Roadtrip zu The Burren, Irland © Isabela Pacini
Natur

Roadtrip auf dem Wild Atlantic Way

Die längste Küstenstraße der Welt: Auf 2600 Kilometern windet sich der Wild Atlantic Way an der schäumenden Brandung entlang. Die Panoramastraße lässt sich auch bestens in Etappen genießen. MERIAN gibt Tipps für den Roadtrip.

Text Johannes Teschner
Fotos Isabela Pacini

Von Inishowen über Galway und Limerick bis nach Bantry und Kinsale: Ein Roadtrip auf dem Wild Atlantic Way verspricht nicht nur sattgrüne Wiesenlandschaften, sondern auch eindrucksvolle Sehenswürdigkeiten wie die Cliffs of Moher, Burgen und hübsche Countys und Städte. Immer wieder locken traumhafte Panoramen über dieses vielfältige Fleckchen Erde namens Irland. Darüber hinaus lässt sich auf dem Roadtrip einiges über das sagenumwobene Land und seine Geschichte lernen.

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Wild Atlantic Way: von Inishowen bis Galway

Roadtrip durch County Donegal, Irland © Isabela Pacini

Den rund 2600 Kilometer langen Wild Atlantic Way in einem Rutsch zu befahren, das schaffen die Wenigsten – zumal die Highlight-Dichte entlang der Küstenstraße sehr hoch ist. Der nördliche Streckenabschnitt alleine eignet sich schon für einen ganzen Roadtrip. Der Wild Atlantic Way startet offiziell auf Inishowen, Irlands größter Halbinsel. Und zwar im County – oder Grafschaft, wie sie auch genannt wird – Donegal. Er beginnt gleich mit einem buchstäblichen Höhepunkt: Unbedingt sollten Sie die Passhöhe „Gap of Mamore” mit bis zu 30 Prozent Steigung hinauffahren  und aus 240 Metern Höhe auf die Nordküste hinabblicken. Westlich der Halbinsel warten danach in der „Ballymastocker Bay” drei breite Sandstrände, die zu den schönsten des Landes gehören. 

Rund um Sligo: „Land der Sehnsucht”

Weiter Richtung Süden: Die Gegend um Sligo nannte William Butler Yeats einst das „Land der Sehnsucht” – es ist gespickt von Dolmen, Steinkreisen und Grabkammern wie auf dem „Knocknarea Mountain", letzte Ruhestätte der legendären Queen Maeve. Ihrem imposanten Hügelgrab sollten Sie einen Besuch abstatten. Übernachten lässt es sich danach in Sligo bestens im „Glasshouse Hotel”. So reich Irlands zerklüftete Westküste an schroffen Klippen und Felsformationen auch ist: Der wie ein Pfeiler aus dem Wasser ragende, knapp 50 Meter hohe Fels „Dún Briste” im Norden der Grafschaft Mayo gehört ohne Zweifel zu den ganz besonderen Atlantik-Ansichten auf dem Wild Atlantic Way.

Tradition und Ursprünglichkeit in Connemara

Gute Aussichten ergeben sich auch von den weiter südlich gelegenen Gebirgszügen, zum Beispiel vom kegelförmigen „Croagh Patrick”, Irlands heiligem Berg – hier soll Saint Patrick 40 Tage und Nächte gefastet und alle Schlangen von der Insel verbannt haben. Schließlich erreicht man auf schmalen Straßen Connemara. Keine andere Region Irlands ist so ursprünglich: Hier lebt fast die Hälfte der noch Irisch sprechenden Bevölkerung, hier trägt man mitunter noch gälische Trachten und versucht, althergebrachte Traditionen zu bewahren. Auch die Landschaft ist gewaltig; von ihrer prächtigsten Seite zeigt sie sich im Connemara-Nationalpark, in dem mindestens ein Tag auf Wanderschaft eingeplant werden sollte.

Etappe Zwei: Von Galway bis Limerick

Cliffs of Moher © Isabela Pacini

Das „Galway City Museum“ ist die perfekte Anlaufstation, um sich auf die südliche Hälfte des Wild Atlantic Way einzustimmen. Dort lässt sich viel über die Geschichte Westirlands und über die Sagen und Mythen lernen, die diese Region der grünen Insel bis heute umranken. Rund zwei Stunden gemütliche Fahrt südlich von Galway liegt dann ein irisches Nationalheiligtum: die „Cliffs of Moher”. Wer an den acht Kilometer langen Klippen Halt macht, sollte auch etwas Zeit für das Visitor Centre einplanen, das einem die Geologie, Flora und Fauna der beeindruckenden Steilküste näherbringt – und sich vorher auf der offiziellen Website den kostenlosen Audioguide als App aufs Handy laden. 

Abstecher nach Doolin und Lahinch

Nach einem anschließenden Pub-Abend in der nahe gelegenen Musik-Hochburg Doolin quartiert man sich am besten im „Toomullin House Bed and Breakfast“ein. Das Ehepaar Olive und Chris Dowling bietet hier liebevoll eingerichtete Zimmer und echte Zuhause-Atmosphäre. Von Doolin aus lässt sich auch gut die Karstlandschaft im Burren-Nationalpark erkunden, und wer dann noch dem nahe gelegenen Surfer-Städtchen Lahinch einen Besuch abstatten möchte, dem sei unbedingt ein Cappuccino in „Hugo’s Bakery” in der Ennistymon Road empfohlen – inklusive einem der unverschämt leckeren Croissants. 

Eine der Sehenswürdigkeiten auf dem Wild Atlantic Way: „King

John’s Castle”

Im am Shannon gelegenen Limerick hat der ansonsten glücklose englische König Johann Ohneland im 13. Jahrhundert eine mächtige Burg errichten lassen: „King John’s Castle”. Die Burg ist erstaunlich gut erhalten, Wissbegierige kommen in der interaktiven Ausstellung voll auf ihre Kosten, Kinder können sich im Burghof im Schwertkampf üben – oder von den Wehrtürmen auf den Shannon blicken.

Die dritte Etappe auf dem Wild Atlantic Way: Von Limerick bis Kenmare

Wild Atlantic Way, Blick vom Auto auf Grafschaft Kerry © Isabela Pacini

Kurz nach Limerick folgt die Grafschaft Kerry, die reich an Highlights ist. Gemessen an der extrem beliebten Panoramastraße „Ring of Kerry” ist das daneben gelegene Valentia Island, eine von Europas westlichsten bewohnte Inseln, fast ein Geheimtipp. Dabei bietet auch sie beeindruckende Panoramen, den Blick auf die Skellig Islands und ein historisches Schmankerl: Hier kann man die Stelle besichtigen, an der das erste Telegrafie-Transatlantikkabel europäischen Boden erreichte. Das Kabel ist der Grund, weshalb Valentia Island vielleicht bald als UNESCO-Weltkulturerbe eingestuft wird, dann ist es vorbei mit dem Geheimtipp. 

Kenmare Bay und Kenmare Shamrocks

Auf dem Weg weiter nach Süden lässt es sich gut im lebhaften Städtchen Kenmare Halt machen und sich im pittoresken und direkt an der Kenmare Bay gelegenen „Abbey Court Bed and Breakfast“ein Zimmer nehmen – zum Frühstück gibt’s ein ganz hervorragendes Rührei mit Lachs. Und sollte man laute Schreie und Jubel in der Nähe hören, lohnt sich ein Gang zum Stadion der Kenmare Shamrocks, um zu erleben, welch heiß brodelnde Leidenschaft der „Gaelic Football” bei den Iren entfacht.

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Roadtrip von Bantry bis nach Kinsale

Kinsale in Irland © Isabela Pacini

Im Westen der Grafschaft Cork ermöglicht der wärmende Golfstrom mediterran anmutende Gartenlandschaften. Ein besonders hübsches Beispiel dafür ist das „Bantry House“. Die im 18. Jahrhundert begonnene und später erweiterte Residenz der örtlichen Grafen ist umgeben von einem prachtvollen Garten im italienischen Stil, die Nachfahren des Landadels halten Haus und Garten noch heute in Ordnung, haben zudem ein Café im Gebäude eröffnet und einige B&B-Räume eingerichtet. Auf der Halbinsel Mizen Head, die weniger als eine Stunde Autofahrt entfernt ist, lässt es sich im Mizen Head Visitor Centre auf den offenen Atlantik blicken. Tauchen Sie ein in das Leben der Leuchtturmwärter, die einst auf diesem abgelegenen Flecken ihren Dienst taten.

„Finale” des Wild Atlantic Ways

Eine schöne Unterkunft etwas weiter auf der Route ist das „West Cork Hotel“ in Skibbereen, ein traditionsreiches Haus, das mit antiken Möbeln gespickt ist. In Kinsale, dem südlichen Schlusspunkt des Wild Atlantic Way, sollte man sich schließlich zum Finale ein kleines Festmahl gönnen, denn das Städtchen ist Irlands Gourmet-Hochburg. Es gibt eine Vielzahl ausgezeichneter Restaurants, etwa  „Blue Haven“, „Bastion“ oder „Finn’s Table“.

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