Die 9 besten Restaurants in Brüssel

Brüssel isst sich quer durch alle Register: von der Frittenbude mit Familientradition bis zum gehobenen Fine Dining überzeugt die belgische Hauptstadt und das politische Zentrum Europas mit einer vielfältigen Auswahl an Köstlichkeiten.
Auch das Setting könnte unterschiedlicher nicht sein: Edle Jugendstil-Passagen, Wein-Bistros mit Lagerhallen-Charme und moderne Tapas-Bars in brutalistischen Betonbauten freuen sich über internationalen Besuch. Merian-Food-Guide Olaf Deharde hat sich für uns durch Brüssel gekostet und seine besten Restaurants und Food-Spots zusammengetragen.
Bozar Restaurant

Der erste, etwas steife Eindruck täuscht. Denn ganz schnell geschieht dies: Der erste Hummer-Snack mit Kaviar, ein Lächeln vom Service, ein Witz, noch einer, und plötzlich schreibt man auf demselben Blatt Papier. Zu Hummer, Guanciale und Estragonöl kam ein Rosé Nebbiolo aus dem Piemont. Dann ein Pinot noir, Burgund, 18 Grad. Die Sommelière des Bozar hat spätestens jetzt das Herz des Gastes im Sturm erobert. Dazu: Steinbutt, Miesmuscheln, Meeresalgensauce. So gut, dass man den Pinot auf 16 Grad herunterwünscht, aber das ist wirklich Jammern auf privatem Niveau. Mit dem Kalb kommt der Moment, in dem jede Etikette egal ist und man die sorgsam gestapelten Zutaten einfach zusammenmischt und mit der Sauce zu einem einzigen Glückszustand verrührt. Küchenchef Karen Torosyan beobachtet das aus der Küche und nickt mit einem stillen Lächeln: „Genau so, mein Freund.“
Humus x Hortense

Nicolas Decloedt steht am Tresen des Humus x Hortense, das Koch-Team dahinter. Er schmeckt ab, bespricht den nächsten Gang mit dem Service, ist überall gleichzeitig. Seine Passion sind die Misos, die im Lager reifen. Aus überschüssigem Getreide, Hülsenfrüchten und Nüssen der Lieferanten entstehen Umami-Bomben, die die Gerichte noch runder machen, als sie ohnehin schon sind. Nicolas Decloedt und Caroline Baerten arbeiten mit einem engen Kreis von Landwirten, servieren Naturweine und halten ihr Team mit einer Viertagewoche kreativ und bei Verstand. Die alkoholfreie Getränkebegleitung hat sich mittlerweile rumgesprochen und ohne Brustgetrommel wird hier auf fabelhaftem Niveau rein pflanzenbasiertes Essen zubereitet.
Taverne du Passage

Die Galeries Royales Saint-Hubert wurden 1847 eröffnet, damals waren sie die längsten (200 Meter), höchsten und bestbeleuchteten überdachten Passagen der Welt und somit Brüssels elegante Antwort auf das häufig schlechte Wetter. Charles Baudelaire, Victor Hugo, Alexandre Dumas und Paul Verlaine trafen sich hier im Café de la Renaissance, dem heutigen Standort der Taverne du Passage. Die Schriftsteller und Dichter sind weg, der Art-déco-Rahmen aber ist geblieben. Auf der Karte stehen Klassiker wie Garnelenkroketten, Vol-au-Vent oder Steak-Tatar. Frankreich trifft Belgien, wie es sich in diesem Haus seit fast hundert Jahren gehört. Zentraler geht es in Brüssel nicht, und das ist gut für ein Candle-Light-Dinner, für ein Geschäftsessen oder sogar ganz alleine.
Friture René

Die Ecke ist nicht die schönste, aber einmal drinnen will man sofort und gern sitzen bleiben. Karierte Tischdecken, altes Holzwerk, eine Speisekarte im Zeitungsformat und das Gefühl, dass hier seit 1932 nichts Wesentliches passiert ist – was als Kompliment gemeint ist. Die Familie Piolon führt das Friture René seit 1987: Dirk in der Küche, Dorine im Gastraum, später kommt Sohn Nicolas dazu. Ankommen in Brüssel heißt hier: ein großer, dampfender Topf Miesmuscheln, belgische Fritten, ein kühles Bier. Ob Lunch, ob Dinner, hier geht immer was und eine Reservierung ist daher dringend zu empfehlen. Dirk ist mittlerweile siebzig, seine Nachfolge ungewiss. Wer also wissen will, wie Brüssel schmeckt, wenn es mühelos alles richtig macht: jetzt hingehen.
In’t Spinnekopke

Seit 1762 wird im In’t Spinnekopke gekocht. Auch heute noch flämische Spezialitäten, die inzwischen rar geworden sind. 2022 hat eine neue Crew übernommen, alles aufgefrischt, aber den alten Charme behalten und die urigen Rezepte neu belebt. Etwa Schweinebacke mit Stampf oderStierhoden,n gekocht in Lambic-Bier, genannt Choesels. Letzteres war einst eine Delikatesse und wurde donnerstags gegessen, nach dem Schlachttag. Der Name kommt vermutlich von „petites choses“, kleine Dinge, weil niemand „Eier“ sagen wollte. Der Rinderwahnsinn in den Achtzigern bereitete dem ein abruptes Ende. Damals verschwand das Gericht von den Karten. Küchenchef Thomas fand das eine Schande und bietet Choesels einfach wieder an, dazu hausgemachte Kroketten. Der richtige Ort dafür: gemütlich, unaufgeregt, belgisch bis auf die Knochen.
Noordzee – Mer du Nord

Schon vor Jahrzehnten jobbte Wouter hier, und als der damalige Besitzer verkaufen wollte, griff er zu. Aus einem kleinen Fischladen schufen er und seine Frau Véronique ein Haus mit einem Frischfischtresen, der seinesgleichen sucht. Heute führen die zwei Kinder das Noordzee, und die Eltern helfen zweimal die Woche mit. An dem langen Edelstahltresen stehen Einheimische und Touristen nebeneinander, ein Glas Weißwein in der einen Hand, Meeresfrüchte in der anderen. Was es gibt, steht auf der Tafel, je nach Tagesfang, frittiert oder gegrillt. Immer dabei: Tartarsauce und Zitrone. Die Krabbenkroketten sind Pflicht, die Fischsuppe à la Mutti mit geriebenem Käse und Croûtons auch, und wer noch nie belgische Seeschnecken in aromatischer Brühe hatte, holt das hier bitte ganz flott nach.
Kline Brussels

Das Gebäude des Gästehauses Teddy Picker im Dansaert-Viertel wurde vor einigen Jahren im brutalistischen Stil renoviert, das Kline Brussel im Erdgeschoss setzt das konsequent fort: Betonböden, Betonwände, klare Linien, dezentes Licht. Das Konzept (Teller zum Teilen) sitzt, die Atmosphäre auch. Die Zutaten sind frisch, die Rezepte durchdacht, das Teilen macht Spaß. Die kleine Karte dreht sich vor allem um Gemüse und vergessene Zutaten in ihrer ursprünglichsten Form, aber Fleisch und Fisch spielen auch mit. Zu den Brüsseler Wildpilzen mit Mole und Salsa verde ist das Sauerteigbrot keine Option, sondern Pflicht. Also bestellen und Saucen aufsaugen. Auch das Rote-Bete-Chutney macht übrigens süchtig. Und die Weinkarte – von Tschechien bis Frankreich – ist funky.
Nightshop

Weinkartons stapeln sich an Industrieregalen, die Beleuchtung ist so gedimmt, dass man sich fragt, ob überhaupt Licht an ist. Vorne im Nightshop thront ein langer Betontresen, der auf der einen Seite Teil der Küche ist und auf der anderen Seite Sitzplatz für die Gäste. Jocasta Allwood empfängt, berät, schenkt ein, die handverlesene Weinkarte ist das Herzstück des Lokals. Und das Essen hält Schritt: Tian provençal, geschichtetes Sommergemüse, Crudo von der Meeräsche mit hauchdünnem Kohlrabi und Bronzefenchel oder gegrillte Lammkeule mit Artischockencreme. Alles gut, manches besser als gut. Aber das ist nicht der Grund, warum man wiederkommt. Es ist die Seele des Ladens, die Art, wie alles ineinandergreift.
Wolf Foodmarket

Der Wolf Foodmarket steckt in einem ehemaligen Bankgebäude, hoch, weitläufig und mit einem Glasdach getoppt, das die ganze Halle in ein diffuses Licht taucht. Mittendrin ein langer Bartresen, frisches Bier aus der hauseigenen Mikrobrauerei. Gerade mal 31 Meter liegen zwischen Zapfhahn und Braukessel. Drumherum drapieren sich Essensstände: indische Currys, mexikanische Tacos, syrisches Brot frisch aus dem Ofen, Ramen, Burger, Pizza, Wagyu-Steak. Ein perfekter Ort für alle, die sich nicht auf ein Restaurant einigen können. Im Sommer erweitert sich das Ganze nach draußen. Funktioniert super und gibt es inzwischen auch in Antwerpen.