Stätten der Ruhe: 7 sehenswerte Friedhöfe in Deutschland

Deutschlands Friedhöfe sind nicht nur Orte der Trauer, sondern mit ihren weitläufigen Grünflächen und verzweigten Wegen auch beliebte Erholungsgebiete. Inmitten des Großstadtrubels bilden die friedlichen Ruhestätten viel Raum für Momente des Innehaltens und die passende Umgebung für ausgiebige Spaziergänge.
Unterwegs gibt es viel zu entdecken: Manche Friedhofsanlagen gleichen herrschaftlichen Parks, andere sind kaum größer als ein Fußballfeld. Wir stellen sieben besondere Friedhöfe in ganz Deutschland vor, die zugleich einen Besuch an den Grabstätten berühmter Persönlichkeiten erlauben.
Ohlsdorfer Friedhof, Hamburg

Der größte Parkfriedhof der Welt ist zugleich Hamburgs größte Grünanlage. Eingeweiht wurde er 1877, gerade erst hatte eine Choleraepidemie die Hansestadt heimgesucht. Das, was auf ehemaligem Bauernland am Rande der Stadt nach dem Vorbild englischer Landschaftsgärten entstand, war von Beginn an viel mehr als nur ein Friedhof. Die Anlage im heutigen Stadtteil Ohlsdorf wurde zu einer Art Naherholungsgebiet und ist es bis in die Gegenwart geblieben.
Der Ohlsdorfer Friedhof lässt sich zu Fuß, besser aber noch mit dem Fahrrad erkunden. Das Gelände misst erstaunliche 389 Hektar, sein Straßennetz ist 17 Kilometer lang. Wer also die Gräber von Loki und Helmut Schmidt, Hans Albers, Heinz Erhard, Uwe Seeler, Roger Cicero, Roger Willemsen oder Jan Vedder besuchen möchte, um nur einige zu nennen, braucht Zeit und einen guten Plan.
Neben den mehr als 200.000 Gräbern gibt es viele Sonderanlagen: Es gibt den Althamburgischen Gedächtnisfriedhof für verdiente Hansestädter, einen weiteren für Revolutionsgefallene von 1918 bis 1920. Ein Areal bleibt Widerstandskämpfern vorbehalten, ein anderes den Toten des Hamburger Feuersturms von 1943. Und auch für die Opfer der Sturmflut von 1962 gibt es eine Ehrenanlage. Ein Tipp für alle Fußgänger: Die Busse der Linien 170 und 270, die im Halbstundentakt zwischen den Eingängen pendeln, halten an zentralen Punkten auf dem Friedhof.
Jüdischer Friedhof Weißensee, Berlin

Mit rund 116.000 Grabstellen ist der Jüdische Friedhof in Berlin-Weißensee der größte bestehende seiner Art in Europa (der älteste ist der in Worms). Eröffnet wurde er 1880, nachdem die Mitgliederzahl der Jüdischen Gemeinde zu Berlin nach der Reichsgründung stark angestiegen war.
Im Zweiten Weltkrieg wurden etliche Gräber zerstört oder beschädigt, der Friedhof in Weißensee überstand die NS-Zeit ansonsten jedoch weitgehend unbeschadet und wurde nicht, wie so viele andere, von den Nationalsozialisten geschändet. Ein Buch, das bei der Friedhofsverwaltung vor Ort erworben werden kann, erlaubt einen „Rundgang zu ausgewählten Grabstätten“. Er beginnt im Eingangsbereich beim Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus.
Außerdem werden knapp 80 Grabstätten von prominenten Berlinern beschrieben, auf die meisten würde man zwischen den historischen Alleen wohl kaum zufällig stoßen. Die Gründer vertrauter Berliner Einrichtungen wie Kempinski und KaDeWe fanden hier ebenso ihre letzte Ruhestätte wie Herbert Baum, der einer Gruppe von jungen Widerstandskämpfern den Namen gab. Die Grabsteine werden bis zum heutigen Tage durchnummeriert, die „1“ trägt der Grabstein von Louis Grünbaum, ein Handwerker, der sonst sicher längst vergessen wäre.
Hinweis: Männliche Besucher sind gebeten, eine Kopfbedeckung zu tragen. Am Eingang liegen schwarze Kippas aus.
Melaten-Friedhof, Köln

Kölns berühmtester Friedhof ist knapp 44 Hektar oder rund 60 Fußballfelder groß. Er wurde 1810 außerhalb der Stadt angelegt, so wollten es die Franzosen unter Napoleon. Im Mittelalter gab es dort, an der Straße nach Aachen, bereits ein Heim für Leprakranke und eine Hinrichtungsstätte. Gestaltet wurde der Melaten-Friedhof von Ferdinand Franz Wallraf, der dabei den Pariser Friedhof Père Lachaise vor Augen hatte und zugleich eine Grünanlage schaffen wollte. Das ist ihm gelungen.
Nahe der „Millionenallee“, wie die Ost-West-Achse im Volksmund genannt wird, liegen die teuersten Gräber, aber auch einige schlichte, etwa das der Familie Millowitsch oder das von Guido Westerwelle. Eher in zweiter Reihe befindet sich das Grab des Schauspielers, Komikers und Moderators Dirk Bach, vielbesucht und besonders bunt. Pink sieht man auf einem Friedhof schließlich auch nicht alle Tage.
Am häufigsten fotografiert wird vermutlich eine Skulptur: der Sensenmann, der das Grab eines 1902 gestorbenen wohlhabenden Kaufmanns ziert. Auch dieses Grab wird, wie viele andere, von einem Paten gepflegt, der dadurch das Recht erwirbt, auf Melaten kostenlos bestattet zu werden.
Friedhof Bogenhausen, München

So etwas nennt man eine 1A-Lage: Keine 300 Meter von der Isar entfernt, am nördlichen Ende der Maximiliansanlagen, umgibt eine gut zwei Meter hohe, von Efeu bewachsene Mauer den kleinen Friedhof in München-Bogenhausen. Rings um die barocke Pfarrkirche St. Georg, die jedem bayerischen Dorf zur Ehre gereichen würde, liegen lauter gepflegte Gräber, viele mit schmiedeeisernen Kreuzen.
Es gibt keine Mausoleen, keinen Pomp, aber ganz viel Prominenz. Denn die rund 250 Grabplätze sind Verstorbenen vorbehalten, die mindestens 30 Jahre in nahen Stadtvierteln gewohnt oder aber sich besondere Verdienste um die Landeshauptstadt München und deren Kultur erworben haben.
Letztere werden von der Stadt bestimmt, eine Ehre, die unter anderem den Schriftstellern Erich Kästner und Oskar Maria Graf, den Filmemachern Rainer Werner Fassbinder und Bernd Eichinger und dem ehemaligen Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel zuteilwurde. Wobei einem Gärtner, den man zufällig bei der Pflege eines Grabes trifft, zuerst Liesl Karlstadt in den Sinn kommt, die Schauspielerin an der Seite des legendären Komikers Karl Valentin.
Dorotheenstädtischer Friedhof, Berlin

Der bekannte Dorotheenstädtische Friedhof ist ein Friedhof der kurzen Wege. Es gibt nur rund 2.400 Gräber, knapp 50 davon sind „Ehrengräber“ des Landes Berlin. Vom großstädtischen Leben umtost, ruhen hier unter anderem die Philosophen Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Johann Gottlieb Fichte und Herbert Marcuse, die Schriftsteller Heinrich Mann, Arnold Zweig und Anna Seghers, der Regisseur Heiner Müller, der Baumeister Karl Friedrich Schinkel und der ehemalige Bundespräsident Johannes Rau.
Zwischen dem Grab des Unternehmers August Borsig und dem des Dramatikers Bertolt Brecht liegen nur wenige Meter und doch Welten, was die Gestaltung betrifft. Vor dem eher schlichten Grab von Brecht versammelt sich auch internationales Publikum. Ähnlich viel Anziehungskraft hat wohl nur noch Hegel.
Extra-Tipp: Ansonsten führt, wenn es um Grabstätten deutscher Geistesgrößen geht, kaum ein Weg am Historischen Friedhof Weimar vorbei, drei Autostunden von Berlin entfernt. Dort ruhen die „Dichterfürsten“ Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller.
Südfriedhof, Leipzig

Auch der Leipziger Südfriedhof zählt mit seiner 72 Hektar großen Parkanlage zu den eindrucksvollsten des Landes und steht ganzheitlich unter Denkmalschutz. Besonders markant ist die weitläufige, neoromanische Kapellenanlage, die 1910 erbaut wurde und mit dem 63 Meter hohen Glockenturm als größtes Friedhofsgebäude des Landes gilt.
Viele berühmte Persönlichkeiten der Stadt haben hier, ganz in der Nähe des Völkerschlachtdenkmals, ihre letzte Ruhestätte gefunden. So liegen etwa die Pianistin Elfrun Gabriel, der Künstler Wolfgang Mattheuer und der Verleger Fritz Baedeker hier begraben. Besonders im Frühling ist ein Ausflug zum Südfriedhof sehenswert: Dann blühen entlang der Wege rund 10.000 verschiedene Rhododendronbüsche. Auch japanische Kirschbäume und Mahonien zeigen dann ihre hübschen Blüten.
Johannisfriedhof, Nürnberg

Keine endlose Parkanlage und doch ein sehenswerter Ort: Der Johannisfriedhof in Nürnberg zählt zu den wichtigsten historischen Friedhöfen Europas. Das liegt zum einen an seinem Alter; seit dem 13. Jahrhundert finden Stadtbewohner hier ihre letzte Ruhe. Zum anderen auch an seiner Lage vor den einstigen Stadtmauern. Als einer der ersten Friedhöfe plante man diese Anlage wegen möglicher gesundheitlicher Gefahren und aus hygienischen Gründen außerhalb der Wohngebiete im Zentrum. Heute ist der Johannisfriedhof nicht nur wegen seiner in Reih und Glied angelegten, alten Gräber aus Sandstein, sondern auch wegen seiner vielen Rosen bekannt, die rund um die Spazierwege ranken. Unter den rund 6.500 Ruhestätten finden sich prominente Namen wie Albrecht Dürer (Grab Nr. 649), der Bildschnitzer Veit Stoß und der Humanist Willibald Pirckheimer.
st-johannisfriedhof-nuernberg.de
– Wolfgang Stelljes/dpa/mkr


