Griechenland und „Die Odyssee“: Spektakuläre Drehorte in Messenien

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Seit Jahrhunderten gilt die Region Messenien auf der Peloponnes-Halbinsel als einer der bedeutendsten Schauplätze der griechischen Mythologie sowie Homers Epos „Odyssee“. Rund 2.700 Jahre nach seiner bedeutenden Niederschrift, die als eine der ersten textlichen Erzählungen des Okzidents gilt, steht Messenien heute – wie einst in der Antike – im Fokus der Öffentlichkeit.
Zu verdanken ist dies Hollywood-Regisseur Christopher Nolan, der Homers Dichtungen für das Kino spektakulär und mit einem schier unbeschreiblichen Aufwand in Szene setzte: Das Team verzichtete in weiten Teilen auf Computer-Animationen, besuchte stattdessen reale Drehorte, engagierte hunderte Statisten und baute Requisiten sowie Kulissen mitunter in Originalgröße.
Obwohl auch in Italien, auf Island und in Marokko Filmaufnahmen entstanden, reiste die Filmcrew für mehrere Szenen nach Griechenland und somit ins Epizentrum der antiken Mythologie. Merian hat sich in der historischen Landschaft von Messenien auf Homers Spuren begeben und die eindrucksvollen „Odyssee“-Drehorte und -Schauplätze besucht.
Ausflug an den Voidokilia Beach

Ihren Spitznamen „Omega-Strand“ verdankt diese außergewöhnliche Bucht ihrer Form, die an den griechischen Buchstaben erinnert. Auf offiziellen Karten findet man sie als Voidokilia Beach; der schmale Eingang, der den allabendlichen Sonnenuntergang perfekt inszeniert, macht sie zu einem beliebten Ausflugsort.
Welche Strand-Szenen aus „Die Odyssee“ hier sowie an der benachbarten Gialova-Lagune tatsächlich gedreht wurden, darüber sind sich auch die Locals nicht ganz einig. Eindeutig identifizierbar ist die Landschaft im finalen Film nicht. Dennoch lohnt ein Ausflug, auch weil am Ende der Bucht die Nestor-Höhle, ein weiterer prägnanter Drehort, liegt.
Hinweise: Schatten, Sanitäranlagen und Kioske gibt es am Voidokilia Beach nicht, Parkmöglichkeiten sind vor allem in den Sommermonaten rar. Auf dem Weg zum Schutzgebiet gibt es mehrere Imbisse und kleine Outdoor-Restaurants mit Einkehrmöglichkeiten. Am besten besucht man die Bucht per Rad, E-Bike oder Taxi. Achtung: Nach Sonnenuntergang ist die Lagunengegend reich an Mücken.
Aufstieg zur Nestor-Höhle

Direkt am südlichen Ende des Voidokilia Beach gelegen, findet sich der Schauplatz einer der wohl markantesten „Odyssee“-Szenen: Hier, in einer 20 Meter hohen, finsteren Felsenhöhle oberhalb der Klippen, haust der gigantische Zyklop Polyphem mit seiner Schafsherde. In Nolans Adaption sieht man Odysseus (Matt Damon) und seine Männer den dicht bewachsenen Pfad hinaufwandern. Auch in der Höhle selbst entstanden gleich mehrere Aufnahmen der schaurigen Begegnung. Besonders beeindruckend: Nicht nur Crew und Cast bewältigten den Aufstieg, auch die bis zu 150 Kilogramm schweren IMAX-Kameras sowie eine rund 18 Meter hohe Animatronic-Marionette des Polyphem wurden per Hand den steilen Felshang hinauf transportiert.
Im heutigen Griechenland trägt die markante Felsenhöhle den Namen Nestors Cave und nimmt somit ebenfalls Bezug auf die griechische Mythologie und Homers Odyssee. Der zugehörige, nach dem lyrischen König benannte Tempel des Nestors liegt wenige Kilometer Luftlinie entfernt.
Hinweis: Der Pfad hinauf zur Höhle ist nicht offiziell ausgeschildert, unwegsam und mitunter so steil, dass einzelne Passagen Kletterfähigkeiten erfordern. Für Kinder, ungeübte Wanderer und ältere Personen ist der Aufstieg daher nicht empfehlenswert. Auch sollte er nicht allein bewältigt werden und erfordert festes Schuhwerk. Alternativ kann man den Höhleneingang auch vom Strand einsehen oder das gegenüberliegende Grabmal des Thrasymedes, Sohn des Nestors, besuchen. Auch von hier aus ergibt sich ein großartiger Blick über die Bucht.
Palast des Nestor

Obwohl die erste Station von Telemachos’ Reise im Film nicht dargestellt wird, ist der Palast des Nestor ein wichtiger Schauplatz aus Homers Odyssee. Im Epos wird Odysseus’ Sohn von König Nestor herzlich in dessen Palast empfangen, bevor dieser ihn weiter nach Sparta zu König Menelaos schickt. Trotz aller Mythologie gibt es Hinweise, dass sich Homer bei seiner Beschreibung des Palastes eines realen Vorbilds bediente.
Gesicherte Belege gibt es dafür nicht, besondere Beachtung finden jedoch die Ausgrabungen eines antiken Palastes bei Chora. Die Anlage, die einst im Zentrum einer mykenischen Siedlung lag, wird von der Wissenschaft auf das 13. Jahrhundert v. Chr. datiert. Umso beeindruckender ist die Tatsache, dass Details wie eine Badewanne, Öl- und Weinfässer, Säulen, Treppen und Malereien bis heute erhalten geblieben sind. Sämtliche bedeutenden Funde der Stätte sollen künftig im derzeit entstehenden Archäologischen Museum von Chora ausgestellt werden.
Burg von Methoni

Nur für wenige Augenblicke ist ihre Silhouette im Film zu sehen, dennoch zählt die Burg von Methoni zu den mit Abstand markantesten „Odyssee“-Drehorten. Regisseur Christopher Nolan wählte den Weg zum prägnanten Wehrturm, der über der Einfahrt zur Bucht thront, als Kulisse. Im Film stellt die Festung die Residenz des Königs Menelaos (Jon Bernthal), Bruder des Agamemnon (Benny Safdie) und Ehemann der Helena (Lupita Nyong'o), dar. Zu sehen ist unter anderem, wie Telemachos (Tom Holland) gemeinsam mit seinem Begleiter Mentor (Ryan Hurst) den Weg zur Festung beschreitet, um Menelaos nach dem Verbleib seines Vaters Odysseus zu fragen.
Auch wenn die Burganlage von Methoni als Verteidigungsanlage gegen die Osmanen erst im 13. Jahrhundert von den Venezianern erbaut wurde und somit nicht auf antike Zeiten zurückgeht, ist ihre Präsenz bis heute beeindruckend. Die massiven Burgmauern sind in weiten Teilen erhalten, auch eine Kirche, Gräber und weitere Zeugnisse der Vergangenheit können Besucher entdecken. Mehrere QR-Codes auf dem Gelände führen zum Audioguide von Hellenic Heritage, hinzu kommen mehrere ausführliche Informationstafeln, die durch die bewegte Geschichte der Burg führen.
Tipp: Regelmäßig steuern Ausflugsboote ab Methoni die unbewohnte Sapientza Kalamatas unmittelbar vor der südlichen Küste an. Ein Abstecher lohnt: Die naturbelassene Bucht lockt mit kristallklarem Wasser und viel Platz. Unbedingt Schattenspender, Sonnenschutz, ausreichend Wasser und Proviant mitnehmen!

Open-Air-Kino im Danaos Cinema
An der künstlichen Bucht und der am Abend gut gefüllten Flaniermeile Navarino Agora finden Urlauber Restaurants, Geschäfte und das Open-Air-Kino Danaos. Den ganzen Sommer lang werden unter freiem Himmel Hollywood-Blockbuster, Kinderfilme und natürlich auch Nolans „Die Odyssee“ gezeigt – üblicherweise als Originalversion mit griechischen Untertiteln. Tickets sind ab zehn Euro erhältlich und können zuvor online gebucht werden.
Philosophie-Spaziergang „Echoes of Odyssey“
„Zeus’ Law“ oder auf Deutsch „das Gesetz des Zeus“ findet im Film fortlaufende Erwähnung und bildet den Grundpfeiler sämtlichen Handelns. Doch was hat es mit diesem Ausspruch auf sich? Gemeinsam mit einem Professor für altgriechische Literatur widmen sich Teilnehmer auf diesem Spaziergang durch die messenische Landschaft der Philosophie und den Gesetzen der griechischen Mythologie.

Spa-Behandlung „Odyssean Journey“
Gesundheit, Pflege und Wohlbefinden finden mit bedeutenden Vertretern wie Hippokrates ihren Ursprung in der Antike. Unter dem Motto „The Messinian Healing“ widmet man sich im Anazoe Spa den Traditionen und Heilmitteln der Region. Drei neue „Odyssee“-Behandlungen sind Teil des Wellness-Programms und machen sich die Wirkungen von Olivenöl, Kräutern oder Meersalz zunutze.
Nestors Festmahl
Die Gastfreundschaft ist eines der zentralen Motive in Homers „Odyssee“ und wird in Griechenland bis heute zelebriert. In Anlehnung an König Nestor, Herrscher von Pylos, der – ebenso wie Odysseus – für seine Großzügigkeit gegenüber Fremden bekannt war, veranstaltet das Hotel W Costa Navarino ein siebengängiges Festmahl. Küchenchef Nikos Billis wählte dafür ausschließlich Zutaten, die zu Zeiten Homers in Griechenland verfügbar waren.