Naumburger Dom © Peter Hirth
Sehenswürdigkeiten

Naumburgs Dom und die schöne Uta

Der Naumburger Dom gilt als Wunderwerk. Vor allem die Stifterfiguren faszinieren. Wie die „schönste Frau des Mittelalters“ namens Uta. Ihr Schöpfer ist namenlos, aber einer der größten Künstler der Geschichte. Seit 2018 zählt der Dom zum Weltkulturerbe der UNESCO – gerade auch wegen der Uta.

Weltrang: Der Dom St. Peter und Paul und seine Stifterfiguren

Schon von Weitem erblickt man die vier Türme des Naumburger Doms, die in der hügeligen Landschaft zwischen den Flüssen Saale und Unstrut in Sachsen-Anhalt herausstechen. Der Dom ist eines der bedeutendsten Kulturdenkmäler des Hochmittelalters: Weltweit einzigartig sind seine Architektur und die Bildhauerkunst.

Rund 100 Meter lang ist der Naumburger Dom. Rund 100 Jahre dauerte sein Bau im 13. und 14. Jahrhundert. Das erklärt die verschiedenen Baustile, von spätromanisch bis hochgotisch. Berühmt ist die Kirche für ihre zwölf Stifterfiguren aus Sandstein. Besonders eine: die Plastik der Uta von Ballenstedt, Frau von Markgraf Ekkehard II.

Naumburg, Domplatz 16
www.naumburger-dom.de

Was Disney an Uta fand

Der Schriftsteller Umberto Eco („Der Name der Rose“) bezeichnete diese Uta als die „schönste Frau des Mittelalters“. Viel ist über ihren Ausdruck gerätselt worden: stolz, streng, aber auch geheimnisvoll, jedenfalls schön. Aus einem Block Muschelkalk legte der Künstler das Wesen einer jungen Frau frei. Und das im Hochmittelalter, als die meisten Darstellungen von Menschen eher schematisch und ausdruckslos waren. Dieser Realismus sei, so die Formulierung der UNESCO, „historisch einmalig“.

Insiderwissen: Uta von Naumburg war das Vorbild für Walt Disneys böse Königin in „Schneewittchen und die 7 Zwerge“ – ihr strenger Ausdruck, aber auch Krone und Umhang.

Der unbekannte „Naumburger Meister“

Der Namen des Schöpfers der Uta ist nicht überliefert. Man weiß, dass er mit seiner Bauhütte in der Mitte des 13. Jahrhunderts, inspiriert durch die französische Gotik, nach Naumburg kam und hier in nur sechs Jahren sein Hauptwerk errichtete.

Den Weg des Naumburger Meisters von Frankreich bis Deutschland zeigt eine Dauerausstellung im Dom-Areal. Sie eröffnet Einblicke in die Arbeit des Bildhauers, der zugleich Architekt war. Zu bewundern sind wertvolle Originale, kunstvoll gefertigte Duplikate des Bamberger Reiters oder des Mainzer Westlettners, Kirchenmodelle und Handschriften.

Mehr Sehenswürdigkeiten im Dom

Auch die anderen Arbeiten des Naumburger Meisters sind großartig, etwa die weiteren Stifterfiguren, zwölf insgesamt, und eine Christuspassion. Weitere Sehenswürdigkeiten:

- zwei erhaltene hochmittelalterliche Lettner in einer Kirche: das ist einzigartig auf der Welt

- das Domschatzgewölbe mit gut 30 Kunstwerken des Mittelalters und der Renaissance, darunter ein von Lucas Cranach geschaffener Altarflügel

- drei Glasfenster mit Motiven aus dem Leben der heiligen Elisabeth von Thüringen, die der Leipziger Maler Neo Rauch 2007 entwarf und dem Dom stiftete

Insiderwissen: Auf einem Kapitell an der Nordseite des Ostchores spielen zwei Affen Schach. Warum, ist unklar.

Kunst und Natur rund um den Dom

Wunderschön und ruhig ist das fast ein Hektar große Gartenensemble rund um den Dom. Zwischen mittelalterlichen Mauern und Bastionen finden sich malerische Teiche sowie die Gärten der ehemaligen Domherrenhäuser. Auch Wein und Kunst finden hier zusammen: Einige Kapitelle des Naumburger Meisters erzählen viel über die Bedeutung des Weins in der Saale-Unstrut-Region. Eine Führung mit dem Titel „Vom Weinkapitell zum Weingenuss“ erzählt mehr darüber. Am Ende steht eine Verkostung.

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