Lufthansa streicht Handgepäckskoffer: Das Problem liegt woanders!

Mit der Einführung eines neuen Low-Fare-Tarifs sorgt die Lufthansa für Diskussionen. Der Aufschrei sollte einem anderen Thema gelten, findet Merian-Redakteurin Mila Krull. 
Text Mila Krull
Datum24.04.2026

„Nicht mehr gratis“, titelt die Tagesschau und bezieht sich damit auf die jüngste Nachricht aus dem Hause Lufthansa. Ab dem 28. April führt die deutsche Fluggesellschaft einen neuen Einstiegstarif ein, der lediglich die Mitnahme eines persönlichen Gegenstandes erlaubt. Ein zweites Gepäckstück wie eine größere Tasche oder ein Cabin-Koffer ist künftig also nicht mehr automatisch inklusive. Die Kritik lässt nicht lange auf sich warten und flutet seit Bekanntwerden die Kommentarspalten.

Annäherung an konkurrierende Billigairlines, unangemessene Beschränkungen und ein internationaler Imageverlust – so lauten einige der negativen Reaktionen. Natürlich liegt es nahe, sich über steigende Kosten zu echauffieren. Wie es deutsche Verbraucher eben auch bei Benzin und Butter so gerne tun. Doch dass es angesichts der politisch außerordentlich angespannten Weltlage, der daraus resultierenden ökonomischen und logistischen Herausforderungen, der Inflation, des Personalmangels und des zurückhaltenden Reiseverhaltens früher oder später zu einem übergreifenden Preisanstieg in der Luftfahrt kommen wird, war absehbar und nur eine Frage der Zeit.

„Kostenloses Handgepäck ist verpflichtend. Eigentlich.“

Viel problematischer und ärgerlicher sind die zahlreichen Türchen, hinter denen Fluggesellschaften (übrigens nicht nur die Lufthansa, sondern auch viele andere namhafte Airlines) die Kostensteigerung schon seit einiger Zeit zu verstecken versuchen. Da wäre zum einen der Tarifdschungel, der, wie es sich eben für einen gesunden Dschungel gehört, immer wildere Formen und Auswüchse annimmt. Low-Fare-Economy, Basic Economy Pro, Economy Light, Premium Economy Plus, Pure Business Gold... Wer den günstigsten aller Tarife bucht, hat mittlerweile Glück, überhaupt noch einen Sitzplatz zu ergattern. Viel fehlt nicht mehr und Passagiere nehmen auf dem Gang zwischen Reihe 20 und 30 Platz, ein Erlebnis, welches bisher exklusiv Bahn-Reisenden vorbehalten war. 

Bereits jetzt sind Airlines per EU-Verordnung zu einer transparenten Preispolitik inklusive aller anfallenden Steuern und Gebühren angehalten. Auch ein kostenloses Handgepäckstück ist verpflichtend. Eigentlich. In der Praxis sieht das oft anders aus: Zwar zeigen Flugbuchungsportale und Gesellschaften mittlerweile tatsächlich den günstigsten verfügbaren Preis. Dass dieser schlussendlich auch auf dem erworbenen Ticket steht – ziemlich unwahrscheinlich!

Das liegt auch daran, dass diverse, bis dato als selbstverständlich geltende Dienstleistungen neuerdings mit Preisschildern versehen werden. Eine extra Handtasche? Kostenpflichtig. Ein Glas Wasser? 3,50 Euro bitte! Den vorgegebenen Sitzplatz ändern? Macht 14 Euro extra. 

„Dass Einsparungen unvermeidbar sind, verstehen alle“

Konkreter Vorschlag: Die Politik muss ran. Auch wenn die in Brüssel angestoßenen Verordnungen oft als störend empfunden werden, ist die Europäische Union außerordentlich gut darin, den aeronautischen Wettbewerb auszubalancieren, Passagierrechte zu stärken und Fluggesellschaften in die Pflicht zu nehmen. 

Eine feste Regelung, welchen Umfang, genauer gesagt welche Maße ein kostenloses Handgepäckstück haben sollte, wäre sinnvoll. Noch gibt es dazu seitens der EU keine klaren Vorgaben. Und eben hier liegt das Verbesserungspotenzial: Wie wäre es, wenn pro Flugklasse (Economy, Business, First) je drei festgesetzte Standards buchbar wären? Dieselben Maße, dieselben Leistungen, dieselben Pakete für jede Airline? Wie diese dann ihre Preise und Namen gestalten, liegt nach wie vor bei den Unternehmen. Nur so hätten Verbraucher eine Chance, Angebote transparent zu vergleichen und sich einen Weg durch den unaufhaltsam wuchernden Tarifdschungel zu bahnen. 

Dass Einsparungen unvermeidbar sind, verstehen alle. Statt die Preissteigerungen jedoch aufwändig zu verschleiern, würde offene Kommunikation helfen. Denn je verständlicher und nachvollziehbarer die Kosten für Passagiere sind, desto weniger Unmut rufen sie hervor.