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Turbulenzen im Flugzeug: 5 hilfreiche Tipps

Das Flugzeug wackelt und sackt ab: Turbulenzen sind für die meisten Fluggäste ziemlich unangenehm. Merian gibt hilfreiche Tipps für turbulente Augenblicke im Flugzeug.

Datum 10.02.2024

Wer viel fliegt, hat bestimmt schon mal eine Turbulenz erlebt. In Zukunft könnte es diese häufiger geben - und zwar als Folge des Klimawandels. Davon gehen Forscher:innen der britischen Universität Reading laut einer Studie aus.

Oft bleibt es bei einem Rütteln oder leichten Absacken, doch in seltenen Fällen werden Fluggäste und Crewpersonal in Folge schwerer Turbulenzen verletzt. Besonders tückisch sind dabei sogenannte Klarluftturbulenzen: Weil sie für die Pilotinnen und Piloten - und damit auch für alle anderen Leute im Flugzeug - oft ohne Vorwarnung kommen.

Über dem Nordatlantik zum Beispiel nahmen sie laut der Studie in den vergangenen vier Jahrzehnten zu. Gab es dort im Jahr 1979 noch rund 467 Stunden Klarluftturbulenzen, waren es 2020 rund 547 Stunden. Ähnliche Zunahmen seien etwa auch über den USA zu verzeichnen.

Was genau sind Turbulenzen?

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Die Sicherheitsanweisungen erklären Fluggästen, wie man sich im Gefahrenfall verhält.

Turbulenzen im Flugzeug können verschiedene Ursachen haben. Eine davon sind Jetstreams. „Das sind Starkwindfelder in der oberen Troposphäre in acht bis zwölf Kilometer Höhe, die je nach Region und Jahreszeit unterschiedlich stark ausgeprägt sind“, erklärt der Luftfahrt-Ingenieur und Pilot Jens Heider vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Jetstreams entstehen durch horizontale Temperaturunterschiede in der Atmosphäre. „Weil diese aufgrund des Klimawandels zunehmen, wird davon ausgegangen, dass auch die Jetstreams stärker werden.“

In und um Gewitter können durch die aufsteigenden warmen und absinkenden kalten Luftmassen Turbulenzen entstehen - darum werden sie, wenn möglich, umflogen. Auch vorausfliegende Maschinen können durch Luftverwirbelungen für Turbulenzen sorgen.

Und auch die Topografie am Boden hat Einfluss. „Bergketten können das gesamte Luftpaket anheben“, so umschreibt es Heider. Das Risiko für Turbulenzen ist dann höher. Daten zeigen, dass die turbulentesten Flugrouten über Gebirge führen - in Europa kann es zum Beispiel besonders bei Flügen über die Alpen eher mal ruckeln.

Was ist eine Klarluftturbulenz?

Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes ist solch eine Turbulenz mit dem bloßen Auge nicht zu sehen, da es sich um eine Turbulenz in wolkenfreier Luft handelt. Sie wird durch das Aufeinandertreffen von signifikant andersartigen Luftmassen verursacht, die sich mit stark unterschiedlichen Geschwindigkeiten bewegen. Beim Zusammentreffen entsteht ein Bereich mit erhöhten Windgeschwindigkeiten.

Im Fachjargon seien diese eigentlich mit Jetstreams verbunden, so Heider. „Aber es ist eine Definitionsfrage.“ Auch Luftverschiebungen über Gebirgen sind oft nicht zu sehen. So viel ist aber klar: „Bilden sich Wolken, kann man nicht mehr von Klarluftturbulenzen sprechen.“

Wann werden Turbulenzen gefährlich?

Die Flügel biegen sich, die Kabine wird durchgeschüttelt - man könnte denken, dass ein Flugzeug bei starken Turbulenzen auseinanderbrechen könnte. Doch das sei angesichts der strengen und sehr auf Sicherheit bedachten Bauvorschriften für moderne Flugzeuge äußerst unwahrscheinlich, sagt Heider. „Nach allem, was man bisher über die bei Turbulenzen auftretenden Kräfte weiß, ist das sogar ausgeschlossen.“

Gefahr besteht im Innenraum des Flugzeuges, wenn Passagiere und Passagierinnen nicht angeschnallt sind oder durch ungesicherte Gegenstände. Dann kann es mitunter zu Verletzungen kommen. 

Lassen sich Turbulenzen vorbeugen?

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Wer während des gesamten Fluges angeschnallt bleibt, minimiert das Risiko für Verletzungen.

Über die Wetterinformation, die Pilotinnen und Piloten im Zuge der Flugvorbereitung bekommen, wissen sie zumindest oft schon, wo möglicherweise Turbulenzen zu erwarten sind und das berücksichtigen sie, wie Heider erläutert. Auch sind sie für entsprechende Fälle geschult und können manuell eingreifen. Sofern es geht, wird in Absprache mit der Flugsicherung versucht, kritische Windfelder zu umfliegen, indem man höher steigt oder niedriger, oder indem man eine andere Route wählt. 

Doch während Gewitter und Wolkenfelder mit erwartbar starken Winden über die Kontrollsysteme oft gut zu sehen sind, ist das mit Klarluftturbulenzen nicht immer der Fall. 

Welche Flugstrecke hat die meisten Turbulenzen?

Das Online-Portal „Turbli.com“ veröffentlicht eine jährliche Liste der turbulentesten Flugrouten. Grundlage für diese Einstufung war die durchschnittliche Turbulenz auf den Routen in der jeweils durchschnittlichen Reiseflughöhe, aber unabhängig von den Flugzeugtypen. Die turbulentesten Flugstrecken waren 2023 demnach:

Top 5 weltweit

  1. Santiago de Chile - Santa Cruz (Bolivien)
  2. Almaty (Kasachstan) - Bischkek (Kirgistan)
  3. Lanzhou (China) - Chengdu (China)
  4. Nagoya (Japan) - Sendai (Japan)
  5. Mailand (Italien) - Genf (Schweiz)

Top 5 europaweit

  1. Mailand (Italien) - Genf (Schweiz)
  2. Mailand (Italien) - Zürich (Schweiz)
  3. Genf (Schweiz) - Zürich (Schweiz)
  4. Marseille (Frankreich) - Zürich (Schweiz)
  5. Ljubljana (Slowenien) - Zürich (Schweiz)

5 hilfreiche Tipps bei Turbulenzen

1. Plätze einnehmen und anschnallen

Sicherheit geht vor: Sobald Turbulenzen auftreten, sollten sich Fluggäste umgehend auf ihren Platz begeben und sich anschnallen. Auch lose Gegenstände sollten verstaut werden. So beugen Sie möglichen Verletzungen und Gefahren vor. Empfehlenswert ist es, während des gesamten Fluges angeschnallt zu bleiben. Dazu rät auch der Branchenverband BDL.

2. Fakten kennen

Flugzeuge sind so gebaut, dass sie auch starken Turbulenzen standhalten. Turbulenzen und Luftverwirbelungen können dem Flugzeug daher nicht gefährlich werden. Auch Pilotinnen und Piloten und die Crew sind bestens geschult und in solchen Situationen routiniert. Kommt es zu Turbulenzen, kann es helfen, sich die vorausgegangenen Fakten vor Augen zu führen. 

3. Beruhigende Tätigkeit

Ablenkung kann immer hilfreich sein: Laden Sie sich vor dem Abflug entspannende Musik oder ein Hörbuch auf Ihr Mobiltelefon. Auch ein Gespräch mit Sitznachbar:innen empfinden manche Fluggäste als beruhigend. Meditations- oder Atemübungen bei geschlossenen Augen sind ebenfalls eine gute Möglichkeit, die Nerven zu entspannen. 

4. Vorab über mögliche Turbulenzen informieren

Wer herausfinden möchte, ob der nächste Flug ruhig oder ruckelig wird, kann dem Online-Portal „Turbli“ einen Besuch abstatten. Dort kann man den Start- und Zielflughafen eingeben und erhält für seinen Flug eine Turbulenzvorhersage in englischer Sprache. Das Angebot ist kostenlos.

5. Crew informieren

Wenn Sie das Angstgefühl nicht loslässt, ist es vollkommen legitim, die Crew zu Hilfe zu rufen. Die Flight Attendants sind erfahren und trainiert und ein kurzes Gespräch kann eine beruhigende Wirkung haben. Auch bei Fragen oder Wünschen steht Ihnen das Personal zur Seite. 

– mkr mit dpa

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