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Sehenswürdigkeiten

Nordirland: Ein sagenumwobenes Spektakel

Der Besuch in Nordirland gleicht einer Reise in die Vergangenheit. Vulkanformationen aus früheren Erdzeitaltern, mittelalterliche Burgen und Schauplätze der jüngeren Geschichte prägen die Landschaft entlang der Küste. Eine Strecke voller Märchen und Abenteuer.

Text Mila Krull

Bei Fidelklängen und irischem Kaffee erwachen die Legenden Nordirlands zum Leben. In Pubs, Fischerhütten und Museen erzählt man Geschichten von Riesen und Zwergen. Die wundersame Natur liefert dazu die perfekte Kulisse. Das dachten sich auch die Macher:innen der TV-Serie „Game of Thrones“, die hier Drehorte für Drachen, Eiskreaturen und Meereswesen entdeckten. 

Um die beeindruckenden Sehenswürdigkeiten von Nordirland ranken sich seit jeher Sagen, Mythen und Geheimnisse. Wer die faszinierenden Burgen, Städte und Naturwunder besucht, taucht tief ein in die Geschichte der rauen Region. Wir zeigen die schönsten Spots entlang der Küste.

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Dark Hedges: Zauber uralter Bäume

© Violetta Bismor

Dutzende Buchen ranken und wanken entlang der Bregagh Road mitten in den grünen Weiten Nordirlands. Die knorrigen Gewächse der „Dark Hedges“ sind mehr als 250 Jahre alt. Ursprünglich gepflanzt wurden sie im Jahr 1775 im Auftrag des Hauses Stewart. Sie sollten als prächtige Zufahrt zum Familiensitz Grace Hill dienen. Nicht erst seit ihrem Auftritt in der Fantasyserie „Game of Thrones” ist die mystische Allee ein beliebter Ausflugsort. Das hat auch seine Schattenseiten: Durch das massive Verkehrsaufkommen sahen Stiftungen, die sich für den Erhalt der Buchen einsetzen, die alten Wurzeln gefährdet. Zusätzlich wurden die Bäume durch Vandalismus und Stürme immer wieder beschädigt. Seit 2017 darf die Bregagh Road daher nicht mehr mit dem Auto befahren werden. Zu Fuß lässt sich ihr Zauber sowieso viel besser aufsaugen. Wenn die Sonne untergeht und ihre letzten Strahlen durch die Wipfel und Baumstämme glitzern, herrscht auch heute noch majestätische Stimmung entlang der Allee. 

Insiderwissen: Aus dem Holz der gefallenen Dark-Hedges-Buchen wurden kunstvolle Türen mit Motiven aus der TV-Serie geschnitzt. Sie sind in Pubs und Lokalen in ganz Nordirland zu finden. 

Dunluce Castle: Steile Klippen und stürzende Küchen

© Violetta Bismor

Was gibt es Schöneres, als bei geöffnetem Fenster dem Rauschen der Wellen zu lauschen? Viele träumen von einem Häuschen am Meer. Für den schottischen MacDonnell-Clan, der vor rund 400 Jahren im Dunluce Castle residierte, wurde die Burg am Atlantik der Sage nach zum Albtraum. Die tosenden Wellen waren den adeligen Bewohnern schlichtweg zu laut. 

Eine andere – wahrscheinlichere Erzählung – besagt dass die Burgküche samt Personal einst ins Meer abrutschte. Die Familie ergriff daraufhin die Flucht und überließ die oft umkämpfte Festung ihrem Verfall. Ihre bewegte Vergangenheit zeigt sich heute noch. Über steinerne Treppen können Besucher:innen die versteckte Grotte „Mermaid’s Cave” erkunden, in der damals stets Boote für die Versorgung oder Flucht bei Belagerung gestanden haben sollen.

Giant’s Causeway: Der Damm des Riesen

© Philip Koschel

Diese sechseckigen Klötze sind weltberühmt: Spektakuläre Formationen aus Basalt ragen aus dem Meer empor. In ihrer Symmetrie wirken die rund 40.000 Felssäulen wie von Menschenhand geschaffen, doch ihr Ursprung reicht viel weiter zurück. Geologen nehmen an, dass hier vor 60 Millionen Jahren Lava an die Erdoberfläche strömte. Sie setzte sich zwischen die Gesteinsschichten und kühlte nur langsam ab. Die Lava verlor an Volumen und bildete gleichmäßige Risse in Form unzähliger Hexagone. 

Trotz der wissenschaftlichen Erklärung ranken sich fortwährend Legenden um die eindrucksvolle Kulisse. Im Mittelpunkt steht die Geschichte des irischen Riesen Fionn. Dieser lag einst im Clinch mit seinem schottischen Widersacher Benandonner. Um ihn herauszufordern, erbaute Fionn einen Damm aus Steinen gen Schottland. Doch der tobende Rivale machte kurzen Prozess und zerstörte den Übergang. Seine Reste bilden den „Giant’s Causeway”. Heute laden die Spuren der Riesen zu Wanderungen mit fantastischem Ausblick ein. Das Besucherzentrum informiert über die natürliche Entstehung und die spannenden Mythen.

Sehenswürdigkeiten in Nordirland: Lebendige Geschichte in Derry-Londonderry

© Philip Koschel

Inmitten alter Festungsmauern liegt die lebhafte Stadt Derry-Londonderry. Aus den Pubs dringen in den Abendstunden irische Klänge, herrlich duftet der Irish Coffee im kreativen Craft Village, einem Ort für Handwerkskunst und Antiquitäten. Die bewegte Geschichte der Stadt am River Foyle zeigt sich in sämtlichen Facetten. Bereits ihr Name ist bis heute umstritten: Auf den Ortsschildern brachten Anhänger des Vereinigten Königreich einst ihre Zugehörigkeit zum Ausdruck und ergänzten den Namen um das Präfix „London“. Die irischen Katholiken indes übermalten den unliebsamen Beinamen immer wieder. Derry-Londonderry wurde zum Schauplatz des Nordirlandkonfliktes, der hier am 30. Januar 1972 im traumatischen „Bloody Sunday” gipfelte. Ein Ort der Erinnerung ist die „People’s Gallery“ im katholischen Viertel Bogside. Eindrucksvolle Wandmalereien erzählen eine Geschichte von Krieg und Frieden. Im Zeichen des Friedens wurde auch die 2011 eröffnete „Peace Bridge“ errichtet, deren Anblick besonders im Dunklen begeistert. 

Insiderwissen: Nordirland – und speziell Derry-Londonderry – ist bekannt für handgemachtes Gebäck. Eine Spezialität ist zum Beispiel das „German Bun“, ein süßes, mit Erdbeermarmelade gefülltes Brötchen.

Carrick-a-Rede: Hängepartie über dem Atlantik

© Philip Koschel

Kaum zu glauben: Bereits seit mehr als 250 Jahren verbindet eine Hängebrücke Carrick Island mit dem Festland. Wer sich hinauf wagt, muss mit einer ordentlichen Schaukelpartie rechnen. Der Wind lässt die Seile kräftig über dem Wasser hin- und herschwingen. Früher zog es Fischer auf die unbewohnte Insel, die ihnen eine perfekte Lage zum Fangen wilder Lachse bot. Eine Überfahrt zu Boot war rund um die steilen Felsen zu gefährlich. 

Seit Beginn des 21. Jahrhunderts haben sich Fische und Fischer in andere Gewässer zurückgezogen, nur ein kleines Häuschen erinnert noch an ihre Zeit auf der Insel. Für Besucher:innen wurde die Sehenswürdigkeit in Nordirland 2008 erneuert. Nun führt eine robuste Brücke mit Stahlseilen und festen Holzdielen über das Meer. Dennoch ist der wackelige Gang eine abenteuerliche Herausforderung. Es lohnt sich: Auf dem Eiland warten herrliche Ausblicke gen Schottland. In den Wintermonaten ist die Brücke allerdings geschlossen. Ganz in der Nähe befindet sich zudem Rathlin Island, eine der sehenswertesten Inseln von Irland.

Castle Ward: Abstecher nach Winterfell

© Tourism Northern Ireland

Mit Blick auf den See Strangford Lough thront das Herrenhaus Castle Ward am Ufer. Eine weitläufige Parkanlage mit Gutshaus, Sattelei, Scheune und Bauernhof umschließt das imposante Bauwerk aus dem 18. Jahrhundert. Historische Malereien zeigen die einstigen viktorianischen Gartenanlagen, die derzeit mühevoll wiederhergestellt werden. 

Großer Beliebtheit erfreut sich das Anwesen seit diverser Auftritte in der Serie „Game of Thrones“. In der historischen Kulisse entstanden zahlreiche Schlüsselszenen, so diente der Innenhof als Schauplatz der Burg Winterfell. Heute können Besucher:innen in die Kostüme der Charaktere schlüpfen, sich im Bogenschießen probieren oder die Schattenwölfe kennenlernen. Die Filmtouren sollten rechtzeitig gebucht werden. Alternativ lässt sich das Gelände auch auf eigene Faust erkunden. 

Insiderwissen: Da sich die Erbauer Bernard Ward und seine Frau Ann nicht auf eine architektonische Richtung einigen konnten, unterteilten sie das Herrenhaus kurzerhand in zwei Hälften. Während eine Seite im kunstvollen, neugotischen Stil erbaut wurde, kommt die andere nüchtern und klassisch daher. 

Gobbins Cliff Path: Abenteuer am Abgrund

© Bill Abernethy Photography

Der am Felsen montierte „Gobbins Cliff Path“ führt entlang der rauen Küste über das wilde Meer und in dunkle Höhlen. 1902 schuf ein Eisenbahningenieur den Stieg als Ausflugsziel für die Belfast and Northern Counties Railway Company. Doch die Weltwirtschaftskrise und die Weltkriege ließen die Ressourcen der Eisenbahn schrumpfen, die eine Instandhaltung nicht mehr finanzieren konnte. 

Mehr als 50 Jahre nach der Schließung veranlasste der zuständige Distrikt den Wiederaufbau der Konstruktion. Seit 2015 ist der abenteuerliche Pfad mit seinen Brücken, Treppen und Tunneln wieder begehbar. Weil er jedoch einige Herausforderungen bereithält, sind nur geführte und gebuchte Touren möglich. Zudem erhalten Besucher:innen Schutzhelme und werden gebeten, festes Schuhwerk zu tragen. Wenn das Wetter stimmt, reicht die Sicht von den Plattformen aus bis nach Schottland. Und wer die Augen offen hält, kann Papageientaucher, Kormorane und Tordalke entdecken.

Carrickfergus Castle: Oft besungener Sehnsuchtsort

© Violetta Bismor

„I wish I was in Carrickfergus“ – so sang es einst die irische Folk Band „The Clancy Brothers“. Mehr als dreißig Mal wurde das Lied bereits gecovert, auch Ronan Keating, „The Dubliners“ und „Celtic Women“ sehnten sich nach der kleinen Hafenstadt. 15 Fahrminuten von Belfast entfernt, gilt sie als erholsames und beschauliches Ausflugsziel. Eine Stadtmauer aus dem 16. Jahrhundert umschließt das historische Zentrum mit seinen einladenden Cafés und Lokalen.

Das Highlight des Ortes ist am Hafen zu finden. Hinter rostenden Fischerbooten ragt das Carrickfergus Castle empor. Der britische Adelige John de Courcy erbaute es im 12. Jahrhundert und sorgte von hier aus für Schrecken in Nordirland. Etliche Belagerungen folgten, bis das Castle im 18. Jahrhundert als Gefängnis und während des Zweiten Weltkriegs als Bunker genutzt wurde. Heute ist die Anlage mit ihren besonderen Ausstellungsstücken definitiv einen Besuch wert. Weitere Inspirationen finden Sie in unseren Tipps für Sehenswürdigkeiten in Belfast.

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