Manaus: 10 Tipps für das Tor zum Amazonas

Der Anflug auf Manaus gleicht der Landung auf einem fernen Planeten. Inmitten des endlosen Grüns des Regenwaldes ragt die seltsam deplatziert wirkende Metropole auf. Mehr als 2,2 Millionen Menschen leben hier, umgeben von einer der gewaltigsten, artenreichsten Landschaften der Erde. Zugleich blickt die Hauptstadt des brasilianischen Bundesstaates Amazonas auf eine bewegte Historie zurück, geprägt vom Kolonialismus, dem Kautschukboom des 19. Jahrhunderts und dem wirtschaftlichen Wandel des Landes.
Auch heute noch zieht es unzählige Entdecker in den Norden Brasiliens, die in Manaus zu einer Amazonas-Reise aufbrechen. Wer schon einmal hier ist, sollte der Stadt unbedingt ein paar Tage seiner Zeit schenken. Eine unerwartet prächtige Architektur, mehrere Museen sowie besondere Naturorte geben Einblick in die bemerkenswerte Kultur und Historie von Manaus und dem Rio Negro.
Amazonas-Touren

Manaus ist die Hauptstadt des Bundesstaates Amazonas und gilt als Tor zu einem der beeindruckendsten Ökosysteme der Welt. Trotz des weitläufigen Stadtgebiets und der dichten Besiedelung mit rund 2,2 Millionen Bewohnern wird beim Anflug aus der Luft deutlich, dass die Natur hier seit Millionen Jahren das Sagen hat. Darüber hinaus entfalten das Amazonasgebiet und seine ursprüngliche Flora und Fauna eine enorme Anziehungskraft auf Abenteuerreisende aus aller Welt. Viele Besucher starten ab Manaus zu Bootstouren und mehrtägigen Amazonas-Flusskreuzfahrten. Um sich im großen Angebot der Veranstalter und Reedereien einen Überblick zu verschaffen, lohnt vorab ein Gang in spezialisierte Reisebüros. Alternativ gibt es mehrere Online-Angebote, beispielsweise von Lernidee Erlebnisreisen oder Rainforest Cruises. Zu den namhaften Schiffen zählen etwa die Grand Amazon Expedition by Iberostar oder die MS Jangada.
Teatro Amazonas

Das berühmteste Gebäude der Stadt könnte so auch in Paris stehen: Beim Teatro Amazonas handelt es sich um einen neobarocken Prachtbau in Weiß und Rosa. Die Ähnlichkeit zu europäischen Wahrzeichen kommt nicht von ungefähr: Verantwortlich für das Opernhaus zeigten sich Gestalter und Architekten aus Italien und Frankreich. Die Entstehungsgeschichte dieser Sehenswürdigkeit spiegelt eindrücklich die Historie von Manaus und der Amazonasregion wider.
Ende des 19. Jahrhunderts erlebte die Stadt dank des florierenden Kautschukhandels einen wirtschaftlichen Aufschwung. Um Kultur und Ansehen der Region zu stärken, wurde 1883 der Bau der Oper beschlossen. Doch ebenso rasant wie der Wandel kam, brach die Branche kurz nach der Jahrhundertwende wieder ein. Auch das Opernhaus konnte fortan nicht mehr bespielt und instand gehalten werden. Vor allem das feuchte Klima erschwerte den Erhalt der Bausubstanz. Schließlich gelang es Ende der 1980er Jahre, das Haus erfolgreich wiederzubeleben.
Encontro das Águas

Der Amazonas, seine Flussläufe und der umliegende Regenwald prägen das Leben in Manaus. So ist es nicht verwunderlich, dass eine weitere Sehenswürdigkeit der Stadt sich auf dem Wasser abspielt: Als Encontro das Águas, als „Treffen der Wasser“, wird ein besonderer Punkt bezeichnet, an dem der Rio Negro mit seiner dunklen Farbe auf den helleren Amazonas, dessen hiesiger Oberlauf auch als Rio Solimões bekannt ist, trifft. Das Besondere: Trotz des Zusammenflusses sind beide Gewässer aufgrund ihrer unterschiedlichen Nuancen noch deutlich zu unterscheiden. Ein Naturspektakel, das vor allem aus der Luft ein fantastisches Bild abgibt und sogar bis in den Weltraum zu sehen ist. Die gängigste Art, diesem Schauspiel beizuwohnen, ist ein Ausflug per Schiff – mehrere Reedereien bieten regelmäßige Ausfahrten an. Von Januar bis Juli begünstigen die hohen Pegelstände der Flüsse das Phänomen.
Ponta Negra Beach

Ipanema-Feeling mitten im Amazonasgebiet: Westlich des Stadtzentrums von Manaus liegt mit dem Ponta Negra Beach einer der größten urbanen Strände am Fluss. An der langen Promenade tummeln sich Spaziergänger, Jogger und Radfahrer; ebenso gut besucht ist der breite Sandstrand, der sowohl bei Locals als auch bei Touristen ein beliebtes Ausflugsziel ist. An den Abschnitt reihen sich Restaurants, Cafés und Hotels. Im Amphitheater am Strand finden regelmäßig Konzerte und Shows statt.
Parque Ecologico Janauari

Wer das überwältigende Amazonasgebiet zunächst im kleineren Rahmen kennenlernen will, kann den südlich der Stadt gelegenen Parque Ecologico Janauari besuchen. Ein hölzerner Rundweg führt durch Teile des Regenwaldes, vorbei an jahrhundertealten Bäumen, bis über den Fluss mit seinen Seerosen, Wasserpflanzen. Mit etwas Glück erspähen Besucher Totenkopfäffchen oder die besonderen rosafarbenen Flussdelfine (Boto), die ausschließlich im Rio Negro heimisch sind. Die Anreise erfolgt in der Regel per Charter- oder Ausflugsboot.
Musa – Museu da Amazonia

Einen ebenso sanften Einstieg in die Amazonaswelt ermöglicht das Musa – Museu da Amazonia. Am nördlichen Ende von Manaus grenzt das Museum samt Botanischem Garten an die Ausläufer des 10.000 Hektar großen Adolfo Ducke Forest Reserve. Auf dem Gelände des Museums, das auch für Forschungszwecke genutzt wird, erhalten Besucher einen Einblick in Natur und Lebensräume des Regenwaldes. Das Ausstellungshaus setzt sich aus Freilicht-Abschnitten, überdachten Räumen und klassischen Botanischen Gartenanlagen zusammen. Neben informativen Tafeln und Installationen sind auch mehrere Aussichtspunkte und Wanderwege Teil des Musa.
Museu do Índio
Wer nicht nur die Natur, sondern auch die Kultur des Amazonas kennenlernen will, erfährt im Museu do Índio mehr über das indigene Leben entlang des Flusses. Zu den Stücken des Museums zählen historische sowie noch immer gebräuchliche Gegenstände der hier lebenden Tukano, darunter Schmuck, Instrumente, aber auch Alltagswerkzeuge wie Jagdutensilien, Körbe oder Taschen. Da einige Utensilien einer Erklärung bedürfen, lohnt es sich, an einer Führung teilzunehmen.
Adolpho Lisboa Municipal Market

Bunt, vielfältig und staunenswert ist die große Markthalle unweit des Hafens. Schon von weitem ist das rot-gelb-gestreifte Hauptgebäude des Lisboa Municipal Market zu sehen, daran schließt sich eine gusseiserne Jugendstilhalle von 1882. Auch hier finden sich deutliche Bezüge zu Paris: Die dortige Les Halles diente als Vorbild für den Bau in Manaus. Die Metallteile wurden sogar in der französischen Hauptstadt produziert und bis in den Amazonas verschifft. Im Inneren erwartet Besucher ein herrlich aufregender Mix aus Frischwaren wie Fisch, Heilpflanzen und Gemüse, aber auch indigenem Kunsthandwerk wie Körben, Skulpturen und Instrumenten.
Museu do Seringal Vila Paraíso
Weit außerhalb des Zentrums und deswegen nur mit dem Boot erreichbar, liegt das Freilichtmuseum Museu do Seringal Vila Paraíso. Um Besuchern die Geschichte der Region näherzubringen, wurde auf dem Gelände eine typische Kautschukplantage rekonstruiert. Der sogenannte Kautschukboom, der von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts andauerte, hat das Amazonasgebiet und weite Teile Brasiliens nachhaltig verändert. Das starke Wirtschaftswachstum brachte den massiven Ausbau der Infrastruktur sowie die Besiedelung der bis dato nahezu unberührten Natur mit sich. Das Museum beleuchtet die starken Gegensätze zwischen den versklavten Arbeitern der Plantagen sowie deren wohlhabenden, meist aus Europa stammenden Besitzern Übrigens: Das Gelände diente einst als Drehort für den portugiesischen Film „A Selva“ (Der Dschungel). Teile des ehemaligen Sets wurden im Anschluss zu anschaulichen Museumskulissen umgewandelt.
Arquipelago de Anavilhanas

Nicht unmittelbar in Manaus gelegen, aber nur eine Bootsfahrt entfernt: Der Arquipelago de Anavilhanas zählt zu den beeindruckendsten Naturorten im Amazonas und mit seinen rund 400 Inseln zu den größten Flussarchipelen der Welt. Die hiesige Vegetation setzt sich aus zahlreichen Sandbänken, Stränden und den typischen Kanälen namens Igarapés zusammen. Am Ufer wachsen dichte Pflanzen wie diverse Palmenarten, Lianen und Farne. Auch für seine Tierwelt ist der Archipel bekannt: Hier leben unter anderem verschiedene Affenarten, Kaimane, Leguane, Seekühe und die rosafarbenen Flussdelfine. Wer länger in den Genuss dieser ursprünglichen Landschaft kommen will, kann eine Übernachtung in einer der hiesigen Lodges buchen.
Achtung: Zwar ermöglichen einige Tourenveranstalter das Schwimmen mit den Flussdelfinen, dieses Angebot ist jedoch heftig umstritten. Aus Respekt vor der Natur, den wilden Tieren sowie ihrem fragilen Lebensraum sollten Touristen Abstand davon nehmen. Die Tiere lassen sich auch vom Boot aus bestens beobachten.