Kanada Goldsuche am Klondike

Wer träumt nicht davon: Gold finden. In Yukon, im äußersten Nordwesten Kanadas, kann man mit viel Glück bis heute im Fluss Klondike einige Goldnuggets waschen - und behalten. 

Knöcheltief steht David Millar in dem trüben Wasser des Hunker Creek im kanadischen Yukon – zum Goldschürfen. Die Jeans steckt in hohen Gummistiefeln, die Ärmel seines Holzfällerhemdes sind aufgekrempelt. Sein Oberkörper ist weit nach vorne gebeugt, sein Blick auf die flache silberne Schüssel gerichtet, die er in gleichmäßigen Bewegungen knapp über der Wasseroberfläche kreisen lässt. "Achtet auf die großen Steine", ruft er seinen Zuschauern zu, die neben ihm im Wasser stehen und versuchen, jede von Millars Bewegungen peinlich genau nachzumachen. "Die dicken Brocken müssen raus!" Auf den Flüssen im Yukon, der nordwestlichsten Provinz Kanadas, ist das Eis gebrochen. Sobald der lange Winter vorbei ist, beginnt sie, die Suche nach Gold - jedes Jahr aufs Neue.

1896, vor 116 Jahren, entdeckte George Washington Carmack einen daumengroßen Nugget an einem Seitenarm des Klondike-Flusses. Was folgte, gilt bis heute als eine der größten Goldräusche der Geschichte: Rund 100.000 Glücksritter machten sich Ende des 19. Jahrhunderts auf den Weg in den menschenleeren Norden. Manche wurden innerhalb weniger Tage von armen Schluckern zu den "Königen des Klondike", wie diese Menschen plötzlich ehrfürchtig genannt wurden. Das Schiff, das im Juli 1897 die ersten Abenteurer zurück in die Zivilisation brachte, hatte mehr als zwei Tonnen des Edelmetalls an Bord. "GOLD! GOLD! GOLD! GOLD! 68 Rich Men on the Steamer Portland" titelte damals der "Seattle Post-Intelligencer" in einer Extra-Ausgabe. Ein Kapitel in der Geschichte des Yukon hatte begonnen, das bis heute fortgeschrieben wird.

Für einen Tag Goldsucher im Yukon - für immer Millionär?

Die Arbeit in der Hocke, in der sengenden Sonne, umgeben von Mücken ist anstrengend.
"Der Klondike-Goldrausch als größter Goldrausch der Weltgeschichte ist eine unglaublich faszinierende Story", sagt Robin Anderson vom Yukon-Tourismusverband. Und so gibt es gerade in und um die während des Goldrausches entstandene Stadt Dawson einige Möglichkeiten, auch heute noch für einen Tag zum Goldsucher zu werden – und vielleicht sogar zum neuen "König des Klondike".

"Was ihr hier findet, dürft ihr behalten", ruft David Millar seinen Gästen aufmunternd zu. Millar betreibt "Gold Bottom Tours", ein Unternehmen, das hoffnungsvolle Touristen zu den Stätten des Goldrausches führt. Für einige Stunden werden sie in das Leben am Klondike Ende des 19. Jahrhunderts zurückversetzt. Mit all seinen unwahrscheinlichen, aber doch möglichen Erfolgen, aber auch mit all der schweißtreibenden Arbeit, die in jedem gefundenen Gramm Gold steckte - und bis heute steckt. "Viele Leute haben sehr romantische Vorstellungen vom Goldwaschen", sagt Millar. "Aber wenn du dann selber in der Hitze und von Mücken geplagt am Fluss stehst, stundenlang suchst und nur wertlose Steine findest, dann verliert es ganz schnell an Glanz." Wie zum Beweis ruft er seinen Tourgästen zu, die untätig im Wasser warten: "Ihr müsst eure Pfannen schon alleine füllen! Ich mache das nicht für euch." 

Dass in der Region in Kanada immer noch ausreichend Gold vorhanden ist, zeigen die Zahlen des Yukon-Ministeriums für Energie, Bergbau und Ressourcen: "Der Goldabbau ist ein bedeutender Pfeiler der regionalen Wirtschaft", sagt Sprecher Dan Macdonald. "Pro Jahr werden etwa 45.000 bis 60.000 Unzen (1,35 bis 1,8 Tonnen) Gold gefördert." 2011 wurde an 140 Orten in der Provinz nach dem Edelmetall gesucht. Meist sind es kleine Familienbetriebe mit drei oder vier Mitarbeitern. Insgesamt gibt es heute rund 450 hauptberufliche Goldsucher im Yukon. Deren Ertrag 2011: Gold im Wert von 58,5 Millionen Dollar. Nach Ministeriumsangaben sind seit Beginn des Klondike-Goldrausches im Jahr 1896 etwa 20 Millionen Unzen (600 Tonnen) Gold entdeckt worden. Der Gesamtwert würde nach gegenwärtigen Preisen 30 Milliarden Dollar betragen.

Kanada schon heute entdecken – hier klicken und sofort mit der Reiseplanung beginnen

Fast alle Areale sind professionell abgesteckt

Allerdings sind dem Goldfieber heute klare Grenzen gesetzt: "Man kann nicht einfach mit Schaufel und Pfanne in den Yukon kommen und anfangen zu suchen", sagt Tourismus-Experte Robin Anderson. Tatsächlich gebe es noch einige wenige, kaum zu erreichende Flecken Erde, auf denen noch kein Claim (Areal, in dem nach Gold gesucht wird) abgesteckt ist. Doch die meisten Abbaugebiete seien vergeben und unter den professionellen Unternehmen verteilt. "Sobald ein Areal abgesteckt und formell zugeteilt wurde, ist es für jeden anderen illegal, dort nach Gold zu suchen", so Anderson.

Das scheint die meisten Touristen jedoch nicht abzuschrecken. Der Ansturm auf die wenigen, freigegebenen Orte zum Goldwaschen ist seit Jahren ungebremst.
So bleiben organisierte Touren zu den Goldfeldern des Klondike für Yukon-Besucher die sicherste Variante. Neben "Gold Bottom Tours", die an 69 Stellen entlang des Goldbottom- und des Hunker Creeks suchen dürfen, besitzt auch der "Klondike Tourismusverband" in Dawson einen Claim am berühmten Bonanza Creek, an dem Touristen ihr Glück versuchen können – Schaufel und Pfanne müssen hier allerdings selbst mitgebracht werden. "In den vergangenen Jahren hat es immer mal wieder ein paar Glückliche gegeben, die kleinere Nuggets mit nach Hause nehmen konnten", sagt Anderson.

David Millar hat sich inzwischen die Pfanne eines Teilnehmers genommen und einige Male professionell hin- und hergeschwenkt. Jetzt hält er ihm das Ergebnis unter die Nase. "Siehst du's?", fragt er herausfordernd. "Nein", sagt der ältere Herr, den ein Stopp auf seiner Silberhochzeitsreise in den Yukon führte. "Dann guck genauer hin!", erwidert Millar und zeigt lachend mit dem Finger auf zwei winzige glänzende Körner am Pfannenboden. "Oh, da ist es ja", ruft der Tourist voller Erstaunen. Millar schwenkt noch einmal die Pfanne und lässt das Wasser in ihr über die Goldkörner fließen. "Wenn du mit dem Wasser drüber wäschst und es sich nicht bewegt", sagt Millar, "dann weißt du, du hast Gold gefunden."

INFOS:
Klondike Besucherzentrum: www.dawsoncity.ca
Informationen über den Goldabbau in der Region (nur auf Englisch): miningyukon.com

undefined

Schlagworte:
Autor:
Indra Kley und Thomas Schöneich