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Kultur

NXT, STRAAT oder Fabrique des Lumières: Die neuen Museen in Amsterdam

Digitale und immersive Interpretationen alter Kunst oder moderne Straßenkunst junger Talente: Amsterdams Kunstszene wächst stetig und bringt neue, einzigartige Museen hervor. Wir stellen Ihnen die spannendsten vor.

Datum 17.08.2023

Amsterdam ist eine Museumsstadt. Weltbekannt sind das „Rijksmuseum“ mit alten holländischen Meistern und das „Van Gogh Museum“. Doch sie bekommen Konkurrenz: Zu den mehr als 100 Museen, die Amsterdam beherbergt, kommen immer wieder neue hinzu. Die Grachtenmetropole erlebt einen Boom von neuen Museen – die Neuen zeigen moderne Kunst oder bieten ein anderes Erleben der alten Meister. 

Manche wittern nur ein gutes Geschäft mit der Kunst. Doch es gibt auch Initiativen, die einen Beitrag für die Kultur liefern wollen. Sie kommen ohne Subventionen aus und sprengen traditionelle Ausstellungsmodelle. Und das kommt an, gerade junge Leute sind begeistert. Eine Übersicht über die spannendsten neuen Museen in Amsterdam finden Sie hier.

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Fabrique des Lumières: Immersive Interpretationen alter Meister

In einer 1.200 Quadratmeter großen Halle der alten Gasfabrik wird Kunst in Bewegung gebracht. „Wir wollen Kunst lebendig machen“, sagt Patrick Alders, Direktor der „Fabrique des Lumières“. Werke von berühmten Maler:innen werden auf die rauen Backsteinwände projiziert, wie ein überdimensionaler Film. Zuschauer:innen tauchen in die Kunstwerke ein, ohne VR-Brille oder Bildschirm. „Immersiv“ nennt Alders das.

So fügen sich – begleitet von Musik – Ornamente, Blumen und Figuren zu den Gemälden des Wiener Malers Gustav Klimt zusammen. Oder man bewegt sich durch die surrealistische Welt von Salvador Dalí zur Musik von Pink Floyd.

Kunst wird sinnlich erfahren – Besucher:innen können liegen, stehen, sitzen oder umhergehen. „Kunst für alle“, ist das Motto des französischen Mutterunternehmens. Und das stößt besonders bei jungen Menschen auf Begeisterung. Jede:r zweite:r Besucher:in ist jünger als 40 Jahre, und schon im ersten Jahr 2022 kamen mehr als eine halbe Million Gäste. 

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NXT: Museum für neue Medienkunst im Norden Amsterdams

NXT, Museum für neue Medienkunst in Amsterdam © IMAGO/Xinhua
Im „NXT“ Museum in Amsterdam werden digitale Installationen von bekannten und neuen Künstler:innen gezeigt.

Der raue Norden ist die Kulisse für das „NXT“ – das erste „Museum für neue Medienkunst“ in den Niederlanden. Dahinter verbirgt sich eine neue Welt des sinnlichen Erlebens von Kunst, Medien und Technik. „Diese Kunst wird nicht gezeigt in traditionellen Museen“, sagt Merel van Helsdingen, Gründerin und nun Direktorin von „NXT“. Viele hätten nicht Schritt gehalten mit den neuen Entwicklungen.

Aber, so räumt sie ein: Die traditionellen Museen hätten auch nicht die Räume und technischen Einrichtungen, um diese Kunst zu zeigen. Das frühere TV-Studio im Norden ist dagegen ein idealer Raum. „NXT ist eine Black Box und kein White Cube“, sagt sie. Der weiße Würfel ist ein Synonym für moderne Kunstmuseen. In den schwarzen Räumen werden digitale Installationen gezeigt, die Sinne und Verstand reizen. Es sind Werke, die die modernen Technologien nutzen, und sie stammen nicht nur von international anerkannten Künstler:innen. NXT will auch Talente fördern.

Auch NXT ist eine private Initiative und kommt bisher ohne staatliche Subventionen aus. Das Geld kommt aus Eintrittsgeldern und von Sponsor:inneen, für die die Zielgruppe interessant ist. Über 60 Prozent der Besucher:innen sind jünger als 35 Jahre.

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STRAAT – Museum für Straßenkunst und Graffiti

Werke von Shepard Fairey im „STRAAT“ in Amsterdam © IMAGO/ANP
Hier zu sehen: Werke von Shepard Fairey im „STRAAT“-Museum

Straßenkunst und Graffiti in einem Museum? Für viele ist das ein Tabu oder zumindest ein Widerspruch. Doch die alte Schiffshalle der früheren NDSM-Werft im Norden der Stadt ist wie gemacht für diese Kunst. Liebhaber:innen der Straßenkunst schlossen sich zusammen und eröffneten das „STRAAT“. Etwa 160 Werke von etwa 150 Künstler:innen sind hier zu sehen – von großen Namen und neuen Talenten. „Der Einfluss von Straßenkunst auf die Alltagskultur ist groß“, sagt Direktor Guy-Georges Trigallez. Graffiti und Straßenmalereien veränderten die Städte.

Bei „STRAAT“ hängt die Kunst natürlich auch draußen. Gerade erst hat Shepard Fairey – er wurde weltweit bekannt durch sein ikonisches Obama-Poster „Hope“ – ein neues Werk auf der Außenwand geschaffen, fast 15 Meter hoch. Im Museum sind weitere 130 seiner Werke zu sehen. Er hätte nie gedacht, dass seine Kunst jemals breit akzeptiert werde, sagte der US-Amerikaner kürzlich. „Für viele war Straßenkunst nur Vandalismus.“

Das Amsterdamer Museum will auch ein Podium für die Künstler:innen sein und den Besucher:innen eine Übersicht über die verschiedenen Strömungen der Kunst geben. Kurz vor der Corona-Pandemie 2020 startete „STRAAT“ – und musste gleich wieder schließen. Als es 2022 wieder seine Tore öffnete, kamen im ersten vollen Jahr gleich rund 130.000 Besucher:innen.

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RTXP und Moco – Kunst zwischen Kommerz und Kitsch

Moco Museum in Amsterdam von außen © IMAGO/Pond5 Images
Das „Moco Museum“ zeigt unter anderem Werke von Banksy und Damien Hirst.

RTXP“ steht für Art Experience. In einer alten Schule hängen 50 berühmte Werke der Kunstgeschichte. Rembrandt, Botticelli, Da Vinci, Van Gogh, Monet. Natürlich sind es nicht die Originale – die hängen verstreut in der Welt in Museen. Es sind Kopien, möglichst originalgetreu gemalt; sie sollen eine Übersicht über die Entwicklung der Kunstgeschichte geben. 

Auch die Initiator:innen des „Moco“ witterten das Geschäft mit der Kunst. Seit sieben Jahren zeigen sie in einer Villa gleich beim „Rijksmuseum“ und „Van Gogh Museum“ Werke von den heutigen Superstars der Kunstszene wie Banksy, Jeff Koons oder Damien Hirst. Ein Hotspot vor allem für Tourist:innen und die perfekte Kulisse für hippe Fotos für Instagram oder Tiktok.

-Annette Birschel, dpa

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