11 besondere Sehenswürdigkeiten in Girona

Nur knapp hundert Kilometer nördlich von Barcelona und von großen deutschen Städten per Direktflug erreichbar, liegt Girona malerisch am Fluss Onyar. Bis in die römische Antike reichen ihre Spuren zurück; auch arabische, christliche und jüdische Gemeinden prägten die Altstadt mit ihren verschlungenen Gassen baulich, architektonisch sowie kulturell. Von der zentralen Kathedrale aus erstreckt sich die 100.000-Einwohner-Stadt ins hügelige Hinterland. Die Flüsse und weitläufigen Parkanlagen sorgen die meiste Zeit des Jahres für angenehmes Klima.
Welche Sehenswürdigkeiten von Girona einen Besuch lohnen und wann man die Stadt am besten besucht, lesen Sie hier.
Kathedrale von Girona

Aus der Ferne und von mehreren Orten der Stadt aus sichtbar, überragt dieses Wahrzeichen die Straßen von Girona. Dass die Kathedrale eine so einnehmende Lage innehält, kommt nicht von ungefähr: Ihr Ursprung geht auf römische Zeiten zurück, als an dieser erhöhten Lage noch ein Forum stand. Über die Epochen hinweg wuchs die Stadt terrassenförmig rund um den zentralen Marktplatz. Ab dem 5. Jahrhundert soll hier erstmals eine christliche Institution gewirkt haben. Ihr heutiges Äußeres erhielt die Kathedrale um einiges später, ab dem 14. Jahrhundert nach der spanischen Reconquista. Diverse Unstimmigkeiten beim Bau, die herausfordernde Mischung romanischer und gotischer Elemente sowie die ausladenden Ausmaße des Sakralbaus verzögerten die Vollendung über Generationen hinweg. Tatsächlich wurden die letzten formgebenden Arbeiten an der Fassade erst in den 1960ern abgeschlossen.
Hinweis: Wer die Kathedrale von Girona nicht für religiöse Zwecke, sondern aus kulturellem Interesse besuchen will, kann ein Kombiticket für mehrere Institutionen buchen. Während religiöse Veranstaltungen wie Messen oder Feierlichkeiten stattfinden, ist ein Zugang nicht möglich.
Arabische Badehäuser

Größentechnisch überschaubar, aber historisch interessant sind die Banys Àrabs, Gironas mittelalterliche Badehäuser. Hierbei handelt es sich um eine Anlage aus dem 12. Jahrhundert, die dem Stil und der Bauweise der deutlich älteren mediterranen Hamams nachempfunden ist. Wie einst die Badegäste betreten Besucher die Anlage durch das sogenannte Apodyterium, den Umkleideraum. Anschließend folgen der Kälteraum Frigidarium sowie das warme Tepidarium. Den Abschluss der Behandlung bildete einst die Hitzetherapie im Caldarium. Regelmäßig finden geführte Touren und Gratis-Tage statt.
Sant Pere de Galligants

Als bezeichnendes Beispiel für die katalanische Romanik gilt die Klosteranlage Sant Pere de Galligants aus dem 13. Jahrhundert. Nur wenige Schritte vom Badehaus und der Kathedrale entfernt, bildet sie gemeinsam mit der Kirche Sant Nicolau eine weitere Sehenswürdigkeit des historischen Altstadt-Ensembles. Trotz ihrer zurückhaltenden Schlichtheit gibt es einige besonders kunstvolle Details zu entdecken, darunter die Säulen im Mittelschiff sowie im Kreuzgang. Ein weiterer Besuchsgrund ist das Archäologische Museum, das seit mehr als 150 Jahren innerhalb der einstigen Klostermauern ansässig ist.
Gironas Brücken und die Cases de l'Onyar

Neben der imposanten Kathedrale von Girona spielt der Fluss Onyar hier die Hauptrolle. Er entspringt rund 35 Kilometer westlich in den Bergen der Serralada Transversal und fließt nördlich des Stadtzentrums in den deutlich längeren Ter. Besonders malerisch zeigt sich der Abschnitt zwischen dem Zusammenfluss am El Mirador del Riu Ter und der Pont de Pedra, einer neoklassizistischen Steinbrücke von 1856. Neben ihr überspannen mehr als ein halbes Dutzend Brücken den Onyar, ikonisch ist auch die feuerrote Stahlkonstruktion Pont de les Peixateries Velles, die von Gustave Eiffel erbaut wurde. Zusammen mit den dicht am Ufer gebauten, gelb-roten Häusern, den Cases de l’Onyar, bilden die vielen Brücken eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten und ein beliebtes Fotomotiv von Girona.
Parc de la Devesa

Auf das Mittelmeer und eine Möglichkeit zur schwimmenden Abkühlung müssen Besucher unmittelbar in Girona verzichten. Wem es zwischendurch doch zu warm wird, kann sich stattdessen im 40 Hektar großen Parc de la Devesa zurückziehen. Ein alter Baumbestand, Springbrunnen, Wasserspender und Rasenflächen sorgen auch im Sommer für angenehme Temperaturen. Zur Not hilft ein morgendlicher Sprung ins städtische Schwimmbad. Immer dienstags und donnerstags findet an der Passeig de la Sardana ein Wochenmarkt statt, zusätzlich gibt es Spielplätze, Sportbereiche und Gartenanlagen nördlich der Rotonda del Rellotge.
Tipp für alle, die mit dem Auto anreisen: Südlich und nördlich des Parks, an der Passeig de la Devesa, gibt es eine Vielzahl an teils kostenlosen Parkplätzen. Von hier aus kann man bequem in die Altstadt laufen.
Pujada de Sant Domènec

Auch Gironas verschachtelte Altstadt ist eine Sehenswürdigkeit an sich. Stadtmauern, beschauliche Plätze, schmale Stufen und Balkone machen den Reiz dieses mittelalterlichen Labyrinths aus. Wer sich mit Hilfe von GPS durch die Straßen navigiert, sollte als Ziel die Pujada de Sant Domènec eingeben. Der Treppenaufgang zur Kirche Sant Domènec grenzt an einige Universitätsgebäude und zählt zu den schönsten Orten im historischen Zentrum – besonders, wenn sich die Menschen nach Sonnenuntergang zu Musik und Wein auf den Terrassen niederlassen.
Kunstmuseum von Girona

Auch die Museen von Girona versprechen Abkühlung an heißen Sommertagen. Bei angenehmer Klimatisierung lassen sich im Museu d'Art de Girona, das heute im einstigen Bischofspalast untergebracht ist, Werke von der Romanik bis in die Neuzeit entdecken. Zu den bedeutendsten Ausstellungsstücken zählen kunstvolle Altarbilder aus dem 14. und 15. Jahrhundert sowie mehrere katalanische Gemälde aus dem 19. Jahrhundert. Im Rahmen einer Führung können Interessierte zudem Teile des einstigen Hospital de Santa Caterina besuchen, darunter eine historische Apotheke aus dem 17. Jahrhundert. Immer wieder bietet das Museum auch Veranstaltungen wie Weinverkostungen und Malkurse in historischem Ambiente an. Hinweis: Die Touren finden in der Regel auf Katalanisch oder Spanisch statt.
Jüdisches Viertel El Call

„El Call“, das jüdische Viertel von Girona, gehört zu den am besten erhaltenen in ganz Europa. Seine Geschichte reicht bis ins 12. Jahrhundert zurück und war bis zur Vertreibung der Jüdinnen und Juden während der Machtübernahme der Katholischen Könige das Zentrum der hiesigen Gemeinde. Zu den wegweisenden Personen dieser Zeit zählt Mossé ben Nahman (Nahmanides), ein bedeutender Gelehrter des mittelalterlichen Gironas. Weitere Informationen über die jüdische Kultur in Girona und Katalonien veranschaulicht das Museum für Jüdische Geschichte in der Carrer de la Força. Zusätzlich kann man auf einer Tour mehr über die Vergangenheit von Es Call erfahren.
CaixaForum Girona
Die Stiftung der katalanischen Bank Caixa unterhält an mehreren Standorten, darunter Barcelona, València und Madrid, bedeutende Kunstmuseen. Auch Girona hat seit 2011 einen Ableger, untergebracht in einer frühmittelalterlichen Stadtresidenz in der Carrer dels Ciutadans. Vor allem die vielfältigen Wechselschauen ziehen Besucher an, die Ausstellungen reichen von den alten niederländischen Meistern bis hin zu moderner Fotografie. Neben den gezeigten Werken ist auch die Architektur des einstigen Stadtpalastes sehenswert.
Muralla de Barcelona

Dass Girona im Mittelalter zu den wichtigsten Städten im nördlichen Spanien anwuchs, zeigt die imposante Stadtbefestigung, die bis heute außergewöhnlich gut erhalten ist. Immer wieder stößt man im Altstadtbereich auf Relikte, manchmal gehen die historischen Steinkonstrukte direkt in neue Treppen und Gebäude über. Empfehlenswert ist ein Spaziergang auf dem Passeig de la Muralla, der Weg führt direkt auf der Mauer entlang und gibt tolle Ausblicke auf das Zentrum frei.
Fundació Rafael Masó
Während der bekannte Architekt Antoni Gaudí im Raum Barcelona viele bauliche Meisterwerke hinterließ, feierte der Modernisme, der typisch katalanische Jugendstil, auch an anderen Orten seine Blütezeit. In Girona etwa galt der hier gebürtige Rafael Masó i Valentí als wichtigster Vertreter. Er selbst war ein Bewunderer Gaudís, zog zum Studium nach Barcelona und probierte sich wie sein Vorbild auch in Stadtplanung, Politik und als Mäzen für junge Kunstschaffende. Zu seinen bedeutendsten Bauwerken zählen die Farinera Teixidor und sein Wohnhaus, die Casa Masó. Heute ist in ihrem Inneren mit der Fundació Rafel Masó ein Museum untergebracht. Von Dienstag bis Samstag können Besucher Einblicke in das Werk des Architekten erhalten sowie die originale Jugendstilausstattung entdecken.
Extra-Tipp für Girona: Temps de Flors
Das ganze Jahr über lohnt ein Besuch in Girona, lediglich zur Sommerzeit kann es mitunter heiß werden. Besonders empfehlenswert ist eine Reise im Mai, wenn das berühmte Festivals Temps de Flors stattfindet. Über mehrere Tage hinweg verwandelt sich die gesamte Altstadt in einen blühenden Garten. Aufwändige Installationen, kunstvolle Blumenarrangements und ganze Blütenteppiche zieren die mittelalterlichen Gassen und Bauwerke, zusätzlich gibt es ein buntes Programm mit Musik, Kulinarik und anderen Veranstaltungen. Der Eintritt zu Sehenswürdigkeiten wie den arabischen Bädern ist in dieser Zeit kostenlos. Da sich das Festival großer Beliebtheit erfreut, sollten Unterkünfte rechtzeitig gebucht werden.