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Natur

Die Euganeischen Hügel: Grünes Paradies in Venetien

Vor den Toren Paduas und Venedigs liegen die Euganeischen Hügel. Die Landschaft vulkanischen Ursprungs begeistert mit prächtigen Bauten, sattgrünen Wiesen und vielseitigen Möglichkeiten für Aktiv- und Familienurlaub.

Datum 11.03.2023

Heiße Quellen, italienische Villen, viel Natur und die Spuren einer feudalen Historie: Das sind die Euganeischen Hügel in Venetien. Die Gegend lohnt mehr als nur einen Tagestrip aus der Lagunenstadt Venedig. Wandernde, Radfahrer:innen und Geschichtsinteressierte kommen hier ebenso auf ihre Kosten wie Literatur- und Architekturfans. 

Ein Hightlight der Hügel sind unbestritten die prachtvollen Bauten ehemaliger Patrizier:innen, die sich aus der sattgrünen Landschaft erheben. Was den Zauber der Euganeischen Hügel sonst noch ausmacht? Wir verraten es im Folgenden.

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Der Zauber des Vergänglichen: Villa Barbarigo

Garten von Valsanzibio, Villa Barbarigo in Venetien © iStock/Luca Lorenzelli
Die Villa Barbarigo und der Garten von Valsanzibio sind zwei der schönsten Sehenswürdigkeiten in den Euganeischen Hügeln.

Still und verlassen liegt das Diana-Tor da, seiner ursprünglichen Aufgabe beraubt. Schon lange legen hier keine festlich illuminierten Barken mehr an den blau-weiß geringelten Stangen an, und über die niedrigen Stufen des Eingangsportals der Villa Barbarigo schreiten keine Honoratior:innen in prächtigen Gewändern mehr.

Der Zahn der Zeit knabbert an Säulen und Balustraden, an Statuen und Wappenschilden der Villa. Sie steht in Galzignano Terme in Venetien, eine knappe Autostunde südwestlich von Venedig. 

Der Zauber des Vergänglichen liegt auch über dem kunstvoll angelegten Garten von Valsanzibio, der sich vor der Villa erstreckt, mit seinen Wasserläufen und Fischteichen, Fontänen und Brunnen. Laut seinem Planer, dem Vatikan-Architekten Luigi Bernini, soll der im 17. Jahrhundert angelegte Garten den spirituellen Weg des Menschen bis zu seiner Läuterung und Erlösung symbolisieren. Die Buchshecke des Labyrinths ist noch heute akkurat gestutzt wie eh und je.

Die noble Villa mit dem kreisrunden „Springbrunnen der Verzückung“ auf dem Vorplatz strahlt in zartem Rot und Gelb. Nur der Kanal, über den die Boote mit der erwartungsvollen Festgesellschaft einst schipperten, ist verschwunden. Im winzigen See zu Füßen des Diana-Tores tummeln sich jetzt Schildkröten und Reiher.

Euganeische Hügel: Einst Zufluchtsort der Reichen

Der Komplex vermarktet sich heute als „kleines Versailles“ und als „Perle der Euganeischen Hügel“. Für die reichen Patrizier:innen von Venedig waren die Hügel einst Zufluchtsort und Showroom zugleich.

Wenn die Sommerhitze das Leben in der Lagunenstadt unerträglich machte, flüchtete die noble Gesellschaft in das grüne Hügelland, wo man sich feudale Landgüter auf riesigen Grundstücken errichten ließ. Bereits im späten 12. Jahrhundert war der Canale Battaglia ausgehoben worden. Er ist Teil eines umfangreichen Kanalsystems, das bis heute Venedig mit Padua verbindet.

Künstler:innen und Kaufleute befuhren das Gewässer, wo sich Prachtbauten wie das Castello del Catajo mit seinen freskenverzierten Sälen oder die Villa Molin aufreihen. Noch immer sind die historischen Brücken, die alten Schleusen, die bunten, dem Kanal zugewandten Häuser von Battaglia Terme und die Treidelpfade der Zugtiere zu sehen.

Wandern und Radfahren in den Euganeischen Hügeln

Euganeische Hügel, Wander- und Radroute bei Padua © iStock/Luca Lorenzelli
Die Euganeischen Hügel vor den Toren Paduas und Venedigs sind ein Paradies für Wandernde und Radfahrer:innen.

Heute rollen Radfahrer:innen über die Dämme des schnurgeraden Kanals. Ihr Ziel: der gut 60 Kilometer lange „Ring der Euganeischen Hügel“, der abgesehen von einem kurzen Anstieg am Monte Sereo ziemlich kräfteschonend um die Colli Euganei - wie die Hügel auf Italienisch heißen - herumführt.

Wie überdimensionale Maulwurfshügel ragen die Euganeischen Hügel völlig unvermittelt aus der flachen Po-Ebene heraus. Vor 30 bis 40 Millionen Jahren erstreckte sich in dieser Gegend zwischen Alpen und Apennin eine Meeresbucht. Vulkanausbrüche erschütterten das Land, und nach jeder Eruption blieb ein Lavahügel zurück.

Selbst Wohlmeinende werden die kegelförmigen Erhebungen kaum als Berge bezeichnen: Der Monte Venda mit seiner trockenen, sonnigen Südseite und der feuchteren Nordseite bringt es auf rund 600 Meter, seine Nachbarn geben sich bescheiden mit 200, 300 Meter zufrieden. Doch für Wandernde und Radfahrer:innen ist der 1989 ausgewiesene „Parco Regionale dei Colli Euganei“ eine endlose Spielwiese.

Ausflugsziele im Parco Regionale dei Colli Euganei

Euganeische Hügel bei Arquà Petrarca, Weinberg © IMAGO/Kai Koehler
In den Euganeischen Hügeln wird Wein angebaut, der oft auch vor Ort probiert werden darf.

Man wandert beispielsweise zur ehemaligen Franziskaner-Einsiedelei Santa Domenica, von wo der Blick über die Po-Ebene schweift. Oder wagt sich an den 41 Kilometer langen Höhenweg mit seinen stattlichen 2.000 Höhenmetern. Oder Sie steigen zur Abwechslung aufs E-Bike, um die schmalen, kurvenreichen Straßen zwischen den Hügeln zu befahren.

Venezianer:innen schätzen die vulkanische Hügellandschaft heute als Naherholungsziel für die ganze Familie, wo sie in Weilern den hier angebauten Wein kosten und sich den rosafarbenen Montagnana-Schinken schmecken lassen. Der ist zwar nicht so berühmt wie der große Bruder aus Parma, doch angeblich sogar auf der Tafel des Papstes zu finden.

Euganeische Hügel: Wo Poet Francesco Petrarca sein Zuhause fand

Euganeische Hügel, Landschaft bei Padua © iStock/Rimbalzino
Eine idyllische Landschaft mit Traum-Panorama: die Euganeischen Hügel.

Der große italienische Dichter und Geschichtsschreiber Francesco Petrarca (1304 - 1374) liebte diesen Landstrich mit seinen dichten Laubwäldern, Rebhängen, Olivenhainen und Obstgärten.

Er kam in fortgeschrittenem Alter in jenes Bilderbuch-Dorf, das seinen Namen trägt: Arquà Petrarca. 1369 hatte der damalige Herrscher von Padua dem Humanisten ein kleines Steinhaus am Südhang des Monte Ventolone geschenkt. Die Renovierung leitete Petrarca höchstpersönlich.

Er schrieb: „Ich entfliehe der Stadt wie einem lebenslänglichen Gefängnis und beschließe, in einem einsamen kleinen Dorf, in einem lieblichen kleinen Haus, das von einem Olivenhain und einem Weinberg umgeben ist, zu wohnen.“ In seinem Garten baute er Trauben, Äpfel und Kräuter an. „Hier verbringe ich vollends ruhige Tage, jenseits aller Tumulte, allen Lärms und aller Obliegenheiten und lese und schreibe andauernd.“ Es muss ein schöner Lebensabend gewesen sein.

Das Refugium des Poeten, in dem er - obwohl erkrankt - glückliche letzte Jahre mit seiner Tochter Francesca und der Enkelin verbrachte, beherbergt heute ein Museum. Wer durch die Casa del Petrarca streift, spürt den Geist des Literaten und sieht vor dem geistigen Auge, wie der Wortgewaltige in seinem Arbeitszimmer sitzt, umgeben von seinen geliebten Büchern, die Feder in der Hand.

Sehenswürdigkeiten in Arquà Petrarca

Arquà Petrarca, Dorf in den Euganeischen Hügeln © iStock/Gito Trevisan
Arquà Petrarca gilt als schönstes Dorf der Euganeischen Hügel.

Arquà Petrarca gilt als eines der schönsten Dörfer Italiens. Auf mehreren Terrassen breitet sich das Schmuckkästchen aus, überragt von der weithin sichtbaren Kirche Santa Maria Assunta. Gewundene Stiegen führen von der Unterstadt hinauf in die Oberstadt – und aus der Gegenwart direkt ins Mittelalter.

An den gepflasterten Gassen, die für moderne Kutschen nicht geschaffen sind, reihen sich zweistöckige Villen und Palazzi mit winzigen Fenstern. Schlicht und massiv aus Trachyt gebaut, doch mit wiederkehrenden architektonischen Details wie Toren und Logen geschmückt. Abgebaut wurde der Trachyt einst im nahe gelegenen Monselice. Der hellgraue Vulkanstein wurde für Mauern und Wege genutzt und ist auch auf dem Markusplatz in Venedig verbaut.

In der Unterstadt wiederum, wo die Gassen etwas breiteren Straßen Platz machen, findet sich der Sarkophag des berühmten Dichters aus rotem Marmor, umgeben von Rosenstöcken und Obstgärten. Komplett sind die Überreste jedoch nicht: 1630 hatte ein Geistlicher den Armknochen Petrarcas geklaut. Er wollte sich damit dessen „vis poetica“, die Kraft der Poetik, einverleiben.

Heiligtum der Wallfahrt: Sette Chiese

Wenige Kilometer weiter in Monselice thront wie ein Adlerhorst das Wallfahrts-Heiligtum Sette Chiese auf dem Berg; ein steiler, mit sechs winzigen Kapellen gesäumter Pilgerweg führt hinauf.

Gleich daneben steht die elegante Villa Duodo, die einst einer reichen venezianischen Patrizierfamilie gehörte. Der wurden beste Verbindungen zum Heiligen Stuhl nachgesagt, was sie durchaus gewinnbringend zu nutzen wusste, nämlich mittels Ablassbriefen.

Eine Pilgerreise zu den Kapellen soll für das Seelenheil ebenso förderlich wie eine Pilgerfahrt zu den sieben größten Basiliken Roms sein. Das verkündete zumindest eine päpstliche Bulle aus dem frühen 17. Jahrhundert.

Kurzentrum: Abano Terme und Montegrotto Terme

Abano Terme, Brunnen © IMAGO/imagebroker
Abano Terme galt lange aus Aushängeschild des Kurzentrums, verliert aber mittlerweile leider an Charme.

Wer heute in die Euganeischen Hügel reist, hat vermutlich seltener sein seelisches, sondern eher sein körperliches Wohlbefinden im Sinn. Die heißen Heilquellen und der Mineralschlamm vulkanischen Ursprungs machen den Landstrich zu einem der größten Kurzentren Europas, Abano Terme und Montegrotto Terme sind bekannte Aushängeschilder.

Bereits in der Antike erkannten die gut situierten Bürger:innen, dass es kaum etwas Besseres für alte Knochen gibt als das Bad in dampfenden, nach Schwefel riechenden Gruben. Davon zeugt das Ausgrabungsgelände in Montegrotto Terme, wo Tausende Gläser, Tassen, Gefäße und Gegenstände aus Bronze gefunden wurden.

Heute lassen sich Gesundheitsbewusste aus dem In- und Ausland den höllisch-heißen Fango-Matsch auf verspannte Muskeln und malträtierte Gelenke packen.

Morbider Charme als Kontrastprogramm

Eine Schönheit sind sie nicht unbedingt, die beiden Schwestergemeinden Abano Terme und Montegrotto Terme. Nach dem Zweiten Weltkrieg schossen die Hotels hier wie Pilze aus dem Boden, reichlich planlos und meist ohne jeglichen architektonischen Anspruch. Weit mehr als 100 Hotels waren es zu den Hochzeiten, die dank staatlichen Kurwesens kaum Leerstand hatten. Der Slogan „morgens Fango, abends Tango“ kommt von hier.

Doch die weitaus preiswertere Konkurrenz in Tschechien, Polen und Ungarn sowie Einschnitte im italienischen Gesundheitswesen machen den Bädergemeinden inzwischen das Leben schwer. Die Auswirkungen für das Thermalzentrum der Euganeischen Hügel sind unübersehbar.

Wer durch die Straßen von Abano und Montegrotto schlendert, blickt auf blätternden Putz, auf leere Fensterhöhlen und auf trostlose Hotelruinen inmitten wild wuchernder Vegetation. Auffälligstes Beispiel für den Niedergang: das Grand Hotel Orologio.

In dem schönen Gebäude mitten in der Fußgängerzone von Abano traf sich einst die feine Gesellschaft unter prunkvollen Kristalllüstern und wiegte sich im Walzertakt. Nun steht das Grand Hotel schon seit Jahren leer und vergammelt zusehends. Sein allenfalls morbider Charme – ein Kontrastprogramm zum sonstigen Liebreiz der Colli Euganei.

Infos zur Anreise in die Euganeischen Hügel

Die Gegend liegt südlich von Padua und ist mit dem Auto über die A4 (Mailand - Venedig) zu erreichen. Per Bahn empfiehlt sich die Anreise über den Bahnhof von Padua. Vor dem Bahnhof fahren alle 15 Minuten Busse nach Abano Therme ab, die Fahrtdauer beträgt rund 15 Minuten.

- Roswitha Bruder-Pasewald/dpa

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