Juni eine Flugreise plant, sollte sich vorab über den aktuellen Planungsstand informieren. Aktuell sind an den Wochenenden keine Übungen im Zusammenhang mit dem „Air Defender 2023“-Manöver vorgesehen. Wer An- und Abreise also am Samstag, Sonntag oder nachts plant, sollte in ganz Deutschland ohne Probleme abfliegen und landen können.

 Ob und welche Flüge ausfallen, wie sich Flugzeiten verschieben und welche Airlines und Flughäfen besonders betroffen sein werden, ist noch nicht abzusehen. Wichtig für Passagier:innen: Wer im Zeitraum des Manövers bereits einen Flug gebucht hat, sollte regelmäßig den Status des Fliegers checken. Auch ein Anruf bei der Airline kann für Klarheit sorgen. 

- mkr mit dpa

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