Utrecht © Maxim Hopman/Unsplash
Städtereisen

Urlaub an der Gracht: Tipps für Utrecht

Malerische Grachten, interessante Museen und alles voller Fahrräder: Unweit vor Hektik von Amsterdam, liegt das charmante Utrecht. Wir geben Tipps für einen entspannten Städtetrip.

Text Tinka Dippel

Wie Amsterdam – nur entspannter, übersichtlicher, bezahlbarer. Und nicht so voll. So wird Utrecht oft angepriesen. Ich mag solche Vergleiche nicht. Und doch, mein Sohn und ich sind anfangs vor allem deshalb in Utrecht gelandet, weil Amsterdam quasi ausgebucht war.

Dann bekamen wir schon den ersten Tipp, der die Stadt unvergleichlich macht: in einem alten Werftkeller an der Oudegracht zu übernachten. Das Ufer dieser zentralen, rund zwei Kilometer langen Gracht hat zwei Etagen, die untere kurz über der Wasserlinie, die obere an der Straße. Dazwischen liegen diese historischen Gewölbe, die heute mit neuem Leben gefüllt werden und enorm populär sind – für Cafés, Läden und extrem gemütliche Apartments. Das, in dem wir wohnten, heißt „De Witte Leeu“. Dort wachten wir jeden Morgen mitten in Zentrum auf und begrüßten mit unserem Frühstück in der Hand erstmal die Entenparaden vor der Tür.

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Tausende Räder am Utrecht Centraal

Utrecht Centraal © Martin Woortman/Unsplash

Zum Witte Leeu gehörte ein Fahrrad, so soll es sein in Utrecht. Radfahrer haben das Sagen auf den Straßen einer der an Radfahrern reichsten Städte der Welt. Und sie haben sehr viel Platz, auch zum Parken. Neben dem Bahnhof Utrecht Centraal steht die größte Fahrradgarage der Welt mit rund 12.500 Plätzen. Der Bahnhof ist übrigens sehr sehenswert, und er war architektonisch bestimmt eine Herausforderung, denn er ist der größte der Niederlande.

Er ist das Drehkreuz des Landes, Utrecht liegt ziemlich genau in seiner geografischen Mitte und ist dessen viertgrößte Stadt. Sie hat rund 360.000 Einwohner, fast ein Viertel davon sind Studierende.  

Domturm: Blick auf die Altstadt

Utrecht Domturm © Ezgi Deliklitas/Unsplash

Entsprechend reich ist die Stadt an netten Kneipen und Cafés. Unsere kulinarischen Highlights: die Pizza bei „De Pizzabakkers Twijnstraat“, das indonesische Essen im „Blauw “ – und unser Stammcafé, das auch an der Oudegracht gelegene „Anne & Max“. Kein Tag, an dem wir dort nicht sehr guten Kaffee beziehungsweise sehr süße Limonade getrunken und uns langsam durch die Kuchentheke gegessen hätten. 

Wir brauchten die Energie, zum Beispiel für den mehr als 600 Jahre alten und 112 Meter hohen Domturm, gleich um die Ecke von Café. Noch ein Superlativ: Er ist der höchste Kirchturm in den Niederlanden. Und noch einer: Die Glocken, die dort einen ordentlichen Sound erzeugen, sind die größten des Landes. 465 sehr lohnende Stufen führen hinauf, man bekommt einen guten Eindruck, wie historisch gewachsen und immer noch verwinkelt die Altstadt ist – über die Utrecht natürlich längst mit modernster Architektur hinausgewachsen ist.

Museen in Utrecht: Kinderbuch-Hasen und Eisenbahn-Historie

Utrecht Spoorwegmuseum © Zhang Shaoqi/Unsplash

Tagsüber waren wir ganz Utrecht-like bei jedem Sonnenstrahl draußen und stundenlang in den Gassen und Läden um die Oudegracht und die parallel verlaufende Nieuwegracht unterwegs. Nette Läden dort: „Vollers 386“ (Interior, Mode, Acessoires), „Cafca“ (Bücher und Vintage mit kleinem Café) und „Cacao (Schokolade). Und natürlich der Shop im Nijntje-Museum. Nijntje kennen Sie nicht? Doch, aber unter anderem Namen, bei uns heißt diese Bilderbuch-Hasenfigur Miffy. Und sie kommt aus Utrecht, der Niederländer Dick Bruna entwarf sie dort im Jahr 1955.

Ins Spoorwegmuseum ging ich wegen meines Sohnes – dachte ich. Dann war er es, der mich nach gut vier Stunden wieder rausbugsierte. Es ist ein selten schönes und unterhaltsames Eisenbahnmuseum in der einstigen Maliebaanstation mit sehr viel Historie und sehr vielen guten Erzählformaten. Und es hat jede Menge zu erzählen und lässt nichts aus – auch nicht, dass von dort einst Juden, Sinti und Roma deportiert wurden.

Ausflug nach Amsterdam: Besuch im Nemo Science Center

Amsterdam Nemo Science © Frans Ruiter/Unsplash

Nach Amsterdam, ins Nemo Science Center sind wir dann übrigens doch noch gefahren, in nicht mal einer halben Stunde mit dem Zug ab Utrecht Centraal. „Museum“ ist für das Nemo eigentlich nicht der passende Begriff. Ja, dort wird Wissen vermittelt, aber weniger durch Ausstellungsstücke, mehr durch zahllose Spiel- und Ausprobierstationen. Dort haben wir die vier Eisenbahnmuseum-Stunden noch getoppt. Das Gebäude, das wie ein riesiger Schiffsbug aussieht, hat der Stararchitekt Renzo Piano entworfen. Es steht direkt am Hafen und ganz nah am Bahnhof.

Und so kann ich Ihnen versichern: Utrecht lässt sich wirklich schwer mit Amsterdam vergleichen. Aber wunderbar mit der etwas überlaufenen großen Schwester kombinieren.

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