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Natur

Dem Nordpol so nah: Reise nach Spitzbergen

Von Eis bedeckt und von rauer Schönheit: Der arktische Archipel Spitzbergen zieht Reisende in seinen Bann. Was macht die Inselgruppe so besonders?

Text Mila Krull
Datum 14.10.2023

Inmitten des klirrend kalten und tiefblauen Arktischen Ozeans liegt die norwegische Inselgruppe Spitzbergen. Wo Eisbären, Robben und Rentiere leben, schieben sich im langen, kalten Winter gigantische Eisschollen übereinander. Im Sommer hingegen bietet sich ein anderes Schauspiel: Wenn der Polartag anbricht, ist die ewige Arktissonne durchgehend am Horizont zu sehen.

Nur etwa 2.500 Menschen leben auf den Inseln von Spitzbergen, dennoch ist die Region von einer bewegten Geschichte, langen Traditionen, der Forschung und dem Tourismus geprägt. Tauchen Sie ein in die arktischen Weiten am Rande der Welt.

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Wo liegt Spitzbergen?

Blau leuchtender Gletscher auf Spitzbergen © BDphoto/iStock
Flechten und Gletscher prägen die arktische Tundra von Spitzbergen.

Rund 600 Kilometer trennen die Inselgruppe Spitzbergen vom norwegischen Festland. Ebenfalls 600 Kilometer sind es im Westen bis nach Grönland. Zwischen Barentssee und Grönlandsee liegen die mehr als 400 meist schneebedeckten Inseln und Schären, deren norwegischer Name „Svalbard“ lautet, was auf Deutsch treffend „Kühle Küste“ bedeutet. Die zwei größten Inseln des Archipels sind Nordostland und Spitzbergen mit der Hauptstadt Longyearbyen.

Wie ist das Wetter auf Spitzbergen?

Polarlichter über der Inselhauptstadt Longyearbyen © BublikPolina/iStock
Highlight für viele Arktis-Reisende: Die Polarlichter über Spitzbergen

Unweit des Nordpols gelegen, herrschen auf Spitzbergen meist arktische Wetterverhältnisse mit extremer Kälte. Dennoch unterscheiden sich die Jahreszeiten auf der Inselgruppe mitunter stark: Im Herbst werden die Tage kürzer, die Temperaturen im September und Oktober liegen zwischen -8 und 0 Grad. Die Wintermonate von November bis April zeigen sich eisig mit Temperaturen bis unter -20 Grad. Zudem bricht im Winter die Zeit der Polarnacht an, in der die Sonne wochenlang nicht aufgeht und auf der Inselgruppe tiefe Dunkelheit herrscht. Diese Periode eignet sich daher bestens, um die berühmten Polarlichter am Himmel zu beobachten. 

Im Frühling (Mai bis Juni) werden die Tage wieder heller und das Eis beginnt zu schmelzen. Im Sommer scheint die Mitternachtssonne, die im Juli und August kaum untergeht. Die Temperaturen sind jedoch nach wie vor niedrig mit Tageshöchsttemperaturen zwischen 3 und 8 Grad. Auch innerhalb der Jahreszeiten können Witterungsbedingungen und Temperaturen stark schwanken. Reisende sollten sich daher ganzjährig auf extreme Bedingungen und Minusgrade einstellen. 

Sehenswürdigkeiten und Aktivitäten auf Spitzbergen

Ein Eisbär läuft über die verschneite Weiten von Spitzbergen © IMAGO / blickwinkel
Rund 3.500 Eisbären leben auf Spitzbergen.

Die Sehenswürdigkeiten von Spitzbergen sind mit den Attraktionen des norwegischen Festlandes nicht zu vergleichen. Verlassene Gruben und das Svalbard Museum zeugen von der ereignisreichen Geschichte des Archipels. Die größte Sehenswürdigkeit ist und bleibt jedoch die arktische Natur. 

Arktische Wildnis

Die Fauna der arktischen Tundra ist artenreich und gleichermaßen faszinierend. Während Rentierherden am Horizont vorbeiziehen, zeigen sich im Eismeer seltene Grönlandwale, gemütliche Walrosse und flinke Robben. Besonders berühmt ist Spitzbergen aber für seine Eisbären-Population. Rund 3.500 Tiere leben auf der Inselgruppe und ernähren sich größtenteils von Robben und anderen Tieren, können aber auch für Menschen gefährlich werden. Deshalb sollten Besucher:innen die Natur nur in Begleitung von Guides erkunden. Am besten lässt sich die eindrucksvolle Umgebung auf einer geführten Schlitten- oder Schneemobilsafari erleben. 

Longyearbyen

Die Kleinstadt Longyearbyen ist der Hauptort der Inselgruppe und eine der nördlichsten Siedlungen der Welt. Ihre Existenz hat sie dem hiesigen Bergbau zu verdanken, der im frühen 20. Jahrhundert florierte. 1906 wurde die Stadt vom US-amerikanischen Namensgeber John Munroe Longyear gegründet, der hier mehrere Zechen betrieb. Heute lebt das malerische Städtchen vor allem vom Tourismus und der Forschung. Neben dem berühmten Svalbard Global Seed Vault, der Saatgut von Millionen Pflanzen beherbergt, wird hier am Norwegischen Polarinstitut und einer Außenstelle von mehreren Universitäten unter anderem zum Klimawandel geforscht. 

Svalbard Museum

Wer tiefer in die Geschichte der Inselgruppe eintauchen will, kann dem Svalbard Museum einen Besuch abstatten. Hier erfahren Gästet, wie Mensch und Tier trotz harscher Lebensbedingungen leben. Auch die besondere Geologie des Spitzbergen-Archipels und seine Bedeutung für Zugvögel werden hier anschaulich erklärt. Vom 1. November 2023 bis zum 1. Februar 2024 ist das Museum wegen Umbauarbeiten geschlossen. 

Gruve 3

Ein Denkmal des Kohlebergbaus auf Spitzbergen ist die Gruve 3. Untertage können Besucher:innen, mit Helm und Stirnlampen ausgestattet, durch die einstigen Schächte und Minen klettern. Auf der Tour schlüpfen Interessierte in die Rolle früherer Bergleute und begeben sich auf deren eindrucksvolle Spuren. Nicht geeignet für Reisende mit Platzangst!

Pyramiden

Etwas beklemmend wirkt diese verlassene Geisterstadt auf Spitzbergen. Einst war Pyramiden im Norden der Hauptinsel als sowjetische Bergbausiedlung etabliert; bis in die 1990er Jahre lebten hier Arbeiter:innen und ihre Familien unter extremen Bedingungen. Mit dem Zerfall der Sowjetunion und dem Rückgang der Kohleförderung zogen sich die Bewohner:innen zur Jahrtausendwende zurück. Heute liegt Pyramiden, das seinen Namen einem nahegelegenen, pyramidenförmigen Berg verdankt, verlassen inmitten der Schneefelder von Spitzbergen und begeistert Gäste mit seinem etwas morbiden Charme. 

Polarlichter beobachten

Ein Highlight für viele Arktis-Fans: die Polarlichter. Wo, wenn nicht hier, können Reisende die bunt glühenden Himmelslichter beobachten? Die Lodges und Unterkünfte von Spitzbergen sind fast allesamt darauf ausgerichtet, ihren Gästen ein einzigartiges Nordlicht-Abenteuer zu bescheren. Wanderungen, Themenabende und Saunen mit Ausblick in den arktischen Nachthimmel intensivieren diese einmalige Erfahrung. Vor allem in den dunklen Wintermonaten von Oktober bis März stehen die Chancen auf das grün-lila Leuchten hoch. 

Hotels auf Spitzbergen

Die Unterkunft „Isfjord Radio Adventure Hotel“ war einst eine Radiostation. © IMAGO / agefotostock
Die frühere Radiostation am Kapp Linne ist heute ein Hotel.

Auf Spitzbergen gibt es nur eine kleine Auswahl an Lodges und Hotels, die meisten von ihnen sind im Hauptort Longyearbyen angesiedelt. Ist ihre Ausstattung meist etwas schlichter gehalten, so überzeugen die arktischen Unterkünfte dennoch mit sensationellen Panoramen, entspannenden Saunen und liebevoll zubereiteten, lokalen Speisen. 

Funken Lodge

Das Boutique-Hotel in Longyearbyen eröffnet seinen Gästen einen fantastischen Blick auf die Stadt und die nahe Gletscherwelt. Die Lobby der „Funken Lodge“ ist elegant gestaltet, die Zimmer und Suiten modern und zurückhaltend. Gemütlich ist die Hotellounge mit angeschlossener Bar, in der ein offener Kamin lodert und eine Bibliothek zahlreiche Bücher über die polare Welt führt. Nach einem Tag in der arktischen Wildnis können sich Reisende in der Sauna oder im Fitnessstudio aufwärmen. Anschließend werden im hoteleigenen Restaurant Rentier, Königskrabbe und Kaviar serviert. 

Radisson Blu Polar Hotel

Eines der nördlichsten Hotels der Welt ist das „Radisson Blu Polar“, rund 1.300 Kilometer südlich vom Nordpol. In Longyearbyen gelegen, ist das Haus ein idealer Ausgangspunkt für arktische Abenteuer wie Schlittenfahren oder Safaris mit dem Schneemobil. Die Eis- und Gletscherwelten von Spitzbergen können Gäste aus den 128 gemütlich eingerichteten Zimmern beobachten. Im angeschlossenen „Barentz Pub“ werden Craftbiere wie „Barentz Arctic Pale Ale“ serviert, das Hotelrestaurant „Nansen“ bereitet arktische Spezialitäten wie Rentier-Steak mit Schwarzwurzelpüree zu. 

Isfjord Radio Adventure Hotel

Bereits die Anfahrt zu diesem „Wildnis-Hotel“ ist ein echtes Abenteuer: 90 Kilometer von Longyearbyen entfernt, führt keine befestigte Straße zur Unterkunft, die früher eine Radiostation war. Im Winter reisen Gäste per Schneemobil oder Hundeschlitten an, in den Sommermonaten erfolgt die Anreise zum „Isfjord Radio Adventure Hotel“ per Boot. Ein Highlight ist auch hier die Sauna am Rande der Tundra, die einen faszinierenden Blick auf die umliegenden Inseln und das Eis freigibt. Mit Glück kann man bei einem Aufguss Wale oder Eisbären beobachten. Hinweis: Zum Schutz der Gäste ist das Verlassen des Hotels in der arktischen Wildnis nur mit einem Guide erlaubt.

Die Geschichte der Inselgruppe

Bunte Häuser in Longyearbyen auf Spitzbergen © IMAGO / agefotostock
Die Geschichte von Spitzbergen ist von Bergbau und Forschung geprägt.

Obwohl Spitzbergen nur wenige Einwohner:innen zählt, kann diese besondere Region auf eine bewegte Geschichte zurückblicken. Wann die Inselgruppe erstmals entdeckt wurde, ist bis heute nicht gänzlich geklärt. Vermutlich landeten Wikinger bereits im 12. Jahrhundert an der „Kühlen Küste“ an. Kartografiert und dokumentiert wurde Spitzbergen erst 400 Jahre später, als niederländische Seefahrer auf die eisigen Inseln stießen. 

Obwohl augenscheinlich arm an Ressourcen, siedelten sich im Laufe des 17. Jahrhunderts niederländische, englische und französische Walfänger an, um den kostbaren „Blubber“, die Fettschicht der Wale und Walrosse, zu beschaffen. Gleichzeitig landeten russische Pelzhändler an, die Jagd auf Füchse, Robben und Bären machten. Schnell dezimierten sich die Tierbestände jedoch so stark, dass sich die Jagd auf Land- und Meerestiere bald nicht mehr lohnte.

Jahre später weckte die Inselgruppe neue Interessen: Im Fokus standen neben der Forschung über den arktischen Lebensraum die großen Kohlevorkommen auf den Inseln, die im Laufe des 19. Jahrhunderts entdeckt wurden. Gleich mehrere Länder zeigten sich gewillt, vor Ort Bergbau zu betreiben, darunter auch Norwegen, das ab 1903 begann, Kohle auf Spitzbergen abzubauen. 

Da es um die Inseln jedoch immer wieder zu internationalen Konflikten kam, wurde im Jahr 1920 schließlich der „Spitzbergenvertrag“ in Versailles abgeschlossen, der Norwegen die Souveränität über die Inselgruppe zusprach. Der Vertrag sieht jedoch vor, dass alle Unterzeichnerstaaten über dieselben Rechte wie Norwegen verfügen. Daher dürfen bis heute auch andere Länder die Ressourcen des Archipels nutzen. Nach der Besetzung durch die Nationalsozialisten im Zweiten Weltkrieg ist Spitzbergen zudem zu einer entmilitarisierten Zone erklärt worden. 

Während der Bergbau heute nur noch eine untergeordnete Rolle spielt, hat sich die Region in jüngster Zeit auf Forschung und Ökotourismus fokussiert. Die einzigartige Tierwelt und die arktische Umgebung machen Spitzbergen zu einem beliebten Reiseziel für Kreuzfahrt- und Individualreisende. 

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