11 besondere Orte und Sehenswürdigkeiten in Umbrien

Bedeutende Renaissancekunst, süße Souvenirs und mystische Architekturwunder: Längst macht Umbrien der benachbarten Toskana Konkurrenz. Wir zeigen, warum die Reise lohnt.
Text Mila Krull
Datum22.10.2026

Die Toskana, Südtirol und Ligurien, aber auch Sardinien oder Sizilien stehen bei Italienfans hoch im Kurs. Doch auch weniger bekannte Landstriche haben ihren Reiz, glänzen mit historischen und kunstvollen Sehenswürdigkeiten und authentischen Erlebnissen. Weniger Besucher sorgen nicht nur für mehr Auswahl bei Hotels und Unterkünften, sondern ermöglichen auch flexibles und entspanntes Reisen. 

Eine eben dieser Regionen liegt im Zentrum von Italien und bildet dessen „grünes Herz“: Umbrien. Seinen Reiz entfaltet dieser Landstrich zwischen Trüffelwäldern, Kulturstätten wie Perugia und sakralen Orten. Merian zeigt elf bedeutende Sehenswürdigkeiten und Geheimtipps in Umbrien. 

1

Lago Trasimeno

Blick auf den Ort Castiglione Del Lago am Westufer des Trasimenischen Sees.

Wer nach Italien reist, sucht hier meist den Zugang zum Wasser. Zwar kann Umbrien keine Küste vorweisen, doch mit einer Gesamtgröße von fast 130 Quadratkilometern gewährt der Trasimenische See ausreichend Platz für Badefreudige. Da der Lago keinen natürlichen Zu- und Ablauf hat, schwankt der Wasserstand je nach Wetter. Stege ermöglichen davon unabhängig das Baden, die besten Stellen finden sich rund um Magione auf der Ostseite des Sees. 

Auch historisch kommt dem viertgrößten Binnengewässer Italiens eine große Bedeutung zu: Bei Tuoro am Nordufer lockte der Feldherr Hannibal einst ein römisches Heer in einen Hinterhalt zwischen Hügeln und See. Ausgeschilderte Spazierwege führen heute zum mutmaßlichen Schauplatz. Einen Ausflug wert sind auch die Gemeinde Castiglione del Lago am Westufer, die zu den schönsten Dörfern Italiens zählt, sowie die Isola Maggiore, eine kleine, per Fähre erreichbare Insel, auf der rund 30 Menschen leben.

2

Perugia

Auf und ab geht es durch die bunten Straßen der umbrischen Hauptstadt Perugia.

Für ihren geschichtsträchtigen Stadtkern, ihr reiches Kulturleben und – nicht zu vergessen – die beliebten Baci-Pralinen ist Perugia bekannt. Die Hauptstadt Umbriens erkundet man am besten wortwörtlich von unten nach oben: Rolltreppen führen durch die Rocca Paolina, eine Festung, die Papst Paul III. im 16. Jahrhundert über den Häusern der gegen ihn rebellierenden Familie Baglioni errichten ließ. Die so eingenommenen Gassen laden heute, viele Jahrhunderte später, zu einem interessanten Rundgang ein. 

In den höheren Lagen liegt mit dem Corso Vannucci die geschäftige Flaniermeile der Stadt, die an der Piazza IV Novembre mit ihrem prächtigen Brunnen aus dem 13. Jahrhundert endet. Im gotischen Palazzo dei Priori finden Besucher die Galleria Nazionale dell'Umbria mit Werken von Perugino, Pinturicchio und Piero della Francesca. Mit dem „Umbria Jazz“ feiert die Stadt jeden Juli eines der wichtigsten Genre-Festivals in Europa. Wer stattdessen lieber die süße Seite Perugias kennenlernen will, schlemmt sich durch traditionsreiche Schokoladengeschäfte wie Perugina Negozio und Galli.

umbriatourism.it

3

Assisi und die Basilika San Francesco

Die Basilika San Francesco ist ein bekannter Pilgerort und dem heiligen Franziskus gewidmet.

Seit Anbeginn der römisch-katholischen Geschichte Italiens unterlag Umbrien der Herrschaft der Kirche. Nicht verwunderlich also, dass sich hier einer der wichtigen Wallfahrtsorte des Christentums befindet. Im östlich von Perugia liegenden Assisi lebte und starb der Heilige Franziskus, ein Ordensbruder, dessen barmherziges Wirken außergewöhnlich gut dokumentiert wurde. Seine Grabeskirche, die Basilika San Francesco aus dem 13. Jahrhundert, empfängt jährlich Tausende Besucher. Auch die Krypta samt Grab lässt sich nach verheerenden Schäden durch ein Erdbeben von 1997 heute wieder begehen. 2026 feierte Assisi den 800. Todestag ihres Heiligen: Im Frühjahr waren dessen Gebeine erstmals öffentlich zu sehen, das Franziskus-Jahr läuft noch bis Januar 2027. Jenseits der Basilika lohnt der Weg hinauf zur Rocca Maggiore und hinunter zur Kirche Santa Chiara.

basilica.sanfrancesco.org

4

Spello

Blumen, Dekorationen und Balkone schmücken die Gassen von Spello.

Erhoben auf einem Hügel, von Zypressen gesäumt, jahrhundertealte Steinhäuser und Fresken der Renaissance: Spello südöstlich von Perugia erfüllt vor allem optisch jedes Italien-Klischee. Schon die Römer wussten die fantastische Lage zu schätzen und siedelten hier; einige ihrer Mauerreste, etwa die Porta Venere, sind bis heute zu sehen. Nicht nur der Vergangenheit ist die Schönheit zu verschulden, auch die gegenwärtigen Bewohner von Spello putzen ihre Heimat mit bunten Blumentöpfen, akkurat geschnittenen Hecken und ordentlich gefegten Wegen das ganze Jahr über heraus. Besonders ansehnlich werden die Gassen rund um Fronleichnam, wenn die Anwohner Teppiche und ganze Kunstwerke aus Blüten auf den Böden auslegen, die Teil der örtlichen Prozession sind. 

5

Narni

Bei Sonnenuntergang zeigt sich die Stadt Narni in stimmungsvollem Licht.

„Narnia“ lautete der alte, römische Name dieser Stadt, der dem für seine Fantasy-Chroniken bekannten irischen Schriftsteller C. S. Lewis als Inspiration gedient haben soll. Tatsächlich erinnern die malerische Hanglage und die „Narni Sotterranea“, verborgene Gänge unter einem einstigen Dominikanerkloster, an eine geheimnisvolle Märchenwelt. Zum unterirdischen Labyrinth, das Interessierte als Teil eines Museums besichtigen können, gehören eine Felsenkirche und Fresken aus dem 12. Jahrhundert, ein Gerichtssaal aus Zeiten der Inquisition und eine Zelle, an deren Wände Gefangene einst Botschaften ritzten. Das Zentrum von Narni bildet die Piazza dei Priori mit dem Palazzo Scotti, dem Torre Civica und anderen bedeutenden Renaissancebauten. Über der Stadt erhebt sich die Festungsanlage Rocca Albornoz aus dem 14. Jahrhundert.

narnisotterranea.it

6

Flusshafen Stifone und Nera-Schlucht

Die Schlucht am Fluss Nera ist eines des beliebtesten Ausflugsziele von Umbrien.

Wer braucht schon das Meer, wenn die Nera vorbeifließt? Der kleine Ort Stifone, südwestlich von Narni gelegen, erfreut sich vor allem im Sommer großer Beliebtheit. Je nach Lichteinfall und Wetter leuchtet das Wasser des Flusses hier in satten Grün-, Blau- und Türkistönen. Zahlreiche unterirdische Quellen speisen die Nera, der hiesige Kalkboden inszeniert das klare Wasser perfekt. Rund um Stifone schmiegt sich der Fluss in die Schlucht Golde del Nera, das dicht bewachsene Ufer bildet eine sattgrüne Kulisse. Auch wenn die Überreste des historischen Flusshafens und antiker Mühlen dazu einladen: Vom Baden sollte hier aus Rücksicht auf Anwohner und Natur abgesehen werden. Abhilfe schafft das wenige Meter entfernte Naturbad Mole di Narni, nicht weniger spektakulär am Flussufer gelegen. Hinweis: Ein früher Besuch lohnt sich, in den Sommermonaten ist der Zugang zum Bad begrenzt.

lemole.it

7

Dom von Orvieto

Für seine prächtige Fassade ist der Duomo di Orvieto bekannt.

Zu einem weiteren Pilgerort Umbriens wurde der Dom von Orvieto. Anlass für dessen Bau, mit dem man 1290 begann, war ein Hostienwunder, das wenige Jahre zuvor im nahen Ort Bolsena in Erscheinung trat. Das blutige Altartuch, das eben dieses Phänomen belegen soll, wird seit jeher als Reliquie im Dom verwahrt. Bis heute handelt es sich beim Duomo di Orvieto um eines der bedeutendsten gotischen Bauwerke Italiens. Vermutlich begannen die Arbeiten unter dem Architekten Arnolfo di Cambio, verantwortlich für den Dom und den Palazzo Vecchio in Florenz. Belegt ist auch das Mitwirken des Sieneser Baumeisters Lorenzo Maitani, der die eindrucksvolle Fassade mit ihren Goldmosaiken, Reliefs und Türmen entwarf. 

In der Cappella di San Brizio im Inneren des Doms malte der Renaissancekünstler Luca Signorelli um 1500 das Jüngste Gericht, die ausdrucksstarke Szene wurde später auch von Michelangelo studiert. Der reich verzierte Reliquienschrank kann heute im benachbarten Museo dell’Opera del Duomo besichtigt werden. Das originale Altartuch von Bolsena wird hingegen nicht einsehbar in einem sogenannten Tabernakel verwahrt. 

Übrigens: Auch abseits des Doms ist die mittelalterliche Stadt Orvieto mit ihren Höhlen, Gassen und Piazzas einen Besuch wert.

duomodiorvieto.it

8

Wasserfälle Cascata delle Marmore

Blick auf den Wasserfall Cascata delle Marmore

Wer erstmals die Cascata delle Marmore erblickt, könnte meinen, er befinde sich im mittelamerikanischen Regenwald. Tatsächlich handelt es sich bei diesem Wasserfall um einen der höchsten in ganz Europa. Sein Ursprung ist jedoch nicht natürlich und geht, wie viele andere Orte in Umbrien, auf die Römer zurück: Im 2. Jahrhundert vor Christus ließ ein Konsul einen Kanal graben, um die Sümpfe nahe der wichtigen Gemeinde Rieti zu entwässern. Dafür wurde der Fluss Velino über eine Felskante in die Nera geleitet. Heute rauscht das Wasser über drei Stufen und etwa 165 Meter hinweg in die Tiefe. Praktischer Nutzen in der Neuzeit: Der kräftige Velino speist ein Wasserkraftwerk. Wanderwege verbinden zwei Aussichtspunkte rund um die Wasserfälle. Ein Pfad führt durch einen Felstunnel dicht am rauschenden Wasser vorbei – Dusche inklusive!

cascatadellemarmore.info

9

La Scarzuola

Einst Hütte, dann Kloster, heute ein ungewöhnliches Freilichtmuseum: La Scarzuola

Eine der eindrucksvollsten Sehenswürdigkeiten Umbriens vereint Einflüsse gleich mehrerer Epochen. Überlieferungen zufolge baute sich hier, mitten im grünen Hinterland, der Heilige Franz von Assisi eine Hütte aus Schilfpflanzen namens „Scarza“. Später errichteten Franziskanermönche rund um den Standort ein Kloster, das bis heute erhalten, wenn auch nicht mehr aktiv ist. 

Bekanntheit erlangte dieses ungewöhnliche Ensemble aber erst knapp 700 Jahre später, als der Mailänder Architekt Tomaso Buzzi angrenzend seine Interpretation einer „idealen Stadt“ errichtete. Seit den 1960er Jahren verbirgt sich hier La Scarzuola, ein eindrucksvolles Labyrinth aus Treppen, Bögen, Bauten, Theatern, Hecken und Gängen, das Besucher im Rahmen einer Führung bestaunen können. In Dekorationen und Architektur vereinen sich Anspielungen auf den Surrealismus und den Spiritualismus, aber auch Elemente der Renaissance und der Antike.

lascarzuola.com

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Città di Castello

Der historische Turm, der Rotondo Campanile, von Castello.

Wenn ein Ort den Beinamen „Stadt des Glücks“ trägt, sollte man diesen unbedingt besuchen. Zwar geht diese Bezeichnung für Città di Castello bereits auf das Mittelalter zurück, sehenswert ist das Städtchen am Fluss Tiber aber noch immer. Das liegt vor allem an typisch italienischen Renaissancebauten wie dem Palazzo Albizzini und dem Palazzo Vitelli, die vornehmlich im Auftrag der gleichnamigen Familie Vitelli entstanden sind. Letzterer beherbergt die Städtische Pinakothek, die sich mit ihrer bedeutenden Sammlung an Renaissancewerken nicht vor den florentinischen Uffizien verstecken muss. In der Ex Seccatoi del Tabacco, einer einstigen Tabakhalle, widmet man sich dem jüngeren Zeitalter und den Werken des lokalen und bedeutenden Künstlers Alberto Burri.

cittadicastelloturismo.it

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Spoleto

Das Aquädukt und die Festung Rocca Albornoziana von Spoleto

Ein weiteres beschauliches Städtchen, das einen Ausflug lohnt, ist die 35.000-Einwohner-Stadt Spoleto. Als Besonderheit gilt die Ponte delle Torri, ein mehr als 200 Meter langes und rund 80 Meter hohes Aquädukt, das das umliegende Tal des Tessino überspannt. Über der Brücke wacht die Rocca Albornoziana, eine päpstliche Festung aus dem 14. Jahrhundert, die noch bis 1982 als Gefängnis diente. Zu den Sehenswürdigkeiten zählen außerdem die Piazza del Duomo mit ihrer romanischen Kathedrale, das Römische Freilichttheater aus dem 1. Jahrhundert und das Museum der Casa Romana, ein ausgegrabenes römisches Wohnhaus mit kunstvollen Mosaikböden.

umbriatourism.it