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Natur

Schwimmende Schweine und Schnorchelreviere: Die Inselwelt Exuma

Türkisblaues Wasser, weiße Traumstrände und schwimmende Schweine: Die Inselwelt Exuma auf den Bahamas ist ein paradiesisches Urlaubsziel. Doch es gibt auch Schattenseiten. Merian gibt Tipps für die Reise.

Datum 11.12.2023

Im letzten Tageslicht setzt die kleine Propellermaschine auf – Ankunft am Exuma International Airport auf Exuma, der Heimat der „swimming pigs“. Tourismusziele werden immer einfallsreicher im Marketing, im Fall der zu den Bahamas zählenden Inselkette sind es also schwimmende Schweine, die Reisende anlocken sollen.

365 Inseln zählt Exuma, sie ziehen sich nordöstlich von Kuba über eine Länge von 190 Kilometern durchs Meer. Der ganze Staat Bahamas besteht aus über 3.000 Eilanden, zählt man die „Cays“ genannten Riffe hinzu. 

Der Anblick beim Landeanflug ist jedenfalls spektakulär: Das Meer schimmert zum Abend mal mintgrün, mal himmelblau, mal türkis, mal saphirblau. Darin sind die vielen Inseln als grüne Farbtupfer zu sehen. Schweine sind noch nicht in Sicht.

Der Distrikt Exuma gehört zu den Out Islands. Er ist rund eine Flugstunde von Nassau, der Hauptstadt der Bahamas auf der Insel New Providence, entfernt. Dort und auf Gran Bahama leben die meisten Menschen – doch auf den äußeren Inseln regiert die Gemächlichkeit. 

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Exumas bezaubernde Inselwelt: Private und unbewohnte Eilande

Blick auf Great Exuma (Bahamas) © iStock/yujie-chen
Bezaubernd: der Blick auf Great Exuma (Bahamas).

Viele der Out Islands sind dünn besiedelt, die meisten gänzlich unbewohnt. Die Strände sind über Kilometer oft menschenleer, die Buchten und Riffe nicht minder einsam. Kein Wunder, dass Segler:innen und Tauchende die Gegend gerne aufsuchen.

Karibische Gelassenheit ist auch auf Great Exuma und Little Exuma spürbar, immerhin von rund 3.600 Menschen bevölkert. Hinzu kommen die Tourist:innen, die auf den beiden Inseln die meisten Unterkünfte vorfinden. Als existierten keine Termine mehr, als gäbe es den schnellen Pulsschlag der globalisierten Welt nicht, vertreiben sie sich entspannt die Zeit beim Schwimmen, Schnorcheln, Kajakfahren oder Golf.

Oder mit einem Bootstrip. Ein Tagesausflug zu einer der unbewohnten Exuma-Inseln, typisch aus Korallen- und Sandsteinablagerungen entstanden, steht auf dem Programm. Früher nutzten Piraten Rückzugsorte wie solche als Versteck und Startpunkt für neue Beutezüge. Heute hat sie eine andere Klasse in Beschlag genommen, einige der Inseln sind in Privatbesitz.

Exuma: Exklusives Urlaubsziel der A-Prominenz

„Die Insel da vorn gehört dem Zauberkünstler David Copperfield“, sagt Justin Lighthouse, der seine Gäste als Skipper vom Anbieter Exuma Water Sports mit an Bord genommen hat. Er deutet auf einen der Farbtupfer im Meer.

Viel zu sehen ist nicht: vier Liegestühle am Strand, eine Holzplattform auf Stelzen und ein Bediensteter in heller Uniform, der lächelnd zum Boot herüber winkt – alles Weitere versteckt sich im Dickicht von Musha Cay.

Aber Lighthouse legt eine Zahl offen: Über 50.000 Dollar ließen sich betuchte Urlauber:innen die Nacht kosten. „Promis wie Madonna oder John Travolta genießen regelmäßig die Privatsphäre hier“, sagt er. Noch mehr Geld ließ Google-Gründer Sergey Brin springen. Er feierte 2007 seine Hochzeit auf der Insel.

Thunderball-Grotte: Besondere Sehenswürdigkeit auf Exuma

Thunderball Grotto, Schnorcheparadies auf den Bahamas © IMAGO/Pond5 Images
Einer der beliebtesten Schnorchelspots auf Exuma ist die Thunderball-Grotte.

Immer tiefer fahren wir hinein in den Exuma Cays Land- und See-Nationalpark. Ziel: Big Mayor Cay, die Schweineinsel. Endlich. Doch Kapitän Justin macht es spannend – und legt einen Zwischenstopp an der Thunderball-Grotte ein. 

Vor über 60 Jahren drehte die James-Bond-Crew hier rasante Verfolgungsszenen für „Feuerball“, später auch für das Remake „Sag niemals nie“. Kleine Wellen brechen sich am versteckten Eingang der Höhle.

Auf Bonds Spuren schwimmen die Schnorchler:innen hinein. Blaugelbe Engelsfische und gestreifte Riffbarsche gleiten durchs Wasser. In den Schwanzflossen der zahllosen Gelbschwanz-Schnapper funkelt das Licht, das durch ein Loch in der Höhlendecke einfällt.

Big Mayor Cay, die Schweineinsel

schwimmendes Schwein, Exuma © iStock/mr-fox
Exuma ist mittlerweile insbesondere für die schwimmenden Schweine bekannt.

Dann ist wieder Land in Sicht: Big Mayor Cay. Und auch wir werden entdeckt. Kaum nehmen sie die Ankömmlinge wahr, beenden die Schweine am Strand ihren Powernap. Flink rennen die ersten auf ihren kurzen Beinen ins Wasser und schwimmen dem Boot entgegen. Die Borstenviecher sind es mittlerweile gewöhnt, von Tourist:innen und Einheimischen mit Brot, Obst oder Gemüse gefüttert zu werden.

Wie die Schweine auf die Insel gelangten, darum ranken sich Legenden. Eine Variante: Sie wurden von Seeleuten, die sie später essen wollten, zurückgelassen. Eine andere besagt: Die Tiere retteten sich von einem Schiffswrack auf die unbewohnte Insel. Vielleicht wurden sie aber auch als Touristenattraktion hier angesiedelt. Berühmt wurden die Vierbeiner jedenfalls auch durch ihren Auftritt in „Germany's Next Topmodel“.

„Die Möhren auf der flachen Hand anbieten und unbedingt die Hände über Wasser halten, wenn ihr kein Futter habt“, erklärt Kapitän Justin. Das ist ein guter Tipp, jetzt, da das Gewusel aus Schweineschnauzen, Schweineohren und wild rudernden Schweinebeinen um die Tourist:innen herum, die sich bis zum Bauchnabel ins warme Meerwasser gewagt haben, unübersichtlich geworden ist.

Um als Erste an die Leckereien zu kommen, sind die Tiere nicht zimperlich: Die großen stoßen die kleineren beiseite, und wer nicht aufpasst, kassiert einen Huftritt.

Bezaubernde Tierwelt auf den Exuma-Inseln der Bahamas

Rock Iguana, Leguan auf Exuma © IMAGO/Danita Delimont
Die Rock Iguanas, die heimischen Leguane, sind gefährdet.

Weitere tierische Population erwartet die Reisenden: Auf Allen's Cay sind es die Rock Iguanas, Minidrachen mit winzigen Rückenstacheln. Die dackelgroßen Leguane standen einst vor ihrer Ausrottung. Heute sind sie zwar noch gefährdet, beflügeln aber ebenfalls den Fremdenverkehr.

Vor Compass Cay warten Ammenhaie. Auch sie haben sich vor Ort an die Tourist:innen gewöhnt. Schon am hölzernen Anleger tummeln sie sich und lassen sich von Schwimmenden und Schnorchler:innen streicheln. Bis über vier Meter groß werden die Meeresbewohner, die sich Menschen gegenüber in aller Regel friedlich verhalten.

Exuma (Bahamas): Die Schattenseite des Tourismus

Von den Veranstaltern arrangierte Fütterungen sind an der Tagesordnung – auch in der Inselwelt von Exuma. Tier- und Umweltschutzorganisationen wie der WWF sehen diese Praxis grundsätzlich jedoch kritisch. Insbesondere das Anfüttern oder Berühren der Tiere könne zu Veränderungen im Ökosystem und zu erhöhtem Stress für die Tiere führen. Zu viel oder falsch betriebener Tourismus zerstöre letztlich die Ressource, von der die Branche lebt.

Auch vor Stocking Island scheinen Warnsignale wie solche noch kaum beherzigt. Dort werden zum Beispiel Schachteln mit Schneckenfleisch verkauft, das sich die dort vorkommenden Stachelrochen schmecken lassen sollen, die sogleich im knöcheltiefen Wasser den Tourist:innen um die Beine schwirren. Den Snack saugen die elegant schwebenden Knorpelfische den Gönnenden einfach von der Handfläche.

Während Skipper Lighthouse nur die augenfälligen Sorgen zerstreut, die Rochen stächen in der Regel nur, wenn sie sich bedroht fühlten, kommt manchem Gast die Erkenntnis: Auf den Bahamas ticken die Uhren zwar anders, aber ein großer Streichelzoo ist auch die exotische Inselwelt der vom Alltag entrückten Exuma-Inseln nicht.

Exuma-Inseln: Anreise, Unterkünfte und mehr

An- und Einreise: Nassau wird von verschiedenen internationalen Fluggesellschaften angeflogen. Ab dort gibt es täglich zwei Flüge mit Bahamasair nach George Town auf Great Exuma. Ab Fort Lauderdale gibt es ebenfalls Direktflüge dorthin. Deutsche Reisende benötigen einen Reisepass, der bei Einreise noch drei Monate gültig ist.

Unterkünfte: Das Angebot im Distrikt Exuma reicht von Strandbungalows über Inselvillen bis zu Boutiquehotels und Luxusresorts.

Sprache: Offizielle Amtssprache ist Englisch.

Weitere Informationen finden Interessierte hier.

-Simone Spohr,dpa

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