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Städtereisen

Mexico City: Besondere Sehenswürdigkeiten in der Hauptstadt

Kunst und Kultur treffen auf Street Food und berüchtigte Clubs: Willkommen in Mexiko City. Wir geben Tipps für einen dreitägigen Trip in die Hauptstadt, die so viele Einflüsse und Epochen vereint.

Mexico City: Von vielen als künftiges Reiseziel auserkoren, von anderen direkt verworfen ob dem Ruf, der der Stadt vorauseilt. Schmutzig und laut soll Mexiko-Stadt sein, sagen die einen. Und in einigen Bezirken ist besondere Vorsicht geboten. Doch eines ist die Stadt sicherlich: überraschend. Wer sie besucht, will häufig nicht mehr weiterziehen – weil die Stadt ein besonderes Flair versprüht und viel mehr zu bieten hat, als ihre Reputation glauben lässt.

Das Zentrum des Landes liefert, was eine Weltmetropole ausmacht: Glanz und Geschichte, Prunk und Paläste, wilde Architektur, eine international gefeierte Gastroszene, Hoch- und Subkultur. 

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Centro Histórico und Zona Rosa

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Tourguide und Architektur-Kenner Santiago Garcia de Vinuesa rät dazu, die Erkundung Mexico Citys im historischen Zentrum zu beginnen. Am Zócalo, dem gewaltigen Hauptplatz, liegt der Geburtsort der Stadt: Tenochtitlán, die einstige Hauptstadt des Azteken-Reichs, deren Überreste heute unscheinbar daliegen. Die Ruinen des Templo Mayor werden hier überstrahlt von der größten Kathedrale des amerikanischen Kontinents, einst Symbol imperialer Macht der spanischen Eroberung.

Denn eines sollte nie in Vergessenheit geraten: Mexiko-Stadt wurde kolonialisiert und ausgebeutet. Spanische Kolonialist:innen eroberten im 16. Jahrhundert große Teile von Süd- und Mittelamerika; die Spuren sind bis heute sichtbar. Die leidvolle Geschichte der Mexikaner:innen sollte bei einer Reise und beim Bestaunen von Sehenswürdigkeiten also unbedingt anerkannt werden.

Mix aus verschiedenen Epochen

Bis Mitte des 19. Jahrhunderts umfasste das heutige historische Zentrum im Prinzip die ganze Stadt. „Deshalb gibt es hier so viele versteckte Juwelen und Gebäude aus allen Epochen“, sagt Santiago auf einem Streifzug. „Es ist ein hektisches Viertel, weil jeder zum Shoppen herkommt. Aber es ist auch sehr echt.“

Unbeholfen lässt man sich treiben vom Menschenstrom, schaut ständig nach links und rechts, obwohl die Autos immer nur aus einer Richtung kommen. Der disharmonische Sound der Organijeros – das sind Orgelspieler in Uniform – untermalt das chaotische Treiben angemessen.

Internationale Einflüsse in Mexiko City

Auf dem Weg in westliche Richtung passiert man eine Reihe imposanter Sehenswürdigkeiten, die gegen Ende des 19. Jahrhunderts entstanden – nach der Unabhängigkeit, unter der Regentschaft von General Porfirio Díaz. Damals orientierte sich die Oberschicht an Frankreich. Es entstanden prächtige Bauten im Jugendstil wie der Palacio de Hierro – ein gehobenes Einkaufszentrum – und das noble Gran Hotel Ciudad de México mit seinem bunten Dach aus Tiffany-Glas.

Der Palacio Postal, das alte Hauptpostamt, erinnert wiederum an einen venezianischen Palast. Und das Kulturzentrum Palacio de Bellas Artes zeigt einen wilden Mix aus Architektur-Stilen, von Neoklassizismus über Art Nouveau bis Art déco – typisch für Mexiko-Stadt.

Mexico Citys Architektur vereine so viele verschiedene Stile, weil die Führer:innen der Stadt sich so vieler Einflüsse bedient hätten, sagt Santiago. Sie wollten die Stadt europäischer machen. Sie ließen sich vom Lifestyle amerikanischer Vorstädte inspirieren. Aber sie schauten auch in die präkolumbianische Vergangenheit, um Identität zu finden. „All das, während man versuchte, modern und kosmopolitisch zu sein.“

Noch ein Tipp fürs Tagesprogramm: das Sekretariat für öffentliches Bildungswesen (Secretaría de Educación Pública). Dort können Besucher:innen Wandgemälde des Künstlers Diego Rivera bestaunen. Sie entstanden nach der mexikanischen Revolution Anfang des 20. Jahrhunderts. Rivera zählt zu den bedeutendsten Malern der Moderne in Mexiko.

Abendprogramm: Bars und Clubs

Wer abends nicht müde ist, sollte für mindestens einen Drink ins angesagte Viertel Roma ziehen. Dort empfiehlt sich ein Mezcal-Cocktail mit rauchiger Ananas in der Licorería Limantour, die auf der Liste der 50 besten Bars der Welt 2022 den vierten Rang belegte.

Zum Tanzen geht es anschließend in die Zona Rosa, Partyviertel und Magnet für die LGBTQ-Gemeinschaft. Hier liegen viele Schwulenbars und -clubs. Tagsüber locken die Kunstgalerien in der Nachbarschaft. Antiquitätengeschäfte präsentieren steinerne Löwen, Jesus-Gemälde, Mahagoni-Sekretäre mit goldenen Intarsien und Stühle im Louis-XIV-Stil. Zugegeben, nichts fürs Handgepäck.

Übrigens: Stadtführungen von Einheimischen finden Sie bei Gyde & Seek.

Kunst und Kultur in Mexiko-Stadt

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Die Viertel Roma und Condesa ziehen mit ihren Brunch-Lokalen, Boutiquen und würdevoll abgerockten Häuserfassaden etliche Besucher:innen an. Am besten flaniert man durch die Straßen, schaut und entdeckt. Im Parque Mexico kann man auf einer Bank etwas Energie tanken. Roma und Condesa sind natürlich komplett aufgewertet und für mexikanische Verhältnisse sehr teuer.

Eine Mittagsempfehlung für den zweiten Reisetag ist das Fischrestaurant Contramar, wo virtuose Kellner:innen ausgezeichnetes Thunfisch-Sashimi servieren – sofern man einen Platz bekommt. Hier speisen und palavern erfolgreiche Bohemiens und alle anderen, die es geschafft haben – Kreative mit dicken Ringen und schmalen Bärten, Society-Damen mit XXL-Sonnenbrillen, aber auch gewöhnliche Geschäftsleute.

Eine andere Adresse, die häufig empfohlen wird, ist der Mercado Roma. Der Food Market bietet unter anderem Tacos, Paella, Ceviche, vegane italienische Snacks und bunte Smoothies. Die Markthalle könnte so allerdings in nahezu jedem Hipster-Viertel von Bushwick bis Berlin-Kreuzberg stehen, was sie im Grunde austauschbar macht.

Kulturelle Highlights rund um den Park Chapultepec

Nicht weit entfernt liegt der große Stadtpark Chapultepec. Wer dort die Flaniermeile mit den fliegenden Händler:innen meiden möchte, findet Ruhe auf einsamen Spazierwegen. Springbrunnen plätschern, ein Pferdekarussell steht still, Eichhörnchen klettern Bäume hinauf. Ein Arbeiter schläft in einer Schubkarre. Der Autolärm ist angenehm fern.

Nur zum Faulenzen ist die Gegend allerdings zu interessant. Rund um den Park befinden sich mehrere kulturelle Highlights, allen voran das imposante Nationalmuseum für Anthropologie (Museo Nacional de Antropología). Sehenswert sind auch die Museen für moderne und zeitgenössische Kunst (Museo de Arte Moderno und Museo Tamayo) und die Casa Barragán, einstiges Atelier des Architekten Luis Barragán.

Das Castillo de Chapultepec geht als Kuriosum durch. Einst von den spanischen Kolonialherren erbaut, diente das Schloss Maximilian I. ab 1864 als kaiserliche Residenz. Der Österreicher wurde wiederum von den Franzosen, die sich in Mexikos innere Angelegenheiten einmischten, als Marionetten-Regent eingesetzt. Und drei Jahre später umgebracht. Heute befindet sich im Schloss ein historisches Museum.

Colonia Polanco

Wer noch nicht genug Kunst gesehen hat, besucht das Nobelviertel Polanco nördlich des Parks. Dort wartet das avantgardistische Museo Soumaya, ein Prestigeprojekt des mexikanischen Milliardärs Carlos Slim, mit Bildern bedeutender Maler:innen Europas – und der größten Skulpturensammlung des Bildhauers Auguste Rodin. Gleich nebenan steht das Museo Jumex mit zeitgenössischen Werken von Warhol bis Naumann.

In Polanco lebt die Oberschicht. Deshalb sehen Sie hier gefühlt überall Sicherheitsleute, Strom und Stacheldraht an den Häusern, Dogwalker:innen und Straßenfeger:innen. Wer hier viel hat und wer gerade so durchkommt, sieht man auf den ersten Blick. Es kommt zu absurden Szenen: Vor einem Designershop warnt ein Wachmann – schnell zur Seite treten! Der Boden bewegt sich plötzlich, aus einer unterirdischen Garage fährt ein SUV nach oben.

Freunde des Fine Dining reservieren in Polanco einen Tisch im Pujol, einem der angesagtesten Restaurants der Welt.

Street Food in Mexiko-Stadt

Das Kontrastprogramm zur Sterneküche bietet eine abendliche Street-Food-Tour. Guide Clarissa Obregón schätzt, dass die Mehrheit der Mexikaner:innen auf der Straße isst. Die meisten arbeiteten sechs Tage die Woche, die Zeit sei also knapp. „Deshalb brauchen wir gutes Street Food.“ Und das findet man in Mexico City an jeder Ecke.

Los geht's in Condesa mit Tortas de cochinita pibil, Sandwich mit geschmortem Schweinefleisch. Weiter in Richtung San Rafael, einst Villenviertel, heute Mittelklasse: Ein Straßenverkäufer, der durch Youtube bekannt wurde, macht Tacos Campechanos mit Chorizo und Rind.

Dann ab in eine düstere Pulqueria, wo das gewöhnungsbedürftige Nationalgetränk Pulque aus fermentiertem Saft in drei Versionen serviert wird. „Es heilt gebrochene Herzen“, sagt Clarissa. Na dann!

Auf dem Mercado de San Cosme geht's weiter mit frittierten Quesadillas, dann folgen Tamales, gefüllter Maisteig und Atole, ein schwerer, heißer Drink, der ebenfalls aus Mais hergestellt wird. In Santa Maria wartet der Stand von Aaron mit Hühnchen plus Mole, einer klebrig-köstlichen Soße aus mehr als 40 Zutaten. Obwohl der Magen dicht macht, isst man weiter, einfach weil's so vorzüglich schmeckt. Mezcal hilft.

Übrigens: Street-Food-Touren von Einheimischen können Sie über Eat Like a Local buchen.

Relaxen in Coyoacán

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Zeit für etwas Entspannung am dritten Tag. Dafür empfiehlt sich das eher gemütliche Viertel Coyoacán im Süden. Touristenmagnet ist dort das kobaltblaue Frida-Kahlo-Museum, Geburtshaus und Wirkungsstätte von Mexikos berühmtester Künstlerin, auch Casa Azul genannt.

Von dort lohnt ein ausgedehnter Spaziergang bis hinab zur ältesten Universität des Kontinents, der Universidad Nacional Autónoma de México (UNAM). Der Campus zählt zum Unesco-Weltkulturerbe. Fotomotiv ist die mit Wandbildern verzierte Zentralbibliothek.

Unterwegs läuft man vorbei an alten VW-Käfern und netten Cafés in verschlafenen Hinterhöfen. Manche Mauern sind von Blumen überwuchert, andere verbergen enormen Wohlstand. Straßenverkäufer:innen bauen morgens ihre Stände auf, im Park spielt eine Band, Menschen führen ihre Hunde aus. Tipp: Im Artesanías-Markt gibt es schöne Souvenirs.

Durch die Kanäle von Xochimilco

Am Nachmittag empfiehlt sich dann eine Tour durch die Kanäle von Xochimilco, einst angelegt für die Landwirtschaft, heute beliebtes Ausflugsziel. Rund 1500 Trajineras gondeln vorbei an künstlichen Inseln. Sie transportieren Großfamilien, Pärchen und Tourist:innen. Auf den bunten Booten wird gefeiert, getrunken und geschmust. Schwimmende Händler:innen verkaufen Bier und Snacks. Je tiefer man in das Netz aus Wasserwegen hineinfährt, desto ruhiger wird es.

Grotesker Höhepunkt ist die Isla de las Muñecas, die Insel der Puppen, die, teilweise schaurig verwittert, zu Dutzenden in den Bäumen hängen. Der Legende nach ertrank hier ein Mädchen. Ein Fischer fand die Leiche und daraufhin immer wieder angetriebene Puppen, die er aufhängte, um den Geist des toten Mädchens zu vertreiben.

Das hört sich unheimlicher an, als es vor Ort am Ende aussieht – genauso wie ein Besuch von Mexico City selbst.

Informationen zur An- und Einreise

Von Frankfurt aus bietet Lufthansa Direktflüge nach Mexico-Stadt an. Vom internationalen Drehkreuz Cancún in Yucatán starten täglich günstige Inlandsflüge in die Hauptstadt.

Deutsche Staatsangehörige brauchen für die Einreise nach Mexiko einen gültigen Reisepass. Eine ausgefüllte Touristenkarte muss bis zum Ende der Reise aufbewahrt werden.

Sicherheitshinweise für Mexico City

Das Auswärtige Amt listet mehrere Bezirke von Mexiko-Stadt in den Reisehinweisen. Besondere Vorsicht ist demnach in den Bezirken Tepito, Doctores, Lagunilla, Venustiano Carranza, Gustavo A. Madero und Iztapalapa geboten. Auch in wohlhabenderen Gegenden kann es zu Straftaten kommen. Generell wird empfohlen sich tagsüber zu bewegen, in großen Menschenmengen besonders aufmerksam zu sein und sich nicht allein auf den Weg zu machen. Bargeld und andere Wertgegenstände sollten möglichst nicht am Körper getragen werden, auf auffälligen Schmuck sollten Tourist:innen ebenfalls verzichten. Die vollständigen Sicherheitshinweise für Mexiko lesen Sie auf der Webseite des Auswärtigen Amts. 

Wann ist der beste Reisezeitpunkt für Mexiko City?

Die Trockenzeit von November bis Mai gilt als beste Reisezeit für Mexiko. Tagsüber ist es dann warm, aber nicht heiß. Nachts kühlt es spürbar ab.

- dpa

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